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Ukraine: „Die Bedeutung der Familie verteidigen“

Ukraine: „Die Bedeutung der Familie verteidigen“

Osteuropa-Expertin von KIRCHE IN NOT über die soziale Lage im Land

04.12.2019 aktuelles
Die Ukraine ist nicht nur politisch in einer angespannten Situation. Auch die Gesellschaft droht „auszubluten“, denn viele Menschen wandern aus. Die Geburtenrate sinkt dramatisch; die Zahl der Abtreibungen bleibt hoch.

 

Die Kirche in der Ukraine setzt sich für den Lebensschutz ein und versucht, jungen Menschen Mut zu machen für ein verantwortungsvolles Familienleben.

Magda Kaczmarek von KIRCHE IN NOT (rechts) im Gespräch mit zwei ukrainischen Priestern.
Ende Oktober 2019 hat die römisch-katholische Kirche der Ukraine einen Familienkongress veranstaltet. Die Osteuropa-Referentin von KIRCHE IN NOT, Magda Kaczmarek, war dabei. Im Interview mit Thomas Oswald erzählt sie über ihre Erfahrungen.

 

„Perspektivlosigkeit führt zur Entzweiung der Familien”

THOMAS OSWALD: Frau Kaczmarek, was ist Ihr Gesamteindruck Ihrer jüngsten Ukraine-Reise?
MAGDA KACZMAREK: Die Ukraine ist ein schönes und gastfreundliches Land. Es ist aber auch von 70 Jahren Kommunismus gekennzeichnet. Das spiegelt sich in den Schwierigkeiten wider, denen junge Menschen begegnen, die sich eine berufliche Zukunft aufbauen oder eine Familie gründen wollen.

Viele Ukrainer denken, dass ihr Land keine Zukunft hat. Die gut ausgebildeten jungen Leute wandern aus, andere verzweifeln. Die Perspektivlosigkeit führt zu Alkoholismus und zur Entzweiung der Familien.

Fast zwei Drittel der Kinder in Ukraine wachsen ohne Vater auf.
Woran lässt sich das festmachen?
65 Prozent der Kinder wachsen ohne Vater auf. Jeden Tag werden in der Ukraine 300 Abtreibungen durchgeführt. Dabei ist die Ukraine ein Land, das über zu wenig Kinder verfügt, um den Generationenwechsel sicherzustellen.

 

Der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Claudio Gugerotti, hat das Problem zusammengefasst: Es fehlt an Hoffnung in der Gesellschaft und an Liebe in den Familien.

Während des Kongresses nahmen rund 10 000 Menschen an einem „Marsch für das Leben“ teil. An der Spitze der Demonstration heißt es auf einem Plakat: Eine Familie ist stark mit Gott.
Was tut die Kirche in dieser Situation?
Die Kirche in der Ukraine ist sich bewusst, dass über die politischen Schwierigkeiten hinaus die Verteidigung der Familie das oberste Anliegen sein muss. Die römisch-katholische Kirche hat den Familienkongress in Winnyzja, einer Stadt auf halber Strecke zwischen Kiew und Lemberg, organisiert.

- Erzbischof Claudio Gugerotti, Apostolische Nuntius in der Ukraine
Dort haben Eltern gesprochen, die sich im Gemeindeleben organisieren. Sie haben viele Kinder. Das ist in der Ukraine außergewöhnlich.

 

Ich glaube, dass das Engagement dieser Menschen zeigt: Die Zukunft der Kirche liegt in der mit Gott vereinten Familie, in der Gebete, Katechese, die Liturgie, Feste, gemeinsame Mahlzeiten in den Familien und so weiter eine Rolle spielen.

Ukrainische Jugendliche auf dem Weltjugendtag in Krakau.
Dennoch: Die Zahl dieser Familien ist gering. Wie könnte ihr Beispiel für eine geistliche Wiedergeburt in der Ukraine sorgen?
Ein Schlüssel sind meiner Meinung nach die geistlichen Bewegungen. Viele Familien gehören Gemeinschaften wie dem Neokatechumenalen Weg, den „Familien von Nazareth“ oder der Bewegung „Hauskirche“ an, um nur einige zu nennen. Diese Gemeinschaften sind dynamische Orte, die auch auf die Umwelt ausstrahlen.

 

„Missionarische Impulse in geistlichen Bewegungen”

Papst Franziskus hat das einmal so formuliert: Wir leben in Zeiten, in denen Christen ihren missionarischen Impuls innerhalb dieser Bewegungen wiedererlangen können, wie in den frühen Tagen des Christentums.

Klerus von morgen: Studenten am Priesterseminar in der ukrainischen Hauptstadt Kiew.
Wie stellt sich die Situation in der katholischen Kirche in der Ukraine dar?
Die katholische Kirche in der Ukraine besteht aus der griechisch-katholischen und der römisch-katholischen Kirche. Die katholische Kirche ist nach der kommunistischen Verfolgung wieder zu neuem Leben erwacht. Es ist überraschend zu sehen, wie jung ihr Klerus ist.

 

Kirche in der Ukraine braucht unsere Unterstützung

Die römisch-katholische Kirche kümmert sich auch stark um die Menschen in den Kriegsgebieten in der Ostukraine. Es gibt zum Beispiel ein christliches Zentrum, in dem geflüchtete Menschen materielle und geistliche Hilfe erhalten.

Für ihre Arbeit und den Wiederaufbau braucht die katholische Kirche in der Ukraine unsere ganze Unterstützung. Deshalb gehört die Ukraine auch zu den Ländern, die KIRCHE IN NOT besonders fördert.

Helfen Sie der Kirche in der Ukraine

Um die Arbeit der katholischen Minderheit in der Ukraine weiterhin fördern zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Ukraine

Erzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine, hat einst von KIRCHE IN NOT ein „Geschenk des Glaubens“ erhalten, wodurch er Priester werden konnte. Heute benötigen viele angehende Priester wie er Unterstützung für ihre Ausbildung. Wer macht den zukünftigen Hirten ein Geschenk? www.spendenhut.de

 

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