Laut Pater Nikodemus machen Christen aller Konfessionen weniger als zwei Prozent der Bevölkerung aus. In Jerusalem gibt es 13 Kirchen, darunter sechs katholische. Hinter dieser historischen und liturgischen Vielfalt stehe jedoch eine zahlenmäßig sehr kleine Gemeinschaft.
Die zweite Gruppe bilden für Pater Nikodemus die hebräischsprachigen Katholiken. Sie sei eine kleine, aber wachsende Gemeinschaft, die aus gemischten Familien bestehe und in der israelischen Gemeinde integriert sei. „Es ist ein neues Phänomen“, sagte er und stellte die Frage nach der Bedeutung, zugleich Israeli und Katholik zu sein.
Die dritte und größte Gruppe sei die der Migranten und Asylsuchenden, nach Schnabels Schätzungen mehr als 100 000 Menschen. Viele von ihnen stammen von den Philippinen, aus Indien, Sri Lanka sowie aus Afrika, Osteuropa und Lateinamerika und arbeiten vor allem in der Pflege, im Baugewerbe und in der Landwirtschaft. Ihre Situation beschrieb Pater Nikodemus als „eine Form moderner Sklaverei“.
Für die einheimischen Christen geht es laut Pater Nikodemus vor allem ums wirtschaftliche Überleben. Etwa 60 Prozent der arabischsprachigen Christen lebten vom Tourismus. „Das letzte gute Jahr für sie war 2019“, so Schnabel. Danach hätten Krisen den Tourismussektor schwer getroffen: die Covid-19-Pandemie, Konflikte und Instabilität. Der Pilgertourismus sei eingebrochen, sodass viele Familien ohne Einkommen bleiben.
Er verwies auch auf die Erfahrung vieler Christen, dass sie weder in der israelischen noch in der palästinensischen nationalen Erzählung als dazugehörig wahrgenommen würden. „Sie haben oft das Gefühl, dass es keine Rolle spielt, ob sie da sind oder nicht“, sagte er.
Vor dem Hintergrund wachsender Polarisierung bekräftigte der Abt die Haltung der Ortskirche: „Wir sind weder pro-israelisch noch pro-palästinensisch, sondern pro Mensch.“
Zugleich betonte er aber, dass dies nicht die allgemeine Haltung widerspiegele. Er erinnerte daran, dass es auch jüdische Gruppen gebe, die christliche Gemeinschaften verteidigten und Übergriffe verurteilten.
Auch wenn die Zahl der Christen im Heiligen Land klein sei, so seien sie Zeugen eines wichtigen Erbes. „Es gibt keine Verkündigung ohne Nazareth, kein Weihnachten ohne Bethlehem, kein Ostern ohne Jerusalem“, so Pater Nikodemus. „Betet, dass es im Heiligen Land eine Zukunft für Christen gibt!“
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