Spenden
Karibischer Erzbischof: „In der Kirche muss es um mehr gehen als nur um Gefühle“

Karibischer Erzbischof: „In der Kirche muss es um mehr gehen als nur um Gefühle“

10.06.2026 aktuelles
Die Kirche in der Karibik steht nach Einschätzung des Erzbischofs von Castries auf  St. Lucia, Gabriel Malzaire, vor tiefgreifenden Herausforderungen. Neben dem zunehmenden Säkularismus und dem Einfluss evangelikaler Gemeinschaften bereite ihm besonders die Glaubensweitergabe an junge Menschen Sorgen. Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT warnte der Erzbischof davor, den Glauben auf kurzfristige Emotionen zu reduzieren.

 

„Wenn wir als Kirche auf junge Menschen zugehen, neigen wir oft dazu, die Dinge für sie spannend zu machen, an ihre Gefühle zu appellieren, an das, was gerade angesagt ist, an das, was ihnen gefällt. Aber das bleibt meist sehr oberflächlich“, erklärte Malzaire. „In der Kirche muss es um mehr gehen als nur um Gefühle.“

Erzbischof Gabriel Malzaire aus Castries auf St. Lucia (Bild mithilfe von KI bearbeitet).
St. Lucia ist ein Inselstaat, der flächenmäßig gerade einmal doppelt so groß ist wie München. Er gehört wie Curaçao, dem ersten Gegner der deutschen Nationalmannschaft bei der diesjährigen Fußball-WM, zu den Kleinen Antillen. St. Lucia liegt etwa 900 Kilometer nordöstlich von Curaçao und rund 500 km vor dem Festland von Venezuela.

 

St. Lucia gehört wie Curacao zu den Kleinen Antillen

Das Land, eine ehemals französische und später britische Kolonie, erlangte 1979 seine Unabhängigkeit; Staatsoberhaupt ist nach wie vor der britische König Charles III. Die rund 190 000 Einwohner zählende ostkaribische Insel gehört zu den Regionen, die regelmäßig von schweren Tropenstürmen betroffen sind.

Der Erzbischof verwies darauf, dass sich die religiöse Landschaft auf St. Lucia in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert habe. Während die Insel früher nahezu ausschließlich katholisch geprägt gewesen sei, machten Katholiken heute nur noch etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus, während Säkularismus und evangelikale Kirchen an Einfluss gewinnen. Die Erzdiözese Castries umfasst den gesamten Inselstaat St. Lucia.

Blick auf die markanten Piton-Gipfel. Sie gelten als Wahrzeichen der Insel St. Lucia, die zu den Kleinen Antillen gehört. Die Insel liegt etwa 500 Kilometer vor der venezolanischen Küste.
Viele junge Menschen verließen die Insel zudem für ein Studium im Ausland. Damit gehe häufig ein kultureller und religiöser Wandel einher. Für die Kirche sei es deshalb entscheidend, den Glauben so zu vermitteln, dass er den Menschen Orientierung und Tiefe für ihr Leben gebe. „Wenn wir wirklich darüber nachdenken, was Christus für uns getan hat, dann ging es nicht um Gefühle. Er ist bis zum Äußersten gegangen“, betonte der Erzbischof.

 

Kirche bewährt sich in Krisenzeiten

Malzaire sprach auch über die regelmäßigen Naturkatastrophen, mit denen die Menschen in der Karibik leben müssen. Die Hurrikansaison gehöre für viele Inselbewohner zum Alltag. Als ehemaliger Bischof im Inselstaat Dominica, ebenfalls Kleine Antillen, habe er selbst erlebt, wie ein Hurrikan innerhalb weniger Stunden ganze Landstriche verwüstete. „Als ich mit dem Boot zurückkehrte, sah ich von Weitem nur ein Stück grauen und braunen Fels – und erkannte, dass es die Insel war. Sie war völlig verwüstet“, erinnerte er sich.

Flagge von St. Lucia.
Nach solchen Katastrophen änderten sich die Prioritäten der Kirche schlagartig: „Nun ging es darum, Wege zu finden, die Menschen zu ernähren, für sie zu sorgen und sie seelsorgerisch zu begleiten.“ Trotz der wiederkehrenden Zerstörungen bezeichnete der Erzbischof die Bevölkerung der Karibik als bemerkenswert widerstandsfähig. „Wir sind ständig damit konfrontiert, aber wir haben überlebt.“

 

Berufungen fördern

Mit Blick auf die Zukunft der Kirche nannte Malzaire vor allem eine bessere Glaubensunterweisung und eine stärkere Kommunikation als wichtige Aufgaben. Die Ortskirche benötige mehr Möglichkeiten zur Evangelisierung und zur Förderung von Berufungen. KIRCHE IN NOT unterstützt die Kirche in der Karibik unter anderem durch Hilfen für die Priesterausbildung und pastorale Projekte zur Glaubensweitergabe.

Seine eigene Berufung sei bereits in jungen Jahren gewachsen. Aufgewachsen in einer gläubigen Familie mit elf Kindern auf St. Lucia, habe er schon als Zehnjähriger den Wunsch verspürt, Priester zu werden. Trotz anfänglicher Zweifel wurde er Priester und später einer der führenden Kirchenvertreter der Karibik. Von Kindheit an begleite ihn das Stoßgebet: „Herr, dein Wille geschehe.“ Dieses Vertrauen habe ihn durch sein gesamtes priesterliches Leben getragen, sagte der Erzbischof.

Spendenformular