Spenden
Die Menschen in der Ukraine begehen das dritte Weihnachtsfest im Krieg. Nach so langer Zeit nehmen psychische Belastungen immer mehr zu, berichten ukrainische Projektpartner KIRCHE IN NOT (ACN). Aber auch die humanitäre Lage bleibt angespannt: „In den Regionen Charkiw, Saporischschja und Odessa fehlt es den Menschen am Nötigsten: Brot, Wasser, Heizung und Strom“, teilte der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, mit.

 

In den anderen Regionen des Landes sei es am wichtigsten, bei der Aufnahme von Flüchtlingen zu helfen. „Und natürlich ist auch die psychologische Hilfe von großer Bedeutung, nicht nur für die Soldaten und ihre Familien. Drei Jahre Krieg haben viele Schwierigkeiten auf psychischer Ebene verursacht“, sagte der Nuntius.

Eine Ordensschwester verteilt Weihnachtsgeschenke an Kinder in der Ostukraine. © Kirche in Not
Das Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, betonte in seinen Weihnachtsgrüßen die Zusammenarbeit mit KIRCHE IN NOT: „Danke, dass Sie uns helfen, Menschenleben zu retten.“

 

„Beten Sie, dass dieser Krieg so bald wie möglich endet“

 

Der römisch-katholische Erzbischof von Lemberg, Mieczyslaw Mokrzycki, brachte seine Hoffnung auf ein Ende der Kämpfe zum Ausdruck: „Wir bitten Sie, darum zu beten, dass dieser Krieg so bald wie möglich endet“, sagte er in einer Videobotschaft. Er bat um weitere Unterstützung für die Priester und Ordensleute, „die in dieser schwierigen Zeit mit den Menschen arbeiten“.

Krippenspiel in einer katholischen Pfarrei in der Diözese Odessa-Simferopol. © Kirche in Not

Sein Weihbischof Eduard Kava betonte die Unterstützung von KIRCHE IN NOT bei der Ausbildung und Begleitung junger Menschen: „Dank Ihrer Hilfe können wir hier viele gute Dinge tun, besonders für die Jugend“, sagte Kava. Er wies auf ein Adventstreffen von Jugendlichen in der Nähe von Lemberg hin, „bei dem sie gemeinsam beten und für ihren kirchlichen Einsatz ausgebildet werden.“

 

Auch Nuntius Kulbokas verwies abschließend darauf, dass es neben der materiellen auch auf die geistliche Unterstützung an diesem Kriegsweihnachten ankomme. Es sei die „innere Kraft und Motivation“ der Kirche in der Ukraine, „allen die Freude und den Frieden Christi zu bringen – uns selbst, aber auch dem Militär, das die Ukraine verteidigt“.

- Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk , Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche
Seit Beginn der Ukrainekriegs im Februar 2022 hat KIRCHE IN NOT an die 700 Projekte der römisch-katholischen und der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine unterstützt. Das Hilfswerk fördert die Versorgung und Unterbringung von Kriegsflüchtlingen, die pastorale Arbeit von Seelsorgern und psychologische Schulungen von Priestern und Ordensleuten, die sich um traumatisierte Menschen kümmern.

 

Bitte unterstützen Sie die Nothilfe der Kirche in der Ukraine mit Ihrer Spende – online unter www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Ukraine

KIRCHE IN NOT unterstützt die kontemplativen Benediktinerinnen des Klosters Solonka in der Ukraine

Weitere Informationen

Nach Informationen von KIRCHE IN NOT (ACN) wurde am vergangenen Mittwoch in Hama im Nordwesten Syriens eine Attacke auf ein Gebäude der lokalen griechisch-orthodoxen Erzdiözese verübt. Zwei Minderjährige hätten auf die Hausfassade geschossen und versucht, ein Kreuz durch islamistische Parolen zu ersetzen. Sie seien durch die neuinstallierte Polizei festgenommen worden, teilten lokale Quellen mit, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben müssen. Die Jugendlichen hätten sich demnach als „Anhänger der Opposition“ ausgegeben.
Ein syrisches Mädchen betet vor einer Ikone (Archivbild). © Kirche in Not
Nach der Attacke habe es Gerüchte gegeben, dass auch der Friedhof der syrisch-katholischen Gemeinde von Hama geschändet worden sei. Wie ein lokaler Geistlicher feststellte, hätte der Vorfall jedoch bereits vor zehn Tagen stattgefunden. Damals kämpften Rebellen- und Regierungstruppen des gestürzten Machthabers Assad um die Stadt. Es sei nicht sicher, ob die Schäden auf dem Friedhof durch einen christenfeindlichen Akt oder die Kämpfe entstanden seien. Dennoch hätten die beiden Vorfälle Panik unter den Christen ausgelöst und alte Traumata geweckt, so die anonymen Quellen. Die aktuelle Situation sei von Angst und Unsicherheit geprägt.

 

Gespräche zwischen Christen und UN-Sondergesandten

 

Am 18. Dezember haben sich die Oberhäupter der christlichen Konfessionen in der Hauptstadt Damaskus mit dem UN-Sondergesandten für Syrien, dem Norweger Geir Pedersen, getroffen. Wie das melkitische griechisch-katholische Patriarchat auf seiner Facebookseite mitteilte, sei es dabei vor allem um zwei Punkte gegangen: Die gleichen Rechte für alle Bewohner Syriens, ungeachtet ihrer ethnischen oder konfessionellen Zugehörigkeit, und die neu zu erarbeitende Verfassung. Diese solle „die aktive Teilnahme aller syrischen Bevölkerungsschichten ohne Diskriminierung“ gewährleisten und „die kollektiven und individuellen Freiheiten“ sichern, heißt es in der Erklärung.

Christen in Aleppo beim Sonntagsgottesdienst nach dem Machtwechsel in Syrien. © Jacob/KIRCHE IN NOT
Die Zahl der Christen in Syrien wird nach verschiedenen Angaben auf unter 250 000 geschätzt, vor Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 waren es rund 2,5 Millionen. KIRCHE IN NOT hat in Syrien seit 2011 Projekte in einem Gesamtumfang von über 61 Millionen Euro unterstützt. Unser Hilfswerk steht den lokalen Gemeinden weiterhin bei und setzt sich für die Religionsfreiheit im Land ein.
Bitte unterstützen Sie die Nothilfe der Kirche in Syrien mit Ihrer Spende – online unter www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Syrien

Weltkirche aktuell am 22.12.2024: Weihnachten in Syrien nach dem Sturz Assads

Weitere Informationen

Nach einem Überraschungsangriff dschihadistischer Gruppen im Nordwesten Syriens hat ein Projektpartner sich mit der Bitte um Gebet und Hilfe an KIRCHE IN NOT (ACN) gewandt: „Angst macht sich breit. Die Lage ist sehr angespannt“, teilte Pater Hugo Alaniz mit.

 

Die Kämpfe zwischen syrischer Armee und Milizen seien weniger als zehn Kilometer von Aleppo entfernt, sagte der argentinische Ordensmann, der dem „Institut des inkarnierten Wortes“ angehört. „Es gibt heftige Zusammenstöße mit vielen Toten und Verletzten. Die Krankenhäuser sind überlastet.“ Die Dschihadistengruppen hätten mehrere Dörfer eingenommen, die wichtige Verkehrsroute zwischen Aleppo und Damaskus sei für die Zivilbevölkerung derzeit nicht passierbar.

Ein Ordensmann in Aleppo besucht eine erkrankte Frau. © Kirche in Not
Angesichts von Meldungen, dass die Milizen auf Aleppo vorrücken könnten, mache sich Unsicherheit und Furcht unter den Einwohnern breit, sagte der Pater. Auf seiner an KIRCHE IN NOT übersandten Sprachnachricht sind im Hintergrund Explosionen zu hören.

 

Kirchengemeinden für Schutzsuchende offen

 

Die örtlichen Kirchengemeinden seien für Schutzsuchende geöffnet, auch wenn sie dies zu einem potenziellen Angriffsziel machte, so Alaniz. Unter den Christen stellt er ein großes Gottvertrauen fest. „Wir bitten um das Gebet in dieser Situation. Hoffentlich geht sie schnell vorüber.“

 

KIRCHE IN NOT hat seit Beginn des Syrienkriegs im Jahr 2011 Projekte im Umfang von über 60 Millionen Euro unterstützt. Unser Hilfswerk finanziert die Verteilung von Lebensmitteln und Medikamenten, Schul- und Studiengebühren, Mietbeihilfen, Kinderfreizeiten und vieles andere mehr. Nach dem Erdbeben im Norden Syriens im Februar 2023 brachte KIRCHE IN NOT Sofort- und Wiederaufbauhilfen auf den Weg.

Pater Hugo Alaniz aus Aleppo. © Kirche in Not
Die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT (ACN), Regina Lynch, rief angesichts der jüngsten Eskalation erneut zu Gebet und Hilfe auf: „Beten wir um Frieden, den Schutz der Schwächsten und ein schnelles Ende der Gewalt in einem Land, das bereits seit über einem Jahrzehnt unermesslich leidet.“

 

„Kirche in Not“ bietet ein kostenloses Gebet um Frieden im Nahen Osten und weltweit an. Es kann bestellt werden unter: https://www.kirche-in-not.de/shop/gebetskarte-naher-osten-und-weltweit-2/

 

Bitte unterstützen Sie die Nothilfe der Kirche in Syrien mit Ihrer Spende– online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT

LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02

BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Syrien

Syrien: Warum halten die Christen zum Assad-Regime? (mit Pater Fadi Azar OFM)

Weitere Informationen

Christen in zahlreichen Ländern weltweit leiden unter steigender Gewalt, Diskriminierung und weiteren Verletzungen der Menschenrechte. Das ist das Ergebnis des Berichts „Verfolgt und vergessen?“, dessen Neuauflage das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) bei einer Pressekonferenz in Fulda vorgestellt hat.

 

„Die Lage der Christen hat sich in vielen Ländern verschlechtert“, erklärte die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT (ACN), Regina Lynch. Sie wies ausdrücklich darauf hin, dass die Verfolgung und Diskriminierung nicht nur Christen, sondern auch Angehörigen anderer religiöser Minderheiten betreffe. KIRCHE IN NOT mache sich auch für die generelle Einhaltung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit stark.

Bei der Vorstellung des Berichts „Verfolgt und Vergessen?“: Regina Lynch, Geschäftsführende Präsidentin von „Kirche in Not“ (ACN) und Bischof Gerald Mamman Musa aus Katsina/Nigeria. © Kirche in Not
Der Bericht „Verfolgt und vergessen?“, den das Hilfswerk alle zwei Jahre herausgibt, liefert für den Zeitraum von Sommer 2022 bis Sommer 2024 globale und regionale Analysen von Christen in 18 Ländern. Der Bericht enthält Zeugenaussagen aus erster Hand von Überlebenden antichristlicher Angriffe sowie Details zu Vorfällen, die auf Informationen von Projektpartnern und Kontakten von KIRCHE IN NOT beruhen.

 

„Afrika ist zum Epizentrum islamistischer Gewalt geworden“

 

Besonders besorgt blickt das Hilfswerk auf die Lage in Afrika. Dorthin habe sich vom Nahen Osten aus das „Epizentrum islamistischer Gewalt“ verlagert, erklärte Lynch. In den untersuchten afrikanischen Ländern wie Burkina Faso, Mosambik oder Nigeria lösten „islamistische Angriffe eine Massenmigration christlicher Gemeinschaften aus“, heißt es in dem Bericht. Diese Entwicklung werfe „Fragen zum langfristigen Überleben der Kirche in afrikanischen Schlüsselregionen auf.“

Zerstörte Kirche in Tell Tamer im Nordosten Syriens (Archivbild). © Kirche in Not
Lynch nannte China, Eritrea und den Iran als Beispiele für Länder „in denen Christen als Feinde des Staates ins Visier genommen werden.“ In anderen Ländern setzten staatliche und nichtstaatliche Akteure „Gesetze zunehmend als Waffe ein, um Christen und andere Minderheiten zu unterdrücken.“ Wie „Verfolgt und vergessen?“ dokumentiert, wurden zum Beispiel im Indien im Berichtszeitraum mehr als 850 Christen inhaftiert.

 

Gewalt gegen christliche Frauen und Mädchen

 

Wiederholt finden sich im Bericht Schilderungen von Entführungen und Zwangskonversionen christlicher Frauen und Mädchen, zum Beispiel in Pakistan, oder abwertende Beiträge über Christen in Schulbüchern. Einzig in Vietnam seien leichte Verbesserungen für Christen festzustellen, bilanziert „Verfolgt und vergessen?“. Das Land habe zum Beispiel diplomatische Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl aufgenommen.

Die Titelseite des neuen Berichts „Verfolgt und vergessen?“ © Kirche in Not

Neu in der 18-jährigen Geschichte von „Verfolgt und vergessen?“ ist ein Bericht zur Lage in Nicaragua. Dort geht die Ortega-Regierung massiv gegen die Christen vor; zahlreiche kirchliche Mitarbeiter wurden verhaftet, Priester und Bischöfe ausgewiesen.

 

„Christen leiden unverhältnismäßig stark“

 

Aus erster Hand konnte bei der Pressekonferenz Bischof Gerald Mamman Musa aus Katsina im Nordwesten Nigerias berichten. Die Region sei zu einem Brennpunkt organisierter Kriminalität und des gewalttätigen Extremismus geworden. Neben dschihadistischen Gruppen wie „Boko Haram“ stellten Milizen aus dem Nomadenstamm der Fulani mittlerweile eine noch „größere Bedrohung“ dar. Die Gewalt treffe Muslime wie Christen, betonte der Bischof. Allerdings litten Christen „unverhältnismäßig stark“: So seien zwischen 2019 und 2023 über 16 000 Christen getötet worden.

 

Entführungen von Priestern und kirchlichen Mitarbeitern seien mittlerweile an der Tagesordnung. „Angriffe auf Kirchen, Entführungen und Morde sollen Angst schüren, das Gemeinschaftsleben stören und die Aufmerksamkeit auf die Anliegen dieser Gruppen lenken“, sagte der Bischof.

Zeugnis von Bischof Musa im Augsburger Dom während des „Red Wednesday“ 2024.
Christen seien am Arbeitsplatz, in der Politik oder in der Rechtsprechung diskriminiert, da in zahlreichen nigerianischen Bundesstaaten die Scharia gelte. Die Ursachen für Intoleranz seien vielfältig, beruhten häufig aber auch auf einer Unkenntnis der Lebensweise und Ansichten der Angehörigen der jeweils anderen Religion. Musa forderte deshalb umfassende Bildungsbemühungen und Initiativen für Religionsfreiheit und Frieden: „Wir Christen Nigerias danken ,KIRCHE IN NOT’ für die Unterstützung in Krisenzeiten.“

 

Der Bischof wies daraufhin, dass Verfolgung und Gewalt nicht zu einem Rückgang der religiösen Praxis geführt hätten. Das Gegenteil sei der Fall: „Die Christen, die getötet wurden, haben ihr Blut nicht umsonst vergossen. Viele Menschen werden angezogen vom Glauben.“

 

„Red Wednesday“ ruft zu Solidarität auf

 

Der Bericht „Verfolgt und Vergessen?“ wurde im Rahmen der Aktion „Red Wednesday“ vorgestellt, zu der KIRCHE IN NOT rund um den 20. November einlädt. Kirchen und öffentliche Gebäude werden dabei rot beleuchtet, um auf das Schicksal verfolgter und bedrängter Christen hinzuweisen. Dieses Jahr gibt es Aktionen in 23 Ländern; in Deutschland machen rund 200 Pfarreien mit, darunter die Kathedralen in Paderborn, Fulda und Augsburg.

- Bischof Gerald Mamman Musa
Der 45-seitige Bericht „Verfolgt und vergessen?“ steht zum Download bereit unter: https://www.kirche-in-not.de/informieren/verfolgt-und-vergessen/.

 

Eine gedruckte Version ist zum Preis von einem Euro bestellbar: https://www.kirche-in-not.de/shop oder unter Angabe der Bestellnummer 10379 bei: KIRCHE IN NOT, Lorenzonistraße 62, 81545 München, Telefon: 089 / 64 24 88 80, E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de.

Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichts "Verfolgt und vergessen?"

Weitere Informationen

Ein Zeichen für Religionsfreiheit und Frieden hat die Frankfurter Dompfarrei am vergangenen Sonntagabend mit der Abschlussmesse für die bundesweite Aktion „Red Wednesday“ von KIRCHE IN NOT (ACN) gesetzt. „Am Red Wednesday darf daran erinnert werden, was in der Welt im Argen liegt“, erklärte der Geistliche Assistent von KIRCHE IN NOT Deutschland, Pater Hermann-Josef Hubka, in seiner Predigt.
Pater Hermann-Josef Hubka, Geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT Deutschland © Kirche in Not
Heilige Messe im Frankfurter Dom © Kirche in Not
Schon zur Zeit Jesu hätten Menschen Verfolgung und Diskriminierung durch staatliche Gewalt erfahren. Die Erwartung einiger Jünger sei darum gewesen, dass Jesus zum Aufstand aufrufe. „Doch das wäre kurzlebig gewesen“, meinte Hubka, „denn schauen wir uns die Reiche dieser Welt an: Wo sind sie geblieben?“ Das Reich Gottes sei das einzig beständige, erklärte Hubka. „Im Kern besteht es aus zwei Dingen: Liebe und Schönheit.“ Dieses Reich voranzutreiben sei die Aufgabe aller Christen. „Wir sind sein Vorbereitungsteam. Es gibt viel zu tun, bis die Welt gesund wird und wir keinen Red Wednesday mehr brauchen“, sagte der Pater mit Blick auf die vielen Kriege und Krisen dieser Tage.

 

Während der „Red Wednesday“-Woche vom 16. bis 24. November wurden in ganz Deutschland Kirchen rot beleuchtet, um auf die Themen Religionsfreiheit und Christenverfolgung aufmerksam zu machen. Höhepunkte waren Großveranstaltungen in den Kathedralen von Fulda, Augsburg und Paderborn. Nähere Informationen über die Aktion gibt die Internetseite www.red-wednesday.de.

Mike Josef, Oberbürgermeister von Frankfurt am Main (Bild: Stadt Frankfurt am Main)
KIRCHE IN NOT macht mit der Aktion „Red Wednesday“ auf verfolgte Christen weltweit aufmerksam, ohne dabei Andersgläubige oder Bekenntnislose zu vergessen, denen ihr Recht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit ebenfalls untersagt wird. In seinem Grußwort zur Frankfurter Veranstaltung betonte der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef: „Wenn sich Christen nur um die Freiheit von Christen kümmern, Hindus nur um die Freiheit von Hindus, Muslime nur um die Freiheit von Muslimen, dann ist das nicht das Miteinander von Religionen, das wir meinen.“

 

Bereits seit 2015 werden rund um den „Red Wednesday“, der in diesem Jahr auf den 20. November fällt, Kirchen und staatliche Gebäude rot angestrahlt, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Schicksal verfolgter und benachteiligter Christen zu lenken und ein Zeichen für das Menschenrecht auf Religionsfreiheit zu setzen. Zu den Bauwerken, die in den vergangenen Jahren rot angestrahlt wurden, zählen das Kolosseum und der Trevi-Brunnen in Rom, die Christusstatue in Rio de Janeiro, das österreichische Parlamentsgebäude sowie in Deutschland die Kathedralen von Augsburg, Dresden, Freiburg, Paderborn, Passau und Regensburg.

- Pater Hermann -Josef Hubka
Informationen über die aktuelle Lage der Religionsfreiheit weltweit stellt „Kirche in Not“ unter www.religionsfreiheit-weltweit.de zur Verfügung.

Red Wednesday 2024: Schwerpunkte der Christenverfolgung (mit Florian Ripka)

Weitere Informationen

Am Abend des 20. November bot sich Passanten und Besuchern des Augsburger Doms ein ungewohntes Bild: Das Eingangsportal und das Innere der Kathedrale war rot angestrahlt, um Solidarität mit verfolgten und diskriminierten Christen in vielen Teilen der Welt zu signalisieren. Zu diesem „Red Wednesday“ (roten Mittwoch) ruft das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ jedes Jahr Ende November weltweit auf. Der Augsburger Dom war nach 2022 zum zweiten Mal dabei.

 

Als weltkirchlicher Gast war Bischof Gerald Mamman Musa aus Nigeria zu einem „Abend der Zeugen“ in das Gotteshaus gekommen. Der Gottesdienst wurde auch live im Internet übertragen. Musa leitet seit Ende 2023 das Bistum Katsina im Nordwesten Nigerias. Das Gebiet ist einer der Hauptschauplätze von organisierter Kriminalität und islamistischer Gewalt, die christliche wie muslimische Bewohner gleichermaßen trifft, wie der Bischof betonte.

Bischof Gerald Mamman Musa (hier bei einem Besuch in der Internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus).
Dennoch litten Christen unverhältnismäßig stark: So seien zwischen 2019 und 2023 über 16 000 Christen in Nigeria bei gewaltsamen Übergriffen getötet wurden. Diese gingen auf das Konto bewaffneter Banden, von Extremisten aus dem Nomadenvolk der Fulani und dschihadistischer Gruppen wie Boko Haram, berichtete Bischof Musa: „Angriffe auf Kirchen, Entführungen und Morde sollen Angst schüren, das Gemeinschaftsleben stören und die Aufmerksamkeit auf die Anliegen dieser Gruppen lenken.“

 

„Christentum ist ein Licht, das in der Dunkelheit der Verfolgung leuchtet“

Der Bischof zeigte in seiner Analyse Ursachen des Extremismus wie Armut, Korruption, politische Aufstachelung auf und benannte auch Lösungsansätze, vor allem Bildung, Programme zur Friedenskonsolidierung und zur Stärkung der Religionsfreiheit. Musa dankte „Kirche in Not“ und anderen Akteuren, dass sie bedrängte Christen und die Arbeit der Kirche weltweit unterstützten: „Das Christentum ist ein Licht, das in der Dunkelheit der Verfolgung leuchtet. Trotz Drohungen, Angriffe und Not bleibt der christliche Glaube bestehen und zeigt Widerstandsfähigkeit und unerschütterliches Vertrauen auf Gott.“

Ansprache von Bischof Musa beim „Abend der Zeugen“. © Kirche in Not
Der rot erleuchtete Augsburger Dom. © Kirche in Not
Den „Red Wednesday“ von „Kirche in Not“ gibt es seit 2015. In diesem Jahr werden in 23 Ländern Kirchen und Gebäude rot angestrahlt, sowie zu Gebeten und Informationsveranstaltungen eingeladen. In Deutschland machen dieses Jahr rund 200 Pfarreien mit.

Nähere Informationen zur Aktion finden sich auf der Webseite www.red-wednesday.de.

Informationen über die aktuelle Lage der Religionsfreiheit weltweit stellt „Kirche in Not“ unter www.religionsfreiheit-weltweit.de zur Verfügung.

Ansprache von Bischof Gerald Mamman Musa beim "Abend der Zeugen" im Augsburger Dom

Weitere Informationen

Beobachter befürchten zunehmende soziale und religiöse Spannungen aufgrund der zunehmenden Flüchtlingsströme im Libanon. „Das könnte den Boden für künftige Konflikte bereiten“, erklärt die Projektkoordinatorin von KIRCHE IN NOT (ACN) im Libanon, Marielle Boutros. Schon jetzt seien einige Libanesen vorsichtig bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Süden des Landes, da sie befürchten, dass deren Anwesenheit zu Angriffen führen könnte.
Eine Flüchtlingsfamilie in einer kirchlichen Suppenküche. © Kirche in Not
Mittlerweile seien rund ein Viertel der Einwohner des Libanon, insgesamt 1,5 Millionen Menschen, innerhalb des Landes auf der Flucht. Die meisten hielten sich im Libanongebirge und in noch weiter nördlichen Landesteilen auf. „Es fehlt ihnen an allem: Nahrung, medizinische Versorgung, Wasser, Kleidung, Hygieneartikel. Sie konnten nichts mitnehmen“, berichtet Boutros. Viele Menschen suchten Zuflucht in Gegenden, in denen mehrheitlich Christen leben. Das stellt die Diözesen vor große Herausforderungen.

 

„Erschöpfung wird zunehmen“

 

„Die Kirche hat schnell reagiert. Die kirchlichen Mitarbeiter empfangen die Menschen immer noch mit viel Nächstenliebe“, stellt Boutros fest. Doch mittlerweile seien viele Menschen körperlich wie psychisch am Ende. Obwohl die Militäraktion hauptsächlich terroristischen Zielen der Hisbollah gelte, seien viele Menschen ständig in Gefahr, Opfer von Kollateralschäden zu werden. „Die Erschöpfung wird jetzt sowohl auf Seiten der Flüchtlinge als auch auf der Seite der Helfer allzu deutlich, und sie wird noch zunehmen“, zeigt sich die Mitarbeiterin von KIRCHE IN NOT besorgt.

Libanon: Ordensschwester in einer improvisierten Flüchtlingsunterkunft. © Kirche in Not
Hinzu komme, dass der Libanon politisch und wirtschaftlich schon seit Jahren in der Krise sei. Das wirke sich auch auf die Arbeit der Kirche aus: „Man darf nicht vergessen, dass sie während der Finanzkrise ihre Ersparnisse verloren und dennoch ihre karitativen Dienste weitergeführt hat. Viele kirchliche Mitarbeiter haben kein festes Einkommen. Es ist wirklich bedrückend.“

 

Wiederaufbau ohne fremde Hilfe unmöglich

 

Die Menschen im Libanon stellten sich auf einen schwierigen Winter ein; ein Ende der Kämpfe sei nicht abzusehen. Vor allem die Bewohner aus dem Südlibanon könnten in absehbarer Zeit nicht zurück. Marielle Boturos schätzt, dass viele Christen vielleicht schneller zurückkehren könnten, da ihre Häuser weniger beschädigt seien. Dennoch sei ein Wiederaufbau ohne ausländische Hilfe nicht möglich, da die meisten Menschen über keinerlei Ersparnisse mehr verfügten.

Marielle Boutros, Projektkoordinatorin von „Kirche in Not“ im Libanon. © Kirche in Not
KIRCHE IN NOT unterstützt aktuell 15 Projekte von Diözesen und Ordensgemeinschaften, die sich um Binnenflüchtlinge kümmern. Darüber hinaus liege eine Priorität bei der Hilfe für katholische Schulen, von denen viele aufgrund der Sicherheitslage auf Onlineunterricht umgestellt haben, erklärte Boutros: „Neben all der pastoralen Arbeit, die von den Diözesen und Orden geleistet wird, ist das Bildungssystem sehr wichtig. Wenn es im Libanon etwas gibt, das im Moment Bestand hat, dann sind es die katholischen Schulen.“

Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende

oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT

LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02

BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Libanon

Christen in Libanon brauchen Ihre Hilfe

Der wachsende Einfluss islamistischer Gruppen macht Christen in Bangladesch immer mehr zu schaffen: Angriffe auf kirchliche Schulen nähmen zu, Christen würden bei der Arbeitssuche benachteiligt und kirchliche Bauprojekte von Behörden verzögert. Das berichtet ein Ansprechpartner, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben muss, KIRCHE IN NOT (ACN).

 

Laut der Quelle gehe die Radikalisierung auf das Konto der fundamentalistischen Jamaat-e-Islami-Partei. Sie unterhalte Verbindungen zur Regierung und wolle, „dass der Islam die einzige Religion in Bangladesch“ sei.

Christen aus Bangladesch beten im Garten eines Pfarrhauses den Rosenkranz.
Besonders katholische Schulen und Universitäten stünden im Visier der Radikalen. So habe eine Gruppe, die von Jamaat-e-Islami kontrolliert werde, im August eine katholische Schule in der Provinzhauptstadt Lakshmipur im Südosten des Landes in Brand gesteckt, berichtet der Ansprechpartner. Andere Gruppen übten zunehmend Druck auf katholische Einrichtungen aus und forderten sie auf, das Führungspersonal auszuwechseln.

 

Priester und Ordensfrauen zu „unerwünschten Personen“ erklärt

 

„Ihr Ziel ist es, die Verwaltung der Schulen zu übernehmen“, so die Quelle. „Sie fordern die islamische Kleiderordnung und versuchen, die Kontrolle über Verwaltung und Finanzen zu erlangen.“ Bestimmte Priester, Ordensfrauen und weltliche Lehrer an kirchlichen Schulen würden zu „unerwünschten Personen“ erklärt. Unter dem Druck radikaler Kräfte hätten bereits zwei Ordensfrauen an einer Schule und ein Priester an einer Universität von ihren Aufgaben zurücktreten müssen, berichtet der Ansprechpartner.

Kreuz auf einer Kirche in Bangladesch. © Kirche in Not
Kürzlich habe die Regierung außerdem weitere islamische Feste zu staatlichen Feiertagen erklärt, das christliche Osterfest sei dagegen nicht berücksichtigt worden. „An Ostern müssen die Christen arbeiten und christliche Schüler und Studenten sind gezwungen, Prüfungen abzulegen, so dass sie nicht an den Gottesdiensten teilnehmen können“, berichtet die Quelle.

 

Außerdem würden es die Behörden den Christen „schwer machen, neue Kapellen zu bauen“; Genehmigungen für den Bau neuer Gotteshäuser und kirchlicher Einrichtungen würden in die Länge gezogen oder ganz verweigert – und dies, obwohl in der Verfassung Bangladeschs Religionsfreiheit garantiert sei. Der Ansprechpartner berichtete, dass die katholische Kirche ein Rechtskomitee eingerichtet habe, das Gemeinden berät und bei juristischen Streitigkeiten vermittelt.

 

Christen in Bangladesch vor einem kirchlichen Gebäude.
Katecheten übernehmen verantwortliche Positionen

 

KIRCHE IN NOT unterstützt in Bangladesch den Unterhalt kirchlicher Einrichtungen, finanziert mit Mess-Stipendien den Lebensunterhalt und die Arbeit von Priestern, stellt Fahrzeuge für die Seelsorge bereit und unterstützt die Schulung von Katecheten. Gerade diese Ausbildung sei wichtig, betonte der Ansprechpartner: „Katecheten helfen oft den Dorfvorstehern und sind sehr anerkannt, die sie über viele Kenntnisse verfügen. Wir bilden unsere Katecheten umfassend aus, damit sie Pfarreien in entlegenen Gebieten gut leiten können.“

Eingang zur St.-Joseph-Schule.

Die Zahl der Christen in Bangladesch liegt bei unter einem Prozent der Gesamtbevölkerung. Seit August leitet Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus übergangsweise die Regierung des Landes; Neuwahlen wurden angekündigt. Vorausgegangen waren Proteste vor allem junger Menschen gegen die politischen Verhältnisse. Der früheren Regierungschefin Sheikh Hasina und führenden Mitarbeitern wird vorgeworfen, für den Tod hunderter Demonstranten verantwortlich zu sein.

 

Die ehemalige Premierministerin hält sich mittlerweile in Indien auf. Zahlreiche Gruppen fordern, sie nach Bangladesch auszuliefern und vor Gericht zu stellen. Mit dem politischen Wechsel verbinden zahlreiche Menschen in Bangladesch Hoffnungen auf eine bessere Entwicklung des Landes – Hoffnungen, die sich für die christliche Minderheit aktuell nicht zu bewahrheiten scheinen.

Bitte unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in Bangladesch mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT

LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02

BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Bangladesch

TV-Doku: Christen in Bangladesch: "Der wöchentliche Liebesbrief"

Weitere Informationen

Eine ausfürliche Würdigung des Lebenswerks von Rudolf Grulich lesen Sie hier.

 

Rudolf Grulich feiert am 16. April seinen 80. Geburtstag. Der renommierte Kirchenhistoriker leitete von 1982 bis 1985 die Informationsabteilung des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ in Königstein im Taunus. Viele Jahre war er auch Berater des deutschen Zweigs von „Kirche in Not“, unter anderem zu Fragen der Religionsfreiheit, insbesondere in islamischen Ländern. Als Experte von „Kirche in Not“ kommentierte Grulich unter anderem den Türkei-Besuch von Papst Benedikt XVI. 2006 live in der ARD.

 

Auch in von „Kirche in Not“ produzierten Radio- und TV-Produktionen gab er in zahlreichen Interviews tiefe Einblicke in die Situation der Christen in der Türkei. Seit 2010 begleitet er als wissenschaftlicher Reiseleiter die von „Kirche in Not“ jährlich organisierten Wallfahrten in die Länder Ostmitteleuropas.

Titelbild des „Glaubens-Kompasses“ über die heilige Katharina von Siena.
Rudolf Grulich wurde am 16. April 1944 im mährischen Runarz geboren. Zwei Jahre später wurde er zusammen mit Mutter und Großmutter aus der Heimat vertrieben. Die Familie kam nach Oberfranken; sein Vater war zu diesem Zeitpunkt noch in französischer Kriegsgefangenschaft. Unter anderem wegen dieses Hintergrundes der eigenen Vertreibung war Grulich dem Hilfswerk „Kirche in Not“, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg für die deutschen Heimatvertriebenen einsetzte, schon früh sehr verbunden.

 

Ein Leben für Heimat, Menschenrechte und Europa

Das Schicksal seiner Heimat hat Rudolf Grulich geprägt und seine wissenschaftliche Arbeit beeinflusst. Nach dem Studium der katholischen Theologie und der slawischen Sprachen in Königstein im Taunus, Augsburg und Zagreb war er für die Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung in München tätig, sowie wissenschaftlicher Assistent an den theologischen Fakultäten der Universitäten Bochum und Regensburg.

Rudolf Grulich mit dem 2010 ermordeten Bischof von Iskenderun, Luigi Padovese, im Jahr 2005.
Professor Grulich ist seit 1988 wissenschaftlicher Direktor des heute im hessischen Friedberg ansässigen „Instituts für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien“. Als Honorarprofessor lehrte er seit 1990 Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seit 2016 ist er Zweiter Vorsitzender des Jüdischen Museums Nidda.

 

Europaweite Anerkennung

Wegen seines enormen Sachverstandes, seines sachlichen Urteils und seiner Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen wurde Grulich in zahlreiche Gremien berufen. So wurde er zum Beispiel in Bundesvorstand der Sudetendeutschen Landsmannschaft gewählt und in den Sudetendeutschen Rat berufen, außerdem in die Arbeitsgruppe Vertriebenenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz. Gemeinsam mit anderen Experten verantwortete er das Projekt „Kirche und Nationalismus im 19. und 20. Jahrhundert in den böhmischen Ländern“ der Karlsuniversität Prag.

Rudolf Grulich (links) als Reiseleiter einer Pilgergruppe auf einer Wallfahrt im Jahr 2013, die von KIRCHE IN NOT mitveranstaltet wurde.
Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit sind die Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, die Kirchen im Osten sowie Volksgruppen und Minderheiten in Europa; diese Themen bilden daher auch einen Schwerpunkt seiner Veröffentlichungen.

 

Grulich hat zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten, darunter 1996 zwei hohe kroatische Orden, im Jahr 2008 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2012 die Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen sowie 2018 den Ehrenbrief der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Blick auf Prag während einer Wallfahrt von KIRCHE IN NOT
Auch nach der Emeritierung im Einsatz für „Kirche in Not“

Seit 2010 leitete Prof. Grulich in Zusammenarbeit mit „Kirche in Not“ Jahreswallfahrten in die Länder Mittelosteurops.

Bei „Kirche in Not“ ist von Rudolf Grulich unter anderem das Buch „Maria – Königin des Ostens“ erschienen. Es kann für fünf Euro bestellt werden: entweder online oder bei:

KIRCHE IN NOT
Lorenzonistr. 62
81545 München
Telefon: 089 / 64 24 888 – 0
Fax: 089 / 64 24 888 50
E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

Während der Krieg im Gazastreifen und die eskalierenden Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern weiterhin andauern, befinden sich auch die Christen im Westjordanland und in Jerusalem in einer zunehmend verzweifelten Lage. Dies geht aus Informationen hervor, die dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) vorliegen.

 

Die Arbeitslosenquote von 72 % stelle den Angaben zufolge einen neuen Rekord in der Geschichte des Heiligen Landes da, die Region leide unter einer weit verbreiteten Wirtschaftskrise. Viele Familien hätten aufgrund von Massenentlassungen, der totalen Lähmung des Tourismussektors sowie strengen Bewegungseinschränkungen im Land ihre Einkommensquelle verloren und kämpften ums nackte Überleben, heißt es in der Mitteilung von „Kirche in Not“.

Leere Einkaufsstraße in Muristan, einem christlichen Viertel von Jerusalem, in der Nähe des Heiligen Grabes in der Altstadt © Andreas Hermann Fritsch
Darüber hinaus stelle der Entzug der Arbeitserlaubnis für Palästinenser durch die israelischen Behörden ein langfristiges Problem dar. Berichten zufolge sollen mehr als 80 000 indische Arbeitskräfte ins Land kommen, um Arbeitsplätze zu übernehmen, die zuvor von Palästinensern besetzt waren. Lokale Quellen bestätigten gegenüber „Kirche in Not“ Informationen, die in mehreren israelischen Medien veröffentlicht wurden.

 

Diese Maßnahme werde teilweise als Vergeltung für die Angriffe im vergangenen Oktober betrachtet, mit dem Ziel, Palästinenser – Christen wie Muslime – zu isolieren und an den Rand zu drängen. „Leider ist das Vertrauen zwischen Israel und den Palästinensern zerbrochen, und es ist unwahrscheinlich, dass es in den nächsten Jahrzehnten wiederhergestellt werden kann“, so eine lokale Quelle, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, gegenüber „Kirche in Not“.

Zusammenstellung von Medikamenten für chronisch Kranke. © Kirche in Not
In Zusammenarbeit mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem hat „Kirche in Not“ Arbeitsvermittlungs- und Berufsbildungsprogramme zur Unterstützung von Arbeitslosen – vor allem junger Menschen und Mitglieder von Familien in besonders prekärer Lage – durchgeführt. Insgesamt 62 Personen haben bereits von der ersten Phase dieses Programms profitiert. Hunderte stehen auf der Warteliste für ähnliche Programme.

 

862 Familien im Westjordanland und in Jerusalem haben Hilfe von ACN erhalten

 

„Kirche in Not“ leistet auch medizinische und humanitäre Soforthilfe für Familien, die direkt von der Wirtschaftskrise im Westjordanland und in Jerusalem betroffen sind. Bisher haben 862 Familien Unterstützung von „Kirche in Not“ erhalten, insgesamt 3448 Personen im Westjordanland und in Jerusalem. Davon haben 602 Familien Lebensmittelgutscheine erhalten, 122 Familien erhielten medizinische Hilfe, entweder für den Kauf von Medikamenten oder für medizinische Behandlungen. In 128 weiteren Fällen erhielten christliche Familien Unterstützung bei der Begleichung fälliger Rechnungen, damit sie nicht von lebenswichtigen Dienstleistungen abgeschnitten werden. Das Projekt kam auch katholischen Wanderarbeitern und ihren Familien in prekären Situationen zugute

Der Tempelberg in Jerusalem
Einer der Begünstigten ist Yousef, ein 65-jähriger Einwohner von Ramallah, der seine Stelle als Arbeiter in Israel verloren hat. Seine Frau verdient als Reinigungskraft kaum genug, um Yousef und ihre drei Kinder zu unterstützen, die alle eine höhere Ausbildung absolvieren. Yousef leidet unter Herzproblemen, weshalb ihn „Kirche in Not“ bei der Beschaffung der notwendigen Medikamente unterstützt.

 

Ein weiteres Beispiel ist Majdi, ein 60-jähriger Einwohner Bethlehems, der aufgrund des Krieges seine Arbeit im Tourismus verloren hat. Auch seine beiden Töchter stehen vor Herausforderungen: eine leidet an Diabetes, die andere hat finanzielle Probleme, nachdem ihr Mann seine Arbeit verloren hat. „Kirche in Not“ unterstützt die Familie mit Lebensmittelgutscheinen.

 

Michelin, 52, lebt von ihrem Mann getrennt mit drei Kindern in einer kleinen Wohnung in Jerusalem, die von der Kustodie des Heiligen Landes zur Verfügung gestellt wurde. Wegen des Krieges hat sie ihre Stelle in einem Kindergarten verloren. Auch eine ihrer Töchter verlor ihren Teilzeitjob in einem Hotel. Ihr Sohn ist der einzige Ernährer der Familie und verdient als Handwerker in einem örtlichen Hotel wenig. Die Familie hat Lebensmittel erhalten sowie Geld, um ihre alten Rechnungen zu bezahlen, aber ihre Situation bleibt schwierig.

Die Mauer zwischen Israel und Palästina.
Suleiman, ein dreifacher Vater, erhält ebenfalls Unterstützung in Form von Lebensmittelmarken und Hilfe bei der Begleichung von Rechnungen für Versorgungsleistungen. Er und zwei seiner Söhne arbeiteten als Sicherheitsbeamte in einem Luxushotel in Jerusalem. Nach den Anschlägen vom 7. Oktober wurden Suleiman und seine beiden Söhne entlassen. Seitdem haben sie große Schwierigkeiten und kämpfen darum, genug zu essen zu haben. Die Unterstützung von „Kirche in Not“ entscheidend, um dieser Familie auf ihrem Weg zu Stabilität und Selbstständigkeit zu helfen.

 

 

Bitte unterstützen Sie die christliche Minderheit in den Palästinensischen Gebieten und in Jerusalem und die Arbeit der lokalen Kirche mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT

LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02

BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Heiliges Land

 

Pater Nikodemus Schnabel über Hooligans der Religion

KIRCHE IN NOT (ACN) fördert das Basisprogramm an der lateinamerikanischen „Academia de Líderes Catolicós“ (Akademie Katholischer Führungskräfte). Sie ist an 12 Standorten tätig, unter anderem in Chile, Mexiko, Kolumbien, Brasilien, Peru und Paraguay.
Diplomverleihung in Brasilien. Links: Akademiedirektor José Antonio Rosas Amor. © Kirche in Not
Die Ausbildung richtet sich an Schüler, Studenten, Berufsanfänger und erfahrene Mitarbeiter aus den Bereichen Wirtschaft, Justiz, Verwaltung sowie kirchlichen und politischen Organisationen. Diese bekommen unter anderem eine Einführung in die katholische Soziallehre sowie politische und gesellschaftliche Grundlagen vermittelt. Eingebettet ist die insgesamt dreistufige Schulung in ein aktives geistliches Leben und Seelsorgeangebot.

 

Immer weniger Katholiken engagieren sich

 

Initialzündung war die Erfahrung, dass sich in Lateinamerika immer weniger Katholiken am politischen und gesellschaftlichen Leben beteiligen, erklärte Akademiedirektor José Antonio Rosas Amor bei einem Besuch in der Zentrale von KIRCHE IN NOT  in Königstein im Taunus: „Die Vorstellung, dass Politik korrumpiert, hat dazu geführt, dass es selbst in Ländern mit einem hohen Anteil an Katholiken kaum Politiker gibt, die christliche Werte vertreten.“ Dies habe sich erneut bei den Wahlen im Jahr 2023 gezeigt, die in Chile, Peru, Paraguay, Argentinien und Guatemala stattfanden.

Vortrag bei einer Ausbildung in Costa Rica. © Kirche in Not
Rosas betonte, dass bei den vielen Bürgerprotesten in lateinamerikanischen Staaten atheistische Politiker tonangebend seien. Diese Bewegungen würden oft zu „anarchischen Bewegungen“ mutieren. Deshalb versuche die „Akademie Katholischer Führungskräfte“ junge Menschen nach christlichen Werten auszubilden sowie zum politischen Engagement zu ermutigen: „Nur durch aktive Teilnahme an der Politik kann ein positiver Wandel erreicht werden“, betonte Rosas.

 

Schutz vor Isolierung und Manipulation

 

Die Ausbildung beschränke sich nicht nur auf die Vermittlung von Bücherwissen, sondern lege auch den Fokus auf Gewissensbildung und eine persönliche Christusbeziehung. „Katholiken müssen politisches Engagement mit der Kraft übernehmen, die nur aus dem Gebet kommt“, betonte Rosas. Wichtig sei auch die Unterstützung in der Gemeinschaft, da politische Arbeit die Menschen auch schnell isolieren könne oder anfällig für Manipulation mache.

Neben der Ausbildung von Laien fördert KIRCHE IN NOT – wie hier in Peru – auch das Studium angehender Priester.
Die Ausbildung sei besonders in ländlichen Regionen wichtig, wo es darum gehe, soziales Engagement zu fördern, erklärte der Akademiedirektor. „Wir freuen uns, dass sich viele Menschen nach dem Kurs entschlossen haben, sich politisch einzubringen und so zum Wohl der Gesellschaft beizutragen.“
Bitte unterstützen Sie kirchliche Friedensarbeit und die Ausbildung katholischer Führungskräfte in Lateinamerika mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT

LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02

BIC: GENODEF1M05

KIRCHE IN NOT unterstützt die Ausbildung von Laien weltweit

Weitere Informationen

Obwohl sich die Kämpfe vorwiegend auf den Gaza-Streifen konzentrieren, hat der Krieg im Heiligen Land auch Auswirkungen auf die christliche Minderheit in den weiteren Palästinensischen Gebieten. Von KIRCHE IN NOT (ACN) zusammengetragene Informationen ergeben, dass nach den Terroranschlägen und der israelischen Gegenwehr in Ostjerusalem und im Westjordanland über 4500 Christen aktuell ohne Arbeit sind – das entspricht über acht Prozent der christlichen Bevölkerung in diesen beiden Territorien.

 

Tourismus ist zusammengebrochen

 

„Die meisten Christen dort arbeiten im Tourismussektor. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt als Reiseführer, Hotelangestellte, Ladeninhaber, Verkäufer oder Kunsthandwerker“, erklärte der Projektdirektor von KIRCHE IN NOT, Marco Mencaglia. Mit Kriegsausbruch sei der Tourismus nahezu vollständig zum Erliegen gekommen, weshalb viele Menschen von heute auf morgen ohne Einkommen dastünden. „Darüber hinaus sind täglich mehrere hundert christliche Arbeitskräfte zum Arbeiten auf israelisches Staatsgebiet gefahren. Durch die Schließung der Grenzen ist dies nun ebenfalls nicht mehr möglich“, sagte Mencaglia.

Marco Mencaglia, Projektdirektor von KIRCHE IN NOT (ACN). © Kirche in Not
Um den arbeitslosen Menschen und ihren Familien beizustehen, hat KIRCHE IN NOT in Kooperation mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem einige Sofortmaßnahmen ergriffen: Betroffene Personen erhalten Lebensmittelgutscheine oder Mietzuschüsse, „damit Familien in ihrer Wohnung bleiben können und nicht zwangsgeräumt werden“, betonte der Projektdirektor. Auch unterstützt KIRCHE IN NOT die Versorgung von chronisch kranken Personen, den Betrieb kleinerer Unternehmen und übernimmt die Ausbildungsgebühren für Schüler und Studenten.

 

Nachhaltige Hilfe

 

Um jedoch den Menschen nachhaltiger zu helfen und sie in krisensichere Tätigkeiten zu bringen, wird das Hilfswerk im neuen Jahr auch die Ausbildung von Jugendlichen in technischen Berufen sowie Existenzgründerprogramme für Kleinunternehmen unterstützen, berichtete Mencaglia: „So helfen wir der christlichen Minderheit, neue Qualifikationen zu erwerben. Das ist auf lange Sicht besser, denn es trägt dazu bei, die Christen in ihrer Heimat zu verankern und von der Auswanderung abzuhalten.“

Zusammenstellung von Medikamenten für chronisch Kranke. © Kirche in Not
Nach Beginn des Kriegs im Heiligen Land hat „Kirche in Not“ Hilfen für die humanitäre Versorgung von Christen im Gaza-Streifen, im Westjordanland und in Ost-Jerusalem auf den Weg gebracht. Auf israelischem Staatsgebiet unterstützt das Hilfswerk Projekte für christliche Arbeitsmigranten.

 

Bitte unterstützen Sie die Nothilfe der Kirche im Heiligen Land mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT

LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02

BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Heiliges Land

Heiliges Land: Haben die Christen dort noch eine Zukunft? (mit Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, 2019)