Spenden
Syrien: Aleppos Christen haben Angst vor weiterer Gewalt-Eskalation

Syrien: Aleppos Christen haben Angst vor weiterer Gewalt-Eskalation

09.01.2026 aktuelles
Angesichts erneuter Kämpfe in der syrischen Millionenstadt Aleppo bitten die lokalen Christen eindringlich um Gebet und Solidarität; sie fürchten, dass der aktuelle Konflikt noch weiter eskalieren könnte. Wie Projektpartner gegenüber KIRCHE IN NOT mitteilten, sind vor allem Zivilisten – darunter auch Christen – erneut besonders von den Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und den kurdisch geführten „Syrian Democratic Forces“ (SDF) betroffen.

 

Die Gefechte, die bereits Ende Dezember begonnen hatten, flammten nach einer kurzen Waffenruhe am 6. Januar erneut auf. Medien berichten von mindestens neun Toten. Die Gewalt fiel in die Zeit, in der katholische und orthodoxe Christen Weihnachten bzw. das Hochfest Erscheinung des Herrn feierten. Alle Gottesdienste und Feierlichkeiten wurden abgesagt, da viele Menschen aus Angst ihre Häuser nicht verlassen können.

„Schulen, Universitäten und öffentliche Einrichtungen sind geschlossen, nur die Krankenhäuser arbeiten noch. Christliche Familien sitzen fest, weil ihre Wohnungen an der Kampflinie liegen“, berichtet eine lokale Quelle von KIRCHE IN NOT, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte.

Der maronitische Erzbischof von Aleppo, Joseph Tobji (Foto: KIRCHE IN NOT)
Die christlichen Kirchen haben zahlreiche Gebäude für Familien geöffnet, die vor den Kämpfen fliehen mussten. Zwar wurden zwei Fluchtkorridore eingerichtet, doch wächst die Sorge, dass sich die Lage weiter zuspitzen könnte. „Nach dem Ausmaß der Bombardierungen und des Beschusses zu urteilen, scheinen beide Seiten etwas Größeres zu planen“, so die Quelle weiter.

 

Sorge um Zuspitzung der Lage

Der maronitische Erzbischof von Aleppo, Joseph Tobji, wandte sich in einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit: „Die Situation ist erneut kritisch geworden. Viele Menschen verlassen ihre Wohnviertel. Wir zählen auf die Hilfe des Herrn – und danken Ihnen von Herzen für Ihr Gebet.“ Auch der griechisch-katholische Priester Fadi Najjar, ein langjähriger Projektpartner von KIRCHE IN NOT, schildert die Lage: „Die Regierung beschießt kurdische Gebiete, die Kurden antworten mit Angriffen auf unsere Viertel.“ Besonders betroffen seien erneut die Zivilisten.

Fadi Najjar aus Aleppo im Gespräch mit Kindern (Foto: Jacob/KIRCHE IN NOT).
Ähnlich äußerte sich auch Pater Hugo Alaniz. Er gehört der Ordensgemeinschaft „Institut des Inkarnierten Wortes“ an und arbeitet mit KIRCHE IN NOT bei zahlreichen Hilfsprojekten für hilfsbedürftige Gemeindemitglieder zusammen. Wegen der anhaltenden Kämpfe habe selbst eine nachgeholte Weihnachtsfeier für Kinder abgesagt werden müssen. „Wir hörten den ganzen Tag Bombardierungen und Schüsse. Wir bitten um Gebet, dass es zu einer Einigung kommt und der Frieden im Land einkehrt.“

 

Bombardierungen und Schüsse

Die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch, erklärte: „Erneut erreichen uns alarmierende Nachrichten aus Aleppo. Unsere Brüder und Schwestern bitten um Gebet – und wir schließen uns diesem Appell mit großer Sorge, aber auch mit Hoffnung an.“

Die SDF sind der bewaffnete Arm einer politischen Führung, die seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 große Teile des Nordostens Syriens kontrolliert. Dieses Bündnis wird vor allem von kurdischen Gruppen getragen. Mit Unterstützung einer internationalen Koalition spielten die SDF eine entscheidende Rolle bei der militärischen Niederlage der Terrororganisation „Islamischer Staat“.

Bewohner von Aleppo feierten im Dezember 2024 den Machtwechsel auf den Straßen der Stadt (© HiBa/KIRCHE IN NOT).
Die SDF streben an, ihre Region auch in Zukunft weitgehend selbst zu verwalten. Die neue Regierung in Damaskus lehnt diese Autonomiebestrebungen ab. Sie verfolgt das Ziel, die volle Kontrolle über das gesamte syrische Staatsgebiet wiederherzustellen.

 

Waffenruhe hielt nur wenige Tage

Zwischen beiden Seiten hatten sich die Spannungen bereits seit Monaten aufgebaut. Schließlich eskalierten sie in offenen Kämpfen um die Kontrolle über Teile von Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens. Im Dezember hatten sich SDF und Regierungstruppen auf eine Waffenruhe geeinigt, die nun nach wenigen Tagen wieder gebrochen wurde. Beide Seiten geben sich wechselseitig die Schuld daran.

In Syrien leben lokalen Schätzungen zufolge etwa 250 000 Christen, in Aleppo nicht mehr als 20 000. Vor Beginn des Bürgerkriegs 2011 zählte Syrien noch rund 1,5 Millionen Christen.

Veranstaltungshinweis: Gast aus Syrien bei Jahresauftakt-Veranstaltung in Köln

Fadi Azar, Franziskanerpater aus Latakia (Syrien).
Am Samstag, 7. Februar 2026, laden wir zu unserer Jahresauftakt-Veranstaltung nach Köln ein. Das Programm beginnt ab 13:00 Uhr mit einem Mittagsimbiss im Maternushaus. Nach der Begrüßung durch Geschäftsführer Florian Ripka wird KIRCHE-IN-NOT-Mitarbeiter André Stiefenhofer die wichtigsten Ergebnisse der Studie „Religionsfreiheit weltweit“ vorstellen.

Anschließend gibt uns der Beauftragte der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel, einen Einblick in seine Arbeit.

Nach einer Kaffeepause steht die aktuelle Situation in Syrien im Mittelpunkt. Dazu haben wir Pater Fadi Azar aus Latakia eingeladen. Mit ihm sprechen wir über die Frage „Syrien: Kirche unter Islamisten?“. Die Veranstaltung wird abgerundet durch einen Impuls von Pater Anton Lässer. Den Abschluss des Begegnungstages bildet um 18:30 Uhr eine heilige Messe im Kölner Dom.

Wir bitten um eine Anmeldung im Münchner Büro, entweder per E-Mail: info@kirche-in-not.de oder Telefon: 089 – 64 24 88 80.

Unterstützen Sie den Einsatz der Kirche in Syrien mit Ihrer Spende:

Erzbischof Jacques Mourad: Verschleppt vom „Islamischen Staat"

Weitere Informationen