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Ukraine: „Die Armen mit den Augen Gottes sehen“

Ukraine: „Die Armen mit den Augen Gottes sehen“

Die Albertinerbrüder von Saporischschja lindern große Not

09.02.2022 aktuelles
Viktor hackt den Fußboden seiner Unterkunft auf. Die Bretter wird er mit seinen minderjährigen Söhnen Wasylij und Kola zu kleinen Scheiten sägen. Es ist die einzige Möglichkeit, um noch an Brennholz zu kommen – die Familie hat aktuell kein Einkommen. Ab Frühjahr soll das anders werden, hoffen die beiden Jungen: Der Vater wird dann wieder als Helfer in der Landwirtschaft arbeiten. Aber wer weiß, wie es bis zum Frühjahr um die Ukraine steht …

 

Wie bei so vielen Familien in der Ukraine geht es vor allem in den Wintermonaten bei Viktors Familie ums nackte Überleben. Sie sind Flüchtlinge aus der Ostukraine. Ein neues Zuhause gefunden haben sie in der Nähe von Saporischschja, einer Großstadt etwas weiter im Süden.

Viktor, ein Flüchtling aus der Ostukraine, zersägt Bodenbretter seiner Unterkunft zu Brennholz.
Hunderttausende Menschen sind vor dem Konflikt geflohen, der schon seit acht Jahren im Grenzgebiet zu Russland schwelt. Und täglich werden es mehr. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit Jahresbeginn bereits 730 000 Menschen aus dem Osten der Ukraine geflohen. Sie müssen im Schnitt mit umgerechnet weniger als 70 Euro im Monat auskommen, berichten lokale Quellen. Staatliche Hilfen gibt es so gut wie keine.

 

„Nur die Kirche hilft uns“, erzählt Viktor den Mitarbeitern von KIRCHE IN NOT. Viktor ist dankbar für Suppe, Tee und Brot, die er jeden Morgen von der katholischen Ordensgemeinschaft der Albertinerbrüder erhält.

Lebensmittelausgabe der Albertiner.
Das Brot, das Viktors Familie das Überleben sichert, hat Micha gebacken – ein junger Mann, den die Ordensbrüder buchstäblich von der Straße aufgelesen haben. Bis vor ein paar Jahren hauste Micha in den Heizungsschächten unter der Stadt. Seine fünf Gefährten aus dieser Zeit sitzen heute im Gefängnis oder sind drogenabhängig.

 

„Die Albertiner haben mir einen anderen Weg gezeigt”

„Bei mir ist das anders, weil ich die Albertiner kennengelernt habe. Sie haben mir einen anderen Weg gezeigt. Jetzt helfe ich ihnen und backe Brot für die Armen und Obdachlosen, wie ich selbst einer war.“

Die Ordensmänner bieten in ihrem Kloster Platz für bis zu 26 Leute von der Straße – in den kalten Wintermonaten suchen aber oft bis zu 40 Männer dort Unterschlupf. Gleichzeitig betreiben die Albertiner eine Suppenküche neben der katholischen Kathedrale der Stadt, dem zweiten geistlichen Zentrum des Bistums Charkiw-Saporischschja. Viele, die dort für eine warme Mahlzeit anstehen, sind Rentner. Sie können sich aufgrund der steigenden Preise und der extrem niedrigen Renten in der Ukraine oft kaum Lebensmittel leisten.

Zwei Albertinerbrüder bei der Vorbereitung der Lebensmittelpakete für bedürftige Menschen.
Draußen vor der Suppenküche haben die Ordensmänner eine Marienkapelle errichtet, die stark frequentiert ist. Ihre kleine Klosterkirche liegt weit außerhalb und ist das einzige Gotteshaus im Viertel. Viele Passanten, egal welcher Konfession, bleiben für ein kurzes Stoßgebet stehen, manche knien sich sogar auf den Asphalt.

 

KIRCHE IN NOT unterstützt die wichtige Arbeit der Albertiner von Saporischschja. Die Wohltäter unseres Hilfswerks haben es ermöglicht, dass die Ordensbrüder vor einiger Zeit die Zentralheizung in ihrem Kloster erneuern, die Wände trockenlegen und eine Dämmung anbringen sowie weitere dringend notwendige Reparaturen durchführen konnten. Viele der Bewohner in der Obdachlosenunterkunft haben dabei mitgeholfen.

Warteschlange vor der Lebensmittelausgabe der Albertiner.
Im vergangenen Jahr konnten die Brüder mit Spenden von KIRCHE IN NOT endlich ihr 16 Jahre altes Auto durch ein neues ersetzen. Mit dem Wagen machen sie Hausbesuche bei hilfsbedürftigen Familien und liefern Lebensmittelpakete aus.

 

Bruder Wieslaw, der Obere der Albertinergemeinschaft, gibt zu, dass die Arbeit oft hart und schwierig ist. Gleichwohl ist er überzeugt: „Es gab hier lange Zeit keinen Ort der Liebe und des Teilens. Also muss Gott uns hierhergebracht haben. Durch unser Gebet, durch unsere Präsenz, durch unsere Armenhilfe und durch unsere Kapelle versuchen wir, die Welt ein wenig zu verändern und die Armen mit den Augen Gottes zu sehen.“

Für Viktor, seine Familie und die Obdachlosen von Saporischschja kommt diese Hilfe genau zur richtigen Zeit.

Ihre Spende für die Ukraine

Unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in der Ukraine und helfen Sie den notleidenden Menschen! Spenden Sie entweder online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Ukraine

Beten Sie für die Menschen in der Ukraine

Bitte schließen Sie die Menschen in der Ukraine in Ihr Gebet ein und beten Sie für eine friedliche und diplomatische Lösung der aktuellen Spannungen. Stellen Sie in unserer virtuellen Kapelle eine Kerze auf.

 

Auch Papst Franziskus beobachtet die Entwicklungen an der Ostgrenze der Ukraine und rief zum Gebet auf: „Ich appelliere eindringlich an alle Menschen guten Willens, ihr Gebet zum Allmächtigen Gott zu erheben, damit jede politische Aktion und Initiative im Dienst der menschlichen Geschwisterlichkeit stehe, mehr als der Einzelinteressen. Wer seine eigenen Ziele zum Schaden anderer verfolgt, verachtet seine eigene Berufung als Mensch, denn wir wurden alle als Geschwister geschaffen.“

Besonders werden wir in unseren Mittagsgebeten der Menschen in der Ukraine in den Gebeten gedenken. Schließen Sie sich bitte an, damit der Glaube lebt und unser Gebet stärker sein möge als Waffen.

Seelsorge unter Lebensgefahr

Der Priester Alexander Kotsyur berichtet gegenüber Vertretern von KIRCHE IN NOT, wie die Kirche unter Lebensgefahr für die Menschen im Kriegsgebiet in der Ostukraine sorgt.

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