Länderbericht Georgien
Einwohner: 4,4 Millionen
Fläche: 69 700 qkm (etwa die Größe von Bayern)
Religionen:
Christen: 62,2 Prozent (darunter ca. 50 000 Katholiken, weitere Quellen sprechen von 90 000)
Muslime: 19, 3 Prozent
Religionslose: 18 Prozent
Sonstige: 0,5 Prozent
Die Herausforderungen, mit denen die religiösen Organisationen im Land zu kämpfen haben, stehen im Zusammenhang mit der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Instabilität. Im November 2007 kam es im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen zu Demonstrationen gegen die Regierung mit bis zu 50 000 Teilnehmern.
Präsident Saakaschwili (der am 5. Januar 2008 wiedergewählt wurde) verhängte einen 15-tägigen Ausnahmezustand, nachdem zuvor gewaltsam gegen die Demonstranten vorgegangen worden war. Ungefähr 500 Personen wurden während des Einsatzes der Sicherheitskräfte verletzt. Die Demonstranten forderten sowohl ein neues Wahlrecht und Neuwahlen als auch Saakaschwilis Rücktritt. In einer Fernsehansprache warf der Präsident dem Kreml vor, die Proteste zu schüren.
Orthodoxe Kirche genießt Privilegien
Die katholische Kirche des lateinischen Ritus (ungefähr zwei Prozent der Bevölkerung) untersteht der Apostolischen Administration der Lateiner im Kaukasus mit Sitz in Tiflis. Im Jahr 2005 wurden die katholische Kirche und andere religiöse Organisationen den kirchenunabhängigen Non-Profit-Organisationen gleichgestellt und erhielten damit die Möglichkeit, sich registrieren zu lassen.
Aber für Katholiken, Muslime und die Mitglieder der Armenischen Apostolischen Kirche ist diese Situation alles andere als befriedigend – alle drei wünschen sich das Recht, sich als öffentliche religiöse Organisationen registrieren zu lassen.
Die autokephale Georgische Orthodoxe Kirche (der ca. 75 Prozent der insgesamt etwa 4,5 Millionen Einwohner angehören) genießt einige Privilegien, die das 2002 unterzeichnete Konkordat gewährleistet, das der orthodoxen Kirche die Zuständigkeit über alle religiösen Angelegenheiten verleiht; beispielsweise bestimmt das Patriarchat, welche religiöse Literatur importiert wird und wo die Konfessionen Gottesdienststätten bauen dürfen.
Die Mitglieder der Armenischen Apostolischen Kirche machen ungefähr 5 Prozent der Bevölkerung aus. Der ökumenische Dialog mit der orthodoxen Kirche ist nicht unproblematisch, da diese den Katholiken häufig Proselytenmacherei und
Ausdehnungsbestrebungen zum Vorwurf macht.
Wiederaufnahme des katholisch-orthodoxen Dialogs
Im Januar / Februar 2006 kam Kardinal Walter Kasper zum ersten Mal in 15 Jahren zu einem ökumenischen Besuch beim orthodoxen Patriarchen Ilia II. Dieser Besuch signalisierte eine Wiederaufnahme des katholisch-orthodoxen Dialogs (Zenit, 30. Januar 2006).
Ein wichtiges Ereignis für Georgiens lateinische Kirche war die erste Synode der Katholiken des lateinischen Ritus im Kaukasus, die am 4. September 2006 in Tiflis begann. Auf ihr versammelten sich alle Geistlichen und Vertreter der Kirchengemeinden des Landes, die zur Apostolischen Administration der Lateiner im Kaukasus gehören sowie Vertreter der assyrisch-chaldäischen Gemeinschaft (insgesamt 84 Teilnehmer).
Die Synode, die in zwei Sitzungen zusammenkam (4.-8. September und 5.-9. November 2006), befasste sich mit den Themen der Kommunion in der Kirche, der Erziehung der Gläubigen und der Rolle der Laien, gemäß den Weisungen, die der Hirtenbrief von Bischof Giuseppe Pasotto enthält.
(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2008. Stand: 2008)



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