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Demokratische Republik Kongo: „Wir fühlen uns verlassen“

Demokratische Republik Kongo: „Wir fühlen uns verlassen“

26.05.2026 aktuelles
Die Demokratische Republik Kongo leidet nicht nur unter der aktuellen Ebola-Epidemie: Die Menschen im Osten des zentralafrikanischen Landes fühlen sich angesichts der anhaltenden Gewalt bewaffneter Gruppen von der internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen. Das hat der Generalvikar der Erzdiözese Bukavu, Floribert Bashimbe, bei einem Besuch bei KIRCHE IN NOT (ACN) beklagt. „Wir fühlen uns nicht isoliert, wir fühlen uns verlassen“, sagte der Priester.

 

Besonders dramatisch sei die Lage in der Region rund um die Städte Bukavu und Goma an der Grenze zu Ruanda. Die Rebellengruppe M23 habe ihre Kontrolle in den vergangenen Jahren immer weiter ausgedehnt. Die Bevölkerung leide massiv unter den Folgen der Gewalt. „Die Bergleute können keine Erze mehr abbauen, und die Landwirtschaft ist aufgrund der unsicheren Lage zum Erliegen gekommen“, erklärte der Generalvikar. Die M23 kontrolliere inzwischen viele Rohstoff-Minen und vertreibe vielerorts die einheimische Bevölkerung.

Generalvikar Floribert Bashimbe aus Bukavu (Demokratische Republik Kongo).
Angesichts dieser Entwicklung seien die Priester ausdrücklich aufgefordert worden, in ihren Gemeinden zu bleiben. Die Sorge sei groß, dass andernfalls die Milizen noch mehr Dörfer unter ihre Herrschaft bringen könnten. Vielerorts seien die Priester inzwischen die letzten sichtbaren Zeichen von Hoffnung und Normalität geworden. „Wenn die Kirchenglocken läuten, wissen die Gläubigen, dass der Priester noch da und ein Leben in diesem Dorf weiterhin möglich ist“, sagte Bashimbe.

 

Priester werden zu letzten Zeichen von Normalität

Zugleich berichtete der Generalvikar von wachsender Not und Isolation der Bevölkerung. Viele Seminaristen könnten wegen der unsicheren Lage ihre Familien seit Monaten nicht besuchen. Die Kirche versuche deshalb, die angehenden Priester mit Kleidung, Hygieneartikeln und Schulmaterial zu unterstützen. Auch die allgemeine Versorgungslage verschlechtere sich zunehmend. Zusätzlich belasten immer wieder Gesundheitskrisen wie Ebola-Ausbrüche Teile der Demokratischen Republik Kongo und verschärfen die ohnehin fragile humanitäre Lage.

Bei Radio Maria in Bukavu.
Bashimbe betonte, dass die Kirche eine Vermittlerrolle einnimmt. „Bislang wurden die kirchlichen Einrichtungen respektiert“, erklärte er mit Blick auf das Verhältnis zur M23. Immer wieder gelinge es der Kirche auch, bei willkürlichen Verhaftungen von Gläubigen Lösungen zu finden. Mit Blick auf die Ursachen des Konflikts verwies der Generalvikar auf die reichen Bodenschätze im Osten der Demokratischen Republik Kongo. „Die Menschen hier haben nie vom Rohstoffabbau profitiert“, beklagte Bashimbe. „Nun sterben sie wegen Bodenschätzen, die ihnen selbst überhaupt nichts nützen.“

 

„Menschen sterben wegen Bodenschätzen, die ihnen nichts nützen“

Seit Jahrzehnten kämpfen in der Demokratischen Republik Kongo militante Gruppen um die Kontrolle über Rohstoffe wie Gold und Coltan, das unter anderem für Smartphones und Batterien benötigt wird. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden durch die Konflikte in der Region Millionen Menschen vertrieben. UN-Experten werfen Ruanda die Unterstützung der M23-Miliz vor; Ruanda weist diese Vorwürfe zurück.

Flüchtlinge in der Demokratischen Republik Kongo
Auch wenn in dem Konflikt wirtschaftliche und politische Interessen im Vordergrund stehen, greifen islamistische Einheiten immer wieder gezielt Kirchen und christliche Einrichtungen an. Dafür werden vorrangig die Kämpfer der Allied Democratic Forces (ADF) verantwortlich gemacht, die Verbindungen zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ unterhalten sollen.

 

Der von KIRCHE IN NOT herausgegebene Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ spricht von „brutalen Massakern“ und sieht die Demokratische Republik Kongo unter den Ländern, in denen schwere religiöse Verfolgung herrscht – obgleich rund 95 Prozent der Einwohner Christen sind.

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