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Der syrisch-katholische Erzbischof von Homs, Jacques Mourad, kritisierte gegenüber KIRCHE IN NOT  (ACN) die „unhaltbare rechtliche und politische Lage“ in Syrien. Die Menschen litten „unter Gewalt und Repressalien“, sagte Mourad und zog Parallelen zu Afghanistan: „Es gibt zwar nicht diese Gewalt wie in Afghanistan, aber wir sind nicht weit davon entfernt. Es wird viel Druck auf die Menschen ausgeübt. Glauben sie nicht, dass wir auf dem Weg zur Freiheit sind.“ Der Weg von einem „autoritären, unipolaren Regime“ hin zur Demokratie sei noch weit.

 

„Die Kirche in Syrien stirbt“

Immer mehr Christen würden aufgrund der aktuellen Lage das Land verlassen, stellte Mourad fest und warnte: „Die Kirche in Syrien stirbt. Es gibt keine Freiheit, weder religiöse Freiheit noch irgendeine andere.“  Die Kirche in Syrien versuche seit Jahren, die Abwanderung zu verhindern – auch dank Hilfe aus dem Ausland. Dies stoße jedoch an Grenzen, erklärte der Erzbischof im Hinblick auf die nach wie vor unklare Lage nach dem Sturz des Assad-Regimes: „Es ist nicht möglich, eine Migrationswelle einzudämmen, ohne zuvor ein klar definiertes Regierungssystem und ein solides Sicherheitssystem zu etablieren.“

Erzbischof Jacques Mourad bei der Vorstellung des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“. © Kirche in Not
Mourad forderte mit Blick auf die Anschläge und blutigen Auseinandersetzungen in den vergangenen Monaten die internationale Gemeinschaft auf, ein „klare Haltung zu den Ereignissen in Syrien“ einzunehmen.  Politische Vertreter, Hilfsorganisationen, Schulen, Universitäten und Kultureinrichtungen im In- und Ausland sollten zusammenarbeiten, „um die in der Gesellschaft herrschende Angst zu überwinden und Schulungen über die Rolle der Gesetzgebung und die Durchsetzung von Gerechtigkeit und der Unabhängigkeit der Justiz durchzusetzen.“

 

„Christen fühlen sich wie Fremde“

Die Kirche gehe dabei mit gutem Beispiel voran: So würden zum Beispiel in Aleppo Christen ausgebildet um „eine politische Rolle zu übernehmen, wenn sich die Gelegenheit ergibt“, erklärte Mourad. Es sei „unerträglich“, dass sich die Christen in Syrien nach wie vor wie Fremde fühlten, obwohl sie seit Jahrhunderten Bürger des Landes seien.

Zerstörter Altarraum der griechisch-orthodoxen Kirche in Damaskus nach dem Anschlag am 22. Juni (Foto: Griechisch-katholisches Patriarchat von Antiochien).
Erzbischof Mourad äußerte sich bei der Vorstellung des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT (ACN) Ende Oktober in Rom. Der 57-Jährige war während des syrischen Bürgerkriegs 2015 von Kämpfern des „Islamischen Staats“ entführt und fünf Monate gefangen gehalten worden. Nach Schätzungen von KIRCHE IN NOT aufgrund lokaler Angaben lebten bei Kriegsbeginn 2011 rund 2,1 Millionen Christen im Land, heute sind es noch um die 500 000. Das sind etwas mehr als zwei Prozent der syrischen Bevölkerung.
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Erzbischof Jacques Mourad: Verschleppt vom „Islamischen Staat"

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Trotz Terror und Vertreibung ist der Glaube im Irak lebendig: Vom 9. bis 13. September feiern Christen verschiedener Konfessionen in Erbil das Fest der Kreuzerhöhung (14. September) mit einem großen ökumenischen Festival.

 

An dem fünftägigen Ereignis beteiligen sich die Assyrische Kirche des Ostens, die chaldäische, syrisch-katholische und syrisch-orthodoxe Kirche. Das Programm umfasst Gebete, Prozessionen, Musik, Sport und kulturelle Veranstaltungen. Ziel ist es, die Einheit der Christen im Irak sichtbar zu machen und Hoffnung für die Zukunft zu geben.

Der chaldäische Erzbischof Bashar Warda (Archivbild). © Kirche in Not
Der chaldäische Erzbischof Bashar Warda erklärte gegenüber KIRCHE IN NOT (ACN), das die Feierlichkeiten unterstützt hat: „Vor einem Jahrzehnt versuchte der sogenannte Islamische Staat, das Christentum aus diesem Land zu tilgen. Heute tragen dieselben Gemeinden das Kreuz wieder öffentlich – in Freude und im Vertrauen auf Christus. Der Glaube hat überlebt, und die Hoffnung ist stärker als der Tod.“

 

Der IS kontrollierte von 2014 bis 2017 Teile der Ninive-Ebene. Mehr als 120.000 Christen mussten fliehen. Mit Hilfe von KIRCHE IN NOT (ACN) konnten viele nach der Befreiung in ihre Heimatstädte zurückkehren.

Fest der Kreuzerhöhung in Erbil im Jahr 2024. © Erzdiözesen Erbil
Jugend gestaltet Zukunft der Kirche im Irak

 

Erzbischof Warda würdigte besonders die Jugend, die das Festival mitgestaltet hat: „Ihre Zusammenarbeit ist ein sichtbares Zeichen für eine neue Zukunft. Was sie verbindet – ihr Glaube an Christus – ist stärker als alles, was sie trennt.“


Das Festival wird als entscheidend für die Zukunft des Christentums im Land angesehen und soll künftig jährlich stattfinden. Mit Blick auf die dramatisch gesunkene Zahl der Christen im Irak sieht Warda darin auch eine Botschaft an die Weltkirche: „Wir sind noch hier. Wir sind eins in Christus. Eine kleine und verwundete Kirche zeigt der Welt die Kraft der Einheit und den Mut des Glaubens.“

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Ninive-Marshall-Plan für den Irak: Das größte Projekt in 75 Jahren KIRCHE IN NOT

Im westafrikanischen Sierra Leone ist der katholische Gemeindepfarrer Augustine Amadu bei einem mutmaßlichen Raubüberfall ermordet worden. Die Tat ereignete sich lokalen Angaben zufolge am 30. August in der Pfarrei „Unbefleckte Empfängnis“ in Kenema, dem Sitz der gleichnamigen Diözese im Südosten von Sierra Leone.

 

Wie die Polizei mitteilt, seien die Täter, die bislang noch nicht ermittelt werden konnten, über ein Fenster in das Pfarrhaus eingedrungen. Sie hätten Pfarrer Amadu zunächst einen Schlag auf den Kopf versetzt; laut Autopsiebericht ist der Geistliche erwürgt worden. Die Tat ereignete sich nur einen Tag vor der geplanten Abschiedsmesse des Seelsorgers, der in eine andere Pfarrei wechseln sollte.

Der ermordete Pfarrer Augustine Amadu aus Sierra Leone. © Diözese Kenema
Schwerer Schlag für das sozial Gefüge in Sierra Leone

 

Pfarrer Amadu war ein Projektpartner von KIRCHE IN NOT (ACN); unser Hilfswerk hatte unter anderem den Bau des Pfarrhauses in Kenema unterstützt und ihn bei einer Projektreise im Jahr 2022 besucht. „Damals war die Gemeinde so begeistert, dass Pfarrer Amadu bald in das neue Pfarrhaus einziehen würde“, schildert Ulrich Kny, Projektleiter von KIRCHE IN NOT, seine Eindrücke.

 

In Sierra Leone sind verschiedenen Schätzungen zufolge 20 Prozent der acht Millionen Einwohner Christen; die Bevölkerungsmehrheit gehört dem Islam oder Naturreligionen an. Die interreligiösen Beziehungen in dem Land gelten als ausgezeichnet. Umso mehr zeigten sich auch Angehörige anderer Religionen geschockt über den jüngsten Mord. In einer Erklärung teilte der Interreligiöse Rat von Sierra Leone mit: „Pfarrer Amadu war ein Mann des Friedens, des Mitgefühls und des unerschütterlichen Engagements.“ Sein Tod sei ein schwerer Schlag für das soziale Gefüge in Sierra Leone. „Wir trauern um einen Diener Gottes, dessen Leben der Förderung der Einheit, Hoffnung und der moralischen Führung gewidmet war“, heißt es in der Erklärung.

In einer Kirche in Sierra Leone. © Kirche in Not
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Bischof von Kenema (Sierra Leone) dankt KIRCHE IN NOT

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Fast drei Jahrzehnte nach Ende des Kriegs im ehemaligen Jugoslawien leidet Bosnien und Herzegowina noch immer unter dessen Folgen. Besonders schwer haben es die Katholiken: Ihre Zahl schwindet, ganze Dörfer verwaisen. Lokalen Angaben zufolge sind von den gut 3,5 Millionen Einwohnern in Bosnien und Herzegowina gut 11 Prozent Katholiken, die meisten von ihnen gehören zur kroatischen Minderheit. Vor dem Krieg war die Zahl der Katholiken noch gut doppelt so hoch.

 

Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, war kürzlich vor Ort, hat Projektpartner besucht und Gemeinden kennengelernt. Im Interview spricht er über Eindrücke, Herausforderungen und Hilfe für die katholische Minderheit.

Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, bei seiner Projektreise nach Bosnien und Herzegowina. © Kirche in Not
Herr Ripka, wo waren Sie unterwegs und mit wem konnten Sie sprechen?

Florian Ripka: Wir haben alle Bischöfe des Landes gesprochen. Unser Schwerpunkt lag besonders auf Regionen, in denen die katholische Minderheit lebt. So waren wir zum Beispiel in der Erzdiözese Vrhbosna, also der Gegend um die Hauptstadt Sarajewo, auch in Mostar und Banja Luka. Dort sieht man sehr deutlich, wie groß die Herausforderungen noch sind.

 

Wie sieht die Lage der Katholiken aktuell aus?
Die katholische Gemeinschaft ist im Vergleich zu früher stark geschrumpft. Vor allem junge Leute sind ausgewandert – häufig nach Kroatien oder in andere EU-Länder – weil sie dort bessere berufliche Perspektiven und eine sichere Zukunft sehen. In vielen Dörfern stehen Häuser leer, es gibt kaum Arbeit, die Infrastruktur ist teils immer noch vom Krieg gezeichnet. Die Gemeinden überaltern.

Die Gründe für die Auswanderung sind vielfältig: Die Inflation ist hoch, eine Familie braucht zum Überleben gut das Dreifache des Durchschnittslohns, auch Dinge des täglichen Bedarfs sind teuer. Aber was mich beeindruckt: Trotz all dieser Schwierigkeiten gibt es einen starken Zusammenhalt, ein sehr lebendiges kirchliches Leben und Menschen, die sagen: „Wir wollen hierbleiben.“

Katholiken im Erzbistum Vrhbosna bei einer Prozession. © Kirche in Not
Immer wieder haben Gesprächspartner KIRCHE IN NOT gegenüber beklagt, dass die katholische Minderheit in Bosnien und Herzegowina benachteiligt wird. Wie haben Sie das erlebt?

Es gibt noch „Nachwehen“ der kommunistischen Zeit. Damals hat das jugoslawische Regime viele kirchliche Gebäude enteignet, die teilweise immer noch nicht zurückgegeben wurden. Dann prägen nach wie vor ethnische Spannungen das Land, die auch entlang von religiösen Zugehörigkeiten verlaufen. Die katholischen Kroaten sind die kleinste Gruppe nach den muslimischen Bosniaken und den orthodoxen Serben. Das wirkt sich auch politisch aus, obwohl die Regierung versucht, jeder Ethnie ihren Platz einzuräumen. Dennoch sind Katholiken oft unterrepräsentiert und ihre Belange fallen unter den Tisch. Oft blockieren sich auch die Ethnien gegenseitig, und das führt zu Stillstand.

 

Welche Probleme sind Ihnen vor Ort am häufigsten begegnet?
Neben der wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit ist es das Gefühl vieler Menschen, vergessen zu sein. Sie sagen: „Die Welt kümmert sich nicht um uns.“ Diese Kombination – wirtschaftlich schwierig und politisch kompliziert – macht es schwer, eine sichere Zukunft zu planen. Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht nur materiell helfen, sondern ganz klar signalisieren: Wir sind da, wir hören zu und wir stehen an eurer Seite. Es gibt gerade auch unter der Jugend den Wunsch, die Zukunft des Landes mitzugestalten.

Katholische Jugendliche in einem Jugendzentrum in Sarajewo. © Kirche in Not
Was kann kirchliche Hilfe unter diesen Bedingungen bewirken?

Es geht um zweierlei: praktische Unterstützung – vor allem beim Aufbau von pastoralen Zentren, die überregional genutzt werden – und um geistliche Stärkung. Projekte für Kinder und Jugendliche, Sommerfreizeiten, Katechese, Begegnungsveranstaltungen: Das alles gibt den Menschen Mut, zu bleiben. Und es ist unglaublich wertvoll, wenn Spender in Deutschland erfahren, was mit ihrer Unterstützung konkret passiert.

 

Gab es Begegnungen, die Sie persönlich besonders berührt haben?
Ja, einige. Zum Beispiel habe ich mit Geistlichen aus Banja Luka gesprochen, die sich aufopferungsvoll um ihre sehr kleine Gemeinde kümmern. Die ethnischen Säuberungen im Balkankrieg waren in dieser Region sehr drastisch, sodass es heute kaum mehr Katholiken gibt. Es ist dem Bischof wichtig, dass die wenigen, die geblieben sind, seelsorglich betreut werden – auch wenn nur fünf Gläubige die heilige Messe besuchen.

Ganz anders ist es in Mostar, wo die Katholiken eine Mehrheit bilden. Hier sind die Kirchen voll, sonntags gibt es mehrere Gottesdienste. Es gibt viele junge Familien, die trotz desolater Wirtschaftslage aus dem Ausland wieder zurückkehren, weil sie hier noch gelebte christliche Werte vorfinden. Dafür nehmen sie auch finanzielle Nachteile in Kauf.

Eine katholische Familie in Bosnien und Herzegowina. © Kirche in Not
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der katholischen Minderheit in Bosnien und Herzegowina?

Ich wünsche mir einerseits, dass die Menschen ihren authentischen Glauben beibehalten. Andererseits hoffe ich, dass die tiefen Gräben, die in der Vergangenheit gerissen wurden, überwunden werden. Wir müssen sie und alle unterstützen, die für den Frieden kämpfen. Ich traue es nur der katholischen Kirche zu, hier etwas zu bewegen. Unser Auftrag ist es, sie dazu zu befähigen.

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Radiointerview mit Florian Ripka in voller Länge

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Der 45-jährige Ukrainer Maksym Ryabukha ist einer der jüngsten Bischöfe der Welt. Er leitet das Apostolische Exarchat Donezk, zu dem die Regionen Donezk, Luhansk, Dnipro und Saporischschja gehören. Über die Hälfte dieses kirchlichen Gebietes ist von russischen Truppen besetzt. Bei einem Besuch der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein (Taunus) sprach er über die dramatische Lage seines Exarchats, die seelsorglichen Herausforderungen und die Kraft des Glaubens.

 

Wie würden Sie die aktuelle Lage in ihrem Exarchat beschreiben?
Sie wird immer dramatischer. Drohnen machen jeden Ort unsicher, auch für Zivilisten. Entlang der Frontlinie schlafen Menschen nachts im Freien aus Angst vor Angriffen. Ich habe Familien getroffen, die nur knapp Bombenexplosionen entkommen sind. Solche Erlebnisse erschüttern zutiefst.

Bischof Maksym Ryabukha mit Angehörigen einer Pfarrei in Donezk © Kirche in Not
Wie erleben Sie den Krieg als Bischof?
Wir fühlen uns oft machtlos – als ob niemand wahrnehmen würde, was hier geschieht. Am schmerzlichsten ist, dass zivile Gebiete bombardiert werden und die Welt zu diesem Massaker schweigt. Sichtbare Schritte in Richtung Frieden gibt es kaum.

 

Welche Veränderungen hat der Krieg für Ihre Kirche gebracht?
Vor der Invasion hatten wir mehr als 80 Pfarreien, heute sind nur noch 37 aktiv. Die übrigen sind geschlossen, besetzt oder zerstört. Die Gesetze der Besatzungsregierung verbieten jede Zugehörigkeit sowohl zur griechisch-katholischen als auch zur römisch-katholischen Kirche. Alle Kirchen dort sind geschlossen. Es ist verboten, sie zu besuchen.

Bischof Maksym Ryabukha mit einem Priester vor einem zur Kapelle umgebauten Wohnwagen © Kirche in Not
Wie erreichen Sie die Menschen unter diesen Umständen?
Ich bin ständig unterwegs, deshalb nenne ich mich „Bischof auf Rädern“. Ich besuche Pfarreien, gehe in die Häuser, höre zu, bete mit den Menschen. In den besetzten Gebieten treffen sich Gläubige heimlich. Die zerstörerischste Waffe ist nicht die Bombe, sondern das Gefühl, vergessen zu sein.

 

Wie sieht die seelsorgliche Arbeit konkret aus?
Wir haben 53 Priester, acht Ordensfrauen und mehrere Familien- und Caritaszentren. Wir begleiten vor allem Menschen, die durch den Krieg traumatisiert sind: Kinder, die das Lesen oder Sprechen verlernt haben, Mütter gefallener Soldaten, Menschen, die alles verloren haben. KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützt uns mit Schulungen für Seelsorger, um psychische Wunden zu heilen, und mit humanitärer Hilfe: Lebensmittel, Hygieneartikel, warme Zufluchtsorte im Winter.

Bischof Maksym Ryabukha im Gespräch mit einer alten Frau © Kirche in Not
Können Sie ein Erlebnis schildern, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Wir brachten Hilfspakete zu einem alten Ehepaar in Slowjansk. Als die Frau die Lebensmittel sah, sagte sie: „Davon habe ich geträumt.“ Für mich zeigt das: Es geht nicht nur um materielle Hilfe, sondern darum, dass Menschen spüren:  jemand liebt sie.

 

Was gibt Ihnen Hoffnung in dieser Situation?
Dass Gott stärker ist als das Böse. Wir sehen das Leben durch die Brille des Paradieses: Früher oder später wird alles enden – und das Ende heißt Paradies. Jeder Tag ist eine Chance, einen Schritt in diese Richtung zu machen.

Die Nachricht eines islamistischen Angriffs auf eine Kirche in Komanda im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo mit mehr als 40 Toten hat bei KIRCHE IN NOT (ACN) Trauer und Entsetzen ausgelöst. Geschäftsführer Florian Ripka von KIRCHE IN NOT Deutschland erklärte:

 

„Der jüngste Anschlag im Kongo war gezielt gegen Christen und den christlichen Glauben gerichtet. Die Täter verfolgen eine gezielte christenfeindliche Agenda. Unschuldige Menschen haben sich Samstagnacht in der katholischen Pfarrkirche zum Gebet versammelt. Jetzt sind viele von ihnen tot, darunter Frauen und Kinder. Andere wurden verschleppt, Häuser zerstört, Menschen für immer traumatisiert. Das ist Christenverfolgung im 21. Jahrhundert.

Ein Junge in einem Flüchtlingslager in der Demokratischen Republik Kongo (Archivbild). © Kirche in Not
Wir alle sind jetzt aufgerufen, zu helfen. Dieser Anschlag macht deutlich: Politische, ethnische oder wirtschaftliche Konflikte stehen oft im Vordergrund, wenn das Menschenrecht auf Religionsfreiheit mit Füßen getreten wird. Aber es gibt auch die andere Komponente: den Hass der Täter auf eine bestimmte Religion, in diesem Falle das Christentum. Das darf nicht ignoriert werden.“

 

Nachtgottesdienst überfallen und Gläubige getötet

Internationalen Medienberichten zufolge haben in der Nacht des 26. Juli islamistische Rebellen einen Gottesdienst in der Kirche von Komanda in der nordöstlichen Provinz Ituri überfallen und dabei zahlreiche Menschen getötet. Anschließend hätten die Täter in umliegenden Häusern und Geschäften Feuer gelegt. Wie Zeugen berichten, sollen auch mehrere Christen entführt worden sein. Sicherheitskräfte und Militär seien erst eingetroffen, als der Angriff bereits vorbei gewesen sei, heißt es. Zu den Todesopfern gibt es unterschiedliche Angaben: Erste Berichte sprachen von mindestens 20 Getöteten, kongolesische Medien berichteten von 43 Todesopfern.

Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland. © blende11
Für den Angriff sollen die Rebellen der islamistischen Allied Democratic Forces (ADF) verantwortlich sein, die in Uganda und der Demokratischen Republik Kongo operiert und die lokale Bevölkerung seit über zwei Jahrzehnten terrorisiert. Die ADF soll enge Verbindungen zur Terrormiliz IS unterhalten. Im vergangenen Februar wurde die Gruppe für die Tötung von bis zu 70 Gläubigen in einer evangelischen Kirche in einem Dorf in der Provinz Nord-Kivu nahe der Grenze zu Uganda verantwortlich gemacht.

 

Für Angriff sollen ADF-Rebellen verantwortlich sein

Das jüngste Massaker ereignete sich wenige Tage nach dem Waffenstillstandsabkommen der kongolesischen Regierung mit einer weiteren der zahlreichen im Land aktiven Rebellengruppen, der sogenannten M23-Gruppe. Diese wird von Ruanda aus unterstützt. Sie hatte im Osten der Demokratischen Republik Kongo zahlreiche Gebiete eingenommen, besonders in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu. Zahlreiche Menschen waren in Regionen wie Ituri weiter im Norden geflüchtet, wo nun der islamistische Angriff stattfand.

Um auf die Bedeutung der Religion in der Menschenrechtsdebatte aufmerksam zu machen, veröffentlicht KIRCHE IN NOT im Herbst die Neuauflage des Berichts „Religionsfreiheit weltweit“. Darin wird die Menschenrechts-Situation in über 190 Ländern analysiert. Weitere Informationen: www.religionsfreiheit-weltweit.de.

Kommunionspendung bei einer heiligen Messe in der Demokratischen Republik Kongo (Archivbild). © Kirche in Not
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Verwendungszweck: Demokratische Republik Kongo

Demokratische Republik Kongo: Kirche im dunklen Herz Afrikas

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Drei Tote und mindestens neun Verletzte meldet das Lateinische Patriarchat von Jerusalem nach dem gestrigen israelischen Angriff, der die katholische Pfarrei „Heilige Familie“ in Gaza-Stadt getroffen hat. Der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, Florian Ripka, äußerte sich zu dem jüngsten Vorfall:

 

„Wir sind tief traurig und geschockt. Erneut wurde ein ziviles Ziel in Mitleidenschaft gezogen. Über 500 Menschen harren in den Räumen der einzigen katholischen Pfarrei in Gaza aus. Sie ist seit Beginn des Krieges vor eineinhalb Jahren ein Ort der Zuflucht für unschuldige Menschen geworden, darunter Frauen, Kinder und ältere Menschen. Sie alle leiden unter dem Hamas-Terror und unter dem Krieg.

Schäden an der Pfarrkirche „Heilige Familie“ in Gaza-Stadt nach dem jüngsten Angriff. © Lateinisches Patriarchat von Jerusalem
Pater Gabriel Romanelli feiert die heilige Messe in der Pfarrkirche „Heilige Familie“ in Gaza-Stadt. © Pfarrei Heilige Familie
Pfarrer Gabriel Romanelli, der gestern ebenfalls verletzt wurde, ist mit seinen Helfern ein Motor der Nächstenliebe und der humanitären Hilfe geworden. Es ist unbegreiflich, dass diese unschuldigen Menschen Opfer eines Militärschlags werden konnten.

 

Diese Tragödie muss endlich aufhören. So hat es auch der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Kardinal Pizzaballa mehrfach gefordert. Wir sind mit ihm und seinen Mitarbeitern in enger Abstimmung, um die Hilfe für Gaza und die anderen Teile des Heiligen Landes zu koordinieren. Auch im Westjordanland erleben wir, wie die Christen immer mehr unter Druck geraten. Die Hilfe muss gerade jetzt umso entschiedener weitergehen.

Eine ältere Frau, die in der Pfarrei in Gaza Zuflucht gefunden hat (Archivbild). © Lateinisches Patriarchat von Jerusalem
Schulklasse in Gaza (Foto: Pfarrei Heilige Familie).
Wir beten um schnelle Genesung für die Verletzten, Trost für die Hinterbliebenen und alle Menschen in der Pfarrei, die schon so lange in Angst leben. Wir rufen alle Menschen auf, gerade auch die Christen im Heiligen Land zu unterstützen. Denn sie haben kaum Fürsprecher in dieser schlimmen Situation.“

 

Pfarrei wurde schon zum zweiten Mal getroffen

 

Wie das Lateinische Patriarchat von Jerusalem meldet, wurden bei dem Angriff vom Donnerstag Kirche und Gebäude der Pfarrei in Gaza-Stadt beschädigt. Zeugen sprachen von der Explosion einer Granate oder vom Beschuss durch einen Panzer. „Vatican News“ teilte mit, dass es sich bei den Toten um den 60-jährigen Hausmeister der Pfarrei, eine 84-jährige Frau und eine weitere 70-Jährige handle. Das israelische Militär gab mehreren Medien zufolge an, es habe sich um ein Versehen gehandelt, es würden keine kirchlichen Ziele ins Visier genommen. Die Verantwortlichen kündigten eine Untersuchung an. Schon im Dezember 2023 waren zwei Frauen, die auf dem Kirchengelände Schutz gesucht hatten, von Scharfschützen erschossen worden.

Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland. © blende 11
KIRCHE IN NOT war erst wenige Tage vor dem jüngsten Angriff in Kontakt mit Pater Gabriel Romanelli, dem Pfarrer in Gaza-Stadt. Er hat die Situation „als sehr ernst bezeichnet“ und erklärt: „Die Bombardierungen gehen weiter. Ein weiterer Tag des Krieges erschwert weiterhin das Leben von hunderttausenden Menschen. Wir bitten Sie, uns weiterhin zu helfen. Setzen Sie sich mit allen Mitteln für Frieden und Gerechtigkeit ein, und helfen Sie auch diesen armen Menschen.“

Jetzt konkret helfen!

Florian Ripka über Angriff auf katholische Pfarrei in Gaza: Diese Tragödie muss endlich aufhören!

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Ein halbes Jahr nach dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien zeigt sich der syrisch-katholische Erzbischof von Homs, Jacques Mourad, besorgt über den zunehmenden Einfluss islamistischer Milizen im Land. „Die neue Regierung hat viele versöhnliche Gesten gegenüber den Christen und anderen religiösen Minderheiten gemacht. Aber die Präsenz islamistischer Milizen auf den Straßen ist für viele Menschen beunruhigend“, erklärte Mourad bei einer von KIRCHE IN NOT organisierten Online-Pressekonferenz.
Julian Yacoub Mourad, syrisch-katholischer Erzbischof von Homs.
Auch die sunnitische Mehrheit der syrischen Bevölkerung sehe die Entwicklung mit Skepsis: „Es gibt ein gesellschaftliches Unbehagen. Die Menschen sind niemals zuvor mit einer so rigiden Form des Islam konfrontiert worden.“ Syrien sei in seiner Geschichte immer ein Ort der religiösen Vielfalt gewesen, betonte der Erzbischof, der sich seit langem für den christlich-muslimischen Dialog einsetzt.

 

Islamisten kontrollieren die Straßen

 

Viele Syrer seien mit der neuen Regierung zufrieden, dennoch herrsche Angst: „Für die Islamisten gilt: Wenn ein Sunnit nicht auf ihrer Linie ist, wird er als Gotteslästerer betrachtet, und auf Blasphemie steht der Tod.“

 

Trotz der angespannten Lage könne aktuell nicht von einer Christenverfolgung in Syrien gesprochen werden, machte Mourad deutlich. Gottesdienste oder Prozessionen könnten ungehindert stattfinden. Dennoch gebe es regional sehr unterschiedliche Regelungen und niemand wolle das Missfallen der neuen Verantwortlichen erregen. Das wirke sich auch auf die kirchliche Arbeit aus, machte Mourad an einem Beispiel deutlich: „Wir veranstalten im Sommer normalerweise Ferienlager an der syrischen Küste, Mädchen und Jungen gemeinsam. Dieses Jahr verzichten wir darauf, weil wir Angst vor der Reaktion der neuen Behörden in diesen Regionen haben.“

Teilnehmer eines kirchlichen Jugendlagers im vergangenen Sommer. Mancherorts stehen die beliebten Freizeiten in diesem Jahr wegen der Sicherheitslage auf der Kippe.
Angesichts der unischeren Lage halte die Abwanderung der Christen weiterhin an, stellte Mourad fest. Seien früher vor allem Männer geflüchtet, um dem Militärdienst der Assad-Diktatur zu entgehen, seien es jetzt vor allem junge Familien: „Sie wollen ihre Kinder nicht in einem Land aufwachsen lassen, in dem Islamisten die Straße kontrollieren.“

 

Wird die Aufhebung der Sanktionen einen Aufschwung bringen?

 

Einen wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung erhofft sich Mourad durch die Entscheidung der USA und der EU, ihre Sanktionen gegen Syrien weitgehend aufzuheben. Es sei noch zu früh, um Veränderungen festzustellen: „Aber ich bin überzeugt, dass mit einer besseren wirtschaftlichen Perspektive auch der Hunger nach Gewalt und Rache abnimmt und so allen eine bessere Zukunft eröffnet“, erklärte der Erzbischof. Die Kirche im Land leiste dazu ihren Anteil, indem sie den Bau von Wohnungen, Krankenhäusern und Schulen vorantreibe – unterstützt von Hilfswerken wie KIRCHE IN NOT.

Gottesdienst mit Jacques Mourad in Syrien. Mit der Bischofsweihe hat er den Namen Julian Yacoub Mourad angenommen.
Jacques Mourad ist seit 2023 syrisch-katholischer Erzbischof von Homs. Der Ordensmann hatte bis zur Zerstörung durch die Truppen des Islamischen Staates im Jahr 2015 das Kloster Mar Elian in al-Qaryatain im Südwesten von Syrien geleitet, das als Wallfahrts- und Begegnungsstätte für Christen und Muslime bekannt war. 2015 war er vom IS entführt und mehrere Monate gefangen gehalten worden.

Helfen Sie den Menschen in Syrien

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Christen im neuen Syrien: Zwischen Hoffnung und Unsicherheit

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Seit Mitte April nehmen die Angriffe islamistischer Milizen in der Provinz Cabo Delgado im Norden von Mosambik zu. Das berichtet ein Projektpartner von KIRCHE IN NOT (ACN), Passionistenpater Kwiriwi Fonseca. Die Terroristen hätten ihre Angriffe intensiviert und eine neue Flüchtlingswelle ausgelöst, berichtete Fonseca: „In der Region Ancuabe kam es vermehrt zu Anschlägen. Die Milizen dringen immer weiter nach Norden vor.“
Pater Kwiriwi Fonseca, Projektpartner von KIRCHE IN NOT in Mosambik. © Kirche in Not

Die Flüchtlingslager der katholischen Diözese Pemba müssten immer mehr Vertriebene aufnehmen. „Alle Flüchtlinge geben an, dass ihre Dörfer angegriffen wurden. Es gab Plünderungen, Brandstiftungen, Entführungen und gezielte Morde.“ Pater Kwiriwi zufolge seien auch einige Kirchen und Kapellen niedergebrannt worden. Oft richte sich der Terror gezielt gegen Christen, wenngleich die gesamte Bevölkerung betroffen sei.

 

Kirchliche Einrichtungen an der Belastungsgrenze

 

Die kirchlichen Einrichtungen im Norden Mosambiks seien am Ende ihrer Kapazitäten. Pater Kwiriwi mahnte dringend mehr Hilfe und Aufmerksamkeit für die humanitäre Situation in Mosambik an: „Das Elend kann nicht allein durch die Bemühungen der Diözese überwunden werden. Die Diözese Pemba braucht Hilfe, damit die Menschen Nahrung und Unterkunft haben.“

Überfüllte Lastwägen bringen die Menschen in Sicherheit (Archivbild). © Kirche in Not
Die islamistische Gewalt im Norden Mosambiks setzte 2017 ein. Terroristen, die dem Islamischen Staat nahestehen, versuchen seither, das Gebiet unter ihre Kontrolle zu bringen. Neben politischem Einfluss geht es auch um wirtschaftliche Interessen, denn an der Nordküste von Mosambik wird Erdöl gefördert.

 

Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen zufolge sind bisher mehr als 5000 Menschen getötet worden, über eine Million Menschen sind auf der Flucht. „Kirche in Not“ unterstützt die lokale Diözese Pemba seit Beginn des Konflikts, insbesondere durch Nothilfe für Vertriebene.

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Verwendungszweck: Mosambik

Islamistischer Terror in Mosambik (2024)

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Als sich Mathieu 2003 entschloss, Katechet zu werden, konnte er nicht ahnen, welcher Kreuzweg daraus für ihn und seine Frau werden würde. Die Rolle der Katecheten in Burkina Faso und anderen afrikanischen Ländern ist in Europa wenig bekannt: Nach vierjähriger Ausbildung betreuen Katecheten katholische Gemeinden in entlegenen Gebieten. Sie begleiten die Gläubigen im Alltag, bereiten sie auf die Sakramente vor, leiten Sonntagsandachten und fungieren als Brücke zum oft kilometerweit entfernten Pfarrer.

 

Das westafrikanische Burkina Faso ist eines der Epizentren des Islamismus in der Sahelzone. Nahezu die Hälfte des Landes wird von Terrorgruppen kontrolliert. Terror und Gewalt treffen alle Bevölkerungsgruppen. Beobachter stellen jedoch auch gezielte Attacken auf christliche Bewohner fest, die rund ein Viertel der Einwohner des Landes ausmachen.

KIRCHE IN NOT unterstützt in Burkina Faso neben der Ausbildung und der Arbeit von Katecheten unter anderem katholische Schulen, kirchliche Flüchtlingslager und die seelsorgerische Begleitung von traumatisierten Menschen.

Katechet Mathieu aus Burkina Faso war mit seiner Frau vier Monate in den Fängen von Terroristen.
„Als meine Frau und ich als Katecheten anfingen, war es noch friedlich“, erzählt Mathieu. „Das Gemeindeleben lief störungsfrei, wir kamen auch gut mit den muslimischen Nachbarn aus. Wir hielten ein paar Tiere und bewirtschafteten etwas Land“, erzählt Mathieu. „2018 jedoch erlebte Baasmere den ersten Überfall von Extremisten.“

 

Erste Warnungen

Das Dorf Baasmere, zur Diözese Dori gehörend, ist Teil der Pfarrei Aribinda im Norden von Burkina Faso. Die kleine katholische Gemeinde zählt etwa 150 bis 200 Mitglieder. Der Katechet erklärte sich dazu bereit, KIRCHE IN NOT seine Geschichte bei einem Besuch des Hilfswerks in Burkina Faso zu erzählen. Seine Frau bleibt dem Gespräch fern – die Wunden des Erlebten schmerzen noch zu sehr.

„Es kamen Männer in mein Haus und forderten mich auf, nicht mehr zu beten und keine religiösen Veranstaltungen mehr zu organisieren“, berichtet Mathieu. „Wenn du weitermachst, wird dir etwas Schlimmes passieren“, drohten sie. „Natürlich hatte ich Angst“, gesteht der Katechet und fünffache Vater, „aber ich dachte: Ich kann nicht aufhören, Gottes Wort zu verkünden. Also machte ich weiter.“

Frauen bei einem Gottesdienst in Burkina Faso.
Dann kamen sie ein zweites Mal: „Sie warfen mir vor, weiter zu beten und Andachten zu leiten“, erinnert sich der Katechet. Nach dieser erneuten Drohung trafen sich die Katecheten der Region mit dem zuständigen Pfarrer und dem Bischof. Alle beschlossen zu bleiben, aber auch, unauffälliger zu agieren. Seine Frau brachte Mathieu am Schulort der Kinder, einige Kilometer entfernt, in Sicherheit. Sie erwartete ihr sechstes Kind.

 

Die Entführung

Am Samstag vor Pfingsten kehrte seine Frau zurück, damit sie den Feiertag gemeinsam verbringen konnten. Es war der 20. Mai 2018. Um die Mittagszeit drangen zwölf bewaffnete Männer in Mathieus Haus ein. Sie fragten ihn: „Was tust du noch hier?“ Er antwortete: „Ich bin Katechet, ich erfülle meine Aufgabe.“ Daraufhin zwangen sie ihn zu Boden, verbanden ihm die Augen, und fesselten ihn. Sie zerrten ihn hinaus und setzten ihn zwischen zwei Terroristen auf ein Motorrad.

„Ich dachte, ich würde sterben“, erinnert sich Mathieu. Mit verbundenen Augen konnte er nicht bemerken, dass auch seine Frau Pauline gefangen genommen worden war. „Erst nach der ersten Nacht, als sie mir die Augenbinde abnahmen und die Fesseln lösten, wurde mir klar, dass sie bei mir war; es war schrecklich“, erzählt Mathieu.

Rosenkranzgebet in einem Wallfahrtsort in Burkina Faso.
Bis heute weiß er nicht, wo er mit seiner Frau festgehalten wurde, nicht einmal in welchem Land. Tag für Tag hätten seine Bewacher gedroht: „Wir werden dich töten, du kannst die Art wählen, wie du getötet werden willst. Üblicherweise würden wir dir die Kehle durchschneiden, aber du darfst entscheiden.“

 

Gefangen im Niemandsland

Die Entführer verbrannten die wenigen Habseligkeiten, die Mathieu und Pauline bei sich trugen, gaben ihnen neue Namen und muslimische Kleidung. „In der ganzen Zeit hörte ich nie auf zu beten“, betont er. „Das Gebet war in diesen Momenten mein einziger Halt. Wir fühlten uns nicht von Gott verlassen, das Rosenkranzgebet gab uns Kraft.“

Eine Frau in einem Flüchtlingslager zeigt ihren Rosenkranz.
So abrupt wie die Entführung begonnen hatte, ging sie auch zu Ende. Nachdem die Terroristen sie in einer Einöde ausgesetzt hatten, half ihnen ein Hirte, ein Fahrzeug zu finden, das sie direkt ins nächste Krankenhaus brachte. Pauline konnte behandelt werden, doch ihr ungeborenes Baby war tot. Bei dieser Erinnerung werden Mathieus Augen trüb vor Trauer.

 

Die Befreiung … und die Trauer

Trotz des Terror-Risikos beschloss Mathieu, wieder in sein Dorf zurückzukehren: Es war nichts mehr übrig, alles war zerstört worden. Doch in der Asche seines Hauses entdeckte er zwei Dinge: seinen Personalausweis und die Bibel.

Als der Bischof ihm nahelegte, nach all dem, was er erlitten hatte, sich vorzeitig zur Ruhe zu setzen, erwiderte Mathieu: „Ich will nicht ruhen, ich möchte meinem Volk dienen. Man muss bezeugen, wem man folgt und Gott die Treue halten.”

Bitte unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in Burkina Faso und den Einsatz für Terrorbetroffene mit Ihrer Spende:

Zum Beginn des Pontifikats von Papst Leo XIV. gibt der deutsche Zweig von KIRCHE IN NOT (ACN) ein Gebet heraus. Einzelpersonen, Pfarreien oder Gruppen können so Fürbitte halten für den neuen Papst. Das Gebet ist kurzfristig und auch in höherer Stückzahl verfügbar.

 

Titelseite der Gebetskarte für Papst Leo XIV. © Kirche in Not
„Als Päpstliche Stiftung sind wir eng mit dem Heiligen Vater verbunden – im Gebet und in unserer Arbeit“, teilte Florian Ripka, der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland mit. Besonders freue er sich, dass der Papst in seiner Zeit als Bischof in Peru von 2014 bis 2023 einer der Projektpartner unseres Hilfswerks war. „Der jetzige Papst Leo hat KIRCHE IN NOT sehr herzlich für die Unterstützung seiner Priester und Missionare in Peru gedankt. Das ist uns ein Ansporn, unsere Arbeit engagiert und in Einheit mit dem Papst fortzusetzen“, sagte Ripka.
Das vierseitige Gebetsblatt im Format DIN A6 kann unentgeltlich auf www.kirche-in-not.de/shop und unter Angabe der Artikel-Nummer 10403 im Münchner Büro von KIRCHE IN NOT bestellt werden: KIRCHE IN NOT, Lorenzonistr. 62, 81545 München, Tel.: 089 64 24 88 80, E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de.

 

 

Das verbindet KIRCHE IN NOT und den neuen Papst Leo XIV.

Der neue Papst Leo XIV. hat in seiner Zeit als Bischof in Peru (2014-2023) und als Präsident der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika im Dikasterium für die Bischöfe ab 2023 mehrfach mit KIRCHE IN NOT (ACN) zusammengearbeitet.

 

Daran erinnerte die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch, anlässlich der Wahl von Robert Francis Kardinal Prevost zum Oberhaupt der katholischen Kirche: „Ich freue mich, dass ein Missionar mit über 20 Jahren Erfahrungen in der Verbreitung des Evangeliums unser neuer Papst ist. Wir sind stolz darauf, dass wir seine Arbeit in Peru unterstützen konnten.“

 

Papst Leo XIV. bei seinem ersten Auftritt auf dem Balkon des Petersdoms. © Kirche in Not
KIRCHE IN NOT finanzierte mehrere Projekte in den beiden Diözesen Chiclayo und Callao an der peruanischen Westküste, die der jetzige Papst als Apostolischer Administrator und Bischof leitete. KIRCHE IN NOT  unterstützte die Ausbildung angehender Priester und leitete Mess-Stipendien an Missionare in den Anden-Gebieten weiter.

 

In einem Brief an das Hilfswerk bedankte sich der damalige Bischof Prevost für die gute Zusammenarbeit „insbesondere in den ärmsten Gebieten unserer Diözesen“ und bat: „Gott segne die Arbeit von KIRCHE IN NOT.“

Regina Lynch, Geschäftsführende Präsidentin von „Kirche in Not“ (ACN) International. © Kirche in Not
Erst im März dieses Jahres hatten sich Vertreter von „Kirche in Not“ mit Kardinal Prevost ausgetauscht, als die Päpstliche Kommission für Lateinamerika und weitere Vatikanbehörden ein Treffen über synodale Zusammenarbeit in der lateinamerikanischen Kirche und in der Karibik ausrichteten. „,Kirche in Not‘ ist entschlossen und freut sich darauf, in Einheit mit Papst Leo XIV. die Arbeit im Dienst notleidender christlicher Gemeinden fortzusetzen – in Lateinamerika und weltweit“, erklärte Regina Lynch.

 

Der Augustinerpater Robert Francis Prevost war ab den 1980er Jahren in Peru tätig, unterbrochen durch seine Tätigkeit als Generaloberer seines Ordens von 2001-2013. Nach seiner Bischofsweihe 2014 leitete er das Bistum Chiclayo im Norden Perus, von 2020 bis 2021 als Apostolischer Administrator auch die weiter südlich gelegene Diözese Callao. 2023 wurde Prevost zum Präfekten des vatikanischen Dikasteriums für die Bischöfe und Präsidenten der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika ernannt. Im September 2023 nahm ihn Papst Franziskus in das Kardinalskollegium auf; am 8. Mai 2025 wurde Prevost zum Papst gewählt und nahm den Namen Leo XIV. an.

Eine Pfarrei in der Diözese Chiclayo. Hier hat KIRCHE IN NOT mit katechetischem Material geholfen.
Der deutsche Zweig von „Kirche in Not“ hat zur Wahl des neuen Papstes ein Gebet veröffentlicht. Es kann abgerufen werden unter: www.kirche-in-not.de

 

Unterstützen Sie die Arbeit von „Kirche in Not“ für verfolgte und notleidende Christen weltweit mit Ihrer Spende: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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Peru: Erfüllung durch das Gebet