Länderbericht Libanon

Georges Bou-Jaoudé, maronitischer Erzbischof von Tripoli.

Georges Bou-Jaoudé, maronitischer Erzbischof von Tripoli.

Einwohner:
4,3 Millionen

Fläche:
10 400 qkm (halb so groß wie Sachsen-Anhalt)

Religion:
Muslime: 53,6 Prozent
Christen: 40 Prozent
Sonstige: 6,4 Prozent

Auf institutioneller Ebene hat es in Bezug auf die Religionsfreiheit und das politische System keine Änderungen gegeben. Es gibt hingegen einige Bewegungen, die für eine integrale Säkularisierung auf politischer und sozialer Ebene kämpfen, was die Entkonfessionalisierung der staatlichen Institutionen zur Folge hätte.

Einige christliche Führungspersönlichkeiten wehren sich aber gegen eine solche Reform, wenn nicht gleichzeitig eine wirkliche Mentalitätsveränderung innerhalb des Islam stattfindet, da diese Religion keine Trennung zwischen dem Irdischen und dem Geistlichen macht. Sie befürchten, dass es sich um eine Manöver handelt, das den Muslimen, die um ihre zahlenmäßige Überlegenheit gegenüber den Christen im heutigen Libanon wissen, ermöglicht, die Macht über die wichtigsten Institutionen des Staates und der Verwaltung zu gewinnen.

Eine Maßnahme, auf die man gewartet hatte, wurde 2009 umgesetzt: Der Innenminister Ziad Baroud räumte den libanesischen Bürgern das Recht ein, ihre Religionszugehörigkeit auf den Personenstandsurkunden entfernen zu lassen. Dieser Eintrag wurde bereits unmittelbar nach dem Krieg, der offiziell 1990 beendet wurde, von den Personalausweisen entfernt, da zahlreiche Libanesen während des Krieges nach Vorweisen ihres Personalausweises entführt oder umgebracht worden waren. Am 25. April 2010 fand in Beirut der erste Demonstrationszug für eine Säkularisierung statt. Ungefähr 5000 Libanesen nahmen daran teil.

Es kommt gelegentlich vor, dass Christen Opfer böswilliger Angriffe werden. Am 20. Juni 2010, während eines Pastoralbesuchs des maronitischen Patriarchen Kardinal Nasrallah Boutros Sfeir in der Bekaa-Ebene, bei dem im neuen Bistum Zahlé eine Kirche eingeweiht wurde, explodierte eine Bombe im Schuppen eines Geschäftes für KFZ-Ersatzteile. Dabei starb eine Person, zwei weitere wurden verletzt. Den Fahndern zufolge wollten die drei Opfer eine Bombe an einem Auto befestigen; diese explodierte jedoch. Laut verschiedener Quellen sollte damit ein Attentat auf den Patriarchen ausgeübt werden.

Einige Tage zuvor wurden in Sidon und in der benachbarten Region aufgefordert wurden, ihre Häuser und Dörfer innerhalb einer Woche zu verlassen, wenn sie an ihrem Leben festhielten. Kurze Zeit später verhaftete die Polizei den mutmaßlichen Autor dieser Drohkampagne, einen gewissen Mahmoud Rida Bizri.

Die Jüdische Gemeinschaft ist immer noch auf der Liste der 18 staatlich anerkannten Konfessionen aufgeführt, obwohl die meisten ihrer Mitglieder den Libanon nach der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 und vor allem während des Libanonkrieges verlassen haben.

Gab es vor dem Krieg noch 22 000 Juden im Land, so ist ihre Anzahl heute auf ungefähr 200 geschrumpft. Sie leben meistens anonym unter dem Schutz der Behörden. Im August 2009 wurde die älteste Synagoge von Beirut mit dem Namen Aghen Abraham, deren Errichtung auf das Jahr 1926 zurückgeht und die während des Krieges teilweise zerstört wurde, mit staatlicher Unterstützung wieder restauriert.

Alle Parteien, einschließlich der Hisbollah, haben ihr Einverständnis zu den Bauarbeiten gegeben. Zu diesem Anlass erklärte Isaac Arazi, Präsident des jüdischen Gemeinderates, dass „die Restaurierung der Synagoge nur eines der Projektziele sei, die auch die Wiederherstellung der jüdischen Friedhöfe in Beirut und Sidon und die Öffnung eines Büros für Kommunikation mit einem Personenstandsregister vorsieht.“ Es gibt 16 Synagogen im Libanon.

Quellen
La Croix
Libannews
riposte-catholique.fr
ripostelaique.com
Zenit
Libanon

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2011)

19.Aug 2009 14:49 · aktualisiert: 29.Jun 2012 15:57
KIN / S. Stein