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Libyen: Die Kirche ist immer geblieben

Libyen: Die Kirche ist immer geblieben

Interview mit Bischof George Bugeja aus Tripolis

13.02.2020 aktuelles
Libyen befindet sich seit fast neun Jahren im Krieg: Die Regierung steht Milizen gegenüber, beide Seiten werden von ausländischen Mächten unterstützt.

 

Die „Berliner Konferenz“ Mitte Januar wollte einen Durchbruch erreichen. Doch die wichtigsten Vereinbarungen hielten nicht einmal eine Woche.

Über die aktuelle Lage im Land, die Erwartungen der Kirche im Friedensprozess und das bevorstehende Treffen der katholischen Bischöfe aus dem Mittelmeerraum gibt der Apostolische Vikar der Hauptstadt Tripolis, Bischof George Bugeja, im Interview Auskunft. Tobias Lehner von KIRCHE IN NOT Deutschland hat mit ihm gesprochen.

Kinder aus Libyen mit der Kinderbibel von KIRCHE IN NOT.
KIRCHE IN NOT: Die „Berliner Konferenz” Mitte Januar sollte dazu beitragen, den Bürgerkrieg in Libyen zu befrieden. Wie bewerten Sie die Ergebnisse?
Die Konferenz war ein positives Zeichen in einem langen Prozess, um Libyen zu helfen, endlich Frieden und Versöhnung zu erreichen. Das ist nicht einfach. Es gibt tiefe Spaltungen. Die Konfliktparteien sind weit voneinander entfernt.

 

Es fällt ihnen sogar schwer, sich an einen Tisch zu setzen und über die Lage zu sprechen. Alle Länder, die an der Konferenz in Berlin teilgenommen haben, müssen nun ihren Beitrag leisten. Sie sollten mit einer Stimme sprechen, um das, was beschlossen wurde, umzusetzen.

Bischof George Bugeja,
Der auf der Konferenz vereinbarte Waffenstillstand hielt nur eine Woche. Auch das Waffenembargo soll bereits gebrochen worden sein. Wie ist die aktuelle Situation in der Hauptstadt Tripolis?
Leider gab es auch nach dem Waffenstillstandsabkommen einzelne Kämpfe. Hier in Tripolis öffnet und schließt zum Beispiel der Flughafen je nach Sicherheitslage. Schulen, Geschäfte und Büros sind zumindest im Stadtzentrum geöffnet.

 

„Libyen ist ein Sprungbrett nach Europa”

Libyen befindet sich seit dem „Arabischen Frühling” 2011 im Krieg. Kann die anhaltende Flüchtlingswelle nach Europa überhaupt gestoppt werden?
Ich denke, dass nicht Libyen Hauptursache des Flüchtlingsproblems ist. Libyen ist ein Sprungbrett nach Europa.

Menschen aus Ländern südlich der Sahara fliehen vor den Problemen in ihren Ländern und versuchen, eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien zu finden. Um die Flüchtlingswelle einzudämmen, müssten die Probleme dort gelöst werden.

Blick auf Tripolis, die Hauptstadt Libyens.
Obwohl die Christen in Libyen eine kleine Minderheit von nur ein paar tausend Gläubigen sind, wurde ihre Stimme im Konflikt immer wieder gehört. Was unternehmen Sie sozial und politisch, um die Situation der Menschen zu verbessern?
Wir tun unser Bestes, um den Menschen mit unserer Präsenz zu helfen. Die Priester und Mitarbeiter der katholischen Kirche sind während des gesamten Konflikts im Land geblieben – auch, als alle anderen Kirchen und die europäischen Botschaften Libyen verlassen haben.

 

Unsere Anwesenheit war und ist ein Zeichen der Ermutigung für alle, die in die Kirche kommen. Abgesehen davon haben wir in Tripolis ein kleines Zentrum, in dem wir medizinische Erstversorgung und humanitäre Hilfe leisten.

Ende Februar treffen sich Bischöfe aus den Mittelmeer-Anrainerstaaten im italienischen Bari zu einer Konferenz.
Ende Februar findet im italienischen Bari eine Konferenz aller Bischöfe aus dem Mittelmeer-Raum statt. Auch Papst Franziskus wird kommen. Bei der Konferenz wird es unter anderem um die Themen Migration und Friedenspolitik gehen. Was erwarten Sie von diesem Treffen?
Ich glaube nicht, dass die Bischöfe diejenigen sind, die Lösungen finden können. Ich erwarte, dass wir unsere besonderen Situationen, die jeder Bischof in seiner Diözese erlebt, diskutieren und vortragen können, voneinander lernen und uns gegenseitig unterstützen.
Um die christliche Minderheit in Libyen unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
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BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Libyen

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