Länderbericht Simbabwe

Priesterweihe in Simbabwe.

Priesterweihe in Simbabwe.

Einwohner: 15,2 Millionen

Fläche:
390 757 qkm (so groß wie Deutschland und Belgien zusammen)

Religionen:
Christen: 67,5 Prozent
Animisten: 30,1 Prozent
Sonstige: 2,4 Prozent

Früher galt Simbabwe einmal als ein für afrikanische Verhältnisse reiches Land; es war die Kornkammer Afrikas. Seit 28 Jahren aber hat der Diktator Robert Mugabe das Land fest im Griff, und er hat das Land in den völligen Ruin getrieben.

Die Indikatoren, die den Zustand der Wirtschaft beschreiben, sind schier unglaublich: die Arbeitslosigkeit liegt bei 85 Prozent; die Inflation lag im Jahresdurchschnitt 2006 bei 1200 Prozent, Mitte Juni 2007 gar bei 4500 Prozent, und stieg in den Monaten danach noch weiter an, und zwar drastisch.

80 Prozent leben unter der Armutsgrenze

In den Geschäften gibt es kaum noch etwas zu kaufen. Achtzig Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, mehr als vier Millionen Menschen (bei einer Gesamtbevölkerung von dreizehn Millionen) sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Die politische Opposition im Land wird massiv und brutal unterdrückt. Das zeigte sich wieder bei den Präsidentschaftswahlen Ende März 2008. Im Vorfeld der Wahlen wurde die Bevölkerung systematisch eingeschüchtert. Mehrere Dutzend Politiker und Unterstützer der Opposition wurden umgebracht. Tausende wurden aus ihren Häusern vertrieben, ihre Wohnungen angezündet.

Trotzdem scheint die Opposition unter ihrem Führer Morgan Tsvangirai überraschend die Wahl gewonnen zu haben. Die Wahlkommission zögerte aber tagelang mit der Veröffentlichung der Wahlergebnisse; der Sieg der Opposition wurde offiziell nicht anerkannt. Stattdessen wurde für den 27. Juni 2008 eine Stichwahl festgesetzt.

Massive Einschüchterungsversuche

Die massive Einschüchterung der Bevölkerung wurde fortgesetzt. Nach der Stichwahl ließ sich Robert Mugabe erneut als Präsident vereidigen. Scharfer internationaler Druck auf Simbabwe führte nachfolgend dazu, dass es zu Gesprächen zwischen dem Regime unter Robert Mugabe und der Opposition unter Morgan Tsvangirai kam. Doch bis Anfang September 2008 konnten sie sich noch nicht auf eine “Regierung der nationalen Einheit” einigen.

Mugabe hätte dazu seine Macht mit der Opposition teilen müssen. Die katholische Kirche forderte eine Übergangsregierung für die Dauer von zwei bis drei Jahren. Diese solle einen nationalen Heilungsprozess, politische Versöhnung sowie einen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichen.

Im April 2007 wurde am Gründonnerstag 2007 in allen katholischen Kirchen des Landes ein Hirtenbrief der Bischofskonferenz verlesen. Er trägt den Titel “Gott hört den Schrei der Unterdrückten”. Die Bischöfe zeichnen in dem Brief ein dramatisches Bild von der Lage des Landes und bringen scharfe Kritik am Regime von Robert Mugabe zum Ausdruck. Sie fordern einen demokratischen Neuanfang inklusive einer neuen Verfassung.

“Menschenrechte sind von Gott gegeben”

Der Erzbischof von Bulawayo, Pius Ncube, einer der prominentesten Kritiker der Regierung von Präsident Mugabe, rief gegenüber Journalisten zu einer landesweiten Kampagne und friedlichen Demonstrationen auf, um den Diktator zum Rücktritt zu bewegen. “Menschenrechte sind von Gott gegeben. Deshalb haben Menschen das Recht, friedlichen zivilen Ungehorsam zu üben”, argumentierte der Erzbischof. Dabei wolle er bei den Demonstrationen gerne in vorderster Reihe vorangehen – auch angesichts schussbereiter Sicherheitskräfte.

Das Regime reagierte mit einer Medienkampagne gegen den Erzbischof. Im Juli 2007 berichtete der staatliche Radiosender von Simbabwe (ZBC), Erzbischof Pius Ncube sei wegen Ehebruchs angezeigt worden. Dem Sender zufolge habe der Erzbischof seit zwei Jahren eine Beziehung zu einer verheirateten Frau unterhalten; diese habe die Affäre dem Nachrichtensender ZBC News gestanden, und ihr Ehemann habe den Priester angezeigt. Im August wiesen die Bischöfe die verleumderischen Vorwürfe gegen Erzbischof Ncube entschieden zurück und verliehen ihrer Empörung über die Rufmordkampagne Ausdruck.

Die Bischöfe bezeichneten den Vorwurf als empörend und vollkommen erbärmlich; sie fügten hinzu, die katholische Kirche sei kein Feind Simbabwes und noch nie einer gewesen. Im Vorfeld dieser Erklärung war Erzbischof Ncube, der für sein offenes Eintreten für die Menschenrechte und gegen Mugabes autoritäres Regime bekannt ist, zur Zielscheibe einer umfassenden Pressekampagne geworden, die seine Schuld unter Beweis stellen sollte.

Bischöfe für das Regime äußerst unbequem

Im September 2007 nahm Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch Erzbischof Pius Ncubes an. Wie Ncube selbst erklärte, war diese Entscheidung kein Schuldeingeständnis, sondern entstand aus dem Wunsch, zu verhindern, dass die katholische Kirche den Gang durch die Instanzen antreten müsse. Er betonte nachdrücklich, der Skandal sei ein bewusster Angriff seitens der Regierung nicht nur gegen ihn selbst, sondern darüber hinaus gegen die katholische Kirche in Simbabwe.

Tatsächlich drängt sich die Überzeugung auf, dass es sich bei der Angelegenheit um ein abgekartetes Spiel handelte, denn der Bischof, hinter dem auch die Bischofskonferenz steht, war für das Regime äußerst unbequem geworden. Er sprach sich gegen Mugabes Wiederwahl aus, warf ihm vor, er habe die Wahlen 2005 manipuliert, um in dem Amt zu bleiben, das er seit 25 Jahren bekleidete, und rief die Bürger zu einer “gewaltfreien Revolution” nach dem Vorbild der Ukraine auf.

Die Bischöfe von Simbabwe hatte er dazu gebracht, das Regime des Diktators in dem oben erwähnten Hirtenbrief anzuprangern, und er hatte Appelle und Hilfegesuche verfasst, etwas gegen den Hunger der Menschen in seinem Land zu tun.

(Quelle: Christen in großer Bedrängnis. Diskriminierung und Unterdrückung – Dokumentation 2008, Stand: 2008).

 

23.Jun 2009 15:18 · aktualisiert: 28.Jun 2016 20:58
KIN / S. Stein