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Nigeria: Bischof begrüßt Urteile gegen Pfingstattentäter – und sieht Todesstrafe kritisch

Nigeria: Bischof begrüßt Urteile gegen Pfingstattentäter – und sieht Todesstrafe kritisch

11.06.2026 aktuelles
Vier Jahre nach einem Terroranschlag auf eine katholische Pfingstmesse im Südwesten Nigerias hat ein Gericht mehrere Angeklagte schuldig gesprochen. Der Bischof von Ondo, Jude Ayodeji Arogundade, sprach gegenüber KIRCHE IN NOT (ACN) von einem wichtigen Schritt für die Betroffenen. Die gefällten Todesurteile jedoch sieht er kritisch.

 

Bewaffnete Männer hatten am 5. Juni 2022 während der Pfingstmesse die Pfarrkirche St. Franz Xaver in Owo im Bundesstaat Ondo angegriffen. Mehr als 40 Menschen wurden getötet, bis zu 100 weitere verletzt. Der Anschlag gilt als eines der schwersten Attentate auf Christen in Nigeria in den vergangenen Jahren.

Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT erklärte Bischof Arogundade, in dessen Diözese der Anschlagsort Owo liegt: „Wir sind dankbar, dass die Familien und die Opfer nun zumindest einen gewissen Abschluss finden können.“ Zugleich betonte er: „Die Narben dieses Tages werden sie ihr Leben lang begleiten.“ Nach Angaben des Bischofs leiden zahlreiche Überlebende weiterhin unter den Folgen des Anschlags. Viele seien traumatisiert, benötigten medizinische Behandlung oder lebten weiterhin in Unsicherheit und Angst.

Besuch bei einem Überlebenden des Pfingstmassakers im Juni 2022 in Owo in Nigeria (Archivbild). © Diözese Ondo
Ein Bundesgericht in der Hauptstadt Abuja hat Anfang Juni vier Angeklagte unter anderem wegen Geiselnahme, Entführung, Terrorismusfinanzierung und des Einsatzes von Sprengstoffen mit Todesfolge für schuldig befunden. Ein fünfter Angeklagter wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Verteidigung kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Nach nigerianischem Recht bedarf die Vollstreckung der Todesstrafe der Zustimmung des Präsidenten; wie Medien berichteten, gab es in jüngerer Zeit keine Hinrichtungen mehr in Nigeria.

 

Bei dem Anschlag in Owo kamen mehr als 40 Menschen ums Leben

Bischof Arogundade ordnete die Entscheidung differenziert ein: „Die Kirche akzeptiert die Todesstrafe nicht, aber es ist wichtig, dass diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die für diesen Angriff verantwortlich sind.“ Zugleich forderte der Bischof die Behörden auf, die Ermittlungen fortzusetzen. Nach seiner Einschätzung seien weitere Personen an dem Anschlag beteiligt gewesen und müssten ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden.

Gedenkstätte für die Opfer des Anschlags in Owo (Nigeria). Die Errichtung wurde von KIRCHE IN NOT unterstützt, ebenso die Renovierung der Kirche.
Dankbar äußerte sich Arogundade über die internationale Aufmerksamkeit für den Fall. Organisationen wie KIRCHE IN NOT hätten wesentlich dazu beigetragen, dass das Schicksal der Opfer nicht in Vergessenheit geraten sei. „Dadurch wurde deutlich gemacht, dass die Welt auf Gerechtigkeit wartet“, sagte der Bischof. KIRCHE IN NOT hat auch den Bau einer Gedenkstätte für die Opfer des Anschlags in Owo finanziert.

 

Internationale Aufmerksamkeit hat Aufarbeitung gefördert

Nigeria gehört seit Jahren zu den Ländern, in denen Christen besonders häufig von Gewalt betroffen sind. Neben Überfällen und Entführungen leiden viele Gemeinden unter Unsicherheit und fehlendem staatlichen Schutz. Kirchliche Einrichtungen übernehmen deshalb vielerorts Aufgaben der seelsorglichen, humanitären und medizinischen Begleitung.

Unterstützen Sie den Einsatz der Kirche in Nigeria für Betroffene von Terror und Gewalt:

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