Länderbericht Senegal

Senegalesin in traditioneller Kleidung.

Senegalesin in traditioneller Kleidung.

Einwohner: 12,9 Millionen

Fläche: 196 722 qkm (etwas mehr als halb so groß wie Deutschland)

Religion:
Muslime: 89,0 Prozent
Animisten: 5,6 Prozent
Christen: 5,0 Prozent (darunter 643 000 Katholiken)
Sonstige: 0,4 Prozent

Die Verfassung bezeichnet den Staat als säkular und garantiert religiösen Gemeinschaften Religionsfreiheit und uneingeschränkte Verwaltungs- und Organisationsfreiheit. Für den Bau von Gebäuden und für besondere Veranstaltungen erhalten religiöse Organisationen von der Regierung finanzielle Unterstützung.

Im Dezember 2009 kritisierten viele Imame während der Freitagsgebete das sogenannte Afrikanische Renaissance Monument, das zurzeit in Dakar auf besonderen Wunsch von Präsident Abdoulaye Wade errichtet wird und größer sein soll als die Freiheitsstatue von New York. Wegen seiner hohen Kosten und seines abgöttischen Charakters sei es respektlos gegenüber dem islamischen Glauben, da es Menschen portraitiere, die außerdem auch noch fast nackt seien.

Wade, Anhänger der Sufi-Bruderschaft Muridiyya, antwortete am 28. Dezember an einer Versammlung mit Lehrern, dass im Vergleich zu dem Bau der Statue in Dakar „in den Kirchen schlimmere Dinge passieren“. „[Christen] beten in den Kirchen Jesus an, und er ist gar nicht Gott. Jeder weiß das, aber niemand sagt es.“ Er merkte außerdem an, dass es in christlichen Kirchen Statuen von Christus gebe und verglich diese mit dem Monument in Dakar.

Am 30. Dezember sagte Kardinal Theodore Adrien Sarr, Erzbischof von Dakar, in seiner Neujahrsbotschaft: „wir wurden verletzt und gedemütigt durch die inakzeptablen Worte des Präsidenten, durch den Vergleich, den das Staatsoberhaupt zwischen dem Afrikanischen Renaissance Monument und den Bildern in unseren Kirchen gemacht hat. [...] Es ist skandalös und nicht hinnehmbar, dass die Heiligkeit von Jesus Christus, das Herzstück unseres Glaubens, vom höchsten Amt des Staates verhöhnt wird. [...] Christen beten keine Statuen an; Christen beten nur den einen Gott an.“

Dann betonte der Erzbischof „das beispielhafte gegenseitige Verständnis zwischen Christen und Muslimen“ in Senegal und beendete seine Rede, indem er seine Hoffnung auf „Frieden, nichts als Frieden“ ausdrückte. Einige der anwesenden jungen Leute riefen den Slogan „Na dem“ (Er soll gehen) in der Wolof-Sprache und forderten den Rücktritt des Staatsoberhauptes.

Andere hielten Posters hoch mit der Aufschrift: „Was zu viel ist, ist zu viel“, „durch den Machtwechsel hat sich eine politische Prostitution institutionalisiert.“ „Glücklicherweise sind die Senegalesen intelligenter als ihr Präsident“.

Außerhalb der Kirche kam es zu Zusammenstößen zwischen Hunderten von jungen Leuten und Polizisten in Kampfmontur. In den darauffolgenden Tagen entschuldigte sich der Präsident Wade öffentlich für seine Worte, womit die Streitigkeiten ein Ende nahmen.

Religiöse Organisationen sind verpflichtet, sich registrieren zu lassen und einen Rechtsstatus zu erwerben, damit sie eigenes Vermögen besitzen und als juristische Personen handeln können.

In den Grundschulen wird auf Wunsch Religionsunterricht erteilt, wobei die Eltern zwischen dem Islam und dem christlichem Glauben wählen können. Privatschulen sind zugelassen und können staatliche Unterstützung erhalten, wenn sie den staatlichen Normen entsprechen. Viele dieser Geldmittel gehen an christliche Schulen, die eine lange Tradition haben und auch von vielen muslimischen Schülern besucht werden.

Die Mehrheit der Bevölkerung sind Muslime. Sie dürfen in Familien- und Erbschaftsangelegenheiten um die Rechtsprechung nach dem islamischen Gesetz bitten. Dialog und gegenseitiger Respekt kennzeichnen die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen.

Kardinal Sarr betonte immer wieder, dass „die Beziehungen im Senegal zwischen der muslimischen Mehrheit und der katholischen Minderheit friedlich sind und von gegenseitiger Anerkennung, Respekt und dem Wunsch geprägt sind, sich gegenseitig zu verstehen, da es ansonsten nicht möglich wäre, nebeneinander zu existieren. Die Menschen … sind alle Kinder desselben Gottes und … es kann nicht der Wunsch des Vaters sein, dass sie einander verletzen.“

Kontroversen um einige Koranschulen

Anfang 2010 brach eine Kontroverse über den in einigen Koranschulen geführten Unterricht, den so genannten „daara“, aus. In einem Bericht verurteilte Human Rights Watch die „sklavenähnlichen“ Bedingungen, in denen sich „mindestens 50 000 Schüler“ befänden, die für viele Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, gezwungen würden in den Straßen zu betteln. Die meisten von ihnen seien noch nicht 12 Jahre alt.

Nach Angaben dieser NRO versuchen diese Schulen die Eltern zu überzeugen, ihnen ihre Kinder anzuvertrauen, indem sie ihnen eine gute Erziehung nach dem Koran versprechen. Sie betonen, die Erziehung sei dank der Finanzierung einiger Spender kostenlos und die Kinder lebten in der Schule. In Wirklichkeit werden die Kinder zum Betteln geschickt zum Nutzen der religiösen Führer.

Aus Kostengründen und um Gehorsam zu lernen, müssen die Kinder in Räumen mit dreißig weiteren Personen schlafen und werden nicht ausreichend gesund ernährt. Außerdem sind sie verpflichtet, eine bestimmte Quote an „Spenden“ zu erbringen, ansonsten werden sie gerügt und, laut Bericht, körperlich bestraft. Viele dieser Kinder kommen aus dem nahegelegenen Guinea-Bissau.

Nach Angaben von HRW nimmt die Schule durch das Betteln der Kinder zwischen 20 000 und 60 000 US-Dollar pro Jahr ein, eine Riesensumme in einem Land, in dem der Großteil der Bevölkerung von weniger als zwei US-Dollar pro Tag lebt.

Der Bericht schließt mit den Worten: „Weder die Regierungen von Senegal und Guinea-Bissau noch die islamischen Behörden, denen diese Schulen wahrscheinlich unterstellt sind, noch die Eltern waren in der Lage, Zehntausende Kinder vor diesem Missbrauch zu schützen, und sie unternahmen keine nennenswerten Bemühungen, diese Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“

Quellen
Apcom News Agency
Reuters
BBC
Il Sole 24 ore
International Herald Tribune
Human Rights Watch
U.S. Department of State, Annual Report on International Religious Freedom, ed. 2009; ed. 2010
www.allafrica.com

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2010)

1.Dez 2009 14:03 · aktualisiert: 20.Aug 2014 07:13
KIN / S. Stein