Länderbericht Bolivien

Kapelle in der Diözese El Alto.

Kapelle in der Diözese El Alto.

Einwohner:
8 Millionen

Fläche:
1 098 581 qkm

Religion:
Christen: 94,1 Prozent
Baha’i: 3,2 Prozent
Sonstige: 2,7 Prozent

Die katholische Kirche reagierte hoffnungsvoll auf die neue Regierung von Evo Morales (Zenit, 15.01.2006) und diese Einstellung spiegelte sich in der Pastoralbotschaft “Construyamos una Bolivia para todos” (Lasst uns ein Bolivien für alle aufbauen). Die bolivianische Bischofskonferenz und die Vertreter der anglikanischen, evangelischen, methodistischen und der Episkopalkirchen forderten, die neue Verfassung müsse die Religionsfreiheit anerkennen.

Kurz darauf unterzeichnete Benecio Quispe als Repräsentant des Bildungsministeriums gemeinsam mit Vertretern der Bischofskonferenz ein Dokument, das den Religionsunterricht in den Schulen und die Achtung der Religionsfreiheit gewährleistet (Radio Giornale, 18.07.2006).

Es kam jedoch zu einer Auseinandersetzung im Bildungsbereich, als der Minister für Bildung und Kultur, Felix Patzi, ankündigte, Religionsunterricht als Schulfach solle durch Unterricht in Religionsgeschichte ersetzt werden. Dieser werde auch die indigenen indianischen Religionen einschließen.

Auch warf er der katholischen Kirche vor, sie habe in den letzten fünf Jahrhunderten auf der Seite der herrschenden Oligarchie gestanden. Die Bischöfe reagierten mit einem Aufruf zum Dialog und unterstrichen dabei die Notwendigkeit von Pluralismus, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit (Il Regno, 18/2006; Radio Giornale Vaticano, 26.07.2006).

Dessen ungeachtet kam es zu kleineren Zusammenstößen zwischen der Kirche, als dem Garanten der Freiheit, und den Behörden. Das berühmte Kreuz von San Francisco de Potosí wurde durch Dynamit teilweise zerstört (La República, 14.11.2006). Kardinal Julio Terrazas rief zum Frieden und Dialog zwischen den einander bekämpfenden politischen Gruppen auf (Radio Giornale Vaticano, 15.11.2006; Zenit, 28.11.2006).

Nachdem es vonseiten der Regierung im Namen des Laizismus zu harten Angriffen gekommen war, wurde schließlich ein neues Abkommen erzielt, das den Religionsunterricht in der Grundschule und den weiterführenden Schulen zusichert. Die Vereinbarung wurde von Kardinal Julio Terrazas und Präsident Evo Morales in Santa Cruz de la Sierra unterzeichnet (Zenit, 06.12.2006).

Jedoch hat die umstrittene Annahme der von Morales vorgeschlagenen neuen Verfassung, in einer ungewöhnlichen Abstimmung in Oruro, bei der nur Anhänger der Regierung teilnahmen, zu einer Spaltung im Land geführt, da vier Regionen, angeführt von Santa Cruz de la Sierra, für ihre eigene Autonomie und eine dezentraliserte Regierung kämpfen. (L´Osservatore Romano, 10.-11.12.2007).

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2008. Stand: 2008)

7.Jul 2009 15:07 · aktualisiert: 9.Feb 2010 11:42
KIN / S. Stein