Länderbericht Indonesien

Priester aus Indonesien.

Priester aus Indonesien.

Einwohner: 222,0 Millionen

Fläche: 1 904 569 qkm (sechsmal größer als Deutschland)

Religion:
Muslime: 54,7 Prozent
neue Religionen: 21,8 Prozent
Christen: 13,1 Prozent (darunter 6,6 Millionen Katholiken)
Hindus: 3,4 Prozent
Sonstige: 7 Prozent

Die religiöse Freiheit gerät in Indonesien zunehmend unter Druck. Extremistische Bewegungen führen eine intensive Kampagne zur Islamisierung des Landes, und die Regierung hat Mühe, dem entgegenzusteuern. Die Provinz Aceh hat als einzige von der Zentralregierung die Genehmigung, das islamische Gesetz, die Scharia, anzuwenden. In anderen Regionen gab es in den Jahren 2006 und 2007 allerdings eine deutliche Zunahme von lokalen Gesetzesinitiativen, die sich an islamischen Grundsätzen orientierten.

Sie betreffen zum Beispiel islamische Kleidungsvorschriften (Kopftuch) oder das Verbot von Alkohol und Glücksspiel. Es gibt der “Indonesischen Frauenkoalition” zufolge inzwischen mindestens 46 solcher Gesetze (Stand: März 2008) und in manchen Gegenden wurden sie auch auf Nichtmuslime ausgeweitet. Die Regierung in Jakarta hatte ursprünglich zugesagt, dieses Phänomen zu überwachen, aber dann den örtlichen Behörden doch völlige Freiheit gelassen.

Christen werden wegen unerlaubter Missionierung angeklagt

Zu heftigen Protesten kam es zum Beispiel in der Region Tangerang, als dort eine Frau, die abends nach Einbruch der Dunkelheit alleine nach Hause ging, festgenommen und der Prostitution angeklagt wurde – auf der Grundlage einer
vage formulierten lokalen Anti-Prostitutions-Verordnung, die der Stadtrat erlassen
hatte.

Christen werden oft wegen angeblicher, unerlaubter Missionierung angeklagt. Im April 2007 kam es in Bandung in der Provinz Westjava zu Spannungen zwischen der “Islamischen Einheit gegen den Proselytismus” (DAP) und der Pasundan-Kirche (GKP), die beschuldigt wurde, einheimischen Muslimen Geld zu geben, damit sie sich zum Christentum bekehrten. Die beiden Seiten kamen am 4. April 2007 zusammen, um das Problem zu erörtern.

Bei dieser Gelegenheit erklärte Suryana, Mitglied des DAP vom lokalen “Rat der islamischen Gelehrten”, die GKP sei der Missionierung unter den Einwohnern von Cisewu und Pangauban im Bezirk Bandung schuldig. “Sie gehen illegal vor”, sagte er, “und bezahlen mindestens 500 Dollar für jeden Muslim, der sich zum Christentum bekehrt.” Seit 2005 haben die fundamentalistische Gewalt und der Druck auf die christlichen Gemeinschaften in Westjava zugenommen. Sie richten sich vor allem gegen die sogenannten illegalen Hauskirchen.

Baugenehmigungen für Kirchen werden verweigert

Ihnen wurden Zwangsschließungen angedroht, nachdem die Gemeindeleiter keine Erlaubnis erhalten hatten, die Wohnhäuser als Versammlungsorte für Gottesdienste zu nutzen. Genehmigungen für die Neuerrichtung religiöser Gebäude werden in vielen Gegenden verweigert. Islamische Extremisten und lokale Behörden sorgten dafür, dass zwischen 2004 und 2007 mehr als 100 Kirchen geschlossen werden mussten.

Juli 2007:
Am 20. Juli 2007 protestierten mehr als 1000 Muslime gegen ein Gebetszentrum der Karmeliter auf dem Hügel Cikanyere in Kota Bunga im Bezirk Cianjur (Westjava), ungefähr 100 Kilometer von Jakarta entfernt. Eine Gruppe, die sich „Islamisches Volk von Cianjur” nennt und weiße Kleidung trägt, zog von der etwa einen Kilometer entfernten Moschee Siti Haja zum Karmeliterzentrum und protestierte gegen eine geplante Konferenz über die Heilige Dreieinigkeit, die dort veranstaltet werden sollte. Dem Protestzug schlossen sich Muslime aus nahen Städten an, wie z. B. Bandung, der Hauptstadt der Provinz.

September 2007:
Am 2. September 2007 überfiel eine Gruppe von mehr als 300 islamischen Extremisten eine Hauskirche im Bezirk Tangerang, 25 Kilometer von Jakarta entfernt. Die Angreifer verletzten den Pastor und sechs der Gläubigen schwer und zerstörten auch das ganze Eigentum der Gemeinde. Dieser Angriff fand statt, als die Gläubigen, ungefähr 60 Personen, zum Sonntagsgottesdienst versammelt waren.

November 2007:
Am 18. November 2007 überfielen im Unterbezirk Dayeuh Kolot, Bandung, Dutzende von aufgebrachten Muslimen eine Hauskirche und verwüsteten sie. Dieser Vorfall ereignete sich, als sich die Gläubigen im Haus von Pastorin Obertina zum Sonntagsgottesdienst versammelten. Die Aggressoren erklärten, der Gerechtigkeit sei Genüge getan worden, denn “dieses Privathaus hatte keine amtliche Genehmigung für den Gebrauch als Gottesdienststätte”. Die Polizei traf erst sehr spät am Schauplatz ein. Beim Anblick der Polizei zerstreute sich die Menge. Die Pastorin berichtete, dass seit den Achtzigerjahren in ihrem Haus Gottesdienste gefeiert würden und niemand deswegen jemals protestiert hätte.

Dezember 2007:
Am 9. Dezember 2007 hinderten die Behörden den Pfarrer der Frieden-Christi-Gemeinde im Süden der Stadt Duri, Westjakarta, die Messe zu zelebrieren. Diese katholische Gemeinde war Gegenstand heftigen Protestes einer Gruppe von Muslimen gewesen, die ihre Legalität infrage gestellt hatten. Infolge des großen Drucks seitens der Extremisten und um “soziale Spannungen” zu vermeiden, ordnete der Unterbezirk Tambura am 24. November an, alle Aktivitäten in dieser Kirche seien einzustellen.

Der Gemeindepfarrer, Pater Matthew Widyalestari MSC, unterschrieb ein Dokument, in dem er diese Forderungen akzeptierte. Er hatte jedoch den Wunsch geäußert, wenigstens die Sonntagsmesse für seine ca. 4000 Gemeindeglieder halten zu dürfen, die sonst ihren Glauben nicht praktizieren könnten. Nach einer Zusammenkunft der katholischen Führer dieser Gegend und Beamter des Bezirks Westjavas sowie des Unterbezirks Tambura bestanden die politischen Behörden jedoch darauf, dass er nicht die Eucharistie feierte.

Die Begründung – in Wirklichkeit eine Ausrede – sei immer dieselbe, nämlich die “öffentliche Ordnung”, mit anderen Worten die Angst vor interreligiösen Konflikten, wie Pater Widyalestari der Nachrichtenagentur AsiaNews erklärte. “Die Gläubigen bitten uns immer wieder, dass wir ihre geistlichen Bedürfnisse erfüllen”, sagte er.

“Sie kommen sich vor wie polizeilich gesuchte Verbrecher, wie illegale Einwanderer,
sie sind gezwungen, ein anderes Gebäude zu finden, wo sie ihren Glauben
praktizieren können.” Es sei jedoch “technisch schwierig, einen geeigneten Ort zu finden”, erklärte ein anderer Priester, Pater Lestari MSC. Er berichtete, dass einige Gemeindeglieder die Messe im Provinzhaus der Herz-Jesu-Missionare besuchten, aber dort sei nicht genug Platz, um Tausende von Menschen aufzunehmen.

(Quelle: Christen in großer Bedrängnis. Diskriminierung und Unterdrückung – Dokumentation 2008, Stand: 2008)

22.Jun 2009 17:23 · aktualisiert: 9.Feb 2010 11:23
KIN / S. Stein