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Heiliges Land: Geplante Einschränkungen für Lehrkräfte setzen christliche Schulen unter Druck

Heiliges Land: Geplante Einschränkungen für Lehrkräfte setzen christliche Schulen unter Druck

Lehrer aus Westjordanland könnten Arbeitserlaubnis verlieren

30.03.2026 aktuelles
Die Zukunft christlicher Schulen in Jerusalem steht nach Einschätzung von Verantwortlichen der Ortskirche vor großen Herausforderungen.

Diese teilten ihre Befürchtungen dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ mit. Hintergrund ist eine Entscheidung des israelischen Bildungsministeriums, wonach für das Schuljahr 2026/27 keine Arbeitsgenehmigungen mehr für palästinensische Lehrkräfte aus dem Westjordanland ausgestellt werden sollen.

Betroffen sind insbesondere Lehrer mit einer „Green Card“, die bislang unter bestimmten Bedingungen in von Israel kontrollierten Gebieten arbeiten konnten. Sollte die Regelung umgesetzt werden, könnten mehr als 200 Lehrkräfte ihre Anstellung an christlichen Schulen in Jerusalem verlieren.

Schüler einer christlichen Grundschule in Ostjerusalem (Archivbild). © Kirche in Not
Konflikt um Arbeitserlaubnisse spitzt sich zu

Bereits im Juli 2025 hatte der Bildungsausschuss der Knesset einen Gesetzentwurf verabschiedet, der vorsieht, Abschlüsse aus dem Westjordanland nicht mehr für den Schuldienst in Israel und Ostjerusalem anzuerkennen. Nach Darstellung der israelischen Behörden entsprechen diese Abschlüsse nicht den geforderten akademischen Standards. Schon zu Beginn des laufenden Schuljahres erhielten zahlreiche Lehrkräfte keine Genehmigung mehr.

Mit dem Schreiben vom 10. März 2026 hat sich die Situation weiter zugespitzt: Die Schulen wurden aufgefordert, künftig ausschließlich Lehrkräfte einzustellen, die in Jerusalem leben und über von Israel ausgestellte Qualifikationen verfügen. In der Praxis bedeutet dies, dass palästinensische Lehrer aus dem Westjordanland mit sogenannter „Green Card“ nicht mehr beschäftigt werden können.

Ein Vertreter des Generalsekretariats der christlichen Schulen im Heiligen Land, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, warnte im Gespräch mit „Kirche in Not“ vor weitreichenden Folgen: „Diese Entscheidung könnte unsere Schulen in eine sehr schwierige Lage bringen und ihre Existenz gefährden.“

Gottesdienst an einer christlichen Schule in Jerusalem. © Generalsekretariat christlicher Schulen im Heiligen Land
Lehrerlücke lässt sich nicht kurzfristig schließen

Die betroffenen Schulen haben eine lange Tradition und spielen eine wichtige Rolle für das Zusammenleben in Jerusalem und im gesamten Heiligen Land. Viele von ihnen wurden bereits im 19. Jahrhundert gegründet und stehen Kindern unterschiedlicher religiöser Herkunft offen.

Nach Angaben der Verantwortlichen arbeiten derzeit rund 230 Lehrkräfte aus dem Westjordanland an 15 christlichen Schulen in Jerusalem. Ihr Wegfall würde die Einrichtungen organisatorisch und pädagogisch erheblich belasten. „Im Durchschnitt wären etwa 15 Lehrer pro Schule betroffen“, sagte der Ansprechpartner für die christlichen Schulen. Zugleich gebe es in Jerusalem nicht ausreichend qualifizierte christliche Lehrkräfte, um diese Lücke kurzfristig zu schließen.

Neben den Schulen selbst hätte die Entwicklung auch soziale Folgen für die betroffenen Familien. Viele der Lehrer sichern mit ihrer Arbeit den Lebensunterhalt ihrer Angehörigen. Ein Verlust der Anstellung träfe sie in einer ohnehin angespannten Situation im Nahostkonflikt.

Unterricht an einer christlichen Schule in Jerusalem. © Generalsekretariat christlicher Schulen im Heiligen Land
Kirche setzt auf Dialog

Die katholische Kirche sucht nach eigenen Angaben das Gespräch mit den zuständigen Stellen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Gleichzeitig wurden rechtliche Schritte eingeleitet, um die Situation zu klären. „Die Kirche wird die Betroffenen nicht alleinlassen“, betonte der Vertreter der Schulen. Ziel sei es, die Bildungsarbeit langfristig zu sichern und Perspektiven für die Lehrer und ihre Familien zu erhalten.

„Kirche in Not“ verfolgt die Entwicklung aufmerksam und steht in engem Kontakt mit der Ortskirche. Neben der Unterstützung konkreter Hilfsmaßnahmen gehe es auch darum, auf die Situation der Christen im Heiligen Land aufmerksam zu machen und ihre Präsenz langfristig zu stärken.

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