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Im Norden Burkina Fasos spitzt sich die Gewalt gegen Christen weiter zu. Terroristen durchkämmten dort Dorf für Dorf und stellten den christlichen Einwohner ein Ultimatum: Konversion zum Islam oder Vertreibung. Zahlreiche Christen würden auch getötet.

 

Das berichten lokale Ansprechpartner, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchten, gegenüber KIRCHE IN NOT.

Die Terroristen verfolgten einen Plan: „Sie töten einzelne Gemeindemitglieder und drohen den Hinterbliebenen an, sie würden in drei Tagen wiederkommen“, erklärten die Gesprächspartner. Fänden sie dann noch einen Christen vor, würde dieser getötet. Den Menschen bleibe nur die Flucht.

Kinder aus Burkina Faso. Sie leiden besonders unter der Gewalt im Land.
Zuletzt seien zwei schwer zugängliche Dörfer in der Provinz „Nord“ von Terroristen heimgesucht worden. Mehr als 2000 Einwohner seien von dort geflohen.

 

Die Gesprächspartner beschreiben das Vorgehen im Dorf Hitté: „Anfang September kamen 16 Männer dorthin. Sie warteten, bis die Bewohner von der Feldarbeit heimkehrten. Einige Terroristen zwangen die Menschen in die Kirche und drohten ihnen. Währenddessen brannten ihre Komplizen Häuser und Ställe nieder.“ Diese seien keine Einzelfälle, so die Gesprächspartner.

Eine Gruppe vertriebener Christen und ihrer Helfer in Titao.
Die Gewaltwelle hält seit Anfang Mai an. Damals überfielen Terroristen im Dorf Toulfé einen Gottesdienst und brachten fünf Menschen um. „Von dort aus rückten die Extremisten in das nächste Dorf vor, wo sie den Christen ebenfalls ein Ultimatum stellten“, so die anonymen Quellen.

 

Ultimatum für christliche Dorfbewohner

Viele Christen seien geflohen – aber nicht alle. „Die geblieben waren, wurden Zeugen, wie drei Menschen ermordet wurden, darunter auch ein Katechet, der die kleine Gemeinde leitete und Gebetsgruppen organisierte“, beschrieben die Gesprächspartner.

Zuflucht fänden die Dorfbewohner in nahegelegenen Ortschaften. Eine davon ist Titao, etwa 50 Kilometer nordwestlich der Provinzhauptstadt Ouahigouya. 7000 Vertriebene seien allein in Titao untergekommen.

Särge mit den Opfern des Angriffes auf eine Kirche in Burkina Faso.
Sie würden durch die Kirche materiell, aber auch psychologisch versorgt. Die humanitäre Situation sei angespannt. „Sie hat jedoch auch eine große Solidarität der Einwohner hervorgebracht – einschließlich der Muslime“, berichten die Quellen.

 

Humanitäre Situation ist angespannt

Ihnen ist wichtig, nicht alle Muslime vorzuverurteilen, auch nicht die Angehörigen des Nomandenvolkes der Fulani, aus dem die meisten Terroristen mutmaßlich stammen und die auch im Norden Nigerias für gewalttätige Übergriffe auf Christen verantwortlich gemacht werden.

Sie seien auch nicht die Alleinverantwortlichen, denn: „Diese Menschen werden manipuliert. Ihre Waffen stammen nicht aus Burkina Faso. Wir wissen, dass die Waffen von internationalen Unternehmen stammen, für die nur der Profit zählt“, so die anonymen Quellen.

Christen aus der Gemeinde Dablo/Burkina Faso bei einer Prozession.
Kirchenvertreter fordern seit langem ein Vorgehen gegen Waffenschmuggel und Terror. Doch die Regierung bleibt weiterhin untätig.

 

Das gelte auch für Ordnungskräfte wie die Polizei, konnten die Gesprächspartner beobachten: „Sie helfen kaum dabei, die Leichen der ermordeten Menschen aus den Dörfern abzuholen, um sie anständig zu bestatten.“ Die Angehörigen nähmen zum Teil große Gefahren und unmenschliche Bedingungen auf sich, um ihren Toten die letzte Ehre zu erweisen.

In den Straßen von Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos.
Die Gefahr von Vergeltungsakten sei hoch, erklären die Gesprächspartner, denn die Menschen würden die Täter oft kennen, da sie aus der gleichen Gegend stammen. Die Menschen hätten alles verloren – auch die Ernte. Nun drohe eine Hungersnot. „Bitte beten Sie dafür und helfen Sie, dass der Friede zurückkehrt“, appellieren die Ansprechpartner aus Burkina Faso an die Öffentlichkeit.

 

In Burkina Faso bekennt sich rund ein Viertel der über 18 Millionen Einwohner zum christlichen Glauben. Über die Hälfte der Bevölkerung sind Muslime. Nachdem das Zusammenleben weitgehend ohne Zwischenfälle verlief, kommt es seit 2015 vermehrt zu islamistischen Attentaten. Beobachter vermuten, es solle ein Krieg zwischen den Religionen geschürt werden.

Immer mehr Menschen in Afrika müssen ihre Heimat verlassen, da in zahlreichen Ländern des Kontinents blutige Konflikte und Terror zunehmen.

 

Besonders die Christen litten unter dem Konflikt mit den Fulani-Stämmen in den westafrikanischen Staaten Nigeria und Burkina Faso, zumal auch die Terrormiliz „Boko Haram“ in beiden Ländern noch nicht unter Kontrolle sei. Darauf weist die Leiterin der Projektabteilung von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch, hin.

Die Anwältin und Autorin Ewelina Ochab ergriff im September 2017 nach einer von KIRCHE IN NOT veranstalteten internationalen Konferenz in Rom die Initiative, um die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf Verletzungen der Religionsfreiheit zu lenken.

August 2014: Tausende geflüchtete Menschen kampieren unter freiem Himmel in Erbil (Foto: ankawa.com).
„Vor allem im Norden und Osten Burkina Fasos kommen Terroristen in Dörfer und zwingen Christen zur Flucht. Das verbreitet immer mehr Angst und Unsicherheit in der Bevölkerung“, berichtet sie. Das sei insofern bedauerlich, da Burkina Faso in der Vergangenheit für das gute Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen bekannt gewesen sei. „Dieses Verhältnis sei nun vergiftet“, sagt Lynch.

 

Jeden Tag kommen 37 000 Flüchtlinge weltweit hinzu

Auch in anderen Regionen seien Christen immer wieder Bedrohungen durch Dschihadisten ausgesetzt, wie zum Beispiel im Niger oder in Kamerun. „Aber wir müssen den Menschen immer wieder vor Augen halten, dass nicht alle Muslime Extremisten sind“, so die Vertreterin von KIRCHE IN NOT.

Laut dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) müssen pro Tag im Schnitt 37 000 Menschen weltweit ihre Habseligkeiten zusammenpacken und ihre Heimat verlassen. Nicht alle Flüchtlingsdramen sind in den Medien hierzulande präsent.

Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände des Priesterseminars des Bistums Bangassou/Zentralafrikanische Republik (Foto: Fundación Bangassou).
„Im Nordwesten Ugandas leben über 1,2 Millionen Flüchtlinge aus dem Südsudan. Hinzu kommen Geflüchtete, die in der Hauptstadtregion um Kampala leben. Vor allem viele junge Menschen sind traumatisiert, weil sie eigene Verletzungen erlitten haben oder die Ermordung ihrer Eltern mit ansehen mussten“, berichtet Lynch.

 

Kirche als erste Anlaufstelle für Hilfsangebote

Weitere Beispiele sind Tansania, wo riesige Flüchtlingslager mit bis zu 150 000 Menschen entstanden sind, oder Äthiopien, wo immer mehr Menschen aus Eritrea Zuflucht suchen.

Von staatlicher Seite kommt in den genannten Ländern meist keine Hilfe, Versorgungsstrukturen müssen oft erst mühsam aufgebaut werden. Doch die Kirche ist immer schon vor Ort. „In vielen Ländern bietet die Kirche Erstanlaufstellen und Camps für Flüchtlinge, die von KIRCHE IN NOT unterstützt werden“, erklärt Lynch.

Verteilung von Lebensmitteln an Mütter mit Kindern.
Durch den Kontakt zu den Projektpartnern vor Ort habe man einen guten Überblick über die Lage und könne dort helfen, wo es notwendig ist.

 

Materielle, psychologische und pastorale Hilfe

„Dabei geht es um grundlegende Dinge zum Leben, wie zum Beispiel Lebensmittel, Kleidung oder Hygienebedarf), psychologische Hilfe, aber auch das Angebot pastoraler Hilfe wie Unterstützung beim Bau von Kirchen und Gebetsräumen in zerstörten Dörfern oder den Kontakt zu einem Priester.“

Neben der praktischen Hilfe durch Spenden sei aber auch das Gebet für die Christen in Not wichtig, um sich mit ihnen zu verbinden und auf diese Weise Solidarität auszudrücken, so Lynch.

Am 29. Juli haben Angehörige der Terrormiliz Boko Haram ein Dorf im Norden Kameruns überfallen, das zum katholischen Bistum Yagoua gehört. Dies berichteten lokale Ansprechpartner, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchten, gegenüber KIRCHE IN NOT.

 

Demnach hätten die Terroristen bei diesem Übergriff eine Gewaltstrategie angewandt, die sich gegen Frauen richtet: „Sie kamen in der Nacht, gingen in die Häuser und entführten ausschließlich die Frauen“, erzählten die Ansprechpartner.

Eine von Boko Haram zerstörte Kirche in Nigeria.
Die Entführten seien an eine zentrale Sammelstelle am Stadtrand gebracht worden. „Die Terroristen schnitten anschließend jeder Frau ein Ohr ab. Sie drohten ihnen, dass dies nur der erste Übergriff sei und sie zurückkommen würden. Dann ließen sie die Frauen laufen“, so die anonyme Quelle.

 

Obwohl die Bevölkerung eine Art Bürgerwehr aufgestellt habe, sei diese angesichts des Überraschungsangriffs machtlos gewesen.

Die verstümmelten Frauen wurden vom Militär aufgegriffen und in ein 260 Kilometer entferntes Krankenhaus gebracht. Die Ohramputation sei ein neues Instrument von Boko Haram, um diejenigen zu bestrafen, „die auf die Regierung und die Stimmen derjenigen hören, die der extremistischen Ideologie nicht folgen“, so die lokalen Ansprechpartner.

Frau mit verstümmeltem Ohr.
Die Bevölkerung des Dorfes sei angesichts des Übergriffs traumatisiert. Flucht sei jedoch für viele Bewohner keine Option, so die anonymen Ansprechpartner: „Sie leben von der Landwirtschaft und warten gerade auf die Ernte. Wohin sollten sie gehen?“

 

Die Terroreinheit „Boko Haram“ ist im Norden Nigerias entstanden, doch auch in den Nachbarländern Kamerun, Tschad und Niger kommt es immer wieder zu Anschlägen und Übergriffen.

KIRCHE IN NOT trauert mit seinen Projektpartnern um die Todesopfer von zwei Gewaltakten: Am 12. Mai wurden bei einem Angriff auf die katholische Kirche in Dablo im Norden von Burkina Faso sechs Menschen getötet. Im nordsyrischen Ort Al-Sekelbiya kamen am selben Tag beim Raketenbeschuss einen griechisch-orthodoxen Unterrichtsklasse vier Kinder und eine Katechetin ums Leben.

 

Unter den sechs Getöteten beim terroristischen Angriff in Burkina Faso befindet sich auch der 34-jährige Priester Simeon Yampa, der gerade die heilige Messe feierte. KIRCHE IN NOT steht in engem Kontakt mit der Gemeinde von Dablo. 2013 hatte das Hilfswerk den Bau des dortigen Pfarrhauses und Gemeindezentrums unterstützt.

Lokale Ansprechpartner gaben gegenüber KIRCHE IN NOT an, dass die Angreifer die Kapelle betraten, als gerade das „Gloria“ zu Beginn der heiligen Messe gesungen wurde. Sie eröffneten sofort das Feuer. Fünf Menschen starben im Kugelhagel. Auch der Tabernakel wurde dreimal getroffen.

Särge mit den Opfern des Angriffes auf eine Kirche in Burkina Faso.
Simeon Yampa wollte die Messdiener in der Sakristei in Sicherheit bringen. Dort entdeckten ihn die Angreifer und erschossen ihn. Die überlebenden Gottesdienstbesucher wurden aufgefordert, Umhänge-Kreuze und liturgische Gegenstände vor dem Altar abzulegen. Den örtlichen Quellen zufolge hätten die Angreifer damit gedroht, wiederzukommen. Sollten bis dahin nicht alle Frauen verschleiert sein, würden sie getötet. Anschließend ließen die Terroristen die rund 120 Gottesdienstbesucher gehen und steckten die Kirche in Brand, ebenso ein Fahrzeug vor der Kirche und vor einem Gesundheitszentrum.

 

Christen im Visier der Islamisten

In Burkina Faso sind rund ein Viertel der rund 19 Millionen Einwohner christlichen Glaubens, ebenfalls ein Viertel folgt der Natur-Religion des Animismus. Die Bevölkerungsmehrheit ist muslimisch. Bislang galt das Zusammenleben der Religionen in dem Land als harmonisch. Über die Nachbarländer Mali und Niger gelangten islamistische Terrorgruppen ins Land. Sie verüben seit einigen Jahren Anschläge auf alle Bevölkerungsgruppen.

Nun scheinen vermehrt Christen im Visier der Islamisten zu stehen: So wurden seit Beginn des Jahres neben Simeon Yampa bereits zwei weitere Geistliche getötet, so zum Beispiel Ende April der Pastor einer protestantischen Gemeinde im Norden des Landes zusammen mit seinen beiden Söhnen und drei weiteren Gläubigen. Ein spanischstämmiger Salesianer-Missionar kam Mitte Februar bei einer Attacke auf eine Zollstation ums Leben. Ein weiterer katholischer Priester wurde an der Grenze zu Mali verschleppt; sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Trauer und Entsetzen bei der Beisetzung der Opfer eines Anschlags auf eine Kirche am 12. Mai in Burkina Faso.
„Dass wir nur drei Wochen nach den Oster-Anschlägen auf Sri Lanka schon wieder die Opfer eines Terroranschlages beklagen müssen, erfüllt uns mit tiefem Schmerz“, erklärte der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, Florian Ripka.

 

„Es sind nicht nur politische oder wirtschaftliche Faktoren, die Christen zur Zielscheibe des Hasses und der Gewalt machen. Der Terror richtet sich immer gezielter gegen den Glauben und das pastorale Wirken der Kirche. Es ist höchste Zeit, beim ,Kampf gegen den Terror‛ auch diese Perspektive miteinzubeziehen.“

Christen als Zielscheibe des Hasses und der Gewalt

Ebenfalls am 12. Mai erreichte KIRCHE IN NOT die Nachricht, dass am Sonntagmorgen im nordsyrischen Ort Al-Sekelbiya nahe der Stadt Hama vier Kinder und eine Katechetin der griechisch-orthodoxen Gemeinde durch eine Rakete getötet wurden. Die Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren befanden sich gerade im Religionsunterricht.

Zahlreiche weitere Kinder wurden teilweise schwer verletzt. Die Hintergründe der Attacke sind bislang unklar. Offen ist auch, ob es sich um einen gezielten Beschuss handelt. Die Regionen Hama und Idlib sind aktuell Schauplatz einer erbitterten militärischen Offensive im Syrienkrieg. Lokale Kirchenvertreter bezeichneten die getöteten Kinder und die Katechetin als „Märtyrer“.

Trauer in Syrien: Angehörige der Opfer des Angriffs auf die griechisch-orthodoxe Gemeinde.
„Auch wenn die Umstände viele Fragen offen lassen, zeigt dieser Tod der unschuldigen Kinder einmal mehr: Dieser Krieg kennt keine Gewinner“, erklärte Ripka. „Die Menschen in Syrien leiden unermesslich. Die christliche Minderheit hat zudem viel zu wenige politische Fürsprecher, weder national noch international. Den Angehörigen, die ohnehin schon alles verloren haben, wurde jetzt auch noch das Liebste genommen – wie so vielen Familien in diesem brutalen Krieg.“

 

Mit beiden Schauplätzen – in Syrien wie in Burkina Faso – verbinde KIRCHE IN NOT eine intensive Beziehung der Hilfe und des Gebetes. „So unterschiedlich beide Ereignisse auch sind: Der 12. Mai war wieder ein blutiger Sonntag für die Christen. Dass es nach lateinischer Tradition der ,Sonntag des Guten Hirten‛ war, kann den Angehörigen in allem Schmerz ein Zeichen der Hoffnung sein: Der gute Hirte kennt die Seinen. Er wird seine Herde nicht verlassen, weder in Burkina Faso und Syrien noch in vielen Ländern der Welt, in denen Christen in Bedrängnis sind.“

Pfarrer Andrew Yakulula aus Todonyang in Westkenia freut sich: Dank der Hilfe unserer Wohltäter, die 15.000 Euro gespendet haben, konnte er ein neues Fahrzeug anschaffen.

Endlich konnte er seinen 15 Jahre alten Geländewagen ersetzen, mit dem er unzähligen Menschen im Nordwesten Kenias Hilfe und Trost gebracht hatte. Am Ende verbrachte das Gefährt jedoch mehr Zeit in der Werkstatt als im Dienst an den Menschen in dem von Dürre, Armut und Stammeskonflikten geprägten Gebiet.

18 000 Menschen leben auf dem Territorium der vor neun Jahren eingerichteten Pfarrei „Unserer Lieben Frau, der Königin des Friedens”. Ohne ein funktionierendes Auto ist es unmöglich, sie zu betreuen.
Frau aus dem Stamm der Turkana (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Priester in Kenia (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Die Gläubigen der Pfarrei aus Todonyang danken den Wohltätern von KIRCHE IN NOT, die den neuen geländetauglichen Wagen ermöglicht haben.

Ein Teil der Bevölkerung, der dem Stamm der Turkana angehört, lebt nomadisch, das heißt, die Leute ziehen mit ihren Viehherden dorthin, wo es Wasser und Weideland gibt. Bei großer Dürre, die oft vorkommt, sterben viele der Tiere, die traditionell das wichtigste Kapital und mit ihrer Milch, ihrem Fleisch und ihrem Blut die Hauptnahrungsquelle sind.

Inzwischen kommen daher auch Feldfrüchte wie Mais, Hirse oder Bohnen hinzu. Mehr und mehr Turkana werden sesshaft und geben die nomadische Lebensweise auf.

Vermittlung zwischen Volksgruppen

Blutige Konflikte um Landbesitz gibt es mit den Angehörigen des Volksstammes der Dassanech. Immer wieder fordern diese Kämpfe Menschenleben. Die katholische Kirche setzt sich für den Frieden und die Versöhnung ein und versucht, zwischen den Volksgruppen zu vermitteln.

Überhaupt muss die Kirche in der Diözese Lodwar Abhilfe für alle denkbaren Nöte der Bevölkerung leisten: Sauberes Trinkwasser, Krankenversorgung, Schulen und Kindergärten sowie Hilfe für unterernährte Kinder – alles leistet die Kirche.

Somit dient das Geländefahrzeug des Pfarrers zugleich auch als Krankenwagen, zum Wassertransport und für viele andere Dinge.

Vor allem aber bringt der Pfarrer Gott zu den Menschen. In Todonyang selbst und in den vier Außenstationen der Pfarrei spendet er ihnen die Sakramente und hilft ihnen dabei, die Frohe Botschaft Christi besser kennenzulernen.

Das Auto, das unsere Wohltäter gespendet haben, bringt also vielen Menschen Hoffnung und Hilfe. Ein herzliches Dankeschön allen, die geholfen haben!

Äthiopien ist in diesem Jahr das Beispielland des Sonntags der Weltmission am 28. Oktober. Zwei Drittel der Einwohner sind Christen, ein Drittel Muslime. Die meisten Christen gehören der orthodoxen Kirche an. Die katholische Kirche ist mit einem knappen Prozent eine Minderheit.

Berhaneyesus Demerew Kardinal Souraphiel ist der Vorsitzende der äthiopischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Addis Abeba. Kürzlich besuchte er die internationale Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.

Benedikt Winkler von der Wochenzeitung „Die Tagespost“ sprach mit ihm über die aktuelle politische Lage in Äthiopien, die Beziehung zum Islam und die Arbeit der katholischen Kirche im Land.
Gottesdienst in Äthiopien.
Kinder aus dem Erzbistum Addis Abeba.
Gottesdienst in einem äthiopischen Dorf.
Moschee in Addis Abeba (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).
Jugendliche an einer Straße in Addis Abeba (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).
BENEDIKT WINKLER: Eminenz, der Friedensvertrag zwischen Äthiopien und Eritrea wurde am 16. September 2018 unterzeichnet. Sehen Sie den Frieden in Äthiopien mehr durch religiöse oder ethnische Konflikte bedroht?

KARDINAL SOURAPHIEL: Ich würde sagen, im Moment mehr durch ethnische Konflikte, weil das föderale Regierungssystem in Äthiopien auf ethnischer Herkunft basiert.

„Ethnische Konflikte in verschiedenen Regionen”

Es brachte mehr Vielfalt, aber auch mehr Spannungen und ein größeres Gewicht auf die ethnischen Differenzen als auf die Einheit aller Menschen in Äthiopien.

Deswegen gibt es ethnische Konflikte in verschiedenen Regionen Äthiopiens. Ich hoffe, dass der neue Premierminister Dr. Abiy Ahmed das Land einen wird.

Sie haben Äthiopiens neuen Premierminister Abiy Ahmed erwähnt. Ist er der richtige Mann, die ethnischen Konflikte zu befrieden?

Ich denke schon. Er ist ein Mann der Einheit. Aber wahrscheinlich sind einige Vertreter der ehemaligen Regierung nicht glücklich mit der Art und Weise, wie er sein neues Mandat ausführt. Was ihn am meisten bewegt, ist die Liebe zu seinem Land. Ob er die richtige Person ist oder nicht, werden wir sehen.

Friedliches Verhältnis zwischen Christen und Muslimen

Er hat Frieden geschlossen mit Eritrea. Wenn dieses Land gute demokratische Institutionen für eine stabile Regierung bekommt, dann kann es in Zukunft nicht nur am Horn von Afrika, sondern in ganz Ostafrika Stabilität gewährleisten.

Wie ist das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in Äthiopien?

Die Beziehung zwischen Islam und Christentum ist bisher friedlich gewesen. Der Prophet Mohammed hat den Islam in Mekka begründet. Da er von seinem eigenen Stamm verfolgt wurde, musste er fliehen. Er sandte seine Verwandten nach Äthiopien. Die Muslime kamen als Flüchtlinge nach Äthiopien. In der muslimischen Tradition heißt es: „Berühre nicht Äthiopien, weil Äthiopien immer freundlich zu uns war, als wir Flüchtlinge waren.“

Wir führen eine friedliche Koexistenz, vorrangig mit den Sunniten in Äthiopien. Es gibt nicht viele Fundamentalisten in Äthiopien. Fundamentalisten wie al-Shabaab mag es in Somalia geben, die mit al-Qaida in Verbindung stehen.

Katholische Kirche ist kleine Minderheit

Äthiopien ist im Vergleich mit den europäischen Ländern eine Nation mit zahlreichen jungen Menschen. Viele von ihnen suchen in Europa, Südafrika oder Saudi-Arabien nach besseren Arbeitsperspektiven. Was tut die Kirche in Äthiopien, dass junge Menschen ihr Heimatland voranbringen anstatt auszuwandern?

Die katholische Kirche ist in Äthiopien mit weniger als zwei Prozent eine Minderheit. Sie betreibt viele Einrichtungen für die Jugend, seien es Bildungs-, Sozial- oder Gesundheitseinrichtungen. Wir haben mehr als 400 Schulen im ganzen Land. Die meisten Schulen in den Städten können sich selbst unterhalten, aber Schulen im ländlichen Raum brauchen Unterstützung.

Ein Kind aus Äthiopien betet an einer Marienstatue.

Als katholische Kirche in Äthiopien finden wir es wichtig, jungen Menschen nach ihren Fähigkeiten Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen. Wir bilden unter anderem junge Frauen als Krankenschwestern, Köchinnen und Hotelmanagerinnen aus. Dabei ermutigen wir sie, in Äthiopien zu bleiben und dort zu arbeiten.

400 Schulen in katholischer Trägerschaft

Dafür benötigen wir Infrastruktur und die Möglichkeit, Arbeitsplätze zu schaffen. Wir ermutigen nicht zur Migration, erst recht nicht zur illegalen Migration ohne Dokumente, denn damit werden die Menschen zum Spielball von Schlepperbanden.

Wir fühlen, dass die jungen Leute ihr Heimatland lieben, aber es sollte ihnen die Möglichkeiten gegeben werden, im Land zu bleiben.

Am 28. Oktober ist der Sonntag der Weltmission. Was muss getan werden für die Neuevangelisierung in Europa?

Äthiopien hat der Welt eine Menge zu geben. Wir sind dankbar zu hören, dass Europa viele Flüchtlinge aufgenommen hat. Äthiopien hat auch fast eine Million Flüchtlinge aus dem Südsudan, Somalia und Eritrea aufgenommen. Warum? Weil Äthiopien christliche Werte hat.

Äthiopien ist seit der Zeit der Apostel eine christliche Nation. Wir fühlen, dass Gastfreundschaft ein Teil des christlichen Erbes von Äthiopien ist. Christliche Werte sind wichtig. Ein älterer Mensch, ein Flüchtling oder ein Migrant ist zuallererst ein Mensch. Er mag von Gott geschickt worden sein. Er mag ein Segen sein. Heiße ihn willkommen, behandle ihn gut! Das ist biblisch.

Ich denke, Europa sollte versuchen, gläubig zu seinem christlichen Erbe zu stehen. Der Westen sollte sich nicht dafür schämen, ein christliches Land mit großen Werten zu sein ̶ in Krisenzeiten und auch nicht jetzt in guten Zeiten.

Äthiopien hat gezeigt, dass der Religion der richtige Platz in der Gesellschaft gegeben werden sollte. Wir hoffen, dass wir diese Botschaft vermitteln können.

Helfen Sie den Menschen in Äthiopien

KIRCHE IN NOT hat zahlreiche Projekte in Äthiopien gefördert. Allein im Jahr 2017 waren es mehr als 80 Projekte mit fast 1,4 Millionen Euro.

Um die die karitative Arbeit der Kirche in Äthiopien zu unterstützen, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Die Kongregation der Bene-Mariya-Schwestern wurde 1956 in Burundi gegründet. Ihr Ziel ist es, den Familien dabei zu helfen, im christlichen Geist zu leben und sich am Vorbild der Heiligen Familie von Nazareth zu orientieren.

Die Schwestern arbeiten vor allem mit den Müttern, weil diese gewissermaßen das „Herz“ der Familie sind und den Geist der Familie besonders prägen. Sie sind aber auch in der Ausbildung von Katecheten tätig, erteilen selbst Katechese in Schulen und Pfarreien, leiten Gruppen in den Gemeinden und bereiten Paare auf das Sakrament der Ehe vor.
Die Schwestern freuen sich riesig über die neuen Bücher und danken allen Wohltätern.
Eine Schwester freut sich über die Bücher, die in ihrem Kloster in Tansania angekommen sind.
Ein Priester segnet die neuen Bücher.

Die Kongregation ist missionarisch ausgerichtet, das heißt, die Schwestern sind bereit, ihre Heimat zu verlassen und dorthin zu gehen, wohin die Kirche sie ruft. Inzwischen sind die Bene-Mariya Schwestern (= Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens) nicht nur in Burundi, sondern auch in Tansania, im Tschad, in Frankreich und Italien tätig.

Um anderen dabei zu helfen, im christlichen Geist zu leben, müssen die Schwestern diesen Geist jedoch vor allem auch selbst leben und eine tiefe persönliche Beziehung zu Jesus Christus pflegen. Dazu gehört ein intensives Gebetsleben, das aus dem persönlichen und dem gemeinschaftlichen Leben besteht.

In Tansania wächst die Gemeinschaft rasant an. Im Moment sind 33 junge Frauen im Noviziat, und weitere Mädchen wollen sich der Kongregation anschließen. Insgesamt gibt es in Tansania zurzeit 92 Schwestern der Kongregation.

Nun haben aber die Gebetbücher für die vielen neuen Schwestern nicht gereicht. Aber ohne Gebetbücher ist das gemeinschaftliche Gebet nahezu unmöglich. Daher haben uns die Schwestern um Hilfe gebeten, und unsere Wohltäter haben 1.100 Euro für den Kauf von 60 neuen Gebetbüchern gespendet.

Jetzt sind sie erst einmal für die vielen Berufungen gerüstet. Die Schwestern freuen sich riesig und beten für alle, die ihnen geholfen haben.

Helfen Sie der Kirche in Tansania

Um die Arbeit der katholischen Kirche in Tansania weiter unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

In Nigeria nehmen die Übergriffe durch islamistische Fulani-Hirten zu.
Im Interview mit KIRCHE IN NOT spricht Father Habila Daboh, der Regens des Priesterseminars von Kaduna in Nordnigeria, von einer neuen Dimension des Terrors und wirft der Regierung vor, nicht genug gegen den Terrorismus zu tun.

Die internationale Staatengemeinschaft müsse aufwachen, damit es nicht zu einer humanitären Katastrophe oder gar zum Völkermord komme. Das Gespräch führte Volker Niggewöhner, Mitarbeiter von KIRCHE IN NOT Deutschland.
Ein durch einen Angriff von Fulani zerstörtes Gebäude.
Gruppenfoto im Priesterseminar in Jos/Nigeria.
Kinder aus Nigeria.
Bis auf das Fundament zerstörtes Gebäude im Bistum Kaduna (Nigeria) nach einem Angriff von Fulani im Jahr 2017.
VOLKER NIGGEWÖHNER: Father Daboh, Ende Juni wurden im nordöstlichen Bundesstaat Plateau Christen erneut Opfer gewalttätiger Übergriffe. Was ist geschehen?

FATHER HABILA DABOH: Der erste Angriff ereignete sich während eines christlichen Begräbnisses, als plötzlich einige bewaffnete Hirten vom Stamm der muslimischen Fulani hinzukamen und wahllos das Feuer auf die Trauergäste eröffneten. Auch in zwei anderen Dörfern kam es zu tödlichen Attacken auf Menschen, die sich gerade ihren Alltagsgeschäften widmeten. Es gab viele Tote.

Was wissen Sie über die Opferzahlen?

Die Menschen vor Ort sprechen von bis zu 300 Toten. Die offiziellen Zahlen werden niedriger veranschlagt, weil die Behörden das wahre Ausmaß verschleiern wollen.

Sind diese fast zeitgleichen Angriffe der Fulani eine neue Dimension des Terrors gegen Christen?

So sieht es aus. Es gab nicht das geringste Anzeichen, nicht die geringste Warnung. Die Angreifer sind einfach gekommen und haben die Menschen bei ihren alltäglichen Arbeiten oder Besorgungen getötet.

„Fulani besetzen gewaltsam Bauernhöfe”
Die islamische Terrorsekte „Boko Haram“ macht schon seit einigen Jahren von sich reden. Wer sind die Fulani?

Die Fulani sind ein Hirtenvolk, das noch immer als Nomaden lebt. Das heißt, sie ziehen mit ihrem Vieh, meistens sind es Rinder, auf der Suche nach Nahrung umher. Dabei kommt es dann oft zu Konflikten, denn die Fulani besetzen gewaltsam Bauernhöfe, ihr Vieh frisst die Ernte auf – und häufig zerstören sie auch die Gebäude und töten die Bewohner.

In unseren Medien wird oft davon gesprochen, dass es sich um Landkonflikte zwischen Nomaden und Bauern handle. Steckt mehr dahinter?

Ja. Im Mai wurden beispielweise im Bundesstaat Benue im Südwesten von Nigeria mehrere Besucher einer Frühmesse in einer katholischen Kirche durch Fulani getötet. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass sie in der Kirche nach Futter für ihre Tiere gesucht haben.

Viele dieser Angriffe ereignen sich in Regionen, die mehrheitlich christlich sind. Es scheint ein Plan dahinter zu stecken. Christen werden von den Fulani getötet, um das Land für sich zu beanspruchen. Es ist eine Form der ethnischen Säuberung.

„Hirten mit hoch entwickelten Waffen”
Könnte es Hintermänner aus dem Ausland geben?

Das halte ich für durchaus möglich. Bei „Boko Haram“ war es ähnlich. Auch hier wurde immer gemutmaßt, dass sie vom „Islamischen Staat“ unterstützt werden. Wiederholt sich das jetzt mit den Fulani?

Die Vermutung liegt nahe, denn diese einfachen Hirten sind mit hoch entwickelten Waffen ausgerüstet.Woher haben sie die? Aus dem Ausland oder aus Nigeria? Ich weiß es nicht, halte es aber für sehr wahrscheinlich, dass sie Hintermänner haben.

Der nigerianische Bischof William Amove Avenya aus Gboko sprach gegenüber KIRCHE IN NOT von der Gefahr eines Völkermords, so wie er 1994 in Ruanda geschehen ist. Sehen Sie auch diese Gefahr?

Auch ich sehe die Gefahr eines Völkermords in Nigeria, wenn nicht energisch entgegengesteuert wird. In Ruanda ist die Gewalt stufenweise eskaliert, bis es zum Genozid kam. Das kann leicht auch in Nigeria passieren.

Der muslimische Staatspräsident Muhammadu Buhari hat bei seinem Amtsantritt 2015 versprochen, den islamischen Terrorismus zu bekämpfen. Sehen Sie Fortschritte?

Es hat einige Anstrengungen gegeben, aber sie sind bei Weitem nicht genug. Es scheint, dass Präsident Buhari die Bekämpfung der Korruption weitaus energischer anpackt. So hat er zum Beispiel bei seinem „Anti-Korruptionsfeldzug“ eine Liste mit vermeintlich bestechlichen Personen veröffentlichen lassen.

„Wir haben genug vom Blutvergießen in Nigeria“: Demonstration in Mbalom/Nigeria.
Father Habila Daboh, Regens des Priesterseminars von Kaduna in Nordnigeria.
William Amove Avenya, Bischof von Gboko/Nigeria.

Was hindert ihn daran, eine Liste derjenigen zu veröffentlichen, die die Hintermänner der Fulani-Mörder offenlegt? Der Präsident misst mit zweierlei Maß.

Ein Beispiel: Als eine Bewegung aufkam, die sich friedlich für die erneute Unabhängigkeit der Biafra-Region im Südosten Nigerias einsetzt, hat Präsident Buhari diese Gruppierung massiv bekämpft und ihre Mitglieder zu Terroristen erklärt, obwohl sie keine Gewalt ausgeübt hatten.

„Fulani haben schon tausende Menschen getötet”

Die Fulani dagegen haben schon tausende Menschen getötet, und dennoch weigert sich der Präsident, sie als Terroristen zu bezeichnen. Warum schaut er weg? Warum baut er nicht ein Sicherheitskonzept auf, wozu ihm auch die internationale Staatengemeinschaft geraten hat?

Die westliche Staatengemeinschaft betont die Bedeutung der Menschenrechte. Lässt sie ihren Worten in Nigeria auch Taten folgen?

Menschenrechte darf man nicht nur im Mund führen. In Nigeria gibt es viele Menschenrechtsverletzungen. Wenn Menschen angegriffen werden und nicht in Sicherheit leben können, ist das auch eine Menschenrechtsverletzung.

Es reicht nicht, hier in Nigeria Organisationen zu haben, die den Kampf gegen Korruption überwachen. Die internationale Staatengemeinschaft sollte mit Nachdruck darauf hinweisen, dass Menschenrechte in Nigeria missachtet werden.

Sie haben KIRCHE IN NOT berichtet, dass auch bereits katholische Priester von Fulani-Banden getötet wurden. Steckt ein System dahinter?

Das ist möglich. Lassen Sie mich aber noch etwas Anderes betonen. Auch Muslime werden vermehrt Opfer dieser Attacken. So war es auch schon bei „Boko Haram“.

Auch diese Gruppe begann mit Angriffen auf Christen, Kirchen und kirchliche Einrichtungen, hat dann aber später auch Muslime und sogar Moscheen angegriffen. Dieser Aspekt ist sehr wichtig, um die Situation hier zu verstehen.

Nigeria ist ein Land der christlichen Glaubensfreude, mit vielen geistlichen Berufungen. Werden sich die Christen des Landes durch den Terror einschüchtern lassen?

Furcht ist eine ganz normale Reaktion. Sie hat aber keinen Einfluss auf das Verhalten der Gläubigen – im Gegenteil. Als Regens eines Priesterseminars kann ich Ihnen versichern, dass der Terror sogar einen positiven Effekt hat.

Ich kenne viele junge Männer, die Priester werden wollen – auch um die Terroristen zu bekehren. Viele Muslime konvertieren zum Christentum, weil sie erkennen, dass keine Religion Blut vergießen sollte.

„Internationale Staatengemeinschaft muss handeln”
Was können wir in Deutschland tun?

Bitte hören Sie nicht auf, für Nigeria zu beten. Aber nutzen Sie auch Ihren Einfluss, der Welt mitzuteilen, dass in Nigeria gerade etwas Schreckliches passiert. Die internationale Gemeinschaft sollte jetzt handeln, bevor es zu spät ist. Wenn es in Nigeria zu einem Bürgerkrieg kommt, ist eine humanitäre Katastrophe vorprogrammiert.

Helfen Sie der Kirche in Nigeria

Die verfolgten Christen Nigerias gehören zu den Schwerpunkten der Hilfe von KIRCHE IN NOT auf dem afrikanischen Kontinent.

Unser Hilfswerk fördert unter anderem den Aufbau zerstörter Kirchen, die Priesterausbildung, den Unterhalt der Klöster und die pastorale Arbeit der Kirche.

Im Norden Nigerias, in der die Gläubigen bis heute unter den Folgen des islamistischen Terrors von „Boko Haram“ leiden, unterstützt „Kirche in Not“ auch Hilfsprogramme für Witwen und Waisen.

Um weiterhin helfen zu können, bittet das Hilfswerk um Spenden.

Die Republik Côte d’Ivoire ist ein Land im Wandel: Nach Jahren des Bürgerkrieges versucht die heterogene Gesellschaft, Einheit und Versöhnung zu leben. Das gilt für die Politik wie für die Religionen.

Es gibt auch erste Erfolge: Das Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen funktioniert – anders als in anderen afrikanischen Ländern – weitgehend spannungsfrei. Die politische Lage ist weniger aufgeheizt und die Wirtschaft kommt durch verstärkte Investitionen langsam in Schwung.

Dennoch brodelt es unter der Oberfläche: Benachteiligung und wirtschaftliche Ausbeutung sind an der Tagesordnung. Investitionen aus China und Marokko schaffen neue politische wie religiöse Abhängigkeiten. Vielen Menschen fehlt es an ausreichenden Lebensgrundlagen.
Studenten des Priesterseminars aus Cote d’Ivoire.
Taufe in Cote d’Ivoire.
Gottesdienst in Cote d’Ivoire.
Ignace Bessi Dogbo, Bischof von Katiola.
Fußballmannschaft mit Seminaristen aus Cote d’Ivoire.

Wie die katholische Kirche in dieser Situation Versöhnung voranbringen möchte, warum neue Gotteshäuser auch die kulturelle Identität erneuern und weshalb Wirtschaftshilfe die bessere Flüchtlingspolitik ist, darüber gab Bischof Ignace Bessi Dogbo im Interview Auskunft.

Bessi Dogbo leitet das Bistum Katiola im Norden von Cote d’Ivoire und ist Vorsitzender der ivorischen Bischofskonferenz. Bei seinem Besuch im deutschen Büro von KIRCHE IN NOT hat Tobias Lehner hat mit ihm gesprochen.

TOBIAS LEHNER: Herr Bischof, Ihr Heimatland hat einen Bürgerkrieg hinter sich, der von 2002 bis 2007 andauerte. Im Zuge der Präsidentschaftswahlen kam es ab 2010 nochmals zu blutigen Auseinandersetzungen. Dabei wurden auch Kirchen und Priester angegriffen. Wie ist die Situation heute?

BISCHOF IGNACE BESSI DOGBO: Die Situation ist jetzt weitgehend ruhig. Die Kämpfe nach den Präsidentschaftswahlen 2010 waren ausgebrochen, weil jede Seite den Sieg für sich reklamierte.

Der frühere Präsident Laurent Gbagbo ist inhaftiert und muss sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten (Der Prozess gegen Gbagbo begann 2016. Ihm werden „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ im Umfeld der Wahlen vorgeworfen; Anm. d. Red.).

2015 gab es die jüngste Präsidentenwahl (aus der Alassane Ouattara erneut als Sieger hervorging. Er regiert seit 2011; Anm. d. Red.). Die Wahl verlief ruhig und geordnet. Aber die Cote d’Ivoire ist nach wie vor gespalten in Anhänger der Regierung und der Opposition.

Letztere haben oft Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden. Es gibt hier sehr starke Benachteiligungen. Oft wird die Zugehörigkeit zu Regierung oder Opposition auch davon abhängig gemacht, welcher Volksgruppe jemand angehört – es gibt über 60 Ethnien im Land. Und das schürt natürlich neue Feindschaften.

Wie ist das Miteinander der Religionen?

Christentum und Islam haben etwa gleich viele Gläubige im Land. Im Norden, wo ich Bischof bin, sind die Katholiken aber in der Minderheit. Es gibt auch viele Anhänger von Stammesreligionen. Im Großen und Ganzen leben die Religionen friedlich zusammen. Wir sind eine große Familie.

Das ist ein großer Unterschied zu anderen afrikanischen Ländern, in denen islamistische Gruppen enormen Zulauf haben. Was macht Cote d’Ivoire denn anders als andere Länder?

Ich denke, das ist auch ein Erfolg der Politik, vor allem des ersten Präsidenten Félix Houphouët-Boigny (Boigny regierte das Land nach der Unabhängigkeit von Frankreich von 1960 bis 1993; Anm. d. Red.). Er hat sich sehr für den interreligiösen Dialog engagiert.

Überall wo eine Moschee gebaut wurde, ließ er auch eine Kirche bauen. Das hat das friedliche Zusammenleben gestärkt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es in jüngster Zeit islamistische Tendenzen gibt. Diese kommen durch Zuwanderer aus anderen Staaten, wie zum Beispiel Mali und Nigeria.

Priester aus Cote d’Ivoire auf einem Motorrad.
Für den interreligiösen Dialog engagiert
Wie äußern sich diese Tendenzen?

Es gibt zum Beispiel Bestrebungen, muslimische Männer verstärkt mit christlichen Frauen zu verheiraten. Diese müssen dann konvertieren und die Kinder aus diesen Ehen werden muslimisch erzogen. In jüngster Zeit investieren viele wohlhabende Geschäftsleute aus Marokko in unserem Land.

Sie bevorzugen ihre muslimischen Glaubensbrüder. Oder aber sie versuchen unsere christlichen Jugendlichen mit Geld zu locken: „Wir geben dir Arbeit, aber dafür musst du Muslim werden.“ Als Bischöfe versuchen wir solchen Bestrebungen entgegenzuwirken. Wir unterstützen zum Beispiel Maßnahmen, in denen sich die Jugendlichen vernetzen und ihre Ausbildung selber in die Hand nehmen können.

Die Jahre des Krieges haben alle Religionen und Ethnien gleichermaßen betroffen. Hunderttausende Menschen wurden vertrieben. Konnten sie zurückkehren und wie ist ihre humanitäre Situation?

Viele Ivorer sind in die Nachbarländer wie Ghana, Mali, Liberia oder Burkina Faso geflohen. Vor allem in den Grenzregionen von Liberia und Mali gibt es kaum Sprach- und Kulturunterschiede, viele Menschen haben dort auch Verwandte. Sie sind nach dem Krieg häufig dortgeblieben.

Aus anderen Ländern kamen die Menschen zurück und mussten feststellen, dass ihr Acker- und Weideland jetzt von anderen Personen bewirtschaftet wird. Oft waren es sogar ihre früheren Nachbarn, die das Land jetzt einfach an sich genommen haben. Grundstückspapiere oder Eigentumsnachweise gibt es nicht. Neue Landkonflikte sind die Folge.

„Der erste Schritt zur Versöhnung ist die Einheit”
Wie kann aus Ihrer Sicht Versöhnung für die Bewohner von Cote d’Ivoire gelingen?

Nur die Religion kann Versöhnung schaffen, nicht die Regierung! Nach dem Bürgerkrieg haben die Politiker zwei Versöhnungskommissionen einberufen und dazu auch Bischöfe in wichtige Positionen berufen.

Die Kommissionen aus verschiedenen Kriegsparteien, Ethnien und Religionen haben hart gearbeitet und viele Vorschläge vorgelegt. Sie wurden nicht beachtet. Also müssen wir als Kirche handeln. Wir können die Versöhnung nicht allein schaffen, aber wir können vielleicht einen Prozess in der Gesellschaft anstoßen.

Darum haben wir in der Bischofskonferenz einen neuen Pastoralplan für die Jahre 2019 bis 2023 entwickelt, in dem wir einige konkrete Schritte vorlegen.

Welche Schritte zum Beispiel?

Der erste Schritt zur Versöhnung ist die Einheit. Das beginnt mit der Einheit der Bischöfe, Priester und Gläubigen. Während der Kriegsjahre haben wir nicht mit einer Stimme gesprochen. Außerdem wollen wir 30 Priester im Land zu Mediatoren ausbilden, die bei Konflikten in Regionen oder Gemeinden helfen können.

Ein dritter Schritt ist, dass wir Begegnungen mit den anderen christlichen Konfessionen und den Muslimen verstärken wollen. Einheit von innen und Einheit nach außen – das ist der Weg, den die Ivorer jetzt gehen müssen.

Was sind nach der Sorge um Einheit und Versöhnung die dringendsten Nöte der Kirche in Cote d’Ivoire?

Ich sehe hier vor allem zwei Dinge als notwendig an: gute Kirchen und gute Priester. Wenn ich durch das Land fahre, sehe ich an den Straßenrändern viele neugebaute Moscheen. Aber unsere Kirchen und Kapellen sind oft in einem desolaten Zustand.

Aber wenn die Kirche nichts ausstrahlt, kann sie auch die Herzen der Menschen nicht erreichen. Das gleiche gilt für die Priester. Ich habe in meiner Diözese Katiola 54 Priester und im Bistum Korhogo, das ich auch noch verwalte, nur 16. Wir brauchen Priester!

„Wir brauchen Priester!”

Viele Priesteramtskandidaten stammen aus armen Familien und können sich oft das Notwendigste für ein Studium nicht leisten. Materielle Hilfe und gute geistliche Ausbildung sind enorm wichtig. Und dabei weiß ich, dass ich mich auf KIRCHE IN NOT verlassen kann!

Ich erhalte immer wieder Hilfen für den Bau von Kirchen und Pfarrhäusern wie auch für das Priesterseminar. Sehr wichtig sind auch Mess-Stipendien, die für unsere Priester das Überleben sichern.

Im Westen diskutieren wir seit einigen Jahren sehr kontrovers um das Thema Flüchtlinge. In Afrika sehen viele junge Menschen keine Zukunft mehr und machen sich auf die gefährliche Reise. Das stellt gerade Europa vor immense Herausforderungen. Was müsste aus Ihrer Sicht die Weltgemeinschaft tun?

Der Westen sollte beim Ausgangspunkt ansetzen und nicht beim Ende. Das heißt: den Menschen in Afrika helfen und nicht erst dann, wenn sie als Migranten in Europa ankommen. Auch in Cote d’Ivoire gibt es junge Menschen, die zunächst die gefährliche Reise nach Libyen und dann über das Mittelmeer auf sich nehmen.

„Gerechte Handelspolitik ist die beste Entwicklungshilfe”

Aber warum gehen sie? Weil sie zum Beispiel als kleine Landwirte keine fairen Preise für ihre Rohstoffe bekommen, zum Beispiel Kakao. Sie werden teilweise wie Sklaven behandelt. Der Westen kann durch faire Preise dazu beitragen, dass diese Menschen von ihrem Lohn leben können. Dann werden sie auch nicht auswandern. Eine gerechte Handelspolitik ist die beste Entwicklungshilfe!

Helfen Sie der Kirche in Cote d’Ivoire

Neben dem Bau und der Renovierung von Kirchen und Pfarrzentren, der Ausbildungshilfe für Seminaristen und dem Lebensunterhalt der Priester fördert KIRCHE IN NOT auch den Druck und die Verbreitung von Kinderbibeln und Katechismen, die Arbeit von Ordensgemeinschaften und die Friedensarbeit der lokalen Kirche.

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden

Der Generalvikar der Diözese Bambari im Süden der Zentralafrikanischen Republik, Firmin Gbagoua, ist am 29. Juni einem Mordanschlag zum Opfer gefallen.

In einer Erklärung, die KIRCHE IN NOT vorliegt, sprechen die Bischöfe des Landes von „großer Bitterkeit“ angesichts des erneuten Mordes an einem Priester: „Wir verurteilen die sukzessive Ermordung von Priestern in der jüngsten Zeit.“

Generalvikar Gbagoua ist bereits der dritte zentralfrikanische Geistliche, der in diesem Jahr ermordet wurde. Nach einer tödlichen Attacke auf einen Priester im März waren am 1. Mai in der Hauptstadt Bangui ein Gemeindepfarrer und 15 Gläubige erschossen worden.
Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände des Priesterseminars des Bistums Bangassou/Zentralafrikanische Republik (Foto: Fundación Bangassou).
Gottesdienst in einem Dorf in der Zentralafrikanischen Republik (KIRCHE IN NOT/Aurelio Gazzera).
Beerdigung für die Opfer, die bei einem Angriff auf eine Kirche in Bangui ums Leben gekommen sind.

Die Bischöfe rufen die zentralafrikanische Regierung und die im Land stationierten UN-Einheiten auf, „ihre Maßnahmen stärker zu koordinieren, damit die Mörder und die Hintermänner gefasst und vor Gericht gebracht werden können“.

Die Bischöfe stellten sich die Frage: „Wer profitiert von all dieser Gewalt gegen die katholische Kirche in der Zentralafrikanischen Republik?“

In den Bauch geschossen

Bisher unbekannte Täter hatten Gbagoua aus kurzer Entfernung in den Bauch geschossen, als er mit anderen Priestern zu Abend gegessen habe, berichtete das Portal „Vatican News“ am 2. Juli unter Berufung auf den Pfarrer der Kathedralkirche von Bangui, Mathieu Bondombo.

Auf dem Weg ins Krankenhaus sei Gbagoua verstorben. Der Geistliche koordinierte als Caritasdirektor im Bistum Bambari auch die materielle Hilfe für Gläubige und Binnenflüchtlinge.

In jüngster Zeit geraten in der Zentralafrikanischen Republik immer mehr Priester, Missionare, humanitäre Helfer und Blauhelmsoldaten in das Fadenkreuz von Bürgerkriegsmilizen.

Vor einer Kirche in der Zentralafrikanischen Republik.
Eines der ärmsten Länder der Welt

Seit 2013 dauern die Kämpfe an, bei denen sich Regierungstruppen, muslimische Rebellen der „Séléka“ und Kampfverbände der „Anti-Balaka“, in denen mehrheitlich Christen vertreten sind, gegenüberstehen. Seit 2014 sind auch multinationale Truppen und Sicherheitskräfte im Rahmen der UN-Operation „Minusca“ in der Zentralafrikanischen Republik stationiert.

Bei den Kämpfen geht es neben religiösen Gründen auch um die Kontrolle des Rohstoffhandels in dem Land, das als eines der ärmsten der Welt gilt.

Ende 2015 hatte Papst Franziskus die Zentralafrikanische Republik besucht. Standen die Zeichen damals noch auf Versöhnung, hat sich die Situation in jüngster Zeit erneut verschärft.

Die Bischöfe rufen in ihrer Erklärung die Christen des Landes dennoch dazu auf, „ruhig zu bleiben und zu beten, um nicht denen in die Falle zu laufen, die beweisen wollen, dass Christen und Muslime in der zentralafrikanischen Nation nicht mehr zusammenleben können“.

Helfen Sie in der Zentralafrikanischen Republik

KIRCHE IN NOT steht der Bevölkerung der Zentralafrikanischen Republik seit Jahren bei. Im vergangenen Jahr hat unser Hilfswerk 30 Projekte gefördert – von der Nothilfe für Kriegsopfer, die Arbeit von Ordensgemeinschaften und Pfarrgemeinden bis hin zur Friedensarbeit.

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

„Der ,Feindʼ hat weder ein Gesicht noch eine Stimme. Wir kennen nicht einmal das Ziel seines Kampfes“, erklärte Bischof Luiz Fernando Lisboa gegenüber KIRCHE IN NOT angesichts der zunehmenden terroristischen Überfälle in Mosambik.

Lisboa, der dem Passionistenorden angehört, leitet das Bistum Pemba im Nordosten Mosambiks. Die Küstenstadt am Indischen Ozean ist auch das Zentrum der Region Cabo Delgado. Seit einem dreiviertel Jahr mehren sich dort Angriffe von Islamisten auf die Zivilbevölkerung.

Jüngste Vorfälle: Anfang Juni wurden in zwei Dörfern zehn Menschen – darunter Frauen und Kinder – entführt und später enthauptet aufgefunden.
Prozession in Mosambik.
Kinder aus Mosambik.
Luiz Fernando Lisboa, Bischof von Pemba/Mosambik.
Gottesdienst im Freien in Mosambik (Foto: Florencia Visconti/KIRCHE IN NOT).

Mitte des Monats überfielen Milizen das Dorf Nathuko und zündeten etwa hundert Hütten an. Auch hier soll ein alter Mann enthauptet worden sein – er konnte nicht mehr schnell genug fliehen. Kirchen wie Moscheen werden gleichermaßen verwüstet.

Die Angriffe, die seit Oktober 2017 andauern, gehen auf das Konto einer Organisation die sich „Al-Shabaab“ nennt. Mit der Terrororganisation gleichen Namens in Somalia scheinen aber keine weiteren Verbindungen zu bestehen, sagte Lisboa.

Auch die Ziele der Gruppe lägen im Unklaren: „Man spricht von religiösem Radikalismus, vom Kampf um Bodenschätze, von illegalem Waffenhandel, politischen Auseinandersetzungen, ethnischen Rivalitäten – aber in Wahrheit kann noch niemand sicher sagen, worum es geht.“ Klar sei jedoch, dass sich der Terror nicht ausschließlich gegen Christen richte.

Terror nicht nur gegen Christen gerichtet

Offensichtlich sei jedoch, dass die Terrorgruppe viele Jugendliche „geködert“ habe, so der Bischof. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit bereite den Boden für die Radikalisierung. Teilweise sei den jungen Menschen viel Geld versprochen worden, um sie zum Eintritt in die Gruppe zu bewegen.

Mosambik gehört nach Jahren des Bürgerkriegs zu den ärmsten Ländern der Welt. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung belegt es Platz 181 von 188. In jüngster Zeit war es durch verstärkte ausländische Investitionen zu einem kleinen Aufschwung gekommen.

Unzufriedenheit im Land sei groß

Kritiker werfen der Regierung deshalb vor, aus Angst vor einem Rückzug der Investoren die Übergriffe kleinzureden oder auf ausländische Unruhestifter zu reduzieren. Lisboa warnt deshalb vor voreiligen Schlüssen: „Diese Jugendliche sind nicht nur einige Sonderlinge, Ausländer oder ,Terroristenʼ. Einige von ihnen stammen aus unseren Familien, Dörfern und Bezirken.“

Die Unzufriedenheit im Land sei groß – und das, obwohl besonders im Norden des Landes viele Bodenschätze wie Kohle, Titan, Eisen und Gold Einkommen und Wohlstand sichern könnten. „Stattdessen sind sie aber zu einer Quelle ständiger Konflikte geworden“, sagte der Bischof.

In den vergangenen Jahren sei es zu „einer wahren Invasion“ verschiedener Unternehmen gekommen. Die Bevölkerung sei aber weitgehend außen vor geblieben. „Die Ungleichheit, die in Mosambik immer existiert hat, kann nur beseitigt werden, wenn man die vorhandenen Güter seriös und verantwortungsvoll verteilt.“

Trinkwasserausgabe für Kinder in Mosambik.
Versöhnung nach Bürgerkriegen ausgeblieben

Auch sei die nationale Versöhnung nach zwei Bürgerkriegen bis heute ausgeblieben – und verursache weiter ethnische Spannungen.

In Mosambik sind gut die Hälfte der Einwohner Christen und etwa 17 Prozent Muslime – im Norden des Landes stellen sie die Mehrheit. Anders als in anderen afrikanischen Ländern war Mosambik bisher von islamistischem Terror verschont geblieben.

Die neue Gewaltwelle habe deshalb Regierung, Bevölkerung und Sicherheitskräfte völlig überrascht, so Bischof Lisboa. Es sei zu unkoordinierten Festnahmen gekommen. „Sowohl die Gefängnisse als auch die Vollzugsbeamten waren darauf nicht vorbereitet, und das löst eine Reihe von Menschenrechtsproblemen aus.“

Unkoordinierte Festnahmen

Wichtig sei, die Lage jetzt nicht durch Gerüchte und Verdächtigungen weiter anzuheizen, so Lisboa. Das versuche er auch den Gläubigen seiner Diözese zu vermitteln, wenn er betroffene Dörfer besucht.

„Wir versuchen, die Menschen zu beruhigen. Wir haben sie gebeten, in sozialen Netzwerken keine Bilder der Gewalt zu verbreiten, da dies zu noch mehr Panik und einem Klima der Unsicherheit führt. Wir dürfen uns nicht lähmen lassen.“

„Die Weltgemeinschaft darf nicht denselben Fehler machen wie beim Völkermord in Ruanda. Er fand unter den Augen der Weltöffentlichkeit statt, aber niemand hat ihn gestoppt.“
Dies erklärte der nigerianische Bischof William Amove Avenya gegenüber KIRCHE IN NOT angesichts der zunehmenden Attacken islamistischer Viehhirten aus dem Volk der Fulani auf die ansässige Landbevölkerung – unter ihnen viele Christen.

Zusammen mit anderen Bischöfen aus Nigeria hat Avenya sich in einem Appell an die Weltöffentlichkeit gewandt. Avenya ist Bischof von Gboko, das im südöstlichen Bundesstaat Benue liegt. Die Region gehört zum sogenannten „Middle Belt“, wo der mehrheitlich christlich besiedelte Süden Nigerias an den mehrheitlich muslimischen Norden grenzt.
Bis auf das Fundament zerstörtes Gebäude im Bistum Kaduna (Nigeria) nach einem Angriff von Fulani im Jahr 2017.
Christen protestieren gegen die zunehmenden Fulani-Attacken.
Ein durch einen Angriff von Fulani zerstörtes Gebäude.
Trotz zahlreicher Anschläge durch Boko Haram sind die Gemeinden in Nigeria sehr aktiv und die Gottesdienst gut besucht.
Kinder aus Nigeria.

Im Bundesstaat Benue wurden Medienangaben zufolge seit Anfang des Jahres 492 Menschen bei Überfällen durch Fulani getötet. So verloren zum Beispiel am 24. April zwei Priester und zwei Gläubige bei einer Attacke während eines Gottesdienstes ihr Leben.

Auseinandersetzungen schwelen schon lange

In den anderen Regionen des „Middle Belt“ zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Mitte Juni kamen nahe der Stadt Jos mehr als 100 Personen bei Attacken der Fulani ums Leben.

Die Auseinandersetzungen schwelen schon lange – neu ist jedoch das Motiv der Attacken, sagte Avenya: Während sie in der Vergangenheit rein ethnisch oder wirtschaftlich geprägt gewesen seien, scheine jetzt „der religiöse Hintergrund die Oberhand zu gewinnen“.

Es gehe den extremistischen Fulani längst nicht mehr um Landstreitigkeiten: „In mehrheitlich muslimischem Gebieten verüben sie diese Taten nicht. Wir sind davon überzeugt, dass es sich um eine ethnische Säuberung an Christen handelt“, sagte Avenya.

„Ethnische Säuberung an Christen”

Deshalb hat er den drastischen Vergleich mit dem Völkermord in Ruanda gewählt. Dort wurden 1994 innerhalb weniger Monate bis zu einer Million Angehörige der Tutsi-Minderheit von Milizen aus dem Stamm der Hutu getötet.

Den Vereinten Nationen sowie einzelnen Staaten, die damals Truppen in Ruanda stationiert hatten, wird bis heute Untätigkeit vorgeworfen.

Die Gefahr einer solchen Entwicklung in seinem Heimatland sieht auch Bischof Matthew Ishaya Audu aus Lafia, das etwa 200 Kilometer südöstlich der nigerianischen Hauptstadt Abuja liegt: „Die Regierung unternimmt nichts, um die Terroristen aufzuhalten.“ Das stimme umso nachdenklicher, da auch Präsident Muhammadu Buhari dem Volk der Fulani angehöre.

Christen protestieren gegen die zunehmenden Fulani-Attacken.
William Amove Avenya, Bischof von Gboko/Nigeria.
„Die Regierung unternimmt nichts”

Die Polizei bleibe weitgehend untätig. In den von Überfällen betroffenen Gebieten gebe es in Dörfern und auf Wegabschnitten regelmäßig Kontrollpunkte. Dennoch sei es laut Polizei bislang nicht gelungen, Täter zu fassen.

„Ist es möglich, dass bewaffnete Männer mit ihren Viehherden unsichtbar werden?“, fragt Audu. Zudem würden die Fulani auch über immer anspruchsvollere Waffen verfügen. „Früher waren sie nur mit Stöcken bewaffnet; heute besitzen sie teure Maschinengewehre. Wer stattet sie damit aus?“

Letztlich würden die Fulani instrumentalisiert, ist Audu überzeugt. Seiner Meinung nach gebe es „eine klare Agenda, den nigerianischen ,Middle Beltʼ zu islamisieren.“

Gegen diese Entwicklung und um die Regierung zu einem besseren Schutz für die Christen aufzufordern, haben Ende Mai alle nigerianischen Diözesen an einem Protestmarsch im Bundesstaat Benue teilgenommen.

„Unsere Gläubigen werden getötet oder müssen aufgrund der Attacken fliehen – doch die westliche Welt betrachtet die Fulani nur als internes Problem“, erklärten die Bischöfe und wiederholten ihren Appell: „Wartet nicht ab, bis ein Völkermord verübt wird, ehe Ihr eingreift!“

Unterstützen Sie die verfolgten Christen in Nigeria

Die verfolgten Christen Nigerias gehören zu den Schwerpunkten der Hilfe von KIRCHE IN NOT auf dem afrikanischen Kontinent.

Wir fördern unter anderem den Wiederaufbau zerstörter Kirchen, die Priesterausbildung, den Unterhalt der Klöster und die pastorale Arbeit der Kirche.

Im Norden Nigerias, in der die Gläubigen bis heute unter den Folgen des islamistischen Terrors von „Boko Haram“ leiden, unterstützt KIRCHE IN NOT auch Hilfsprogramme für Witwen und Waisen.

Um weiterhin helfen zu können, bittet das Hilfswerk um Spenden

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