Länderbericht Kamerun

Priesteramtskandidaten aus dem Seminar in Bertoua.

Priesteramtskandidaten aus dem Seminar in Bertoua.

Einwohner: 20 Millionen

Fläche: 475 442 qkm (fast so groß wie Deutschland, Österreich und Schweiz zusammen)

Religion:
Christen: 56,6 Prozent
Animisten: 22,4 Prozent
Muslime: 20,0 Prozent
Sonstige: 1,0 Prozent

Die Religionsfreiheit wird von der Verfassung festgelegt und von den Behörden respektiert. Religiöse Gruppierungen müssen zur Ausübung jeglicher Tätigkeit registriert sein und können ohne Anerkennung nicht wirken, obwohl einige kleinere Gruppen ihre Tätigkeit tatsächlich weiterhin ausüben, da die Registrierungsverfahren sehr langwierig sind.

In diesem Land besteht große religiöse Toleranz; islamische und christliche Gruppen leben ohne größere Probleme zusammen und organisieren gemeinsame Gebetsfeiern, auch wenn auf lokaler Ebene zuweilen von Spannungen berichtet wird. Während des Besuchs von Papst Benedikt XVI. im März 2009 organisierte die Katholische Bischofskonferenz von Kamerun als Zeichen und Ansporn zum friedlichen Zusammenleben eine Begegnung zwischen dem Heiligen Vater und den islamischen Leadern.

Der Staat lässt von religiösen, sowohl christlichen als auch islamischen Gruppen verwaltete Privatschulen zu und gewährt diesen finanzielle Unterstützung. Darüber hinaus gibt es Universitäten, die von religiösen Organisationen geleitet werden.

Die Ausübung der Hexerei wird als Verbrechen strafrechtlich verfolgt, wenn deren Ziel die Beeinflussung von Menschen oder die Erzielung eines Gewinns ist. Traditionelle religiöse Praktiken werden hingegen nicht als Verbrechen erachtet. Die einheimische Bevölkerung verhält sich diskriminierend, denn sie vertreibt alte Frauen, die der Hexerei bezichtigt werden, und sogar Kinder, die an körperlichen oder geistigen Behinderungen leiden oder als „andersartig“ betrachtet werden.

Radio Veritas

Die Probleme, die Radio Veritas in den vergangenen Jahren hatte, scheinen endgültig überwunden zu sein. Der Rundfunksender, den die Medien als direktes Werk des früheren Primas des Landes, Kardinal Tumi, ansehen, wurde im November 2003 als „Piratensender“ geschlossen, da dieser ohne Genehmigung Programme ausstrahlte.

Die Situation der Privatsender in dem Land erweist sich als sehr schwierig, da es, obwohl ein Dekret aus dem Jahre 2000 die freie Ausstrahlung von Rundfunkprogrammen anerkennt, praktisch sehr schwer ist, diese Genehmigung zu erhalten; und nach Jahren gibt es noch viele Sender, die mit vorläufigen Genehmigungen ausstrahlen.

Der Sender hat in der Folge die vorgeschriebene Lizenz zur Ausstrahlung von Nachrichten Mitte Dezember 2003 unter der Voraussetzung erhalten, dass er seinen „nicht konfessionellen“ Charakter bewahrt. In den darauffolgenden Jahren kam es immer wieder zu Schwierigkeiten, und der Sender wurde von Zeit zu Zeit geschlossen.

Quellen:
Agentur France-Press
Agentur IRIN
U.S. Department of State, Annual Report on International Religious Freedom, ed. 2009; ed. 2010
Religionsfreiheit 2009
Reporters without border

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2010)

28.Okt 2009 14:00 · aktualisiert: 12.Jun 2012 15:31
KIN / S. Stein