Länderbericht Kolumbien

Pablo Emiro Salas Anteliz, Bischof von Espinal / Kolumbien.

Pablo Emiro Salas Anteliz, Bischof von Espinal / Kolumbien.

Einwohner: 46,3 Millionen

Fläche: 1 138 914 qkm

Religion:
Christen: 95,7 Prozent (darunter 42 Mio. Katholiken)
Sonstige: 4,3 Prozent

Gesetzesänderungen

Im August 2009 wurde durch eine offizielle Resolution ein interreligiöser Beratungsausschuss unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Inneres und Justiz gegründet, dessen Aufgabe es ist, amtliche Vorgänge auf die Respektierung der Religionsfreiheit, religiöser Gleichbehandlung, der Gewissensfreiheit und der freien Glaubenspraxis zu überprüfen.

Die Katholische Kirche und ihre Beziehungen zum Staat

Die ganze Gesellschaft leidet unter den Gewalttaten der Guerillagruppen, von denen sowohl Geistliche als auch Gläubige betroffen sind. Im Juni 2009 schottete eine Guerillagruppe ein Dorf im Stadtbezirk von Arauquita ab und erstürmte den Ort, an dem gerade eine Sitzung über Kirchenprojekte abgehalten wurde. Ohne ein Wort der Erklärung ergriffen sie den Pastoralmitarbeiter Prof. Jorge Humberto Echeverri und töteten ihn später.

Angesichts dieser Gewalt hat die Regierung die Kirche und das Internationale Rote Kreuz als einzige kompetente Institutionen ermächtigt, direkt mit der revolutionären Volksarmee Kolumbiens, der FARC, in Dialog zu treten. Die Kirche bot sich wiederholt als Vermittlerin an und brachte dabei ihre Rolle als dritte Partei, die keine politischen Interessen verfolgte, zum Ausdruck.

Im Laufe des Jahres etablierte sich Kardinal Darío Castrillón Hoyos als Vermittler zwischen der FARC und der Regierung und hielt telefonisch Kontakt mit dem Anführer der FARC, Guillermo Sáenz, alias „Alfonso Cano“. Weil sich die Kirche als unparteiische, aber glaubwürdige dritte Partei erwies, erlaubte ihr die Regierung im September, die Verhandlungen zur Befreiung von 25 Geiseln (Polizisten und Soldaten), von denen sich einige seit über zwölf Jahren in den Händen der FARC befinden, zu führen und zu koordinieren.

Die Kirche schlug der FARC vor, die Geiseln in jeweils fünf Etappen jeden Monat zu übergeben, wobei die letzte Übergabe im Februar 2010 erfolgen sollte. Der größte Konflikt zwischen den Parteien besteht darin, dass die FARC zwar zustimmte, einige ihrer Geiseln freizulassen, aber im Gegenzug die Freilassung von inhaftierten Guerillakämpfern forderte.

Die Regierung von Álvaro Uribe erklärte sich zwar mit einer schrittweisen Befreiung der Geiseln unter Aufsicht eines Drittstaates einverstanden, war aber nicht bereit, auf die Forderungen der FARC einzugehen. Um diesen Verhandlungsstillstand zu überwinden, bat die Kirche die Regierung und die FARC in ihren Forderungen nachzugeben, um die Freilassung der Geiseln endgültig erreichen zu können.

2009 wurden fünf Priester umgebracht: Juan Gonzalo Aristizabal Isaza aus Medellín, Gabriel Montoya Tamayo und Jesús Ariel Jiménez, beide aus Vichada, Óscar Cardozo Ossa aus Villavicencio und Jaramillo Cárdenas aus Santa Rosa de Osos. Dutzende kolumbianischer Priester setzen ihren Dienst weiterhin fort trotz der Drohungen bewaffneter Gruppen. 17 Bischöfe erhalten sogar Polizeischutz.

In der Pfarrei Mariä Verkündigung in der Stadt Armenia drangen in der Nacht Unbekannte in die Kirche ein, brachen den Tabernakel auf und warfen das Ziborium mit den konsekrierten Hostien und den Tabernakel auf den Boden. Da nichts Wertvolles aus der Kirche entwendet wurde, scheint dies ein direkter Angriff auf die Eucharistie gewesen zu sein.

Nichtkatholische christliche Gemeinschaften / Andere Religionen

Zehn Prozent des kolumbianischen Senats besteht aus evangelikalen Pastoren, die sich für eine politische Laufbahn entschieden haben. Einige von ihnen wurden nicht direkt gewählt, sondern erhielten diese Sitze zugeteilt, weil andere Senatoren ausgeschieden waren. Im Allgemeinen erwiesen sie sich als sehr standhafte Verteidiger der Ehe, und sie bekämpften alle Bestrebungen, homosexuelle Partnerschaften vermögens- und zivilrechtlich der Ehe gleichzustellen. Sie sind bekannt als die „Partei Gottes“.

Quellen:
ACI www.aciprensa.com
EFE www.diariolasamericas.com
Semana.com www.semana.com
Zenit www.zenit.org

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2010)

15.Jul 2009 12:06 · aktualisiert: 16.Apr 2012 12:36
KIN / S. Stein