Länderbericht Ghana

Dominic Nyarko Yeboah, Bischof von Techiman / Ghana, bei seinem Besuch von KIRCHE IN NOT.

Bischof Dominic Nyarko Yeboah aus Ghana bei seinem Besuch von KIRCHE IN NOT.

Einwohner:
24,2 Millionen

Fläche:
238 533 qkm (etwa so groß wie die alte Bundesrepublik)

Religion:
Christen: 61,2 Prozent (davon 12,3 Prozent Katholiken)
Animisten: 19,3 Prozent
Muslime: 19,0 Prozent
Sonstige: 0,5 Prozent

Die Religionsfreiheit wird in Artikel 21 der Verfassung anerkannt. Für religiöse Gruppen ist die Registrierung zwar obligatorisch, aber viele, insbesondere die einheimischen traditionellen Religionen, beantragen die Anerkennung nicht und halten sich nicht an dieses Gesetz, das seit den 1980er Jahren in Kraft ist. Kirchliche Aktivitäten, die keinen Gewinn erwirtschaften, wie karitative Arbeit und Erziehung, sind in der Regel steuerfrei.

Es gibt keine Hinweise auf besondere Probleme zwischen den verschiedenen religiösen Organisationen, und ihre friedliche Koexistenz und Zusammenarbeit wird von der Regierung gefördert. Bei Regierungstreffen und offiziellen Empfängen werden christliche und muslimische Gebete gesprochen, und nur gelegentlich kam es zu traditionellen Bittgebeten. Im November eröffnete der Präsident den dem Innenministerium unterstehenden National Peace Council, dessen Aufgabe es ist, internen Konflikten des Landes vorzubeugen oder diese zu lösen. Der Rat besteht aus 13 Mitgliedern, die die wichtigsten religiösen Gemeinschaften vertreten. In manchen Gebieten des Landes ist die Angst vor Hexerei verbreitet.

Viele Menschen, insbesondere alte Frauen, werden beschuldigt, Hexen zu sein und für eine Vielzahl unglückseliger Begebenheiten, von Missernten bis hin zu Krankheiten, verantwortlich gemacht. „Hexen“ werden häufig aus dem Dorf verstoßen und gezwungen, in speziellen „Hexenlagern“ Zuflucht zu suchen. Diejenigen, die sich dieser Form der Verbannung widersetzen und in ihrem Zuhause bleiben oder dorthin zurückkehren möchten, laufen Gefahr, von den Bewohnern ihres Heimatortes geschlagen oder sogar getötet zu werden.

In einigen Teilen des Landes gibt es immer noch die mit traditionellen Ritualen verbundene Trokosi-Praxis, eine Form ritueller Sklaverei, bei der Mädchen dazu bestimmt werden, Dienerinnen in lokalen Schreinen zu werden. Gemäß der Tradition schenken Familien, die eine schwere Verfehlung sühnen müssen, dem Schrein eine ihrer Töchter. Diese jungen Frauen sind dazu bestimmt, den Rest ihres Lebens als „Gottes Braut“ zu verbringen und de facto den Befehlen der Schrein-Priester unterworfen. Mitunter sind die Mädchen, die zum Schrein geschickt werden, erst achtzehn Monate alt.

Solche rituellen Aktivitäten gelten mittlerweile als Verbrechen und werden vom Staat strafrechtlich verfolgt. Abgesehen von den strafrechtlichen Maßnahmen seitens der Regierung sind verschiedene NROs damit beschäftigt, diese Frauen loszukaufen, sie finanziell zu unterstützen und sie in Fertigkeiten zu unterrichten, die es ihnen ermöglichen, ein neues Leben zu beginnen. Traditionelle religiöse Gruppen werfen diesen Organisationen jedoch vor, ihre Glaubensformen, die zur afrikanischen Religiosität gehörten, nicht zu verstehen. Das Engagement der von westlichen Ländern unterstützten NROs zerstöre zudem die Entfaltung der afrikanischen Spiritualität.

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2012. Stand: 2012)

24.Sep 2009 12:12 · aktualisiert: 25.Okt 2012 14:51
KIN / S. Stein