„Wenn wir als Kirche auf junge Menschen zugehen, neigen wir oft dazu, die Dinge für sie spannend zu machen, an ihre Gefühle zu appellieren, an das, was gerade angesagt ist, an das, was ihnen gefällt. Aber das bleibt meist sehr oberflächlich“, erklärte Malzaire. „In der Kirche muss es um mehr gehen als nur um Gefühle.“
Das Land, eine ehemals französische und später britische Kolonie, erlangte 1979 seine Unabhängigkeit; Staatsoberhaupt ist nach wie vor der britische König Charles III. Die rund 190 000 Einwohner zählende ostkaribische Insel gehört zu den Regionen, die regelmäßig von schweren Tropenstürmen betroffen sind.
Der Erzbischof verwies darauf, dass sich die religiöse Landschaft auf St. Lucia in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert habe. Während die Insel früher nahezu ausschließlich katholisch geprägt gewesen sei, machten Katholiken heute nur noch etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus, während Säkularismus und evangelikale Kirchen an Einfluss gewinnen. Die Erzdiözese Castries umfasst den gesamten Inselstaat St. Lucia.
Malzaire sprach auch über die regelmäßigen Naturkatastrophen, mit denen die Menschen in der Karibik leben müssen. Die Hurrikansaison gehöre für viele Inselbewohner zum Alltag. Als ehemaliger Bischof im Inselstaat Dominica, ebenfalls Kleine Antillen, habe er selbst erlebt, wie ein Hurrikan innerhalb weniger Stunden ganze Landstriche verwüstete. „Als ich mit dem Boot zurückkehrte, sah ich von Weitem nur ein Stück grauen und braunen Fels – und erkannte, dass es die Insel war. Sie war völlig verwüstet“, erinnerte er sich.
Mit Blick auf die Zukunft der Kirche nannte Malzaire vor allem eine bessere Glaubensunterweisung und eine stärkere Kommunikation als wichtige Aufgaben. Die Ortskirche benötige mehr Möglichkeiten zur Evangelisierung und zur Förderung von Berufungen. KIRCHE IN NOT unterstützt die Kirche in der Karibik unter anderem durch Hilfen für die Priesterausbildung und pastorale Projekte zur Glaubensweitergabe.
Seine eigene Berufung sei bereits in jungen Jahren gewachsen. Aufgewachsen in einer gläubigen Familie mit elf Kindern auf St. Lucia, habe er schon als Zehnjähriger den Wunsch verspürt, Priester zu werden. Trotz anfänglicher Zweifel wurde er Priester und später einer der führenden Kirchenvertreter der Karibik. Von Kindheit an begleite ihn das Stoßgebet: „Herr, dein Wille geschehe.“ Dieses Vertrauen habe ihn durch sein gesamtes priesterliches Leben getragen, sagte der Erzbischof.
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