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Christen im Südlibanon befürchten dauerhafte Vertreibung aus ihren Dörfern

Christen im Südlibanon befürchten dauerhafte Vertreibung aus ihren Dörfern

20.05.2026 aktuelles
Die Christen im israelisch-libanesischen Grenzgebiet leben in der Angst, ihre Heimat dauerhaft zu verlieren. Darauf hat der melkitische griechisch-katholische Priester Charles Nadaf aus der Ortschaft Yaroun im Gespräch mit KIRCHE IN NOT (ACN) hingewiesen. Die vereinbarte Waffenruhe sei brüchig; Monate von Kämpfen und Zerstörungen hätten viele Menschen zur Flucht gezwungen.

 

„Unser Grenzort Yaroun ist heute zutiefst verwundet“, sagte Nadaf, Pfarrer der melkitischen Gemeinde St. Georg in Yaroun. Anfang Mai seien der Pfarrsaal, der zuletzt als Notkirche diente, das Jugendzentrum der Pfarrei sowie das Kloster der griechisch-katholischen Salvatorianerinnen mitsamt ihrer Schule zerstört worden. Eine vollständige Schadensaufnahme sei derzeit nicht möglich, da der Zugang zum Dorf weiterhin gefährlich sei. „Zweifellos ist dies eine der größten Katastrophen, die unser Dorf je erlebt hat“, erklärte Nadaf.

Charles Nadaf, Pfarrer in Yaroun (Libanon).
Der Ort Yaroun liegt unmittelbar an der Grenze zwischen dem Libanon und Israel. Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus schiitischen Muslimen; zugleich gibt es dort seit Jahrhunderten eine christliche Gemeinde. Seit Beginn der Kämpfe im Oktober 2023 gehört Yaroun zu den besonders betroffenen Orten im Südlibanon.

 

Kirchliche Einrichtungen zerstört, Christen vertrieben

 

Bereits kurz nach Beginn der Auseinandersetzungen mussten sämtliche Bewohner flüchten. Kirchen, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude wurden schwer beschädigt oder zerstört. Zwischenzeitlich waren einige christliche Familien nach Yaroun zurückgekehrt. Sie hatten versucht, beschädigte Häuser notdürftig zu reparieren und das Gemeindeleben wieder aufzunehmen.

Doch mit der erneuten Eskalation Anfang 2026 seien sämtliche Hoffnungen auf eine dauerhafte Rückkehr erneut zerstört worden. „Seit Beginn des Krieges leben die Familien im Exil, geprägt von Ungewissheit und großer Hilflosigkeit“, sagte Pfarrer Nadaf. Viele Vertriebene seien inzwischen in andere Orte des Südlibanon oder in den Norden des Landes geflohen.

Auch das Dach der melkitischen griechisch-katholischen Kirche in Yaroun wurde bei den Angriffen beschädigt. © Melkitische griechisch-katholische Diözese von Tyros
Besonders besorgt zeigte sich der Priester, was die Zukunft der Christen in der Region angeht. „Die vertriebenen Christen haben sich diesen Krieg nicht ausgesucht. Sie bitten nur darum, in ihre Häuser zurückkehren zu dürfen, in Frieden mit allen zu leben und im Land ihrer Vorfahren bleiben zu können“, betonte er. Neben humanitärer Hilfe brauche es vor allem Sicherheit und Perspektiven, damit die verbliebenen Christen nicht endgültig aus der Region gedrängt würden.

 

„Christen haben sich diesen Krieg nicht ausgesucht“

KIRCHE IN NOT unterstützt christliche Gemeinden im Libanon unter anderem mit Nothilfe, Seelsorgeprojekten sowie Hilfen für Ordensgemeinschaften und kirchliche Schulen. Der Libanon leidet seit Jahren unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise; die jüngsten Kämpfe im Süden des Landes haben die Lage vieler Familien zusätzlich verschärft.

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Christen im Libanon: „Wenn wir dieses Land verlassen, wird niemand mehr Jesus Christus bezeugen.“