Länderbericht Nicaragua

Seminaristen aus Managua.

Seminaristen aus Managua.

Einwohner: 5,5 Millionen

Fläche: 130 000 qkm (etwa doppelt so groß wie Bayern)

Religion:
Christen: 96,2 Prozent (darunter 5 Millionen Katholiken)
Sonstige: 3,8 Prozent

Verhältnis zwischen Katholischer Kirche und Staat

Die Einschränkungen der Religionsfreiheit zeigten sich in der Politik durch Feindseligkeiten gegenüber Geistlichen.

Im Anschluss an die Wahlen im November 2008 wurden mehrere Anklagen wegen Wahlfälschung erhoben. Beispielsweise erklärte Erzbischof Leopoldo José Brenes von Managua, viele Priester hätten ihre Stimme nicht abgeben können, weil die Wahllokale sechs Stunden vor der gesetzlich vorgegebenen Zeit geschlossen worden seien. Dies ist sicherlich ein Grund für die Verschlechterung der Beziehung zwischen der Kirche und den Sandinisten.

Im vergangenen Jahr haben einige Bischöfe Drohungen erhalten, beispielsweise der Vizepräsidenten der Bischofskonferenz, Bischof Juan Abelardo Mata, der die Sandinisten kritisiert hatte. Die Drohung wurde per E-Mail an einen katholischen Radiosender geschickt.

Drohungen erhielten auch Bischof Bernardo Hombach von Granada und Bischof René Sándigo von Chontales, die Repressionen gegen politische Gegner der Sandinisten öffentlich verurteilt hatten. Es wurden auch Anschuldigungen gegen die Kirche erhoben. Der Menschenrechtsbeauftragte, Omar Cabezas, beschuldigte Bischof Mata und Bischof Hombach, Agenten des CIA zu sein.

In einem von Orlando Núñez, Berater von Präsident Ortega, unterzeichneten Dokument über ein Gespräch, das zwischen Ortega und dem spanischen Priester Gregorio Raya stattgefunden haben soll, wurden Geistliche diffamiert. Der Priester soll in diesem Gespräch die Bischöfe und Priester in Nicaragua kritisiert und gesagt haben, der Vatikan sehe die Kirche Nicaraguas als eine der korruptesten an.

Die kirchlichen Würdenträger würden zehntausende Dollar Spendengelder für opulente Partys abzweigen. Laut diesem Dokument habe P. Gregorio Raya zugegeben, in der Karwoche mit 17 anderen Priestern an einer privaten Disco teilgenommen zu haben. P. Raya dementiert den Inhalt des Dokuments. Das Dokument stammte offensichtlich von E-Mail-Absendern innerhalb der Regierung.

ie Bischofskonferenz verlangte diesbezüglich eine Aufklärung. Die Regierung lehnte dies ab und gab vor, es habe sich um Sabotage ihres E-Mail-Systems gehandelt. Damit machte sie die Versuche zu nichte, Vertreter der Bischofskonferenz und der nicaraguanischen Regierung zu diesem Vorfall an einen Tisch zu bringen.

Bei der Vergabe von Lizenzen für Radioübertragungen in Nicaragua wurden Verwandte des Präsidenten gegenüber kirchlichen Organisationen bevorzugt.

Quellen
El Tiempo www.eltiempo.com
La Prensa www.laprensa.com.ni
Zenit www.zenit.org

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2011)

19.Aug 2009 15:03 · aktualisiert: 27.Jun 2012 17:24
KIN / S. Stein