Länderbericht Pakistan

Ein Priester in Pakistan zeigt den zerstörten Tabernakel.

Ein Priester in Pakistan zeigt den zerstörten Tabernakel.

Einwohner:
185 Millionen

Fläche:
796 095 qkm
(mehr als doppelt so groß wie Deutschland)

Religion:
Muslime: 96,2 Prozent
Christen: 2,2 Prozent (darunter: 1,1 Millionen Katholiken)
Sonstige 1,6 Prozent

Die Islamische Republik Pakistan versteht sich offiziell als säkularer Staat. Die Verfassung, die nach der Loslösung von Indien approbiert worden war, und eine Reihe in jüngster Zeit verabschiedeter Gesetze betonen die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz “ohne Unterschied ihrer Rasse oder ihres Glaubensbekenntnisses”.

Mit Ausnahme der Muslim-Liga von Nawaz Sharif heben alle politischen Parteien die Wichtigkeit religiöser Unvoreingenommenheit hervor. Sowohl die Volkspartei von Asif Ali Zardari, dem Witwer von Benazir Bhutto und aktuellen Präsidenten des Landes, als auch die Muslim-Liga “Q” des früheren Präsidenten General Parvez Musharraf haben immer wieder ihre Bürger zu “religiöser Toleranz” und “Respekt” aufgerufen.

Wie jedoch aus Zeitungsberichten hervorgeht und wie eine Reihe diskriminierender Gesetze zeigen, ist dies lediglich eine Fassade. Das Blasphemie-Gesetz und die Hudud-Verordnungen, zwei schreckliche juristische Instrumente, die seit Jahrzehnten in diesem Lande in Kraft sind, verursachten und verursachen immer noch zahlreiche Opfer unter Nichtmuslimen und der Ahmadi-Minderheit, was die Regierung ziemlich gleichgültig hinnimmt.

Das umstrittene Blasphemie-Gesetz

Das Blasphemie-Gesetz ist das schlimmste Instrument religiöser Unterdrückung in Pakistan. Es wurde 1986 vom pakistanischen Diktator Zia-ul-Haq eingeführt, um den Islam zu verteidigen und den Propheten Mohammed vor Angriffen und Beleidigungen zu schützen. Mittlerweile ist es zu einem Instrument der Diskriminierung und Gewalt geworden.

Dieses Gesetz beruht auf Artikel 295, Paragraf B und C des pakistanischen Strafgesetzbuches und droht all denen mit lebenslanger Haft, die den Koran beleidigen. Es droht außerdem denjenigen mit der Todesstrafe, die den Propheten Mohammed beleidigen. Die Beschuldigungen, die gegen angebliche Gotteslästerer vorgebracht werden, sind oft falsch oder durch belanglose Interessen motiviert. Sie führen zu Skandalen und veranlassen in Wut geratene Menschenmengen dazu, Selbstjustiz zu üben. Wird eine Person aufgrund einer einzigen Zeugenaussage festgenommen, riskiert sie schon, von der Polizei misshandelt und gefoltert zu werden.

Unter dem Druck von Menschenmassen, die von örtlichen Mullahs angeheizt worden waren, verhängten mehrere Richter die Todesstrafe, obwohl keinerlei Beweise gegen die Angeklagten vorlagen. Zusammen mit den Hudud-Verordnungen – strenge Strafgesetze, die auf dem Koran basieren und sogar mit Auspeitschungen und Steinigungen sämtliche Handlungen bestrafen, die als unvereinbar mit dem islamischen Gesetz gelten, darunter Ehebruch, Glücksspiel und Alkoholkonsum – verkörpert dieses Blasphemie-Gesetz eine der sektiererischsten und extremsten Gesetzgebungen und ebnet den Weg für eine radikale Islamisierung des Landes.

Nach Informationen der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Katholischen Kirche (NCJP) wurden zwischen 1986 und 2010 mindestens 993 Menschen wegen Entweihung des Korans oder Beleidigung des Propheten Mohammed angeklagt. Unter ihnen waren 479 Muslime, 120 Christen, 340 Ahmadis, 14 Hindus und zehn Menschen mit einer anderen Religionszugehörigkeit. Diese Anklagen waren häufig ein Vorwand, um jemanden anzugreifen, persönlich Rache zu nehmen oder gar für außergerichtliche Ermordungen.

Auch andere religiöse Minderheiten betroffen

Insgesamt gab es 33 solcher Fälle, die von Einzeltätern oder aufgebrachten Menschenmengen verübt wurden. Laut NCJP wurden unter Berufung auf das Blasphemiegesetz von 2001 bis heute mindestens 50 Christen ermordet. Betroffen sind auch andere religiöse Minderheiten in dem Land, die Opfer von Gewalt durch muslimische Extremisten wurden; in manchen Fällen wurden sogar Muslime angegriffen.

Die Ahmadi-Gemeinschaft – eine vom Islam inspirierte Gruppierung, die Mohammed nicht als letzten Propheten anerkennt und aus diesem Grund von den Sunniten und Schiiten als Ketzer dargestellt werden – gab bekannt, dass 2009 mindestens zwölf ihrer Anhänger ermordet wurden. Seit 1984 wurden 107 Ahmadis ermordet und 719 inhaftiert. Die durch das Blasphemie-Gesetz verursachten Probleme verschlimmerten sich im Jahr 2001 dramatisch, als die antiwestliche Stimmung im Land zunahm, die ihren Höhepunkt mit dem amerikanischen Einschreiten im Irak und in Afghanistan erreichte.

Die Regierung gab zu, dass sie hier versagt habe und der Minister für Menschenrechte berichtete im Parlament, dass es in diesem Zusammenhang in den vergangenen drei Jahren mehr als 11 000 Menschenrechtsverletzungen in Pakistan gegeben habe, davon seien 8000 vor Gericht anhängig und warteten auf eine Gerichtsverhandlung.

Menschenrechtsverletzungen im ganzen Land

Der Minister Syed Mumtaz Alam Gilani räumte die “katastrophalen” Ergebnisse der Provinzregierungen ein, weil sich die “Justiz schuldig gemacht hat”. Auf die Frage eines Parlamentariers der Oppositionspartei Muslim-Liga Q antwortete er: “Am schlimmsten ist die Situation in Sindh (einer Provinz im Südosten), wo von insgesamt 6000 Menschenrechtsverletzungen in nur 783 Fällen die Täter für schuldig erklärt und bestraft wurden.”

In der nordwestlichen Grenzprovinz, die ein Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen der Armee und den Talibanmilizen ist, wurden von 2000 Menschenrechtsverletzungen bislang nur 730 Fälle gelöst. In der Provinz Punjab sind 2131 Fälle aktenkundig, davon 814 vor Gericht anhängig. In Baluchistan schließlich lösten die Gerichte 305 von 823 Anklagen wegen Menschenrechtsverletzungen. Gilani wies darauf hin, dass gerichtliche Schritte direkt von Richtern eingeleitet wurden und nicht vom Ministerium angeordnet waren, das unter finanziellen Problemen leide und auf die Hilfe nationaler und internationaler Nichtregierungsorganisationen (NROs) angewiesen sei.

Die Katholische Kirche, protestantische Denominationen, Ahmadi-Gemeinden und verschiedene NROs prangern seit einiger Zeit das Blasphemie-Gesetz und Diskriminierungen an. Dank der Unterstützung der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden haben sich die Europäische Union und die US-Regierung auch gegen dieses Gesetz ausgesprochen. Islamabad scheint jedoch ein Sklave der Extremisten zu sein und erweckt nicht den Eindruck, die Lage ändern zu wollen.

Angriffe gegen Christen

Am 30. Juni 2009 überfiel eine Menschenansammlung von 600 Muslimen ungefähr 100 christliche Häuser in Bahmani, einem Dorf im Kasur-Bezirk in der Provinz Punjab. Diese Nachricht wurde von der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP) übermittelt. Ihren Angaben zufolge wurden durch die Angriffe die Häuser der Christen erheblich beschädigt.

Außerdem wurden Wertgegenstände und Geld gestohlen. Geistliche in der lokalen Moschee hatten die muslimischen Dorfbewohner zur Gewalt gegen die Christen aufgerufen, die sie der Gotteslästerung bezichtigten. Hintergrund dieser Angriffe war laut NCJP eine Begebenheit, die einige Tage zuvor stattgefunden hatte.

Irfan Barkat, ein Mitglied der Kommission, berichtete gegenüber AsiaNews, dass die Angriffe am Montag, den 29. Juni nach einem Handgemenge zwischen einem christlichen Mann und einem muslimischen Jungen begonnen hatten. Der muslimische Junge, Muhammad Riaz, war gerade auf dem Fahrrad unterwegs, als er Sardar Mashi, einem 38 Jahre alten Christen begegnete, der einen Traktor fuhr.

Riaz stellte sich Mashi in den Weg. Als dieser den jungen Muslim bat, ihn vorbei zu lassen, wurde der junge Moslem ärgerlich. Nach Angaben lokaler Quellen wandte sich Riaz anschließend im Dorf an den muslimischen Geistlichen und dieser schlug ihm vor, Mashi wegen Gotteslästerung anzuklagen. Diese Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern war also der Grund für die Zusammenstöße.

Vorwürfe “vollkommen frei erfunden”

Am 1. Juli 2009 wurde Imran Masih, ein junger Christ aus Hajwary (einem Bezirk in Faisalabad) gefoltert und anschließend der Gotteslästerung für schuldig befunden. Pater Yaqub Yousaf von der Gemeinde Hajwary bestätigte gegenüber AsiaNews, dass die Vorwürfe “vollkommen frei erfunden” seien und die Ursachen für die Spannungen ursprünglich mit “geschäftlichen Dingen” zu tun gehabt hätten.

Das im Familienbesitz befindliche Geschäft des jungen Christen lag offensichtlich in einer sehr guten Lage und brachte größere Einnahmen ein als die anderen Geschäfte in dieser Gegend. Aus Angst vor weiteren Angriffen durch Extremisten flohen Masihs Verwandte und versteckten sich an einem geheimen Ort.

“Imran putzte gerade seinen Obst- und Gemüseladen”, sagte Pater Yaqub, “dann nahm er sein Abfallpapier und verbrannte es in der Straße, wie es in dieser Gegend üblich ist.” Der Besitzer eines nahe gelegenen Geschäftes beschuldigte den jungen Christen, Blätter aus dem Koran zu verbrennen und weckte damit die Aufmerksamkeit anderer Muslime. Kurz darauf versammelte sich eine Menschenmenge und schlug auf ihn ein und malträtierte ihn. Glücklicherweise griff die Polizei ein. Aufgrund einer Zeugenaussage eines anderen Muslim wurde eine Untersuchung über Masih eingeleitet.

Die Nachricht über seine Verhaftung verbreitete sich in den vielen Moscheen der Stadt. Das Gefängnis, in dem der Christ inhaftiert war, wurde von Tausenden in Wut geratenen Extremisten angegriffen, die den Tod des jungen Mannes forderten. Die Menschenmenge blockierte die Hauptzufahrtsstraßen und zündete Autoreifen an. Am 18. Januar 2010 verurteilte ihn das Gericht in Faisalabad zu lebenslanger Haft.

Morddrohungen, weil er sich für Minderheiten einsetzt

Wiederum im Juli erhielt Rao Zafar Iqbar, ein pakistanischer Aktivist, Hindu und Rechtsanwalt für Menschenrechtsverletzungen, Morddrohungen, weil er sich beruflich für Minderheiten einsetzt. Die Briefe kamen von Jan Nisaran-e-Nabuwat und Aqeeda-e-Tahafuz-e-Kathme Nabuwat. Der Aktivist benachrichtigte hierüber die Polizei, die sich aber weigerte, eine Untersuchung einzuleiten.

Kurz darauf wurde er von einem angeheuerten Killer erschossen. Am 4. August veröffentlichte die Tageszeitung Daily Pavel einen umrahmten Artikel, in dem sie von der “Rechtmäßigkeit” des Mordes an Rao Zafar Iqbar schrieb, weil sein Tod “ein Dienst am Islam gewesen sei”.

Am 1. August 2009 plünderte ein Mob von Muslimen 75 christliche Häuser, setzte sie in Brand und brannte anschließen zwei Kirchen im Dorf Korian (Bezirk Toba Tek Singh, von Punjab) nieder. Dieser Angriff wurde durch eine Anschuldigung wegen angeblicher Gotteslästerung gegen Mukhtar Masih, Talib Masih und seinen Sohn Imran Maseeh angeheizt. Die drei sollen angeblich den Koran während einer Hochzeitsfeier entweiht haben.

Örtlichen Quellenangaben zufolge kamen die Angreifer aus einem Dorf in der Nähe von Korian. Am 30. Juli überfielen sie die Häuser der Christen, während eine Gruppe versuchte, eine Art öffentliches Gerichtsverfahren zu organisieren, um von Talib Masih eine Entschuldigung für sein Verhalten zu erwirken.

Häuser von Christen niedergebrannt und zerstört

Die Menschenmenge blockierte daraufhin die Straße zwischen Faisalabad und Gojra und den Eingang zur Feuerwehr, um somit Feuerwehrmänner daran zu hindern, das Feuer zu löschen. Im Verlauf dieser Zusammenstöße wurden acht Menschen, darunter vier Frauen und ein siebenjähriges Kind lebend verbrannt und 20 weitere Personen verletzt. Mindestens 50 Häuser von Christen wurden niedergebrannt und zerstört und Tausende Gläubige flohen, aus Angst umgebracht zu werden.

Die Angehörigen der Opfer weigerten sich, sich um die Leichname zu kümmern und einen Beerdigungsgottesdienst abzuhalten, bevor die Schuldigen nicht verhaftet würden. Einige der Ermordeten wurden identifiziert. Es handelt sich dabei um Hamed Masih (50), Asia Bibi (20), Asifa Bibi (19), Imamia Bibi (22), Musa (7), Akhlas Masih (40) und Parveen (50).

Am 15. September 2009 wurde ein Christ, der drei Tage zuvor in einem Dorf in der Provinz Punjab der Gotteslästerei beschuldigt worden war, im Gefängnis ermordet. Untersuchungsbeamte hatten gerade bestätigt, dass der 20-jährige Fanish im Gefängnis bleiben sollte, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind. Am Morgen entdeckten Gefängniswächter im Gefängnis des Sialkot-Bezirks den leblosen Körper des jungen Mannes, der eindeutige Spuren von Verletzungen aufwies.

“Dies ist ein legalisierter Mord”, sagte Nadeem Anthony, ein Mitglied der Pakistanischen Menschenrechtskommission (HRCP). Er verurteilte diesen soundsovielten Gewaltakt gegen Christen “klar und deutlich”, und erklärte gegenüber AsiaNews, dass “die Polizei von einem Selbstmord spricht, da sich der Mann im Gefängnis erhängt haben soll; dies aber ergibt keinen Sinn.” Nadeem fügte hinzu, dass der junge Mann “gefoltert worden war und an den Folgen starb.” Außerdem weise der Körper “sichtbare Spuren von Schlägen und Wunden auf, wie Photos belegen.”

Der christlichen Gemeinde “eine Lektion erteilen”

Fanish war am 12. September verhaftet und der Gotteslästerung beschuldigt worden. Einen Tag zuvor hatte sich ein Mob von Muslimen um die Dorfkirche in Jaithikey, nicht weit von der Stadt Samberial im Sialkot-Bezirk (Punjab), versammelt, um der christlichen Gemeinde “eine Lektion zu erteilen”. Die Extremisten beschädigten zuerst die Kirche und zündeten sie dann an, außerdem setzten sie auch zwei Häuser neben der Kirche in Brand.

Am 22. Januar starb ein zwölfjähriges christliches Mädchen an den Folgen von Gewalt, die ihr von ihrem Arbeitgeber, einem reichen und mächtigen muslimischen Rechtsanwalt aus Lahore, zugefügt worden waren. Ihr Tod entfachte Proteste unter der christlichen Gemeinschaft, die eine Massenkundgebung außerhalb des Regierungsbezirks der Provinz Punjab abhielt. Die Behörden versuchten die Menschen zu beruhigen und versprachen Gerechtigkeit. Der pakistanische Präsident Zardari versprach der Familie eine Entschädigung.

Die protestantische NRO, Sharing Life Ministry Pakistan (SLMP), berichtete, dass die zwölfjährige Shazia Bashir acht Monate lang als Hausmädchen im Haus von Chaudhry Muhammad Naeem, Rechtsanwalt und Präsident der Lahore Bar Association, gearbeitet hatte. Aus christlichen Quellen wurde bekannt, dass das Mädchen ständig unter Belästigungen gelitten hatte und vergewaltigt und gequält worden war, bevor sie umgebracht wurde.

Der Arbeitgeber des Mädchen wurde verhaftet, aber am 13. Februar vom stellvertretenden Richter des Gerichts in Lahore, Shafiq-ur-Rehman, gegen Kaution freigelassen. Der Anwalt des Mannes sagte, die Autopsie an dem Körper des Mädchens habe “keine Hinweise ergeben, die darauf hindeuten, dass sie ermordet wurde.” Im Gegenteil, im Bericht steht, dass ihr Tod durch eine Infektion alter Wunden hervorgerufen wurde.

Christliche Juristen bedroht und eingeschüchtert

Außerdem fügte er hinzu, dass es sich hier nicht um einen Mordfall handle und die Polizei nach zweiwöchiger Untersuchung keine Beweise gegen Muhammad Naeem oder seine Familienmitglieder gefunden habe, die ihre Schuld belegten. Die christliche Gemeinde hatte sich vergeblich bemüht, diese Entscheidung anzufechten.

Während der zweiwöchigen Anhörung wurden christliche Juristen und jene, die die Familie des Opfers rechtlich zu vertreten versuchten, bedroht und eingeschüchtert. Die Aktivisten wiesen auf Ähnlichkeiten bei den Aussagen der Anwälte, der Polizei, der Richter und der Regierung hin, die an stillschweigendes Einverständnis grenzen, in dem Versuch, den Fall (erfolgreich) zu begraben.

Anfang Februar 2010 wurde Riaz Masih, ein 26 Jahre alter Christ aus Kallur Kot, einer kleinen Stadt in der Provinz Punjab, brutal von seinen Brüdern zusammengeschlagen, weil er sich weigerte zum Islam zu konvertieren. Riaz Masihs Eltern, beide Christen, waren gestorben, als er noch ein kleiner Junge war. Er wurde mit seinen Geschwistern von dem örtlichen Imam Moulvi Peer Akram-Ullah großgezogen. Der muslimische Geistliche hatte oft vergeblich versucht, den Jungen zum Islam zu bekehren.

Am 8. Februar legten unbekannte Männer Feuer an sein Haus in Kallur Kot, einer kleinen Stadt in Punjab, 233 km südwestlich von der Hauptstadt Islamabad. “Sie drohten mir damit”, sagte der junge Mann, “dass es kein Zurück gebe, entweder Konvertierung zum Islam oder Tod.” Der junge Mann berichtete, dass seine Brüder ihn unter Druck setzten, indem sie sagten, “einen Untreuen zu töten ist keine Sünde”, im Gegenteil, dies ist “im Namen Gottes, des Allmächtigen, eine rechte Tat”.

Lebenslange Haft wegen Gotteslästerung

Zuvor hatten ihm der Imam Akram-Ullah und seine Brüder eine Million Rupies (ungefähr 12.000 Dollar), eine Frau seiner Wahl und ein Haus angeboten, wenn er den Islam annehmen würde. Auf diese Weise hatte der Imam seine Brüder überzeugt, zu konvertieren und die extremste Form des Islam anzunehmen. Aber der junge Christ lehnte ab, dieser Schmeichelei nachzugeben und so kam es schließlich, dass er dafür sechs Monate im Krankenhaus verbringen musste.

Am 25. Februar 2010 wurde der wegen Gotteslästerung angeklagte Christ Qamar David zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil wurde aufgrund der Tatsache gefällt, dass der Mann vermeintlich “die Gefühle von Muslimen beleidigt hatte”, während sein Mitangeklagter wegen Mangel an Beweisen frei gelassen wurde. Die Polizei hatte den Mann 2006 verhaftet, obwohl keine eindeutigen Beweise gegen ihn vorlagen. Der stellvertretende Richter vom Bezirksgericht Karachi befand den Christen für schuldig, “gotteslästerliche Worte” über den Propheten Mohammed und den Koran gesagt zu haben.

Die pakistanische Tageszeitung Dawn berichtete, der Richter habe das Urteil nach Anhörung des Verteidigers und der Schlussrede des Staatsanwaltes gefällt. Im Schuldspruch ist zu lesen, dass Qamar David ein Handy besaß, von der aus er angeblich Nachrichten verschickt haben soll, die als Beleidigung für den Islam angesehen wurden. Der Beweis wurde dank der Zusammenarbeit mit der Telefongesellschaft erbracht, die, nach Aussage des Staatsanwalts, die Druckausgabe für die Nummer, die dem Christen gehörte, zur Verfügung gestellt hatte.

Ein enger Bekannter des Angeklagten sagte, dass die Tatsachen, die Beweise und das Gesetz jedoch alle für letzteren sprechen würden. Die zusammengetragenen Belege, so betonte er, seien das Ergebnis von Gerüchten; ein muslimischer Mitangeklagter, der wegen demselben Vorwurf angeklagt wordern war, wurde von allen Vorwürfen freigesprochen.

25 Jahre Gefängnisstrafe wegen Gotteslästerung

Am 2. März 2010 verurteilte das Gericht in Kasur in der Provinz Punjab das christliche Ehepaar Munir Masih und Ruqqiya Bibi zu 25 Jahren Gefängnisstrafe wegen Gotteslästerung. Der stellvertretende Richter Ajmal Hussain verurteilte die beiden, da sie angeblich den Koran berührt hatten, ohne sich vorher die Hände gewaschen zu haben. Im vergangenen Januar konnten Munir Masih und Ruqqiya Bibi gegen Kaution das Gefängnis verlassen.

Einige Wochen später verhaftete sie die Polizei erneut aufgrund des Urteils des Richters. Der Ehemann wird im Bezirksgefängnis von Kasur und die Ehefrau im Frauengefängnis von Multan gefangen gehalten. Sie werden das nächste Vierteljahrhundert hinter Gittern verbringen. Aktivisten von CLAAS, einer Organisation, die sich für die Rechte der Ärmsten und Unterdrücktesten einsetzt, berichteten, dass sowohl der Ehemann als auch die Ehefrau beschuldigt worden waren, den Koran “verunreinigt” zu haben, nachdem sie ihn mit ungewaschenen Händen berührt hatten.

Dieses Ereignis fand im Dezember 2008 statt und erregte die Wut einer Randgruppe von Extremisten, die auf die Polizeikräfte Druck ausübte. Nach unbestätigten Quellen sollen sie die Polizei mit Geld bestochen und aufgefordert haben “neue Elemente” zu finden, die das Urteil rechtfertigten. Nach Abschluss der Untersuchungen über das Ehepaar wurde es wegen Gotteslästerung angeklagt.

Am 11. März 2010 starb eine junge christliche Frau an den Folgen ihrer Verbrennungen. Sie war zwei Tage zuvor vom Sohn des Moslem, bei dem sie als Hausmädchen gearbeitet hatte, vergewaltigt und angezündet worden. Die junge Frau starb im Krankenhaus, nachdem sie zwei Tage höllische Qualen wegen ihrer Verbrennungen, die 80 Prozent ihres Körpers bedeckten, ertragen hatte. Kiran George arbeitete für eine muslimische Familie in Sheikhupura, einer Stadt in der Provinz Punjab. Sie starb im Mayo Krankenhaus in Lahore, wo sie am 9. März wegen ihres sehr kritischen Gesundheitszustandes eingeliefert worden war.

Bei lebendigem Leid verbrannt

Mohammad Ahmda Raza hatte die christliche Frau vergewaltigt, die davon zunächst nur ihren Freundinnen erzählt hatte, da sie fürchtete, ihre Arbeit zu verlieren. Die extreme Armut, in der die Familie lebte, veranlasste das Mädchen zu schweigen. Aber als Kiran George ihrem Peiniger damit drohte, alles der Polizei zu erzählen, schloss er sie im Haus ein, um sie an der Flucht zu hindern, übergoss sie mit Unterstützung seiner Schwester mit Benzin und zündete sie an. Anstatt die Frau ins Krankenhaus zu bringen, rief der muslimische Arbeitgeber die Eltern an und erzählte ihnen, ihre Kleider hätten Feuer gefangen, als sie die Küche sauber machte.

Am 19. März 2010 verbrannten islamische Extremisten Arshed Masih bei lebendigem Leib. Er war bei einem reichen muslimischen Geschäftsmann aus Rawalpindi als Fahrer angestellt. Seine Frau arbeitete als Bedienstete auf demselben Anwesen, das gegenüber einer Polizeistation lag. Vor dem Mord war es zwischen dem Ehepaar und dem Arbeitgeber Sheikh Mohammad Sultan zu Meinungsverschiedenheiten wegen ihres christlichen Glaubens gekommen. Die beiden waren mehrfach unter Drohungen und Einschüchterungen aufgefordert worden, zum Islam überzutreten. Arshed Masih starb nach drei Tagen Schmerzen und Todesqualen im Holy Family Hospital in Rawalpindi.

Als seine Frau Martha Arshed bei der Polizei Anzeige erstatten wollte, wurde sie von den Polizisten vergewaltigt. Die drei Kinder des Ehepaares, im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, waren “gezwungen” worden, die Folter an ihren Eltern mitanzusehen. Seit 2005 hatten Arshed Masih und seine Frau auf dem Anwesen gelebt und gearbeitet, das Sheikh Mohammad Sultan gehört. In letzter Zeit war ständig Druck auf sie ausgeübt worden, den christlichen Glauben aufzugeben und zum Islam zu konvertieren; ihr Chef hatte ihnen sogar mit „fürchterlichen Konsequenzen“ gedroht, um sie dazu zu bringen, ihrem Glauben abzuschwören. Außerdem warf er dem Ehepaar vor, in seinem Haus gestohlen zu haben, und er versprach ihnen, die Schulden zu erlassen, wenn sie konvertierten.

Am 19. Juli 2010 wurden die beiden christlichen Brüder Rashid Emmanuel und Sajid Masih Emmanuel, die unter dem Vorwurf der Gotteslästerung vor Gericht geladen waren, vor dem Gerichtsgebäude erschossen. Eine unbekannte Killergruppe hatte sie außerhalb des Gerichtsgebäudes in Faisalabad in der Provinz Punjab angegriffen. Beide Männer waren in Handschellen, da sie nach der Anhörung wieder ins Gerichtsgebäude zurückkehren sollten. In den Tagen vor dem Mord hatte die christliche Gemeinde in der Stadt Alarm geschlagen, da sie neue Angriffe befürchtete. Die Muslime hatten einen Protestmarsch organisiert, in dem sie das Todesurteil für die beiden Männer forderten.

Gezielter Mordanschlag

Die Mordtat, die außerhalb des Gerichtsgebäudes in Faisalabad verübt worden war, in dem gerade die Verhandlung wegen der beiden gegen Gotteslästerung angeklagten Brüder Rashid und Sajid Masih stattgefunden hatte, war in der Tat ein gezielter Mordanschlag. Die beiden mit Handschellen gefesselten Männer waren ein leichtes Ziel für die Extremisten. Auch ein Polizist wurde bei diesem Angriff verwundet. Seit Tagen hatte die muslimische Gemeinschaft, angeheizt von den Imamen, immer wieder protestiert und die Todesstrafe gegen die beiden Brüder gefordert.

Einen Monat zuvor waren sie verhaftet worden, weil man einige “gotteslästerliche”, das Andenken an Mohammed entweihende Flugblätter gefunden hatte, auf denen angeblich ihr Name stand. Nach Angaben örtlicher Informationsquellen, wollte die Polizei die beiden Männer von dem Vorwurf der Gotteslästerei freisprechen, weil gemäß graphologischer Tests die Unterschriften auf den Flugblättern nicht mit der Handschrift der beiden Brüder übereinstimmten.

Der Minister für Minderheiten, Shahbaz Bhatti, sprach von falschen Anschuldigungen gegen Christen, die sorgfältig von Menschen vorbereitet worden seien, die persönliche Vorbehalte gegen die beiden Brüder gehabt hätten, von denen einer ein evangelischer Pastor war. Auch die Familie hatte immer wieder deren Unschuld beteuert.

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2010)

Quellen: ACN News, AsiaNews, UCA News, Compass Direct News, www.zenit.org

23.Jun 2009 14:19 · aktualisiert: 2.Mrz 2011 12:48
KIN / S. Stein