Länderbericht Georgien

Kirche auf dem ehemaligen Klostergelände Gelati in Georgien.

Kirche auf dem ehemaligen Klostergelände Gelati in Georgien.

Einwohner: 4,2 Millionen

Fläche: 69 700 qkm (etwa die Größe von Bayern)

Religionen:
Christen: 85,1 Prozent (darunter 100 000 Katholiken)
Muslime: 10,5 Prozent
Religionslose: 4,1 Prozent
Sonstige: 0,3 Prozent

Die ernsten politischen Probleme, die 2008 zu bewaffneten Zusammenstößen mit russischen Truppen führten, haben im Großen und Ganzen die Religionsfreiheit im Land nicht beeinflusst.

Trotz der dramatischen Situation wurden die Grundsätze in Artikel 9, Punkt 1 der Verfassung im Allgemeinen respektiert. Da heißt es: „Der Staat wird sowohl die völlige Glaubens- und Religionsfreiheit erklären als auch die besondere Rolle der Apostolischen Autokephalen Orthodoxen Kirche von Georgien in der Geschichte Georgiens und ihrer Unabhängigkeit vom Staat anerkennen“.

Der Rechtsstatus der anderen Organisationen, z.B. der Katholischen Kirche, hat sich nicht verändert; sie werden nur als private gemeinnützige Organisationen anerkannt. Auch wenn dieser Status von den Betroffenen angefochten wird, weil sie als religiöse Institutionen öffentlichen Rechts anerkannt werden wollen, beeinträchtigt er jedoch nicht ihre normalen Aktivitäten.

Die im Konkordat von 2002 vereinbarten Privilegien für die Apostolische Autokephale Orthodoxe Kirche, die z.B. das Vetorecht beim Bau von Gotteshäusern anderer religiöser Gemeinschaften einschließen, sind unverändert in Kraft.

Andere religiöse Gemeinschaften beklagen sich über Schwierigkeiten in den Beziehungen mit der Apostolischen Autokephalen Orthodoxen Kirche, vor allem wegen der Einstellung des Klerus, der sich in den Schulen oft geringschätzig über andere religiöse Praktiken äußert. So wird z.B. das Bekreuzigen, das in der katholischen Kirche und von protestantischen Gemeinschaften gepflegt wird, als „Zeichen des Satans“ bezeichnet. Solche verbalen Entgleisungen tragen natürlich nicht zu guten ökumenischen Beziehungen bei.

Es gibt aber keine Berichte über Verletzungen der freien Ausübung von Rechten, auch nicht von religiösen Minderheiten. Verletzungen der Religionsfreiheit werden durch strenge gesetzliche Regelungen eingedämmt. Bei der Generalstaatsanwaltschaft gibt es eine Abteilung zum Schutz der Menschenrechte, deren Aufgabe auch die Wahrung der Rechte religiöser Organisationen ist. Die Arbeit dieser Abteilung wurde kürzlich für ihre Unparteilichkeit gelobt, auch von den Zeugen Jehovas.

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2010)

17.Sep 2009 08:30 · aktualisiert: 17.Apr 2014 15:44
KIN / S. Stein