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Auch 2019 fördert KIRCHE IN NOT mehr als vierzig christliche Ferieninitiativen – besonders in Weltregionen, in denen Christen unter Diskriminierung, Verfolgung oder Krieg leiden. Beispiele sind Ägypten, der Libanon, die Krim, die Republik Kongo oder die palästinensischen Gebiete.

 

Ein Schwerpunkt ist Syrien, wo unser Hilfswerk insgesamt 28 Sommerkurse für junge Menschen und Familien fördert. Von Juni bis September treffen sich Christen verschiedener Konfessionen aus den Diözesen Homs, Aleppo, Latakia und Damaskus, um Kraft zu tanken und Gemeinschaft zu erfahren. Die Sommerkurse haben auch eine wichtige seelsorgerische Funktion, denn viele Menschen sind durch Kriegserlebnisse traumatisiert.

Pfadfinderlager in Syrien,
Der griechisch-orthodoxe Priester Antoine Mukhallala ist gerade von einem Sommerkurs für Jugendliche mit Behinderung und ihre Familien zurückgekehrt.

 

Während des Dauerfeuers auf syrische Städte konnten diese Menschen nur noch unzureichend betreut werden, das Haus haben manche jahrelang nicht verlassen. Die Angehörigen mussten alles allein schultern. Die Sommerkurse sind für viele Familien ein Lichtstrahl für die Seele.

Lichtstrahl für die Seele

Besonders bewegt hat Mukhallala die Geschichte einer Witwe mit ihren beiden Töchtern, von denen eine, Jenny, Autistin ist.  „Die Mutter hat sehr gelitten. Ihr Mann wurde auf der Flucht getötet. Man brachte ihr seine Leiche mit aufgeschlitztem Hals,“, berichtet der Priester.

Antoine Mukhallala, griechisch-orthodoxer Priester aus Syrien.
In der folgenden Zeit habe sich die Frau komplett in ihre Trauer vergraben. Auch bei Treffen in der Kirchengemeinde habe sie nie über ihren Mann oder die autistische Tochter gesprochen.

 

„Das hat sich im Laufe des Sommercamps komplett geändert – vor allem, als sie erlebte, wie sich das Verhalten ihrer Tochter durch die aufmerksame Förderung änderte“, erzählt der Priester. „Sie blühte richtig auf, und am Ende des Feriencamps lud mich das Mädchen sogar ein, mit ihr zu tanzen.“

Teilnehmer des Sommercamps für Jugendliche mit Behinderung. In der Mitte Jenny und ihre Mutter.
Das habe die Mutter sehr bewegt: „Die Dunkelheit ihrer Seele verschwand. Man kann sagen, ihr Herz begann wieder zu schlagen.“ Am Ende des Ferienkurses habe ihm die Mutter gesagt: „Wäre es noch eine Woche länger gegangen, bin ich sicher: Dann hätte meine Jenny wieder angefangen zu sprechen.“

 

In seinen sieben Jahren als Priester habe Antoine Mukhallala bereits mehrere Sommercamps betreut, aber keines habe ihn so berührt wie dieses. „Ich danke Gott für die Verwandlung, die mit dieser Frau geschehen ist. Das wäre ohne die Wohltäter von KIRCHE IN  NOT nicht möglich gewesen.“

Zum ersten Mal spürte der junge Syrer Fadi Mora den Ruf Gottes gegen Ende seines Tourismusstudiums an einer kirchlichen Hochschule in Aleppo. Das war im Jahr 2010, noch vor dem Krieg.

 

„Das war eine wichtige Zeit in meinem Leben“, erzählt Fadi. „Vielleicht hatte Gott bereits daran gearbeitet, mich auf den Eintritt ins Priesterseminar vorzubereiten: Ich habe nämlich damals ein bisschen Französisch gelernt.“ Das Theologiestudium erfolgt nämlich ausschließlich in französischer Sprache – und zwar in der Küstenstadt Kasslik im Libanon. In Syrien gibt es derzeit kein Priesterseminar.

Fadi Mora (links) und Bischof Joseph Tobji.
Fadi stammt aus einer maronitisch-katholischen Familie. Der Glaube spielte immer eine entscheidende Rolle. „Die Familie war der erste grundlegende Ort für meinen Weg“, ist er überzeugt.

 

Seine Eltern waren Anfang der 2000er-Jahre aus Venezuela, wohin es sie aus beruflichen Gründen verschlagen hatte, nach Syrien zurückgekehrt, um ihren Kindern eine gute Ausbildung in der Heimat zu ermöglichen.

Nach dem Abschluss seines Studiums war für Fadi aus dem Ruf Gottes ein Drängen geworden. „Ich konnte nicht mehr widerstehen“, sagt er lächelnd. So ging er zu seinem Bischof. Der riet dem jungen Mann, zuerst seinen Militärdienst zu absolvieren und danach wiederzukommen.

Die Eltern von Fadi Mora.
Das war unumgänglich, denn Fadi fehlte das Geld, um sich aus den militärischen Verpflichtungen freizukaufen. Auch heute müssen junge Männer, die sich dem Dienst an der Waffe verweigert haben und nach Syrien zurückkehren, mindestens 8.000 US-Dollar zahlen.

 

Vor dem Krieg dauerte der Militärdienst 18 Monate bis zwei Jahre. Mit Kriegsausbruch wurde daraus eine unbestimmte, quälend lange und lebensgefährliche Zeit. So auch für Fadi. Sein Militärdienst begann im Dezember 2010 – nur vier Monate, bevor der Syrienkrieg begann.

Acht Jahre Militärdienst

Als er eingezogen wurde, hoffte er, bald fertig zu sein und ins Priesterseminar eintreten zu können. Der Krieg macht daraus acht Jahre. Die traumatischen Eindrücke dieser Zeit lassen sich nur erahnen. Fadi spricht wenig darüber, aber umso mehr über den Tag seiner Entlassung: „Am 31. Dezember 2018 endete meine Zeit beim Militär. Ich glaube, ich wurde nach diesen acht Jahren wiedergeboren!“

Maronitischer Gottesdienst in Damaskus.
Einer seiner ersten Wege nach der Rückkehr führte ihn wieder zum Bischof der katholisch-maronitischen Diözese in Aleppo. Der hieß nun Joseph Tobji, ein ehemaliger Jugendseelsorger. Er empfing den „neugeborenen“ ehemaligen Soldaten mit offenen Armen.

„Wir beten in unserer Diözese jeden Tag um geistliche Berufungen“, erklärt Tobji. „Es ist deshalb eine große Freude für uns alle, eine neue Berufung anzunehmen. Unsere Gebete sind erhört worden.“

Not des Krieges überall gegenwärtig

Der junge Bischof betreibt bei seiner Bischofskirche ein Zentrum, in dem notleidende Einwohner versorgt werden. Seine Kathedrale wurde Ende 2016 von Granaten schwer verwüstet und befindet sich derzeit mit Hilfe von KIRCHE IN NOT im Wiederaufbau.

Die Not des Krieges ist überall gegenwärtig. Dennoch betont Tobji: „Es gibt auch hoffnungsvolle Nachrichten: Ich habe gerade eine neue Pfarrei gegründet. Darüber hinaus haben wir jetzt mit Fadi einen angehenden Priester bekommen. Wir müssen über diese positiven Dinge sprechen, um die Hoffnung am Leben zu erhalten“.

Fadi (Bildmitte) mit Freunden aus der Pfarrrei.
Diese Hoffnung ist für Fadi zur Realität geworden: „Das Wort des Herrn, das ich empfangen habe, ist auch im Krieg nie verstummt.“ Mittlerweile hat Fadi mit der Vorbereitung auf den priesterlichen Dienst begonnen – eine schwierige Entscheidung, nicht nur angesichts der fehlenden Mittel für das Studium.

 

„Die jungen Seminaristen leben in einer überwiegend muslimischen Gesellschaft, die ihre Entscheidung nicht versteht“, erklärt Dr. Andrzej Halemba, der bei KIRCHE IN NOT für die Nahost-Hilfen zuständig ist. Unser Hilfswerk hat im vergangenen Jahr rund 14 000 Seminaristen weltweit unterstützt.

Bischof Joseph Tobji in der zerstörten maronitischen Kathedrale in Aleppo. Die Kirche wird derzeit mit Hilfe von KIRCHE IN NOT renoviert.
„Ohne das Gebet und die materielle Hilfe könnten Seminaristen wie Fadi ihrer Berufung nicht folgen“, ist Halemba überzeugt. „Es geht darum, diese Berufungen zu schützen und wachsen zu lassen, damit sie reiche Frucht bringen.“

 

Und für Fadis Bischof Joseph Tobji ist diese Berufung ein österliches Zeichen: „Das Weizenkorn, das der Herr gesät hat, hat auch den Krieg überdauert und ist jetzt aufgekeimt. Jetzt werden wir gute Bedingungen schaffen, damit es im Schoß der Kirche reifen kann.“

Es ist das zweite Weihnachten ohne Bombenhagel, aber der Frieden ist noch weit. Auch wenn in der syrischen Stadt Aleppo die Waffen schweigen: kaum eine Familie ohne Toten, kaum eine Familie ohne Sorge um Freunde und Verwandte in den nach wie vor umkämpften Gebieten. Die Hoffnung in Aleppo ist wieder zurückgekehrt, aber die Freude oft noch nicht.

Schwester Annie Demerjian und ihre Helfer sind Boten der Hoffnung, nicht nur zur Weihnachtszeit. Sie besuchen alte und kranke Menschen, verteilen Lebensmittel und finanzielle Hilfen, stellen Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche auf die Beine. Viele haben noch nie ein Weihnachten im Frieden erlebt
Kind mit einer Kerze bei einem Gottesdienst in Damaskus (Foto: Carole Al-Farah).
Krippe in der syrisch-katholischen Kirche in Aleppo (Syrien).

KIRCHE IN NOT unterstützt Schwester Annie seit Langem. Die Ordensfrau tut auch in diesem Jahr ihr Möglichstes, um den verbliebenen Christen in Aleppo ein frohes Weihnachtsfest zu bereiten. Ihre besondere Sorge gilt den Kindern. Viele von ihnen haben noch nie ein Weihnachten im Frieden erlebt.

Nicht alle Waren sind einfach zu bekommen

Bereits seit September arbeiten Schwester Annie und ihre Helfer für die Bescherung. Stifte, Hefte, Radiergummis, Bälle, Sticker, Spiele und Plüschtiere haben sie besorgt. Nicht alle Waren sind einfach zu bekommen.

Schwester Annie ist es wichtig, die Geschäfte vor Ort mit den Anschaffungen zu beauftragen. Denn es hängen Existenzen daran, erklärt sie: „Die Menschen sind dankbar, dass sie endlich wieder Arbeit haben und ihre Familie ernähren können.“

Auch Kleidung lässt sie vor Ort nähen. Und so werden an Weihnachten auch viele Kinder mit einer neuen warmen Jacke in die Weihnachtsmesse gehen können.

Mit viel Liebe ist auch die Geschenkübergabe organisiert: ein Christbaum, Lichter, bunte Luftballons schmücken den Gemeindesaal. Es ist ein buntes „Familientreffen“ der Christen – einer kleinen, aber lebendigen Minderheit in Aleppo.

Lachen erfüllt den Raum. Die Kinder spielen zwischen den Erwachsenen Verstecken. „Die Menschen sollen sich nicht wie Bettler vorkommen. Deswegen haben wir den Ausgaberaum festlich geschmückt. Es soll eine Begegnung von Mensch zu Mensch sein“, sagte Schwester Annie.

Kraft und Hoffnung

Ohne Unterstützung von KIRCHE IN NOT wäre das umfangreiche Weihnachtsprojekt nicht zu stemmen, davon ist die Ordensfrau überzeugt. „Dass ich den Menschen überhaupt etwas geben kann, ist für mich ein Wunder.“ Es ist ein Weihnachtswunder, dass den Kindern von Aleppo Kraft und Hoffnung schenkt.

Das weltweite päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT unterstützt den Wiederaufbau der syrischen Stadt Aleppo. Das Programm besteht aus sieben Einzelprojekten. Für die notleidende Bevölkerung in Syrien hat das Hilfswerk darüber hinaus 32 Projekte neu aufgelegt. Insgesamt fördert „Kirche in Not“ damit im laufenden Jahr über 120 Einzelmaßnahmen in Syrien mit einer Gesamtsumme von sieben Millionen Euro.

Aleppo gehört zu den vom Krieg am meisten betroffenen Städten des Landes. Monatelange tobten vor allem in den östlichen Bezirken schwere Kämpfe. Seit Anfang 2017 schweigen dort die Waffen. Rund ein Drittel der Gebäude in der Stadt sind zerstört. Auch zahlreiche Kirchen – Symbole für die jahrhundertealte christliche Tradition der Stadt – sind schwer getroffen.
Zeichen der Hoffnung im zerstörten Homs.
Kirchen geben Hoffnung auf Rückkehr

„Die Kirchen sind so etwas wie Leuchttürme im Meer. Sie vermitteln Sicherheit und Hoffnung. Das gesamte soziale Leben spielt sich in den Kirchengemeinden ab“, erklärte Dr. Andrzej Halemba, Projekt-Referent für den Nahen Osten bei KIRCHE IN NOT. Das Hilfswerk hat die Wiederherstellung von drei Kathedralen in sein Programm aufgenommen: der armenisch-katholischen, der maronitischen und der syrisch-katholischen. „Sie spiegeln die verschiedenen christlichen Traditionen und Riten. Außerdem geht von den wiederaufgebauten Kirchen eine wichtige Signalwirkung aus: Die vertriebenen Christen können den ersten Schritt Richtung Rückkehr wagen“, sagte Halemba.

KIRCHE IN NOT hat auch Hilfen für die Renovierungsarbeiten in einem Zentrum für autistische Kinder zugesagt, das von Missionsfranziskanerinnen geleitet wird. Da während des Krieges das Gebäude nicht beheizt werden konnte, haben sich Feuchtigkeit und Schimmel ausgebreitet. „Die Gesundheit der 15 betreuten Kinder ist dadurch in ernster Gefahr. Wir müssen schnell handeln“, erklärte Halemba. Darüber hinaus unterstützt das Hilfswerk den Wiederaufbau von Pfarrsälen und eines Biblischen Zentrums.

Nicht auf Bänken, sondern auf Schutt kniet, wer in der zerstörten armenisch-katholischen Kathedrale von Aleppo derzeit betet. Foto: Ismael Martinez Sanchez/KIRCHE IN NOT
Hilfen für Lebensmittel, Medizin und Wohnen

Auch die Hilfsprogramme für vertriebene Christen gehen unvermindert weiter, die KIRCHE IN NOT seit 2011 in Aleppo und anderen syrischen Städten zusammen mit den örtlichen Kirchen ins Leben gerufen hat. „Wir wollen, dass die Menschen in ihre Häuser zurückkehren können. Es ist noch viel zu tun, damit das möglich wird“, erklärte Halemba. Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sind über 13 Millionen Menschen in Syrien auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Vielfach sind die Kirchen die einzigen Anlaufstellen, nicht nur für die Christen“, erläuterte Halemba. Die Ortskirchen können diesen Andrang von Notleidenden nicht allein bewältigen.

Eine Vielzahl der neu bewilligten Projekte von KIRCHE IN NOT widmen sich der Versorgung der notleidenden Bevölkerung: So werden in Homs Mietbeihilfen für 340 Familien finanziert, in Aleppo erhalten weitere 700 Familien eine regelmäßige ärztliche Versorgung, und in Latakia an der Mittelmeerküste ist im nächsten halben Jahr für über 1700 mittellose Familie ein monatlicher Zuschuss für die Beschaffung von Lebens- und Arzneimitteln gesichert.

„Das Leid in Syrien hört nicht auf. Ohne Hilfe aus dem Ausland verstärkt sich die Perspektivlosigkeit immer mehr“, sagte Halemba. „Die Zukunft dieser Menschen liegt in unseren Händen. Wir tragen Mitverantwortung!“

Die römisch-katholische Kirche „Unserer Lieben Frau von der Verkündigung” liegt in einem der am stärksten zerstörten Stadtgebiete Aleppos. Das Gotteshaus selbst wurde zerstört und mehrfach geplündert.

Etwa 180 Familien, die nicht aus dem Stadtteil wegziehen konnten, weil sie das Geld für die Miete woanders nicht aufbringen können, werden von der Pfarrei betreut.
Pater Alberto Rojas aus Aleppo/Syrien.
Pater Alberto Rojas mit dem neuen Fahrzeug, das durch KIRCHE IN NOT ermöglicht worden ist.

Es handelt sich vor allem um ältere, kranke und behinderte Menschen sowie um Familien, die ihre Einkommensquelle verloren haben, weil die Männer arbeitslos sind.

Pater Alberto Rojas besucht sie, betreut sie seelsorglich, organisiert Aktivitäten für die Kinder und versucht, sie mit den grundlegenden Hilfsgütern auszustatten, vor allem mit Medikamenten und sauberem Trinkwasser.

Er betreut aber nicht nur die Familien in diesem Stadtviertel, sondern er feiert die heilige Messe auch im Karmelitinnenkloster in der Stadt. Pater Alberto Rojas selbst wohnt in der Nähe der Kathedrale. Er muss daher für seinen Dienst die ganze Stadt durchqueren.

Dank der Hilfe unserer Wohltäter hat Pater Alberto sich nun ein Auto anschaffen können, um auch weitere Personen und Hilfsgüter transportieren zu können. 9.300 Euro haben unsere Wohltäter dafür gespendet. Allen, die geholfen haben, ein großes Dankeschön aus dem zerstörten Aleppo!

Helfen Sie den Menschen in Syrien

Um das Überleben und die pastorale Betreuung der christlichen Minderheit in Aleppo und anderen syrischen Städten weiterhin gewährleisten zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden

Ferienzeit, Sommerspaß, unbeschwert die Kindheit genießen: Für Kinder hierzulande ist das weitgehend selbstverständlich. Für Millionen ihrer Altersgenossen weltweit ist das jedoch ein unerreichbarer Wunschtraum. Sie leben in Krieg, Armut, Elend und Gefahr.

Die Mitarbeiter von KIRCHE IN NOT stoßen bei ihrer Projektarbeit in über 140 Ländern immer wieder auf beeindruckende Zeugnisse kindlichen Glaubens. Drei Berichte aus unterschiedlichen Weltregionen haben wir aufgezeichnet.
Kinder aus Aleppo mit Luftballons.
Straßenszene in Aleppo.

Aleppo, Syrien

Jad Abed ist zehn Jahre alt und lebt in Aleppo. Seine Heimatstadt wurde zum Inbegriff von Krieg und Terror. Seit eineinhalb Jahren schweigen dort die Waffen weitgehend, während andernorts noch Krieg tobt. Aleppo ist schwer gezeichnet.

Abeds Schule wurde von Bomben verwüstet. Er berichtet: „Ich bin in der fünften Klasse. Unsere Klassenzimmer befinden sich jetzt in einem Keller ohne Heizung und Strom.“ Jad ist begeisterter Basketballer und singt gerne.

Schule von Bomben verwüstet

KIRCHE IN NOT hat die Kirchengemeinden unterstützt, damit sie auch während des Krieges Sport- und Freizeitprogramme anbieten konnten. „Ich glaube, dass böse Menschen nicht singen“, sagt Jad, „deshalb war Musik während des Krieges sehr wichtig.“

Jad hat seinen besten Freund während der Kämpfe verloren. „Er starb durch einen Bombenangriff, als er auf den Schulbus wartete. Ich habe jetzt einen Fürsprecher im Himmel.“ Auch das Wohnhaus seiner Familie wurde von Raketen getroffen.

„Dabei stürzte ein Teil des Hauses ein“, berichtet Jad. „Mein Vater holte mich und meine Mutter heraus. Viele Bilder und Erinnerungsstücke sind verbrannt. Ich hoffe, dass nicht alle meine Spielzeuge kaputt sind.“

Heute lebt Jad mit seinen Eltern in einer Notunterkunft und wird durch die Kirchengemeinde versorgt. KIRCHE IN NOT hilft dabei in vielfältiger Weise.

„Mein Vater bekommt jeden Monat ein Lebensmittelpaket von der Kirche“, erzählt Jad. „Meine Eltern bekommen auch etwas Geld, damit sie die Schulgebühren für mich bezahlen können.“

Unterstützung bei Schulgebühren

Noch wichtiger aber als diese Hilfe ist Jad, dass er in der Kirche Antwort auf seine Fragen bekommt: „Ich habe angefangen, schwierige Fragen zu stellen. Ich fragte, ob Gott wirklich existiert, warum er uns ausgewählt hat, in diesen schwierigen Zeiten zu leben.

Die Kirche antwortet auf diese Frage in der Sonntagsschule und bei einigen Aktivitäten und Spielen. Sie zeigen uns, wie sehr Gott uns liebt.“

Jad Abed aus Aleppo.

Karatschi, Pakistan

Die 11-jährige Dolly Sarwar Bhatti kommt aus Karatschi, der größten Stadt Pakistans. Ihr Heimatland gehört zu den gefährlichsten Brennpunkten der Christenverfolgung weltweit. Ein rigides Blasphemiegesetz stellt jede kritische Äußerung gegen den Islam unter Todesstrafe.

„Christen in Pakistan leben nicht sicher”

Immer wieder kommt es zu Lynchjustiz an Christen; eine Situation, unter der auch Dolly und ihr Bruder leiden: „Christen in Pakistan leben nicht sicher. Deshalb dürfen wir niemals ohne unsere Eltern aus dem Haus. Wir spielen nicht auf der Straße.“

Auch vor der Kirche, die Dolly mit ihrer Familie regelmäßig besucht, stehen immer zwei Aufseher. KIRCHE IN NOT fördert aufgrund der Gefahrenlage in Pakistan ebenfalls Maßnahmen, die der Sicherheit von Gläubigen und kirchlichen Gebäuden dienen.

Außerdem unterstützt unser Hilfswerk den Neubau von Kirchen und religiösen Zentren, christliche Bildungsprogramme und den Unterhalt von Ordensgemeinschaften.

Sicherheitskontrolle vor einer Kirche in Pakistan.
Kinder in einer katholischen Schule in Pakistan.
Pakistanisches Mädchen liest in einer Kinderbibel auf Urdu.
Diskriminierung bereits in der Schule

Trotz ihres jungen Alters hat Dolly in der Schule bereits Diskriminierung erlebt: „Die muslimischen Kinder bezeichnen die christlichen Mädchen als „cheap“ (billig). Sie trinken nicht aus demselben Wasserhahn wie wir und setzen sich nie neben uns.“

Seit einem Jahr jedoch kann sie die Schule gar nicht mehr besuchen: „Mein Vater wurde schwer krank und verlor seine Arbeit. Wir konnten das Schulgeld nicht mehr bezahlen. Das war der traurigste Augenblick in meinem Leben.“ Denn trotz der Schikanen lernt Dolly gern und träumt von ihrem großen Berufswunsch: „Ich möchte gern Flugbegleiterin werden. Ich habe noch Hoffnung, dass mein Leben erfolgreich sein wird, weil ich eine gute Schülerin und Tochter Gottes bin.“

„Ich lese regelmäßig in der Bibel”

Der Glaube an Gott sei in aller Gefahr ihre große Kraft, erzählt das Mädchen: „Ich lese regelmäßig in der Bibel und gehe jeden Nachmittag mit meiner Mutter in die Kirche. Es sind Augenblicke der Freude und des Glücks, weil ich weiß, dass Gott Gutes für uns tut und uns hilft.“

Jeden Tag betet auch die Familie gemeinsam. „Ich spüre, dass Gott uns nie verlassen hat, obwohl wir schwierige Zeiten durchmachen.“ Denn ob sie im nächsten Schuljahr wieder zum Unterricht gehen kann, ist fraglich.

Dass die Politiker in Pakistan nichts unternehmen, um armen Kinder einen Schulbesuch zu ermöglichen, macht Dolly traurig. Auch vermisst sie die Solidarität der Christen in anderen Ländern der Welt. „Ich habe lange geglaubt, dass es im Westen nur Muslime gibt. Denn wenn es dort auch Christen gibt, warum kommen nicht mehr von ihnen, um unsere Not zu lindern?“

„Sobald es zu einer Schießerei kommt, laufen wir in das nächstgelegene Haus. Hier kennt jeder jeden, und so hat auch jeder Verständnis für die Angst, die man in solch einem Moment hat.“

Dolly aus Pakistan.

Rio de Janeiro, Brasilien

Tagtäglich von Gewalt umgeben

Wenn Laís Maria Pereira da Silva von der Gewalt erzählt, die sie tagtäglich umgibt, kann der Gegensatz zum übrigen Erscheinungsbild und Temperament der 12-Jährigen nicht größer sein. Laís ist ein aufgewecktes Mädchen, das es nach eigenen Angaben liebt, „zu laufen und zu tanzen“.

Doch die Gefahr läuft mit: „Immer, wenn wir auf der Straße sind, habe ich Angst, mich oder eine meiner Freundinnen könnte eine Kugel treffen.“

Laís lebt in einen Stadtteil von Río de Janeiro namens „Complexo da Maré“. Er umfasst 17 verschiedene Gemeinden mit insgesamt 130 000 Einwohnern. Eine eigene Stadt in der Metropole – und eines der gefährlichsten Pflaster Ríos. Die Elendsviertel werden von kriminellen Gruppen kontrolliert, die mit Drogenhandel ihr Geld verdienen.

Blick auf Rio de Janeiro mit Christusstatue und dem Zuckerhut im Hintergrund.
Laís Maria Pereira da Silva.
„Wir sind nirgendwo sicher”

Blutige Straßenkämpfe sind an der Tagesordnung – und wehe dem, der unbeteiligt zwischen die Fronten gerät. So wie Laís´ Cousin Ian: „Er spielte gerade im Innenhof unseres Hauses, als plötzlich ein Feuergefecht begann. Er wurde von einem Schuss am Kopf getroffen. Meine Tante lief die Treppen herunter und sah ihren Sohn, der blutüberströmt dalag.“

Der Junge war damals 12 Jahre alt. Mehrere Operationen konnten zwar sein Leben retten, aber seither ist Ian gehbehindert und kann nicht richtig sprechen. Die Erinnerung an jenen Schicksalstag hat der junge Mann verloren – in der Familie jedoch ist alles präsent, ebenso wie die Gewalt nach wie vor überall präsent ist.

„Die Bandenmitglieder eröffnen auf der Straße das Feuer“, erzählt Laís. Dann müssen wir uns auf den Boden werfen – auch wenn wir im Haus sind. Denn wir sind nirgendwo sicher.“

Häufig fällt die Schule aus

Die Gewalt macht für Laís nicht nur den Alltag zum Überlebenskampf, sondern verdüstert auch ihre Zukunft. Denn aus Sicherheitsgründen muss der Unterricht oft ausfallen. Dennoch träumt Laís davon, eines Tages Medizin zu studieren. „Ich will anderen Menschen helfen und dazu beitragen, dass meine Familie in ein besseres Viertel umziehen kann – mit Gottes Hilfe.“

Um den Beistand und die Barmherzigkeit Gottes erfahrbar zu machen, unterstützt KIRCHE IN NOT die Arbeit verschiedener Missionsgemeinschaften, die sich der Menschen in den Elendsvierteln annehmen. Eine davon ist die „Allianz der Barmherzigkeit“ mit über 2000 Freiwilligen und rund 350 Sozialarbeitern.

Eine solche „Lektion der Barmherzigkeit“ erteilt auch die 12-jährige Laís. Der Glaube gebe ihr und ihrer Familie Kraft und einen Blick für die Nöte der anderen Menschen, obwohl alles um sie herum „zum Verzweifeln“ sei. „Selbst mitten in einem Schusswechsel kann man einen ,kugelsicheren Glaubenʼ bewahren und für andere ein Zeichen der Hoffnung sein.“

Kleiner Junge aus Brasilien.
Der maronitisch-katholische Erzbischof Joseph Tobji aus Aleppo gehört mit seinen 47 Jahren zu den jüngsten geistlichen Würdenträgern des Nahen Ostens. Trotz seiner jugendlichen Freundlichkeit ist ihm die Last anzumerken, die auf ihm ruht: Tobji trat das Bischofsamt 2015 an, als der Kampf um die nordsyrische Stadt seinem Höhepunkt zustrebte. Seine Bischofskirche wurde durch Granaten schwer zerstört, viele Gemeindemitglieder wurden getötet, andere flohen. Mittlerweile ist in Aleppo eine Phase des Aufatmens angebrochen, doch der Krieg in Syrien hält unvermindert an. Im März geht er bereits in sein achtes Jahr.

Das weltweite päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT steht an der Seite der Christen, die in ihrer Heimat Syrien ausharren. Die Geschäftsführerin der deutschen Sektion des Hilfswerks, Karin Maria Fenbert, hat Erzbischof Tobji bei Reisen nach Aleppo im Januar und August 2017 getroffen. Anfang dieses Jahres war Tobji nun in Deutschland zu Gast – bei einem Begegnungstag von KIRCHE IN NOT in Köln. Im Interview gibt er Auskunft über die aktuelle Lage in Aleppo, das Machtspiel um sein Heimatland, christlichen Märtyrermut – und warum er nie an Flucht dachte. Das Interview führte Karin Maria Fenbert.
Ordensschwestern mit Schützlingen eines Kindergartens in Aleppo danken für die Hilfe von KIRCHE IN NOT.
Erzbischof Joseph Tobji in seiner zerstörten maronitischen Kathedrale in Aleppo.
Erzbischof Tobji, Ihre Erwählung zum maronitischen Erzbischof fiel mitten in eine der schwersten Phasen des Krieges. Was gibt Ihnen Kraft?

Als ich zum Bischof geweiht wurde, habe ich mit Tränen in den Augen gesagt: „Herr, was hast du mit mir vor?“ Es ist wirklich der Herr allein, der entscheidet. Ich selbst bin nur ein kleiner Teil von Gottes Plan.

Was steckt Ihrer Meinung nach hinter dem Drama in Syrien, das jetzt seit sieben Jahren andauert?

Syrien lässt sich mit einer Torte vergleichen. Jeder politische Machthaber in Ost und West hätte gern ein Stück davon. Denn Syrien hat eine wichtige strategische Position: Wichtige Erdöl- und Gasleitungen durchziehen unser Land, die vom arabischen Raum bis nach Europa reichen. Die Nationen, die diese Torte wollen, halten sich weitgehend zurück. Aber trotzdem ist es ihnen gelungen, in Syrien Einfluss zu nehmen. Zum Bespiel, indem die Religionen instrumentalisiert worden sind.

Ein Lichtblick im Syrienkrieg war die Waffenruhe, die im Dezember 2016 für Aleppo ausgerufen wurde. Davor teilte eine lebensgefährliche Ost- und West-Linie die Stadt. Hält die Waffenruhe auch gut 15 Monate später noch an?

Ja, seither ist es weitgehend ruhig geblieben in Aleppo. Es ist wie ein Aufatmen, nachdem wir über Jahre hinweg so viel Leid erlitten haben. Das heißt aber nicht, dass der Krieg vorbei ist: In der Region wurde und wird nach wie vor gekämpft, wie aktuell in Afrin, das nur etwa 20 Kilometer von Aleppo entfernt liegt.

Wie kann man sich die aktuelle Situation in Aleppo vorstellen?

Die Lage ist nach wie vor ernst, aber es gibt kleine Verbesserungen. Die wichtigste ist, dass es jetzt wieder für ein paar Stunden am Tag Strom gibt. Während der Kämpfe lebten wir im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln. Einige Bewohner haben auch schon damit begonnen, kleine Unternehmen aufzubauen. Es ist sehr mühselig, eine Arbeit zu finden. Denn auch die gesamte Infrastruktur ist zerstört. Unsere Wirtschaft ist in der Rezession. Die Inflation ist enorm. Es ist schwer, in die Zukunft zu planen.

Wie steht es um den Wiederaufbau der zerstörten Häuser?

Gut die Hälfte des Stadtgebiets liegt in Trümmern. Einige Bewohner fangen an, ihre Wohnhäuser wiederaufzubauen. Andere suchen nach Mietwohnungen. Aber das ist sehr schwer. Die Mieten steigen von Monat zu Monat. Auch der Wiederaufbau der Kirchen kommt in Gang. Zum Beispiel bei meiner Kathedrale. KIRCHE IN NOT hilft uns dabei.

„Der Krieg lehrt uns, dass andere Gesicht Gottes zu sehen“
Bleiben wir bei den Christen in Aleppo. Was haben die sechs Jahre der Kämpfe in Aleppo mit dem Glauben der Christen gemacht?

Nach den traumatischen Kriegserlebnissen stehen die Christen am Scheideweg. Einige haben ihren Glauben verloren. Sie sahen Gott als Wundertäter, der verhindern muss, dass eine Bombe auf ihr Wohnhaus stürzt. Diese Menschen sagen: „Ihr habt uns doch gelehrt, dass Gott gut, barmherzig und allmächtig ist. Wieso schweigt er jetzt?“

Was erwidern Sie?

Meine Antwort lautet: Der Krieg lehrt uns, das andere Gesicht Gottes zu sehen. Gott ist Mensch geworden, ein Gott der weint, der leidet, der am Kreuz hängt – und völlig unschuldig ist. Dieser Gott will unser Heil, unser Glück. Dieses Glück kann man nicht einfach durch Wunder herstellen. Nein, das Glück entsteht nur dann, wenn wir unseren Weg gemeinsam gehen, gemeinsam mit Christus unser Kreuz tragen und gemeinsam die Nächstenliebe praktizieren. Und ich bin sehr froh, dass die Mehrheit der Christen diesem Weg folgt.

Das heißt, die schreckliche Erfahrung des Krieges hat auch sehr viele Christen in ihrem Glauben gestärkt?

Ja, immer wieder treffe ich unglaublich beeindruckende Menschen, ganz einfache Leute. Die Terroristen des „Islamischen Staates“ haben ihnen das Messer an die Kehle gehalten, um sie zu zwingen, dem christlichen Glauben abzuschwören. Diese Menschen haben gesagt: „Nein, niemals! Ihr könnt meinen Leib vernichten, aber nicht meine Seele.“ Sie sind Gott treu geblieben.

Beeindruckende Glaubenserfahrungen – mitten im Krieg …

Ich sage ganz offen: Auch ich habe durch den Krieg eine Bekehrung erfahren! Es ist eine Bekehrung durch Tränen. Im Krieg muss man immer bereit sein für den Tod. Diese Bereitschaft geschieht durch Gebet, Beichte, Reue. Diese Bereitschaft war mein persönliches Bekehrungserlebnis.

Erzbischof Joseph Tobji von Aleppo.
Zerschossenes Kreuz in einem christlichen Viertel im Ostteil von Aleppo.
„Ich musste Gott gehorchen“
Sie sind erst 2015 zum Bischof geweiht worden. Vorher hätte durchaus noch die Möglichkeit bestanden, Syrien zu verlassen. Warum sind Sie geblieben?

Weil es mein Auftrag ist! Ich bin in Syrien geboren, um dort Gottes Volk zu dienen. Ich musste Gott gehorchen. Sonst hätte ich seine Herde ohne Hirten gelassen und damit große Schuld auf mich geladen.

Sie haben es eingangs angesprochen: Im syrischen Krieg spielt auch die Religion eine unheilvolle Rolle. Viele islamistische Gruppierungen setzen Gewalt ein, um ihre Ziele zu erreichen. Häufig rechtfertigen sie ihre Taten mit Verweis auf den Koran und ihre religiöse Tradition. Was ist Ihr Eindruck?

Der Koran ist ein wenig mit einem Supermarkt zu vergleichen, in dem es Schmackhaftes gibt und weniger Schmackhaftes. Da gibt es Passagen, die Frieden predigen. Aber da gibt es eben auch Passagen wie diese: „Tötet sie, die Ungläubigen, wo immer ihr sie findet.“ Das wirkt wie eine Art Gehirnwäsche. Wir müssen versuchen, uns gegen diese Gehirnwäsche zu wenden und Aufklärung und Dialog zu betreiben.

Um den Frieden zu erlangen, rufen die katholische und die orthodoxe Kirche Maria als Fürsprecherin an. 2017 war das 100. Jubiläum der Marienerscheinungen von Fatima. Am 13. Mai haben die Christen Aleppos eine Statue Unserer Lieben Frau von Fatima durch die zerstörten Straßen ihrer Stadt getragen. Welche Hoffnung haben Sie damit verbunden?

Wir haben unsere Stadt der Gottesmutter geweiht, wie wir es drei Jahre vorher auch schon gemacht hatten. Unsere Hoffnung dahinter war, dass wir uns alle unter den Schutzmantel der Muttergottes stellen wollen. Wir haben unser ganzes Sein, unser Leben, das Schicksal unserer Stadt und des Landes in ihre Hand gelegt.

Unterstützen Sie die notleidenden Christen in Syrien

Seit dem Kriegsausbruch in Syrien im März 2011 hat KIRCHE IN NOT über 21 Millionen Euro für die christliche Bevölkerung des Landes zur Verfügung gestellt. Neben Lebensmittelhilfen, Kleidungs- und Medikamentenspenden finanziert das Hilfswerk auch Mietbeihilfen, Stipendien und Ausbildungsprogramme sowie Projekte zur Stromversorgung. Auch dem Wiederaufbau zerstörter Kirchengebäude und die Unterstützung der Seelsorge für die traumatisierte Bevölkerung gilt ein besonderes Augenmerk. Helfen Sie Syriens Christen, zu überleben! Spenden Sie an KIRCHE IN NOT.

„Wir bitten sofort um internationale Unterstützung für die Gläubigen unserer Stadt“, heißt es in dem Appell einer evangelikalen Gemeinde der „Kirche zum Guten Hirten“, der nach eigenen Angaben rund 250 Familien angehören. „Wir flehen darum, dass die Bombardierungen von türkischen Truppen sofort gestoppt werden.“
Ihre Hilfe kommt an. Kinder aus Syrien sagen Danke.
Straßenszene in Aleppo.

Um die Stadt und die Region im Nordwesten Syriens, die mehrheitlich von Kurden besiedelt wird, toben seit Mitte Januar schwere Kämpfe. Im Rahmen der „Operation Olivenzweig“ geht das türkische Militär gegen kurdische Einheiten vor.

Gleichzeitig rücken auch islamistische Truppen in die Region vor, berichten die Christen Afrins. Die Stadt gehört zum Gouvernement Aleppo. Lokalen Kirchenvertretern zufolge leben dort insgesamt 30.000 Christen.

Auch in der syrischen Hauptstadt Damaskus sei es Anfang vergangener Woche wieder zu Angriffen auf das christliche Viertel gekommen. Dies berichten lokale Projektpartner von KIRCHE IN NOT, darunter das maronitische Erzbistum von Damaskus. Einen Verantwortlichen für diese Angriffe nennen die Quellen nicht.

Zerschossenes Kreuz in Aleppo.
Rückschlag für den Friedensprozess

Mehrere Personen – dem Erzbistum zufolge 24 – seien dabei verletzt und mindestens eine getötet worden. Darunter hätten sich auch Kinder befunden, die beim Betreten ihrer Schule von herabstürzenden Gebäudeteilen verletzt wurden.

Dies ist ein schwerer Rückschlag, denn seit vergangenem Herbst hatte sich die Sicherheitslage im Süden Syriens wieder normalisiert und die Wiederaufnahme des Schulbetriebs möglich gemacht.

Helfen Sie den Christen in Syrien

Seit Kriegsausbruch in Syrien hat KIRCHE IN NOT über 16 Millionen Euro für die christliche Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Neben Lebensmittelhilfen, Kleidungs- und Medikamentenspenden finanziert das Hilfswerk auch Mietbeihilfen, Stipendien und Ausbildungsprogramme sowie Projekte zur Stromversorgung.

Auch dem Wiederaufbau zerstörter Kirchengebäude und die Unterstützung der Seelsorge für die traumatisierte Bevölkerung gilt ein besonderes Augenmerk.

Um das Überleben der christlichen Minderheit in Syrien weiterhin gewährleisten zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Das Stadtviertel Shabat Al-Jadida im Ostteil Aleppos wurde im Laufe des Syrienkriegs zu einem Ort des Todes. Es gehört zu den stark betroffenen Gebieten. Straßenkämpfe, Raketen- und Bombenbeschuss forderten unzählige Menschenleben. Jetzt, ein gutes Jahr nach Ende der unmittelbaren Kampfhandlungen in der Stadt, kehrt das alltägliche Leben langsam zurück. Der Straßenverkehr ist tagsüber sehr lebhaft, auf den Gehwegen drängen sich auffallend viele junge Leute. In dem Viertel befindet sich die Universität von Aleppo.

„Ich wollte nicht hierher. Aber ich bekam nur in Aleppo einen Studienplatz“, erzählt Angel Samoun, Studentin der Luftfahrttechnik. „Drei Monate weigerte sich mein Vater, mich gehen zu lassen. Aber ich gab nicht nach.“ Angel ist Christin und stammt aus Kamischli an der Grenze zur Türkei.
Studenten mit Pater David Fernandez.
Wohnheim für christliche Studenten in Aleppo.
Angel und Lara studieren in Aleppo.
Weeam Panous will Ingenieur werden.
Student in Aleppo.
Studenten in der Kapelle des Wohnheims.
Blick auf den Universitätscampus von Aleppo.

Auch für Lara Lias aus dem Süden Syriens war Aleppo nicht die erste Wahl. „Ich hatte große Angst – ich kannte ja die furchtbaren Nachrichten aus Aleppo. Als ich ging, verabschiedete sich meine Familie von mir, als würde ich sterben.“

Doch trotz dieser schwierigen Situation sind die beiden Frauen nicht allein. Direkt gegenüber der Universität leben sie in einem Studentenwohnheim, das zum katholischen Vikariat von Aleppo gehört und von argentinischen Ordensfrauen geleitet wird.

„Gottvertrauen ist beeindruckend”

„Der Eifer, mit dem die jungen Leute hier trotz des Krieges und der Angst studieren, ist nicht zu übersehen“, sagt Schwester Laudis Gloriae, die Leiterin der kleinen Gemeinschaft. „Das Gottvertrauen der Bewohner von Aleppo ist beeindruckend und ihr Beispiel inspiriert mich jeden Tag, im Vertrauen zu wachsen“, fügt die Ordensfrau hinzu.

Eine der schlimmsten Kriegserinnerungen stammt aus dem Jahr 2013. Damals traf eine Rakete ein Gebäude zwischen Universität und Wohnheim. 400 Personen kamen ums Leben, darunter auch eine der Schwestern. „Selbst bei Bombenalarm ging ich zu den Vorlesungen“, erzählt Angel. „Aber am schlimmsten war die Trennung von der Familie und die Ungewissheit, wenn sie mich mehrere Tage lang nicht erreichen konnten.“ Das Zusammenleben im Wohnheim gab ihr Halt.

Trotz Bombenalarms zur Vorlesung

Die Studentinnen leben mit den Schwestern zusammen, essen gemeinsam, beten und feiern Gottesdienst, obwohl sie unterschiedlichen Konfessionen angehören: syrisch-orthodox, griechisch-katholisch, armenisch-katholisch, römisch-katholisch – die ganze Vielfalt der orientalischen Kirchen ist vertreten.

Ähnlich ist die Situation im Wohnheim für junge Männer, das in der Nachbarschaft des katholischen Pfarramts liegt. „Zurzeit leben wir hier zusammen mit 30 Studenten aus verschiedenen christlichen Konfessionen“, erzählt Pater David Fernandez. Er stammt ebenfalls aus Argentinien und kümmert sich zusammen mit einem Mitbruder um das Wohnheim, die Seelsorge an der katholischen Kathedrale und eine weitere Pfarrei in einem benachbarten Stadtviertel.

Studenten verschiedener Konfessionen

Dazu gehört auch die Koordination von Lebensmittel-, Kleidungs- und Medikamentenspenden an über 600 Familien. KIRCHE IN NOT sichert die Finanzierung.

Auch hier ist die Erinnerung an die schlimmsten Kriegstage allgegenwärtig: „Genau auf diesen Dächern gegenüber“, erzählt Pater Fernandez und zeigt aus dem Fenster, „kamen mehrere Menschen bei einem Bombenangriff ums Leben. Ich musste die Leichen bergen.“

In einem der Studentenzimmer treffen wir Albert. Seinen richtigen Namen möchte er nicht preisgeben – die Gründe erzählt er später. Albert stammt ebenfalls aus dem syrisch-türkischen Grenzgebiet und steht kurz vor dem Abschluss seines Ingenieursstudiums. Die ganze Kriegszeit hat er hier ausgeharrt. „Einige meiner Freunde haben es nicht mehr ausgehalten und sind weggegangen“, erzählt Albert. „Ich aber entschied mich, mein Leben aufs Spiel zu setzen und mein Studium zur Ende zu bringen.“

„Freunde sind wegen des Krieges weggegangen”

Momentan steht für Albert jedoch genau das auf der Kippe: Er hat seinen Einberufungsbescheid zum Militär erhalten. Studenten sind davon eine gewisse Zeit befreit. Aber jetzt ist die Frist abgelaufen, und die Regierung gewährt keine Ausnahme.

Albert traut sich jetzt kaum noch auf die Straße aus Angst, von der Militärpolizei aufgegriffen und direkt an die Front geschickt zu werden. Pater Fernandez tut, was ihm möglich ist: „Wir versuchen, direkt mit den Behörden zu verhandeln und einen Aufschub zu erwirken.“

Wohnheim und Studenten auf Unterstützung angewiesen

Von überall her, wo es nur geht, versucht der Ordensmann Unterstützung für „seine jungen Männer“ zu bekommen, wie er sagt. Wichtige Anlaufstelle ist KIRCHE IN NOT. „Dank dieser Hilfe konnten wir zum Beispiel Computer für die Studenten anschaffen und die Studiengebühren bezahlen.“

Die Studenten leisten auch selber einen kleinen Beitrag, umgerechnet etwa vier Euro im Monat. „Das ist aber eher symbolisch, um die jungen Leute nicht zu reinen Almosenempfängern zu erniedrigen.“ Die wirtschaftliche Situation bleibe weiterhin sehr angespannt. Ohne Hilfe aus dem Ausland müsste das Wohnheim seine Pforten schließen, erklärt Fernandez. „Der argentinische Pater ist für uns wirklich wie ein Vater“, sagt Antarik Kaspar, der Wirtschaftswissenschaften studiert.

„Wir schätzen diese Menschen sehr, die ihr Heimatland verlassen haben und hier in das Kriegsgebiet gekommen sind, um mit uns zu leben und uns zu helfen. Und dank der finanziellen Hilfe können wir unser Studium abschließen und für den Frieden in Syrien arbeiten.“ Wann auch immer dieser Friede kommen wird.

Unterstützen Sie die jungen Christen in Syrien

Um den Studenten Aleppos weiterhin helfen und der christlichen Minderheit materiell wie pastoral beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden