Länderbericht Eritrea

Die Sängerin Helen Berhane wurde wegen ihres Glaubens in einem Container inhaftiert.

Die Sängerin Helen Berhane wurde wegen ihres Glaubens in einem Container inhaftiert.

Einwohner: 5,2 Millionen

Fläche: 117 600 qkm (etwas größer als Bayern und Baden-Württemberg zusammen)

Religion:
Muslime: 49,2 Prozent
Christen 47,3 Prozent (davon 3,2 Prozent Katholiken)
Sonstige 3,5 Prozent

Rechtliche und institutionelle Aspekte

Die von der Nationalversammlung 1997 verabschiedete Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Sie ist bislang jedoch noch nicht in Kraft getreten, und die Regierung regiert weiterhin per Dekret. In einem Dekret aus dem Jahr 1995 werden die einzigen vier staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften aufgeführt: die Eritreische Koptisch-Orthodoxe Kirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche Eritreas, die Katholische Kirche und der Islam.

Der Staat greift stark in die inneren Angelegenheiten der vier offiziell anerkannten Glaubensgemeinschaften ein, und es ist ihm gelungen, die Orthodoxen Kopten, die Lutheraner und die Muslime zu reglementieren, indem er der Spitze ihrer Hierarchien regimetreue Männer aufzwingen konnte. Die Katholische Kirche bleibt weiterhin autonom. Bis 2002 wurden neben den offiziell anerkannten auch andere Glaubensgemeinschaften geduldet; dann wurden ihnen per Dekret Voraussetzungen für ihre Registrierung auferlegt, bei deren Nichterfüllung die betreffende Gemeinschaft als illegal eingestuft wird.

Die für die Registrierung erforderlichen Informationen beinhalten eine Schilderung der Geschichte der betreffenden Gruppe in Eritrea, eine Darstellung der Unterschiede dieser Gruppe im Vergleich zu anderen Glaubensgemeinschaften, die Namen aller Verantwortungsträger mit persönlichen Angaben, detaillierte Informationen über die Besitztümer und Vermögenswerte der Einzelnen und der Gemeinschaft und über finanzielle Zuwendungen aus dem Ausland.

Obwohl seit 2002 zahlreiche Gruppen einen Antrag gestellt und alle geforderten Informationen eingereicht haben, erhielt bislang keine von ihnen eine staatliche Genehmigung; diese erfordert die Unterschrift des Staatsoberhaupts. Im Besonderen wurde von der Regierung die Registrierung der Meherte Yesus Evangelical Presbyterian Church (MYEPC), der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, der Faith Mission Church und der Baha’i-Gemeinschaft abgelehnt, obwohl sie alle Voraussetzungen erfüllt hatten, die für die Registrierung erforderlich sind.

Infolgedessen werden die Aktivitäten dieser nicht registrierten Kirchen und Gemeinschaften, einschließlich der Gebete in der Gruppe oder allein, als illegal betrachtet und unterdrückt. Die von der Regierung gesammelten Informationen sind sogar dazu benutzt worden, Kirchen oder Gemeinschaften, denen die Registrierung verweigert wurde, besser verfolgen zu können. Hunderte Gläubige wurden verhaftet und befinden sich in Militärgefängnissen in Haft. Seit Beginn der Verfolgung sind mindestens 21 Christen, die nicht registrierten Kirchen angehören, und ein Mitglied der Zeugen Jehovas in der Haft gestorben.

Nur wenige Ortsbehörden gestatten es nicht registrierten Gruppierungen, ihre Religion in Privathäusern zu praktizieren. Die staatlich kontrollierten Medien stellen nicht registrierte christliche Gruppen als imperialistische Institutionen dar, die unter dem Einfluss der Vereinigten Staaten stünden und es sich zum Ziel gesetzt hätten, Zwietracht im Land zu säen. Lokalen Verwaltungsbehörden wird davon abgeraten, Anhängern solcher Gruppen die Nutzung öffentlicher Friedhöfe für die Bestattung ihrer Mitglieder zu erlauben.

Die zugelassenen Religionsgemeinschaften müssen eine Erlaubnis des Amts für Religiöse Angelegenheiten einholen, um Schriften zu drucken und unter den Anhängern zu verteilen, Gottesdienste abzuhalten und andere religiöse Aktivitäten ausüben zu können. Religiösen Einrichtungen bzw. Verantwortungsträgern ist es untersagt, sich zu politischen Themen zu äußern, sei es mündlich oder über ihre Medien. Das Bauen von Kult- und Andachtsstätten erfordert die Zustimmung der Regierung, die den Beziehungen zwischen Kirchen und ausländischen Sponsoren strenge Regeln auferlegt, insbesondere dann, wenn es um finanzielle Förderung geht.

Die zugelassenen Religionsgemeinschaften müssen der Regierung alle sechs Monate über ihre Aktivitäten Bericht erstatten. Im Jahr 2011 mahnte das Amt für Religiöse Angelegenheiten die vier zugelassenen Religionsgemeinschaften wiederholt an, keine Mittel aus dem Ausland mehr anzunehmen und im Sinne von finanzieller Unabhängigkeit zu agieren. Diese Mahnung blieb bislang ohne weitere Konsequenzen. Auch Mitarbeiter religiöser Institutionen sind verpflichtet, den obligatorischen Militärdienst abzuleisten, der in Eritrea aufgrund des Kriegszustands mit dem benachbarten Äthiopien gegenwärtig zeitlich unbegrenzten Dienst vorsieht.

Eine partielle Ausnahme wird für Priester und Seminaristen der Katholischen Kirche gemacht: Der Militärdienst wurde für sie gemäß einer Übereinkunft durch ein Jahr gemeinnützige Arbeit ersetzt. In vielen Fällen wurden jedoch Seminaristen auch nach Ablauf dieses Zeitraums einbehalten, was gegen die mit den katholischen Bischöfen getroffenen Vereinbarungen verstößt. Im Jahr 2011 versuchte die Regierung erneut, katholische Seminaristen, Priester sowie Mönche und Nonnen unter 30 Jahren einzuziehen, und ließ diese Absicht nur angesichts des festen Widerstands der Kirche und des diplomatischen Drucks einiger Regierungen, darunter der italienischen Regierung und des Heiligen Stuhls, wieder fallen.

Es gab Proteste von Anhängern aus Gemeinden der Provinz Asmara und an anderen Orten. Hätte die Regierung auf der Durchführung ihrer Anordnung bestanden, wären mindestens 600 Personen gezwungen gewesen, ihre Gemeinden und Klöster zu verlassen und sich bei Ausbildungslagern zu präsentieren, um auf unbestimmte Zeit Militärdienst abzuleisten.

Katholiken

Der kleinen Katholischen Kirche – vier Prozent der Bevölkerung – ist es bislang gelungen, staatliches Eingreifen zu verhindern, vor allem, was das Thema Enteignung kirchlicher Vermögenswerte angeht. 1995 veröffentlichte die Regierung ein Dekret, das den Kirchen vorschrieb, ihre Aktivitäten auf den Gottesdienst zu beschränken und all ihre sozialen Aktivitäten aufzugeben – diese sollten in den Zuständigkeitsbereich des Staates fallen. Desgleichen sei auf jegliche Finanzierung aus dem Ausland zu verzichten, denn sie werde durch staatliche Finanzierung ersetzt. Zwei Jahre später setzten die Behörden ihre Worte in die Tat um.

Doch während die Evangelisch-Lutherische Kirche ihre soziale Arbeit umgehend der Regierung übergab, widersetzte sich die katholische Hierarchie erfolgreich. Zehn Jahre später (2007) ging die Regierung in die Offensive, mit einem neuen Dekret, das darauf abzielte, in einem Zeitraum von zwei Wochen 50 Schulen, 25 Praxen und Ambulatorien, 60 Kindergärten und eine Reihe wirtschaftlicher Betriebe im Besitz der katholischen Kirche zu verstaatlichen. Es wurden jedoch seither nur eine kleine Farm, eine Schule und ein Kindergarten in der Stadt Assab konfisziert.

Im Lauf des Jahres 2011 erhielt die Katholische Kirche Schreiben von Ministerien, in denen um eine Aufstellung des Immobilien- und Grundbesitzes der Kirche gebeten wurde. Diese Anfragen wurden als Vorläufer weiterer Enteignungen verstanden. Im Zeitraum von 2007 bis 2008 hat die Regierung in Asmara 18 katholische Missionare zur Ausreise gezwungen, indem sie ihre Aufenthaltsgenehmigungen nicht verlängerte.

Wegen der Wehrpflicht, die die Möglichkeit vorsieht, alle Männer bis zum 45. und Frauen bis zum 40. Lebensjahr einzuziehen, dürfen eritreische Priester und Nonnen unterhalb dieser Altersgrenze nicht zur weiterführenden Ausbildung an den theologischen Fakultäten der päpstlichen Universität in Rom studieren oder als Missionar ins Ausland gehen. Eritreische Staatsbürger, auf die dieses Alterskriterium zutrifft, ist es nicht erlaubt, das Land zu verlassen, es sei denn, es liegen besondere Gründe vor.

Orthodoxe Kopten

Patriarch Abune Antonios wurde Anfang des Jahres 2006 durch die Entscheidung einer Synode, die offenkundig nicht ordnungsgemäß einberufen worden war, seines Amtes als Oberhaupt der Koptisch-Orthodoxen Kirche Eritreas enthoben. Der Patriarch ist das einzige Oberhaupt dieser Kirche, das weltweit von allen Koptisch-Orthodoxen Kirchen und insbesondere von der Koptisch-Orthodoxen Kirche von Alexandria, zu der eine hierarchische Verbindung besteht, anerkannt wird.

Die Synode, die ihn absetzte, wurde nicht unter dem Vorsitz des Patriarchen einberufen, wie es das Kirchengesetz fordert, sondern unter dem Vorsitz eines säkularen Verwalters, den Patriarch Abune Antonios, von der Regierung dazu gezwungen, kurz zuvor hatte ernennen müssen. Am 27. Mai 2007 wurde ein von der Regierung gebilligter Patriarch eingesetzt: Abune Dioskoros. Er ist der vierte Patriarch von Eritrea, wird jedoch von anderen Koptischen Kirchen bzw. dem Großteil des eritreischen Klerus und von den Gläubigen nicht anerkannt.

Abune Antonios steht seit 2005 unter Hausarrest. 2011 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends. 2007 waren nach einer Hausdurchsuchung durch Regierungsbeamte seine Patriarchenrobe und Insignien wie auch weitere religiöse Gegenstände aus seinem persönlichen Besitz beschlagnahmt worden. Seither ist er von jeglichem Kontakt zur Außenwelt abgeschnitten. Medizinische Versorgung wird ihm verwehrt.

Berichte von Christian Solidarity Worldwide sprechen davon, dass eine wachsende Anzahl orthodoxer Nonnen und Priester seit Juli 2005, als ihre Freistellung von der Wehrpflicht aufgehoben wurde, aus dem Land geflohen sind. Über den Verbleib der drei reformistischen Vertreter der koptisch-orthodoxen Geistlichkeit, die 2005 verhaftet wurden, ist nichts bekannt.

Nicht anerkannte christliche Gemeinschaften

Die Regierung fährt weiterhin fort, Mitglieder nicht anerkannter religiöser Gruppierungen zu verfolgen, festzunehmen und ohne formale Anklageerhebung oder Gerichtsverfahren in Haft zu halten. Es wird geschätzt, dass die Zahl der Gefangenen aus Gewissensgründen derzeit etwa 2000 bis 3000 beträgt; sie wurden entweder einzeln oder in Gruppen bei Gebetsversammlungen verhaftet (insbesondere, wenn mehr als fünf Personen versammelt waren). Darunter sind Dutzende Verantwortliche und Pastoren der Pfingstkirchen.

Alle Gefangenen werden über lange Zeiträume hinweg unter extrem harten Bedingungen festgehalten, sei es in unterirdisch angelegten Zellen oder in Frachtcontainern aus Metall, den Extremen der Tageshitze und der nächtlichen Kälte ausgesetzt, ohne dass Besuche von Angehörigen möglich sind und ohne Gerichtsverfahren. Gefangenenlager, in denen solche Häftlinge festgehalten werden, finden sich in Militärzentren in Mai Serwa, Sawa und Gelalo, wie auch in Polizeistationen in der Hauptstadt und anderen Städten. Die Regierung hat in der Wüste bei Meiter (Mitire) ein Lager speziell für Gefangene aus religiösen Gewissensgründen eröffnet.

Zahlreiche Berichte aus diesem und aus anderen Gefängnissen zeugen von Misshandlungen und Folter, die hauptsächlich darauf zielen, die Insassen dazu zu zwingen, der Religion abzuschwören, zu der sie sich bekennen. Eine Form der Folter, von der berichtet wird, besteht darin, den Gefangenen auf einem Baumstamm knien zu lassen, zu schubsen, damit er das Gleichgewicht verliert, und ihn dann heftig auf die Fußsohlen zu schlagen, wenn diese nach oben gewandt sind. Während der Verhöre werden die Gefangenen regelmäßig geschlagen, häufig bricht man ihnen die Knochen.

Mitunter bleiben sie in Isolationshaft 48 Stunden hintereinander gefesselt. Die Haft in einer Isolationszelle kann unter Umständen monatelang dauern. Zusätzlich zu den Schlägen können die Strafen auch darin bestehen, an den Armen an einem Baum aufgehängt zu werden oder, in verrenkten Positionen gefesselt, stunden- oder sogar tagelang der Sonne ausgesetzt zu werden. Weiterhin gibt es Waterboarding, eine Folter, die dem Gefangenen das Gefühl vermittelt zu ertrinken; oder er erhält über lange Zeit hinweg überhaupt kein Wasser.

Zu den weiteren Formen der Misshandlung, die von Gefangenen in Einzelhaft berichtet werden, gehört eine Methode, bei der man sie während der Stunde, die sie außerhalb ihrer Zelle verbringen dürfen, barfuß über scharfkantige Steine und Dornen laufen lässt. Wer nicht schnell genug geht, wird mit harten Plastikstöcken geschlagen. Zeugenaussagen, die im Dezember 2010 von der amerikanischen evangelikalen Organisation Strategic World Impact gesammelt wurden, belegen, dass die Haftbedingungen für christliche Gefangene extrem hart sind.

Ein Entflohener namens Benji gibt an, er habe die drei Jahre seiner Gefangenschaft in Frachtcontainern aus Metall zugebracht, wo er die hohen Temperaturen ertragen musste, und in Höhlen mit vergittertem Eingang. Schläge, vorgetäuschte Hinrichtungen und Nahrungs- und Wasserentzug gehörten während seiner Haft zum Alltag; sie gingen mit der Forderung der Aufseher einher, er solle seinem Glauben abschwören. Einige seiner 300 Mitgefangenen starben an diesen Misshandlungen.

Im Januar 2010 veröffentlichte Wikileaks eine Depesche der US-Botschaft in Eritrea aus dem Jahr 2008, in der ein ehemaliger Gefangener beschrieb, welch schlimmen Bedingungen Christen und andere Gefangene ausgesetzt waren: „Die Gefangenen erhielten dreimal täglich zwei Scheiben Brot. Ein Eimer in der Mitte des Raumes diente als Toilette, wenn man nicht zur Toilette gebracht werden konnte, aber er lief dauernd über und verseuchte den Raum mit Urin und Fäkalien. Viele Gefangene waren durch den Wassermangel nicht mehr imstande zu sprechen, denn die Zunge klebte ihnen am Gaumen fest, weil sie so großen Durst hatten!“

All das fand in einer 11 x 12 Meter großen Zelle statt, in der mindestens 600 Insassen untergebracht waren, unter solch beengten Bedingungen, dass sie sich nicht hinlegen konnten. Die Häftlinge wurden mit Stöcken auf die Fußsohlen geschlagen.3 Ein großer Teil der Gefangenen sind Zeugen Jehovas, die es ablehnen, Militärdienst zu leisten, und denen nicht die Alternative der gemeinnützigen Arbeit geboten wird. Andere sind Soldaten, in deren Besitz verbotene religiöse Literatur gefunden wurde oder die man dabei überrascht hatte, wie sie entsprechend den Riten nicht zugelassener Religionsgruppen beteten. Einige Armee-Einheiten erlauben es den Wehrpflichtigen, verbotene religiöse Literatur zu behalten und zu lesen.

Todesfälle in Haft Es sind sechs Christen bekannt, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu nicht anerkannten Religionsgemeinschaften festgenommen wurden und 2011 in der Haft gestorben sind. Zusammen mit den Todesfällen der vergangenen Jahre geht man davon aus, dass seit Beginn der Verfolgung 2002 bis Ende 2011 insgesamt 21 Christen durch Misshandlungen, fehlende gesundheitliche Versorgung und harte Haftbedingungen ums Leben kamen.

Zum ersten Mal starb 2011 ein Zeuge Jehovas in Haft. Der erste Tod, von dem berichtet wurde, war der von Frau Seble Hagos Mebrahtu (27), die im Militärgefangenenlager von Sawa an einer Malaria starb, die von den Zuständigen des Lagers nicht behandelt wurde. Sie wurde verhaftet und gefoltert, weil Sie dabei gesehen worden war, wie sie zu Hause die Bibel las. Zwischen Juli und August starben zwei junge Frauen, Hiwet Tesfu (23) und Zemame Mehari (27) im Gefängnis des Militärlagers von Alla. Sie waren festgenommen worden, weil sie im April 2009 an einer nicht genehmigten Gebetsversammlung in Decameré, 15 km entfernt von Alla, teilgenommen hatten.

Hiwet und Zemame waren wegen der Folter und der Mangelernährung in einem furchtbaren körperlichen Zustand; medizinische Hilfe hatte man ihnen verweigert. Ende August starb Angesom Teklom Habtemichel (26) im Gefängnis des Militärlagers Adi-Nefase in der Nähe des Hafens von Assab. Er litt unter Malaria, und die Behandlung seiner Krankheit wurde ihm verwehrt, nachdem er sich wiederholt geweigert hatte, seinem christlichen Glauben abzuschwören. Er war zwei Jahre in Haft gewesen.

Im Oktober starben zwei Frauen, Terhase Gebremichel Andu (28) und Ferewine Genzabu Kifly (21) an gesundheitlichen Problemen, die durch den Hunger im Gefängnis des Militärlagers Adersete verursacht worden waren. Sie wurden im Jahr 2009 gemeinsam bei einer Gebetsversammlung in der Stadt Tessenai verhaftet. In der Haft wurden sie gefoltert, und man verweigerte ihnen die Medizin, um die sie baten.

Misghina Gebretinsae ist der erste eritreische Zeuge Jehovas, von dem berichtet wird, dass er in der Haft ums Leben kam. Er starb im Militärlager von Meiter, das als Haftzentrum für Gefangene aus religiösen Gewissensgründen berüchtigt ist. Misghina (62) starb aus ungeklärten Ursachen kurz vor dem 20. Juli. Sein Leichnam wurde der Familie übergeben. Er war 2008 verhaftet worden. Kurz vor seinem Tod hatte er eine Woche lang in Isolationshaft in einem Frachtcontainer verbracht.

Verhaftete Katholiken

Am 27. April wurden 120 Katholiken in der Stadt Segeneiti (20 000 Einwohner) verhaftet, weil sie dagegen protestierten, dass neun Priester (fünf aus Segeneiti und die anderen aus den Dörfern Hebo, Akrur, Ade Angefom und Degra) zum Militärdienst an der Militärbasis Sawa einberufen worden waren. Die gegen die neun Priester gerichtete Maßnahme war eine Repressalie als Reaktion auf den Gedenkgottesdienst, der zuvor in der katholischen Kirche von Segeneiti für neun Migranten, die im Mittelmeer ertrunken waren, abgehalten worden war.

Die größtenteils aus Frauen und alten Menschen bestehende Menschenmenge war in einer betenden Prozession hinter einem Kreuz hergegangen, bis zum Bezirksverwaltungsamt, wo alle festgenommen wurden. In den Tagen nach dem 5. Mai wurden die meisten wieder freigelassen. Es gibt allerdings keine genauen Informationen darüber, ob die sieben Lehrer der Mittelschule der Diözese, die nach diesem Datum noch festgehalten wurden, entlassen worden sind.

Verhaftungen von Christen nicht anerkannter Glaubensgemeinschaften

Über hundert Christen aus nicht anerkannten Religionsgemeinschaften wurden zwischen dem 31. Dezember 2010 und dem 9. Januar 2011 in Kirchen in Asmara und Nakfa festgenommen. Eine gesamte versammelte Gemeinde, bestehend aus 41 Personen, wurde am 31. Dezember während eines Gottesdienstes in der Philadelphia Church von Asmara verhaftet, und viele von ihnen wurden während des Verhörs auf der Polizeistation Nr. 1 geschlagen.

Dasselbe Schicksal ereilte 27 Christen, die verschiedenen Kirchen angehörten (darunter der Kale-Hiwot- und der Mulu-Wengel-Kirche): Sie wurden am 1. Januar 2011 im gesamten Umkreis von Asmara verhaftet und auf der Polizeistation Nr. 5 festgehalten. Am 9. Januar wurden 35 Personen in einem Privathaus in Nakfa verhaftet, darunter 15 Frauen und zwei kranke ältere Männer. Einige der während dieser drei Vorfälle festgenommenen Personen waren bereits früher verhaftet und erst kurz zuvor aus der Haft entlassen worden. Im Mai wurden 64 Christen in Adi Abeyto, einem Dorf bei Asmara, wegen illegaler religiöser Aktivitäten verhaftet.

Sechs wurden wieder freigelassen, aber von allen anderen gab es keine weiteren Nachrichten mehr, außer der Information, dass sie evtl. entweder in einer der Polizeistationen der Hauptstadt festgehalten werden oder aber ins Gefängnis des Militärlagers Meiter gebracht worden sind, wo besonders schlimme Bedingungen vorherrschen. Am 2. Juni wurden 26 Studenten des Mai Nefhi College of Technology (bei Asmara) wegen unerlaubter religiöser Aktivitäten verhaftet. Es gibt keine Berichte darüber, dass sie freigelassen wurden, und es wird befürchtet, dass sie ins Militärgefängnis von Meiter gebracht worden sind. Mit ihrer Verhaftung beläuft sich die Zahl der seit Anfang 2011 festgenommenen Christen auf 193.

Ende November oder Anfang Dezember wurde der eritreische Evangelist Mussie Eyob (33) verhaftet und an einen unbekannten Ort verbracht. Er war zuvor aus Saudi-Arabien, wo er bei einer Moschee in Jeddah das Christentum gepredigt hatte, nach Eritrea abgeschoben worden.

Religiöse Zwangskonvertierungen

Laut Berichten des Jahres 2011 werden Mitglieder nicht registrierter religiöser Gruppen von Polizeibeamten dazu gezwungen, Erklärungen zu unterzeichnen, in denen sie ihrem Glauben abschwören und der Koptisch-Orthodoxen Kirche Eritreas beitreten, als Bedingung für die Freilassung aus der Haft. Diese Menschen werden häufig inhaftiert und so lange schwerer Gewalt ausgesetzt, bis sie in die Unterschrift einwilligen. Mehrere Berichte ergänzen, dass einige Unterzeichner nach ihrer Freilassung überprüft werden, um zu gewährleisten, dass sie ihren abgelegten Glauben nicht mehr praktizieren und auch nicht andere dazu bekehren.

In einigen Fällen haben die Behörden Priester der Orthodoxen Kirche Eritreas um ein Schreiben gebeten, in dem bestätigt wird, dass die betreffende Person zur Orthodoxen Kirche zurückgekehrt ist. In derselben Weise hat die Polizei Menschen, die keiner religiösen Gruppe angehören wollten, dazu verpflichtet, sich für eine der zugelassenen Religionsgemeinschaften zu entscheiden, um aus der Haft entlassen zu werden.

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2012. Stand: 2012)

29.Jan 2010 11:17 · aktualisiert: 25.Okt 2012 14:46
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