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Jahresauftaktveranstaltung von KIRCHE IN NOT in Köln

Jahresauftaktveranstaltung von KIRCHE IN NOT in Köln

Begegnungstag für Freunde und Wohltäter des Hilfswerks

09.02.2026 aktuelles
Am 7. Februar sind rund 200 Freunde und Wohltäter von KIRCHE IN NOT im Maternus­haus in Köln zusammengekommen. Im Mittelpunkt der Jahresauftaktver­anstaltung standen das Menschenrecht auf Religionsfreiheit und die aktuelle Situation in Syrien.

 

Als Experte war Thomas Rachel, Beauftragter der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, eingeladen. Er berichtete über seine Aufgabe, die beim Auswärtigen Amt angesiedelt ist, und seine Erfahrungen von Reisen und Gesprächen.

Ausdrücklich lobte Rachel die weltweite Arbeit von KIRCHE IN NOT. Insbesondere stellte er den Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ heraus, den das Hilfswerk alle zwei Jahre herausgibt, zuletzt im Herbst 2025. Dieser sei wegen der „hervorragenden Analyse mit Fallbeispielen“ auch für seine Arbeit wichtig.

Thomas Rachel, Beauftragter der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, bei der Jahresauftaktveranstaltung von KIRCHE IN NOT.
Die wichtigsten Ergebnisse dieser Studie stellte KIRCHE-IN-NOT-Mitarbeiter André Stiefenhofer zu Beginn der Veranstaltung vor. Demnach werde in 62 der 196 untersuchten Ländern die Religionsfreiheit verletzt. In 24 Staaten gebe es religiöse Verfolgung, entweder seitens des Staates oder durch Terrorgruppen. In 38 Ländern kommt es zu Diskriminierungen, zum Beispiel Ausschluss bestimmter Religionsgruppen von politischen Ämtern.

 

„Religionsfreiheit hat mit der Identität des Menschen zu tun“

Rachel plädierte dafür, dass der Faktor Religion stärker in die Außenpolitik eingebunden sein sollte. Schließlich sei Religion für 4 von 5 Menschen weltweit ein wichtiger Bestandteil. „Religionsfreiheit hat mit der Identität des Menschen zu tun“, so der 63-Jährige. Bei Reisevorbereitungen des Außenministers oder Bundeskanzlers ins Ausland sei dies auch immer Thema.

Podiumsgespräch mit Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, Thomas Rachel, Beauftragter der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, und Moderator André Stiefenhofer.
Doch er stelle fest, dass der Druck auf das Menschenrecht Religionsfreiheit weltweit zunehme. Eine ernsthafte Bedrohung seien neben dem Autoritarismus auch ein zunehmender religiöser Nationalismus. Mit weitreichenden Folgen: Die Eskalation extremistischer Gewalt führe zu einer Destabilisierung der Gesellschaft und diese wiederum zu mehr Flucht und Vertreibung.

 

Menschenrecht auf Religionsfreiheit zunehmend unter Druck

„Doch wir müssen auch vor unserer eigenen Haustüre schauen“, mahnte der CDU-Politiker. „Auch hierzulande haben antisemitische und antimuslimische Vorfälle massiv zugenommen. Es ist an der Zeit, dass sich demokratische Kräfte in der Bundesrepublik Deutschland und im Ausland äußern und sich für die Stärke des Rechts einsetzen.“

„Wir haben eine Weltunordnung“, ist der Eindruck von Thomas Rachel von seinen zahlreichen Reisen und internationalen Treffen. Man könne sich nicht mehr auf langjährige Partner und Verbündete und eine gemeinsame Wertegemeinschaft verlassen.

Pater Fadi Azar, Franziskaner aus Syrien, berichtete über die aktuelle Lage in seinem Heimatland, besonders über das Leben der Christen.
Dennoch müsse man in Bezug auf Menschenrechte immer im Gespräch bleiben und Gemeinsamkeiten herausarbeiten. „Reden und vernetzen: höflich im Ton, klar in der Sache“, sagte Rachel. Der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, Florian Ripka, ergänzte, dass christliche Werte Grundlage der Menschenrechte seien. „Menschen sind gleich viel wert“, so Ripka. Er dankte Thomas Rachel, dass er durch seine Position weltweit darauf aufmerksam mache. „Wenn Sie etwas sagen, hat es Gewicht.“

 

Situation für Christen in Syrien weiterhin unsicher

Als Gast der Weltkirche war in diesem Jahr der Franziskanerpater Fadi Azar aus Syrien bei der Jahresauftaktveranstaltung des Hilfswerks. Er schilderte die aktuelle Situation in seinem Heimatland, insbesondere die der christlichen Minderheit. Etwa 10 Prozent der Einwohner sind Christen. Die Lage in Syrien sei auch nach dem Sturz des Assad-Regimes weiterhin sehr instabil und unsicher. „Wir leben von Tag zu Tag, von Minute zu Minute.“ Strom gebe es nur für zwei bis drei Stunden am Tag.

Ausdrücklich dankte er den Wohltätern von KIRCHE IN NOT für die notwendige und kontinuierliche Unterstützung. „Ohne Ihre Hilfe könnten die Menschen nicht leben“, sagte der Franziskanerpater. Er hoffe weiterhin auf die großzügige Unterstützung der Wohltäter, denn nach 15 Jahren Bürgerkrieg, einem schweren Erdbeben im Jahr 2023 und dem Regierungswechsel seien die Menschen, vor allem die Christen, weiterhin auf Hilfe angewiesen.

Pater Anton Lässer während seines Impulsreferats „Märtyrer, Glaubenszeugen – und ich?“
KIRCHE IN NOT sei in allen großen Städten des Landes aktiv. Es helfe den Priestern mit Mess-Stipendien, unterstütze die medizinische Hilfe, die Verteilung von Lebensmittelpaketen, kirchliche Krankenhäuser und Schulen, Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche und Stipendien für Schülerinnen und Schüler.

 

Kirchen müssen bewacht werden

Insbesondere seit dem Anschlag auf eine griechisch-orthodoxe Kirche in Damaskus im Juni 2025 mit mehr als 20 Toten und 50 Verletzten sei die Sorge der Christen im Land groß. „Wir fühlen uns nicht mehr sicher.“ Es gebe christenfeindliche Graffiti. Gottesdienste und Kirchen müssten von der Polizei und Gläubigen bewacht werden. „Wir werden wegen unseres Glaubens angegriffen, aber wir haben keine Angst. Das ist die Mentalität der Christen im Nahen Osten. Syrische Christen sind seit 2000 Jahren Syrer. Wir sind Teil des Landes und lassen uns nicht aus der Heimat vertreiben“, so Pater Fadi.

Die Veranstaltung im Kölner Maternushaus endete mit einem Impulsvortrag des kirchlichen Assistenten von KIRCHE IN NOT International, Pater Anton Lässer CP, zum Thema „Märtyrer, Glaubenszeugen – und ich?“ Er rief die Wohltäter auf, sich zu ihrem Christsein zu bekennen und Zeugnis von Jesus zu geben. „Religionsfreiheit ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein hohes Gut“, so Lässer.

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