Länderbericht Weißrussland

Im Vordergrund der begonnene Neubau der Kirche.

Im Vordergrund der begonnene Neubau der Kirche in Fanipol.

Einwohner: 9,6 Millionen

Fläche: 207 600 qkm (etwas kleiner als die alten Bundesländer zusammen)

Religion:
Christen: 73,8 Prozent (davon 1,4 Millionen Katholiken)
Religionslose: 25,6 Prozent
Sonstige: 0,6 Prozent

Die schwierigen Beziehungen zwischen den Behörden in Minsk und den religiösen Gruppen haben ihre tiefen Wurzeln in der Geschichte des Landes, das immer noch durch sein sowjetisches kulturelles Erbe geprägt ist.

Während in der Verfassung das Recht auf Religionsfreiheit verankert ist, wird dieses in ihrer konkreten Umsetzung durch die Gesetzgebung allerdings erheblich eingeschränkt.

Das Religionsgesetz von 2002 erkennt die entscheidende Rolle der Orthodoxen Kirche, die sie bei der Entwicklung der Traditionen der weißrussischen Bevölkerung gespielt hat, an. Aber auch der Katholischen Kirche, dem Judentum, dem Islam und der Lutherischen Gemeinschaft werden eine besondere Rolle bei den «traditionellen Glaubensüberzeugungen» zugeschrieben.

Die Arbeit der ausländischen Missionare stößt auf viele administrative Hindernisse, besonders wenn es um die Ausstellung von Aufenthaltsgenehmigungen geht; alle missionarischen Aktivitäten werden streng überwacht und von Sicherheitskräften eingeschränkt. Politischen Gefangenen und Gefangenen, die aus Gewissensgründen verurteilt wurden, wird das Recht auf die Ausübung ihres Glaubens verweigert.

Aus Gründen, die anscheinend mit der Bürokratie zu tun haben, werden Mitglieder religiöser Gemeinschaften, die von den jeweiligen Amtsinhabern abgelehnt werden, mit Geldstrafen und finanziellen Sanktionen belegt. Die Verehrung von Märtyrern aus der sowjetischen Zeit, deren Erinnerung in den orthodoxen Gemeinden noch sehr lebendig ist, wird auch erschwert.

Fragen, die sich um das Eigentum von religiösen Minderheiten drehen, bleiben ungelöst. Obwohl 95 Prozent der historischen orthodoxen Kirchen zurückgegeben wurden, sind die jüdischen Synagogen weiterhin in den Händen des Staates. Die Lutheraner und Calvinisten haben wenig Erfolg mit ihren Klagen.

Baugenehmigungen für kirchliche Gebäude werden nur unter großen Schwierigkeiten erteilt, auch dann, wenn die Kirchen die Möglichkeit zum Erwerb von geeignetem Land haben.

Die Katholische Kirche

Weil der Staat eine Reihe von kirchlichen Gebäuden, die rechtlich der Katholischen Kirche gehören, in Hotels umwandeln will, versuchen seit dem Jahr 2008 Zehntausende mit der Unterzeichnung einer Petition die Behörden an die Notwendigkeit zu erinnern, ihr Versprechen einzuhalten, nämlich die Gebäude des früheren Bernhardinerklosters in Minsk (einschließlich der Sankt Josephs Kirche) – ein barocker Gebäudekomplex aus dem 17. Jahrhundert – zurückzuerstatten, das nun in Gefahr steht, in ein Touristenhotel oder bestenfalls in ein Museum umgewandelt zu werden.

Quellen:
Forum 18 News Service
OSZE
U.S. Department of State, Annual Report on International Religious Freedom, ed. 2009; ed. 2010
www.politicalresources.net

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2010)

1.Dez 2009 15:34 · aktualisiert: 22.Jul 2011 11:19
KIN / S. Stein