Länderbericht Madagaskar

Junge Schwester im Ausbildungszentrum.

Junge Schwester im Ausbildungszentrum.

Einwohner: 20,1 Millionen

Fläche: 587 041 qkm

Religion:
Animisten: 48,9 Prozent
Christen: 48,5 Prozent (darunter 5,9 Millionen Katholiken)
Muslime: 2 Prozent
Sonstige: 0,6 Prozent

In der Verfassung ist Religionsfreiheit festgelegt, und sie wird vom Staat im Allgemeinen auch respektiert. Alle religiösen Gruppen sind verpflichtet, sich beim Innenministerium zu registrieren, müssen jedoch für die Registrierung mindestens hundert Mitglieder madagassischer Staatsangehörigkeit nachweisen.

Durch die Anerkennung erhält die Organisation einen autonomen legalen Status, der es ihr ermöglicht, Besitz zu erwerben und Spenden entgegenzunehmen. Gruppen, die die Registrierung des Innenministeriums nicht erhalten, können sich als Vereinigung registrieren lassen. Sie dürfen dann jedoch weder Zuwendungen und Spenden empfangen noch religiöse Veranstaltungen abhalten, sondern sind lediglich zu sozialen Aktivitäten berechtigt.

Regierungsangaben zufolge gibt es jedoch Hunderte religiöser Gruppen, die ihren Aktivitäten ohne jegliche Anerkennung – noch nicht einmal als einfache Vereinigung – nachgehen. Gelegentlich kommt es zu Anzeigen wegen religiöser Diskriminierung, im Allgemeinen von Muslimen, die meinen, sie seien in Schulen, Krankenhäusern oder am Arbeitsplatz ungleich behandelt worden.

Während der Regierung des früheren Präsidenten Marc Ravalomanana gab es Beschuldigungen, er „begünstige“ die Reformierte Evangelische Kirche Jesus Christus (FJKM) in Madagaskar, der etwa 3,5 Millionen der 20 Millionen zählenden Bevölkerung angehören (Quelle, Ekklesia) und deren stellvertretender Laienvorsitzender vormals Ravalomanana war; zu solchen Anschuldigungen kam es unter anderem auch deswegen, weil er gelegentlich äußerte, er wolle das Land in einen „christlichen Staat“ verwandeln.

So äußerte zum Beispiel Pfarrer Christian Bonnet, Generalsekretär des evangelischen Französischen Missionswerks Défap, die FJKM sei zu regierungsnah und Ravalomanana benutze diese Kirche dazu, seine eigene politische Stellung zu stärken.

Nach dem Staatsstreich im März 2009, bei dem Ravalomanana gestürzt und von einer vorläufigen Regierung unter der Leitung des Oppositionsführers Andry Rajoelina abgelöst wurde, die bis zu den nächsten Wahlen regiert, bekundete die FJKM ihre Angst vor Repressalien. Am 17. März 2009 schlugen Soldaten der selbsternannten Übergangsregierung Pastor Lala Rasendrahasina, den Vorsitzenden der FJKM, zusammen und inhaftierten ihn.

Dieser Angriff war allem Anschein nach weniger auf religiöse Gründe als vielmehr auf die Tatsache zurückzuführen, dass der Pastor dem abgesetzten Präsidenten Ravalomanana nahestand. Er wurde zwar am folgenden Tag freigelassen, stand aber danach monatelang unter Hausarrest und zeigte sich lediglich bei einem einzigen Anlass, einer Neujahrsfeier am 17. Januar 2010, in der Öffentlichkeit. Bei dieser Gelegenheit sagte er, die FJKM habe weiterhin Probleme mit dem neuen Regime.

Das neue Regime verurteilte weder den Angriff auf den Pfarrer, noch zog es die Verantwortlichen zur Rechenschaft. Die FJKM berichtete, am 8. Januar 2010 seien zwei Journalisten ihres Radiosenders Fahazavana verhaftet worden: der Chefredakteur Didier Ravohangiharison und der Reporter Lolo Rasimba. Ihnen wurde vorgeworfen, an der versuchten Armeerevolte im Dezember 2009 beteiligt gewesen zu sein. Später wurde die Radiostation auf Anordnung der Behörden geschlossen.

Abgesehen von dem Fall der FJKM hat das neue, von der Armee eingesetzte Regime offenbar die Religionsfreiheit im Land nicht eingeschränkt. Es ist jedoch sehr darum bemüht, die Aktivitäten religiöser Gruppen genau abzustecken, mit dem Ziel, sie von der Politik fernzuhalten, und greift ohne Zögern entschlossen ein, wenn diese Grenzlinie von religiösen Gruppierungen oder Persönlichkeiten überschritten wird.

Christen

Im April 2009 wurde die Erlaubnis erteilt, dass die Kirche der Neuen Protestantischen Kirche von Madagaskar, die 2005 geschlossen worden war, wieder geöffnet werden konnte. 2007 durfte die FPVM sich mit einem neuen Namen und unter neuer Leitung neu organisieren.

Katholiken

Die katholische Radiostation Radio Don Bosco berichtete, dass in der Nacht vom 12. März 2009, wenige Tage vor dem Staatsstreich, unbekannte Täter versucht hatten, die Residenz von Msgr. Odon Marie Arsène Razanakolona, dem Erzbischof von Antananarivo, in Brand zu setzen, und nur durch das Eingreifen der Polizei gestoppt werden konnten. Gemäß der von der Agentur Fides zitierten Quelle „bleibt die Situation angespannt, teils auch deswegen, weil der politische Konflikt Gefahr läuft, in eine religiöse Auseinandersetzung auszuarten“.

Im Juli 2009 erhielt der französische Jesuitenpriester Pater Sylvain Urfer, der 2007 ohne Erklärung vom Innenministerium abgeschoben worden war, die Erlaubnis, nach Madagaskar zurückzukehren. Präsident Ravalomanana hatte keine weiteren Erklärungen dazu abgegeben, noch nicht einmal hinterher, obwohl er von verschiedenen religiösen Organisationen, einschließlich der Bischöfe von Madagaskar, direkt darauf angesprochen worden war. Die Übergangsregierung hat nun die von der vorherigen Regierung annullierte Aufenthaltserlaubnis des Jesuitenpriesters, der seit 33 Jahren im Land lebte, wieder erneuert.

Quellen
Fides news agency
BBC
U.S. Department of State, Annual Report on International Religious Freedom, ed. 2009; ed. 2010′
www.actumada.mg
www.ekklesia.co.uk
United Reform Church website www.urcwales.org.uk
www.globalvoicesonline.org

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2010)

15.Jul 2009 11:53 · aktualisiert: 12.Jun 2012 15:54
KIN / S. Stein