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Ukraine

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Anfang Juli hatte Papst Franziskus die Metropoliten und hochrangige Geistliche der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche zu einem Treffen in den Vatikan eingeladen. Ziel sollte es sein, „über die komplexe und heikle Situation im Land“ nachzudenken.

 

Diese Begegnung war in dieser Form bislang einmalig und unterstreicht die Sorge des Papstes um das osteuropäische Land. Rund 4,5 Millionen Ukrainer gehören der griechisch-katholischen Kirche an, viele von ihnen leben im Ausland.

Tobias Lehner von KIRCHE IN NOT Deutschland hat mit Weihbischof Bohdan Dsjurach aus Kiew über das Treffen in Rom gesprochen. Dsjurach leitet die Kurie der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine.

Weihbischof Bohdan Dsjurach aus Kiew feierte 2015 auf dem Kongress von KIRCHE IN NOT Deutschland einen Gottesdienst.
KIRCHE IN NOT: Kam die Einladung zum Treffen überraschend und was bedeutet es für Sie, dass der Papst der Ukraine nun sozusagen „oberste Priorität“ einräumt?
WEIHBISCHOF BOHDAN DSJURACH:
 Die Einladung von Papst Franziskus entspricht seiner Haltung, den notleidenden Menschen den Vorrang zu geben.

 

In seiner Ansprache zu Beginn des Treffens rief uns der Heilige Vater auf, ein offenes Herz zu haben und allen Menschen nahezubleiben, die unterdrückt sind und „die Nacht der Traurigkeit“ durchleben. Was er lehrt, lebt der Papst auch. Seit Jahren erfahren wir in der Ukraine die Nähe und Unterstützung des Papstes.

Dennoch war diese Form der Begegnung etwas ganz Neues in den Beziehungen der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche zum Heiligen Stuhl. Insofern: Ja, es war eine Überraschung.

- Weihbischof Bohdan Dsjurach aus Kiew
Worüber wurde bei dem Treffen gesprochen? Gibt es konkrete Ergebnisse?
Zunächst haben wir die politische und wirtschaftliche Lage in der Ukraine dargestellt, besonders vor dem Hintergrund des anhaltenden Krieges im Osten des Landes und der damit verbundenen humanitären Katastrophe.

 

Wir haben uns bedankt für die Initiative „Der Papst für die Ukraine“ [eine Sonderkollekte in allen Kirchen Europas, zu der Papst Franziskus im April 2016 aufgerufen hatte und bei der fast 16 Millionen Euro zusammengekommen sind; Anm. d. Red.]. Wir haben auch über neue Initiativen für notleidende Menschen gesprochen.

Seelsorge und Evangelisation als Themenschwerpunkte

Viel Zeit und Aufmerksamkeit haben wir seelsorglichen Themen gewidmet. Neben Evangelisation und Katechese ging es auch um die Seelsorge für ukrainische Auswanderer in verschiedenen Ländern. Auch die Rolle der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche im ökumenischen Dialog haben wir erörtert.

Äußerst wichtig und wertvoll war es, dass wir direkt mit dem Papst und seinen engsten Mitarbeitern unsere Meinungen austauschen, unsere Freuden, Hoffnungen und Sorgen teilen konnten.

Logo der Ukraine-Konferenz im Vatikan.
Im Osten der Ukraine tobt seit fünf Jahren Krieg, die Krim wurde von Russland annektiert, die Errichtung einer eigenständigen orthodoxen Kirche in der Ukraine hat zu gravierenden Konflikten mit der russisch-orthodoxen Kirche geführt: Was kann die griechisch-katholische Kirche dazu beitragen, das zerrissene Land zu einen?
Bei allen Schwierigkeiten, die unser Volk und die Kirchen in der Ukraine derzeit durchleben, wollen wir weiterhin Botschafter der Hoffnung, der Wahrheit und der Liebe bleiben. Dazu hat uns auch der Papst aufgerufen. Viele Spannungen gehen auf den Krieg zurück, der nicht nur mit militärischen Mitteln geführt wird.

 

Kirche als Botschafter Hoffnung

Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, braucht unsere Land Konsolidierung, innere Kraft und geistliches Unterscheidungsvermögen. Das wollen wir stärken. Unser Gebet und unsere Wachsamkeit sind die wesentlichen Elemente unseres Dienstes für das ukrainische Volk.

Brennende Häuser in der Ostukraine nach Raketenbeschuss.
Innenpolitisch ist in der Ukraine alles offen. Der neue Präsident Wolodymyr Selenskyi hat kürzlich für Aufsehen gesorgt, als er in der Ostukraine Truppen abgezogen hat. Wie nimmt die ukrainische Bevölkerung diesen Schritt auf? Steigt die Hoffnung auf Frieden?
Alle Beobachter, sowohl in der Ukraine als auch im Ausland, können klar erkennen: Der Schlüssel zum Frieden in der Ukraine liegt nicht in Kiew, sondern in Moskau.

 

Einzelne Schritte können kurzfristig Entlastung bringen. Davon jedoch eine Lösung des Konflikts oder dauerhaften Frieden zu erwarten, wäre jedoch naiv. Dazu braucht es viel mehr Solidarität und Einigkeit der internationalen Gemeinschaft.

Josyf Kardinal Slipyj, früheres Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, und Pater Werenfried van Straaten, Gründer von KIRCHE IN NOT.
Vor 30 Jahren öffnete sich der Eiserne Vorhang und in der Folge endete auch die kommunistische Diktatur in der Ukraine. Die griechisch-katholische Kirche war in dieser Zeit blutig verfolgt. Seit der politischen Wende ist an vielen Orten das kirchliche Leben aufgeblüht.


Wenn Sie auf die nächsten 30 Jahre blicken: Was sind die größten Herausforderungen für die griechisch-katholische Kirche – und wie kann KIRCHE IN NOT dabei helfen?
Die Sorge um die Vertiefung des Glaubens, die Verkündigung unter den Menschen, die Christus bisher nicht begegnet sind, die Jugend- und Berufungspastoral werden unsere größten Aufgaben sein. Hinzu kommt die Bewältigung der tragischen Folgen von Krieg und Aggression, die hoffentlich mit der Hilfe Gottes eines Tages ein Ende haben werden.

- Weihbischof Bohdan Dsjurach aus Kiew
In den zurückliegenden Prüfungen haben wir uns nie verlassen gefühlt. KIRCHE IN NOT bleibt einer unserer wichtigsten Partner, die uns mit Gebet und finanzieller Hilfe immer wieder liebevoll begleiten.

 

Wir sind uns sicher, dass sich KIRCHE IN NOT als päpstliches Hilfswerk auch in Zukunft von den Worten des Papstes inspirieren lässt, der uns bei der Begegnung am 5. Juli gesagt hat: „Der leidende Bruder“ darf nicht vergessen werden.

„Weihnachten ist das Fest des Heimwehs nach unserem besseren Ich, nach dem Himmel, den wir vergeblich hier auf Erden suchen, und nach der Sorglosigkeit, die es nur im Himmel gibt.“

Das schrieb einmal Pater Werenfried van Straaten, der Gründer von KIRCHE IN NOT. Dieses „Heimweh“ wird besonders sichtbar in den Ländern, in denen Christen in Not und Bedrängnis leben. KIRCHE IN NOT begegnet bei der Projektarbeit in 149 Ländern der Welt Zeugnissen des Leids, aber auch großer Zuversicht, die aus der Kraft des Glaubens kommt. Wie sie auch unter widrigen Umständen Weihnachten feiern und welche Hoffnungen die Botschaft von der Geburt Christi in ihnen weckt, davon geben drei Personen aus Projektländern von KIRCHE IN NOT Auskunft.

Ukraine

Den Krieg für kurze Zeit vergessen

Weihnachten im Krieg, mitten in Europa: Die Kämpfe im Osten der Ukraine dauern schon fünf Jahre an. Neue Eskalationen, wie das aktuelle Ringen zwischen der Ukraine und Russland um die Oberhoheit im Asowschen Meer, erregen öffentliches Interesse. Die quälenden Monate des Krieges dazwischen tun es nicht.

„Dabei sterben hier jeden Tag Menschen. Ich habe so viele Menschen sterben sehen“, erzählt Volodymyr Zavadsky gegenüber KIRCHE IN NOT. Der 42-Jährige ist seit 2016 als ehrenamtlicher Helfer des „Christlichen Rettungsdienstes“ in der Hafenstadt Mariupol tätig. Ein Jahr lang lebte er als ziviler Helfer mit den Soldaten direkt an der Front. Den Rosenkranz trägt er seither offen an der militärischen Schutzkleidung: „Das Gebet ist mein Halt.“ Jetzt organisiert er zusammen mit einem Team von Priestern und Ehrenamtlichen Hilfslieferungen in die Kampfzonen. Er veranstaltet Kinderfreizeiten, Katechesen, Andachten, besucht alte und kranke Menschen und wirkt als Seelsorger für Soldaten und Zivilbevölkerung.


„Ihre Kindheit geht im Lärm der Granaten unter”

Sein ganzer Stolz ist ein Zentrum für 65 Kinder, das seine Organisation als Ersatz für die geschlossenen Schulen aufgebaut hat. „Ihre Kindheit geht im Lärm der Granaten unter. Sie müssen sich oft in Kellern verstecken. Viele haben verlernt zu weinen, aber ihre Seele tut es.“ So ist Weihnachten in der Ostukraine auch in diesem Jahr ein Fest ohne Festtagsfreude. „Die Menschen wissen gar nicht mehr, was Feiertage sind. Die Angst ist allgegenwärtig.“[ /P]

Der Angst zum Trotz organisieren Volodymyr und seine Mitstreiter eine Weihnachtsfeier für Kinder und alleinstehende Menschen nahe der Stadt Donezk. „Wir beginnen mit einer heiligen Messe, dann gibt es ein Krippenspiel für die Kinder – und natürlich darf auch ein gemeinsames Essen nicht fehlen“, erzählt Volodymyr. Dann sei der Krieg für ein paar kurze Augenblicke vergessen. „Die Menschen setzen ihre Hoffnung allein auf Gott.“ Eine Hoffnung, die auch dem jungen Helfer Kraft gibt für seine Mission im Kriegsgebiet: „Ich hoffe, dass unser Einsatz eines Tages Früchte der Liebe und des Friedens bringt.“

Darsteller eines Krippenspiels in der Ukraine.

Nigeria

Extraportion Reis als Weihnachtsfreude

„Weihnachten ist eine Zeit der Freude“, fasst Suzanna John (50) zusammen, was angesichts ihres Schicksals unglaublich klingt. Im Norden Nigerias sind die Kämpfer der islamistischen Terror-Einheit Boko Haram zwar weitgehend zurückgedrängt, aber die Folgen sind noch überall sichtbar – vor allem in den Schicksalen der Überlebenden.

So auch bei Suzanna John: 2015 überrannte Boko Haram ihr Heimatdorf. Ihr Mann wurde vor ihren Augen getötet, später auch zwei ihrer Söhne, als sie zu fliehen versuchten. Seit 2009 verloren über 20 000 Menschen durch den Terror ihr Leben, und über 1,8 Millionen wurden heimatlos. Auch Suzanna und ihre drei überlebenden Kinder gehören dazu.
„Zwei Wochen sind wir umhergeirrt, bis wir Maiduguri erreichten“, erzählt sie. An der dortigen Kathedrale St. Patrick fanden sie Aufnahme und werden seither durch das Bistum versorgt. Das Geld dafür stammt von KIRCHE IN NOT.

Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Holzkohle

„Von der Kirche haben wir eine Unterkunft bekommen und ein wenig Startkapital, damit ich an der Straße Holzkohle verkaufen kann. So kann ich wenigstens ein bisschen Geld für den Lebensunterhalt meiner Familie verdienen.“ Da das zum Überleben nicht reicht, bekommen sie und ihre Kinder Lebensmittelpakete.

Auf ein bescheidenes Weihnachtsessen richten sich auch Suzannas Pläne in diesen Tagen: „Wenn ich ein bisschen Geld übrig habe, werde ich eine Extraportion Reis kaufen. Das wird unser Festmahl sein.“ Falls nicht, sei das aber auch nicht schlimm: „Wir kommen immer mit dem aus, was wir haben. An Weihnachten ist der geistliche Inhalt wichtiger.“ Deshalb gehen Suzanna und ihre Familie in die Weihnachtsgottesdienste, „so wie wir es jeden Sonntag tun“. Ihre Gebete bei der heiligen Messe richten sich auf das Überleben ihrer Familie, denn die Unsicherheit im Land hält an.

„An Weihnachten ist der geistliche Inhalt wichtiger“

„Meine größte Hoffnung ist, dass wir eines Tages in unser Dorf zurückkehren können“, erzählt Suzanna. „Weihnachten ist das Fest des Friedens, und diesen Frieden brauchen die Menschen im Nordosten von Nigeria mehr denn je.“

Kind vor einer Krippe in Nigeria.
Diese Kirche in Nigeria wurde an Weihnachten 2012 von Boko Haram zerstört.

Syrien

An Weihnachten ein Hauch von Normalität
Jorlette Jose Krer (12) aus Aleppo vor dem Weihnachtsbaum.

Jorlette Jose Krer ist erst zwölf Jahre alt – hat aber bereits mehr hinter sich als mancher Erwachsener: den Tod des Vaters, eine Auswanderung und über sechs Jahre Kriegserlebnisse. Geboren wurde Jorlette in Venezuela. Doch als ihr Vater mit nur 49 Jahren starb, stand ihre Mutter, eine Syrerin, mittellos und ohne Unterstützung da.

Sie entschied sich 2012 notgedrungen zur Rückkehr in die Heimat, nach Aleppo. Doch dort tobte bereits der Krieg. „Ich konnte nie ohne Begleitung nach draußen oder Freunde treffen. Immer wieder gab es Schüsse und Granatenangriffe“, erzählt Jorlette. Ende 2016 endeten die erbitterten Kämpfe um Aleppo. Umso mehr genießt Jorlette jetzt jeden Hauch von Normalität, besonders an Weihnachten. „Ich gehe mit meiner Mutter und meiner älteren Schwester früh am Morgen in die heilige Messe. Am Nachmittag werde ich mich mit meinen Freundinnen in einem Café in der Innenstadt treffen und eine heiße Schokolade trinken. Ich habe sogar schon Geld dafür gespart“, erzählt sie.

Auf eine Tasse heißen Kakao gespart

Der Gabentisch unter dem Christbaum wird auch in diesem Jahr nur spärlich gedeckt sein. Doch das ist Jorlette nicht so wichtig: „Wir bekommen Hilfe von der Kirche. Dafür bin ich sehr dankbar.“ „Die Kirche” – das sind in Jorlettes Fall Schwester Annie Demerjian und ihre freiwilligen Helfer. KIRCHE IN NOT arbeitet seit vielen Jahren eng mit der Ordensfrau zusammen. Sie versorgt hunderte Familien in Aleppo. Das umfasst Mietbeihilfen, Lebensmittel, Medikamente und Unterstützung für die Stromversorgung.

Nach wie vor sitzen zahlreiche Familien in Aleppo im Dunkeln, denn die Infrastruktur ist weitgehend zerstört, und Stromgeneratoren sind teuer. Licht ins Dunkel gebracht haben die Kinder von Aleppo und anderen Städten Syriens zu Beginn des Advents: Über 50 000 Kinder entzündeten Kerzen, beteten für den Frieden und brachten ihre Zukunftsträume zum Ausdruck. Sogar Papst Franziskus schloss sich der Aktion an, die KIRCHE IN NOT ins Leben gerufen hat.

Beten für den Frieden in Syrien

Auch Jorlette hat mit ihrer Schule daran teilgenommen. Sie hat auch schon eine klare Vorstellung von ihrer Zukunft: „Ich möchte Wissenschaftlerin werden und in einem Labor arbeiten. Ich will die Welt entdecken,“ – eine Welt, in der hoffentlich Frieden herrschen wird.

Kinder zünden in der griechisch-orthodoxen Kathedrale in Homs Kerzen für den Frieden in Syrien an.
Das Bekenntnis zu Christus erfordert Mut. Das gilt in einem zunehmend säkularen Europa, aber noch mehr weltweit. In vielen Ländern werden Christen verfolgt und leiden unter Krieg und Terror. Es fehlen die Mittel für die pastorale Arbeit. KIRCHE IN NOT hilft in über 140 Ländern verfolgten und notleidenden Christen. Durch unsere Arbeit laden wir dazu ein, über den Tellerrand zu schauen.

Was wir sehen, lässt uns staunen und gibt neuen Mut: vitale Kirchen, engagierte Gläubige, eifriges Bekenntnis, tätige Nächstenliebe und viele Berufungen. Die gelebte Liebe und das furchtlose Zeugnis dieser „Helden des Glaubens” gibt der Botschaft des Evangeliums immer neue Kraft. In einer Broschüre stellen wir solche Helden des Glaubens vor und bitten um Unterstützung für sie.
Der Priester Alexander Kotsyur hilft im umkämpften Gebiet in der Ostukraine.
Brennende Häuser in der Ostukraine. Die Donbass-Region rund um die Stadt Donezk ist immer noch umkämpft.
Kinder aus der Ukraine.
Jeder Tag ist für sie ein Kreuzweg

Einer dieser Helden des Glaubens ist der Priester Alexander Kotsyur aus der Ukraine. Er wurde erst vor wenigen Jahren zum Priester geweiht – aber jeder Tag seines priesterlichen Lebens ist ein Kreuzweg.

Kotsyur gehört zu einer Gruppe von Priestern, die die kleine katholische Minderheit in der Donbass-Region in der Ostukraine betreuen. Dort tobt seit Jahren ein brutaler Krieg zwischen der Ukraine und prorussischen Kräften.

Große Not im Osten der Ukraine

„Auch wenn die westlichen Medien kaum darüber berichten: Jeden Tag kommen dort Menschen ums Leben. Ich habe schon so viele Menschen sterben sehen“, berichtet der Priester. Die Bewohner sind abgeschnitten von jedem Kontakt nach außen. Viele Häuser sind zerstört. Die Not ist groß. Es fehlt an fast allem.

Allein die Priester haben die Möglichkeit, die Kriegszone zu verlassen. Sie bringen Hilfskonvois auf den Weg. Häufig werden diese jedoch beschossen. Die Menschen sind für jede Gabe dankbar: eine warme Mahlzeit, ein Lebensmittelpaket oder auch ein kleines Weihnachtsgeschenk.

In Privathäusern und ausgebrannten Kapellen feiern die Priester mit den Gläubigen die heilige Messe. „Am schlimmsten ist es, wenn junge Menschen sterben. Sie gehen nur kurz raus zum Angeln oder um Freunde zu treffen und kommen nie wieder“, erzählt Kotsyur.

Doch gerade für Kinder und Jugendliche versucht er, sich immer wieder zusammenzureißen und Zuversicht zu verbreiten. In den Dörfern organisiert er zusammen mit freiwilligen Helfern Freizeitprogramme für Kinder. „Nur ein paar Stunden Abwechslung“, so der Priester.

Große psychische Belastung für Seelsorger

Es ist eine Abwechslung, die ihm selbst nicht gegönnt ist. „Die psychische Belastung ist enorm. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte. Ich bin jeden Tag bereit, mein Leben zu verlieren.“

Diese und weitere Beispiele finden Sie in unserer neuen Broschüre „Helden des Glaubens“. Weisen Sie auch Freunde und Bekannte darauf hin! Die Geschichten der Helden des Glaubens sind das beste Argument gegen Kirchenkritiker.

Bitte helfen Sie den Helden des Glaubens mit Ihrer Spende. Ihre Hingabe ist eine Anfrage an unsere Nächstenliebe. Seien Sie durch Ihre Großherzigkeit die Antwort darauf!

Die Ukraine ist ein Land im Fadenkreuz: Die Auseinandersetzung mit Russland hat im Osten des Landes zu einem Krieg geführt, in dem bis heute Menschen sterben. Wie schon oft in seiner Geschichte ist die Ukraine ein Spielball der Mächtigen, zerrissen von politischen und wirtschaftlichen Interessen.

Zerrissenheit prägt auch die Kirche des Landes. Nicht nur verschiedene christliche Konfessionen stehen sich gegenüber, auch die Jahre der kommunistischen Verfolgung wirken noch nach.

KIRCHE IN NOT engagiert sich seit über fünf Jahrzehnten für die Christen in der Ukraine. Über alte Wunden und neue Herausforderungen hat sich Tobias Lehner, Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei KIRCHE IN NOT Deutschland, bei einer Reise informiert. Mit Berthold Pelster, Experte für Fragen in Angelegenheiten zur Religionsfreiheit, sprach er über seine Erfahrungen.
Marsch für das Leben in Kiew.
Brennende Häuser in der Ostukraine nach Raketenbeschuss.
Junge Erwachsene aus der Ukraine beim Beten.
Studenten am Priesterseminar in Lemberg (L’viv).
BERTHOLD PELSTER: Vor gut vier Jahren blickte die Weltöffentlichkeit auf die Ukraine: Blutige Proteste in der Hauptstadt Kiew, Annexion der Halbinsel Krim durch Russland und Krieg in der Ostukraine. Heute ist es ruhig um das Land geworden. Trügt die Stille?

TOBIAS LEHNER: Absolut. Die Ukraine ist ein Land im Krieg. Er ist allgegenwärtig in den Erzählungen der Menschen – auch wenn diese in vergleichbarer Sicherheit und Frieden leben. Trotz zweier Waffenstillstandsabkommen wird Tag für Tag in der Donbass-Region im Osten des Landes geschossen. Die Zahl der Opfer ist auf über 10 000 gestiegen.

Ich bin einem Priester begegnet, der immer wieder in die Kriegsregion reist und den Menschen beisteht. Er erzählte mir, dass genau an dem Tag, als wir miteinander sprachen, der Hilfskonvoi eines Mitbruders beschossen wurde und komplett ausbrannte – Gott sei Dank waren der Priester und die freiwilligen Helfer kurz zuvor ausgestiegen und in Sicherheit.

„Begegnungen, die unter die Haut gehen”

In Charkiw nahe der russischen Grenze habe ich eine Frau getroffen. Sie war mit ihrem Mann und zwei kleinen Kinder erst eine Woche zuvor Hals über Kopf aus dem Kriegsgebiet geflüchtet. Sie hatten nur das bei sich, was sie am Leib trugen. Jetzt wird sie in einem Zentrum des Bistums versorgt. Solche Begegnungen gehen schon unter die Haut.

Ein weiterer Konfliktherd ist nach wie vor die Halbinsel Krim. Sie wurde im März 2014 von Russland annektiert. International wurde dies als völkerrechtswidrig eingestuft. Was konnten Sie über die Lage dort erfahren?

Der Weihbischof der Diözese Odessa-Simferopol, Jacek Pyl, der für die katholische Minderheit auf der Krim zuständig ist, berichtete von einer zwiespältigen Situation.

Zum einen leben die Menschen dort in Frieden, auch wenn er brüchig ist. Auch die Kirche kann ihrer Arbeit weitgehend nachgehen.

Zum anderen ist die humanitäre Lage für viele Menschen auf der Krim äußerst angespannt. Die Lebensmittelpreise sind stark gestiegen. Gerade Familien mit Kindern oder alte Menschen können sich das Lebensnotwendigste nicht mehr leisten. Das Bistum hilft mit Lebensmittelpaketen und wird dabei von KIRCHE IN NOT unterstützt.

Mein Eindruck war: Die Wunde Krim schmerzt stark. Aber die Kirche nimmt die Situation an, wie sie ist und versucht jenseits der Politik für die Menschen da zu sein.

Politisch stark involviert war die Kirche bei den Protesten im Winter 2013/2014 auf dem Maidan-Platz in Kiew. Diese richteten sich gegen die Politik des damaligen Präsidenten Wiktor Janukowitsch. Die Proteste wurden blutig niedergeschlagen. Ein Ziel wurde aber erreicht: vorgezogene Neuwahlen, bei denen Petro Poroschenko die Macht errang. Steht der Maidan in der Wahrnehmung der Menschen für Scheitern oder Sieg?

Die Ereignisse des Maidan sind überall im Land präsent. In Kiew haben alle Gesprächspartner erzählt, wie sie in den Kirchen und Klöstern Demonstranten aus dem ganzen Land aufgenommen und Verwundete versorgt haben.

Seit dem Maidan ist für die Mehrheit der Ukrainer unumstößlich klar: Der Weg geht nach Europa. Das war vorher nicht so selbstverständlich.

Die „Revolution der Würde“, wie die Maidan-Proteste auch genannt werden, hat vielen Ukrainern, auch der Kirche, neues Selbstbewusstsein gegeben. Die verschiedenen christlichen Konfessionen in der Ukraine standen zusammen. Die Menschen haben die Kirche als Anwältin des Volkes erlebt. Das bleibt – auch wenn viele Menschen mit Enttäuschung auf den Maidan zurückblicken.

Inwiefern?

Korruption und Oligarchie liegen nach wie vor wie Mehltau über dem Land. Der Krieg in der Ostukraine findet kein Ende. Die Machtbegierden Russlands sind eine ernsthafte Bedrohung. Der Eindruck vieler meiner Gesprächspartner war, dass die Regierung Poroschenko dem zu wenig entgegensetzt.

Insofern liegen große Erwartungen auf den anstehenden Präsidentschaftswahlen, die für 2019 geplant sind. Sie bergen aber auch die Gefahr neuer Unruhen …

Sie haben das komplexe Verhältnis der christlichen Konfessionen angesprochen. Wie steht es um die Ökumene?

Die Lage ist für einen Westeuropäer wirklich unübersichtlich: Es existieren im Wesentlichen drei orthodoxe Kirchen in der Ukraine, und auch die katholische Kirche tritt in zwei unterschiedlichen Erscheinungsformen auf: in der römisch-katholischen Form, wie wir sie kennen, und in der griechisch-katholischen.

Diese Kirche pflegt die ostkirchliche Liturgie und Kirchenbräuche, steht aber in voller Einheit mit dem Papst. Bedingt durch historische und politische Einflüsse ist das Verhältnis der Kirchen nach wie vor nicht spannungsfrei. Es gibt aber Signale der Annäherung.

Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew im April 2014.
Pater-Werenfried-Plakette im Priesterseminar von Lemberg.
Lebensmittelhilfe für eine Familie auf der Halbinsel Krim.
Gedenkstätte für Opfer der Maidan-Proteste in Kiew.
Drei orthodoxe und zwei katholische Kirchen

So fand zum Beispiel Anfang Juni in Kiew ein großer „Marsch für das Leben“ statt, den der römisch-katholische Bischof von Kiew organisiert hatte.

Christen aller Konfessionen und auch Vertreter der Muslime gingen gegen die Gender-Ideologie, für das Recht auf Leben und den Schutz der Familie auf die Straße. Das waren rund 10 000 Menschen! Solche Signale braucht die ganze ukrainische Gesellschaft dringend.

Was meinen Sie damit?

Nicht nur Korruption und Krieg, auch Armut und Drogen drohen die Ukraine zu zerreißen. Die Kirche geht mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen an.

Zwei Beispiele: In einem Kloster der Kapuziner erzählte man mir, dass für einen Neubau in der Regel enorme Bestechungsgelder fällig werden. Die Ordensmänner folgen der strikten Devise: Mit Korruption machen wir uns nicht gemein; wir zahlen nicht. Die Folge sind nicht nur Verzögerungen beim Bau, sondern auch manche Anfeindungen.

Großes Vertrauen in die Kirche

Beispiel zwei: Ich habe ein Mutter-Kind-Haus bei Charkiw besucht, das von Ordensfrauen geleitet wird. Schwangere Frauen, viele von ihnen aus schwierigen Verhältnissen und oft drogenabhängig, finden dort Unterkunft. Eine erst 18-Jährige, bereits zweifache Mutter, gestand: „Ohne die Schwestern hätte ich abgetrieben.“

In der Ukraine konnte ich erfahren, was im besten Wortsinne katholische, also „allumfassende“ Hilfe bedeutet: Hilfe ohne Ansehen der Person und Religion.

Das ist der große Unterschied zu den Sekten, die in der Ukraine immer mehr an Zulauf gewinnen. Der Bischof von Kiew, Witalij Krywyzkyj, sagte mir: „Die Kirche ist die einzige Institution, der die Menschen noch vertrauen.“

Das überrascht ja erst einmal, wenn man sich vor Augen führt, dass die Ukraine fast ein Dreivierteljahrhundert kommunistisch beherrscht war. Teilweise war die Kirche blutig verfolgt. Wie steht es um das kirchliche Leben?

Ich war beeindruckt, eine so lebendige katholische Kirche in der Ukraine zu erleben – obgleich sie eine Minderheit von etwa fünf Millionen Menschen ausmacht; die Mehrheit der Ukrainer ist russisch-orthodox.

Die Gottesdienste sind gut besucht, viele junge Leute und Kinder kommen. Die neuen geistlichen Gemeinschaften spielen eine große Rolle in der Ukraine und haben regen Zulauf.

Wichtig für die Glaubensverbreitung ist auch die kirchliche Medienarbeit, die KIRCHE IN NOT ebenfalls unterstützt. Wenn man die Kirche in der Ukraine sieht, versteht man, was Papst Johannes Paul II. mit Neuevangelisierung gemeint hat!

Es gibt auch viele Berufungen. In Lemberg (L’viv) zum Beispiel befindet sich eines der größten Priesterseminare der Welt, das zur griechisch-katholischen Erzeparchie gehört: 202 Seminaristen und 40 Kandidaten im ersten Studienjahr!

Eines der größten Priesterseminare der Welt

Es ist eine Freude zu sehen, wie enteignete Kirchen wiederaufgebaut, geschlossene Klöster zum Leben erweckt wurden. Gleichzeitig sind die Wunden der Verfolgung noch überall sichtbar: die Erinnerung an die Märtyrer während der kommunistischen Herrschaft, kirchliche Häuser, die noch immer nicht zurückgegeben werden, die prekäre Situation vieler Geistlicher und der Gläubigen.

Also nach wie vor ein weites Feld für die Hilfe …

Vor 55 Jahren hat der Gründer von KIRCHE IN NOT, Pater Werenfried van Straaten, mit der Ukraine-Hilfe begonnen. Im Priesterseminar von Lemberg hat man ihm sogar ein Denkmal errichtet. Auch an anderen Orten, wo wir waren, sagte man uns: „Ohne die Hilfe von KIRCHE IN NOT hätten wir nicht überleben können.“ Und das gilt nach wie vor.

„Das Land droht auszubluten”

Die Kirche in der Ukraine ist heute zwar nicht mehr verfolgt, aber sie leidet. Das gilt im Hinblick auf die materielle wie geistliche Not der Menschen, die in einfachsten Umständen leben und von denen immer mehr keine Zukunft mehr in der Heimat sehen. Das Land droht auszubluten.

Die Kirche leidet aber auch in den großen Mühen ihrer Seelsorger. Ein Pfarrer in Odessa sagte mir: „Ich spare lieber das Geld für meine Krebsbehandlung, damit ich für meine Dorfgemeinde eine Kapelle bauen kann.“ Solche zupackende Hingabe habe ich überall in der Ukraine vorgefunden. Und die guten Früchte dieser Hilfe sind überall zu sehen.

Tobias Lehner, Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei KIRCHE IN NOT Deutschland.
Jacek Pyl, Weihbischof in der Diözese Odessa-Simferopol/Ukraine.
Bereits seit 1999 besteht die römisch-katholische Pfarrei St. Pater Pio in Saporischschja, sie hatte bislang aber keine eigene Kirche.

Die heilige Messe wurde zunächst in den Privatwohnungen einiger Mitglieder der Pfarrei und schließlich, als die Missionssalesianer die Seelsorge übernahmen, in der Hauskapelle der Patres gefeiert.
Weihbischof Jan Sobilo bei der Feier eines Gottesdienstes in der Kapelle in Saporischschja.
Die Kapelle der Pfarrei St. Pater Pio in Saporischschja wurde zuvor als Bäckerei genutzt.
Die Kapelle der Pfarrei St. Pater Pio in Saporischschja.

Nun bestand das Problem aber darin, dass die Patres in einem normalen Wohnblock wohnen und somit die Messbesucher durch das Treppenhaus laufen mussten. Dies erregte natürlich Aufsehen und Misstrauen, und auf die Nachbarn machte es den Eindruck, als versammelte sich eine Sekte.

Zudem war die Kapelle schwer zu finden, da kein Hinweisschild angebracht werden konnte. Personen, die sich der Gemeinde neu anschließen wollten, wurde dadurch der Zugang erschwert.

Der Platz für die rund 60 regelmäßigen Messbesucher reichte nicht aus, und auch weitere pastorale Aktivitäten wie Kinder- und Erwachsenenkatechese, Treffen von Jugendgruppen und vieles andere, was zum Leben einer Pfarrei dazugehört, war nahezu unmöglich.

Kein Platz für pastorale Aktivitäten

Die Folge: Manche Pfarreimitglieder kamen im Laufe der Zeit nicht mehr, weil sie die Gegebenheiten nicht akzeptabel fanden. Doch dann ergab sich die Gelegenheit, in einem großen und recht zentral gelegenen Wohnviertel mit Wohnblöcken ein Gebäude zu erwerben, das in der Vergangenheit als Bäckerei diente, um es zu einer Kapelle umzubauen.

Der Vorteil bestand darin, dass es hier bereits Strom, Wasser und Kanalisation gab und lediglich einige Umbaumaßnahmen notwendig waren, um das Gebäude in ein Gotteshaus und Gemeindezentrum mit Wohnräumen für die Priester sowie Räumlichkeiten für die Katechese und verschiedenen Treffen umzuwandeln.

Grundlegende Arbeiten schon ausgeführt

Mit insgesamt 50.000 Euro haben unsere Wohltäter hier geholfen. Ein Großteil der Arbeiten konnte bereits durchgeführt werden. Auch wenn noch nicht alles fertiggestellt ist, kann sich die Gemeinde nun schon hier versammeln.

Pfarrer Jerzy Cyrul schreibt uns: „Im Namen der Pfarrei des heiligen Pater Pio möchte ich Ihnen von Herzen danken. Dank Ihrer Hilfe konnten die grundlegenden Arbeiten bereits ausgeführt werden. Ich versichere Ihnen, dass wir regelmäßig in den Anliegen aller unserer Wohltäter beten.“

Helfen Sie mit Ihrer Spende

Um vor allem verfolgten Christen weiterhin beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden