Die Ende November vorgestellte Auswertung dokumentiert Entführungen in 41 der insgesamt 59 katholischen Diözesen und Erzdiözesen Nigerias. Die Ergebnisse bestätigen die Erkenntnisse des im Oktober erschienen Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von „Kirche in Not“, der Nigeria als eines der gefährlichsten Länder für Geistliche und kirchliche Mitarbeiter einstuft.
Wie die Untersuchung angibt, ereigneten sich viele Entführungen direkt in den Pfarrhäusern, auf dem Weg zur Feier der heiligen Messe oder bei Reisen in entlegene Pfarrgebiete. Von den 212 entführten Priestern wurden 183 wieder freigelassen oder konnten entkommen, zwölf Priester wurden ermordet, weitere drei starben später an den Folgen der Gefangenschaft. Zudem wurden laut Bericht mindestens sechs Geistliche mehrfach entführt.
Die tatsächliche Zahl der Entführungen dürfte noch deutlich höher liegen. Aus 18 nigerianischen Diözesen liegen bislang keine vollständigen Daten vor. Darüber hinaus registrierte „Kirche in Not“ in den vergangenen Jahren weitere Entführungsfälle in mindestens fünf Diözesen, die in der Studie nicht erfasst sind. Entführungen von Ordensleuten sind in den vorliegenden Zahlen ebenfalls nicht enthalten. Die Entführungen halten nach wie vor an; es ist zu befürchten, dass die Zahl der verschleppten Geistlichen in den vergangenen Wochen nochmals gestiegen ist.
Die Gewaltwelle in Nigeria hat auch gravierende Auswirkungen auf die katholischen Gemeinden. Allein in der Diözese Minna im Bundesstaat Niger wurden aufgrund von Terror und anhaltender Unsicherheit mehr als 90 Kirchen geschlossen, wie Projektpartner von „Kirche in Not“ berichten. Auch in anderen Landesteilen mussten aus Sicherheitsgründen Pfarreien ihre Arbeit einstellen.
Terror und Bandengewalt in Nigeria betreffen auch die muslimische Bevölkerung. Dennoch sind Christen in vielen Regionen gezielt wegen ihres Glaubens bedroht, insbesondere im Norden durch dschihadistische Gruppen sowie in Zentralnigeria durch bewaffnete Milizen. Hinzu kommt eine strukturelle Benachteiligung christlicher Gemeinden, die vielerorts kaum wirksamen staatlichen Schutz erfahren.
Zugleich haben sich Entführungen in Nigeria zu einem Geschäftsmodell für kriminelle Banden entwickelt. Geistliche gelten als besonders verwundbare Ziele, da sie aufgrund ihrer Kleidung leicht erkennbar und meist ungeschützt sind und ihre Gemeinden große Anstrengungen unternehmen, um Lösegeld aufzubringen.
Landesweiter Sicherheitsnotstand
Angesichts der eskalierenden Gewalt, darunter zuletzt auch Massenentführungen von Schulkindern, rief die nigerianische Regierung im November 2025 den Sicherheitsnotstand aus. Geplant ist unter anderem, 20 000 zusätzlichen Polizisten einzustellen und die Sicherheitsmaßnahmen vor kirchlichen Einrichtungen zu verstärken.
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