Spenden
Zentralafrikanische Republik: Kirche setzt sich für Bildung und misshandelte Frauen ein

Zentralafrikanische Republik: Kirche setzt sich für Bildung und misshandelte Frauen ein

30.11.2023 aktuelles
Zehn Jahre nach Ausbrauch des Bürgerkriegs in der Zentralafrikanischen Republik hätten viele Kinder und Jugendliche keine reguläre Schule mehr besucht; die katholische Kirche versuche, dem schlechten Bildungsniveau entgegenzuwirken. Das berichtete der Erzbischof der Hauptstadt Bangui, Dieudonné Kardinal Nzapalainga bei einem Besuch von KIRCHE IN NOT. „Wir helfen, wo wir können. Bildung ist ausschlaggebend für die Präsenz von Führungskräften in unserem Land.“

 

Viele junge Frauen haben schreckliche Erfahrungen gemacht

Ein besonderes Augenmerk richte die katholische Gemeinschaft auf die Ausbildung von jungen Frauen und Mädchen. Viele von ihnen hätten während der Bürgerkriegsjahre schreckliche Erfahrungen gemacht, berichtete der Kardinal: „Ich habe elfjährige Mädchen gesehen, die von bewaffneten jungen Männern vergewaltigt und geschwängert worden waren. In meinen Predigten habe ich auf diese Katastrophe hingewiesen und gefragt, ob es Menschen gäbe, die mir helfen könnten, die Mädchen aus dieser Situation herauszuholen. Und ich wurde erhört.“

Mittlerweile sei es gelungen, junge Frauen ins Nachbarland Kamerun zu bringen und dort ausbilden zu lassen. Einige von ihnen studierten nun Medizin oder Ingenieurwesen.

Dieudonné Kardinal Nzapalainga (links) besucht ein Dorf in der Zentralafrikanischen Republik.
Es gebe auch Priester in seiner Diözese, die sich als Lehrer betätigen. Staatliche Lehrer müssten jeden Monat weite Reisen auf sich nehmen, um ihr geringes Gehalt ausbezahlt zu bekommen. In der Zwischenzeit falle der Unterricht aus. Andernorts würden Eltern die Lehrerrolle übernehmen. Da sie dabei von den anderen Eltern bezahlt würden, gebe es oft Fälle von Ungleichbehandlung, da Kinder von vermögenderen Eltern bevorzugt würden.

 

Vetternwirtschaft und Bevorzugung entgegenwirken

Die katholischen Schulen arbeiteten „ohne Vetternwirtschaft und Bevorzugung“, so Nzapalainga. Im ganzen Land fehle es auch an Gebäuden für den Unterricht: „Viele Schulen wurden niedergebrannt, und so findet der Unterricht oft unter einem Mangobaum statt. Bei Wind oder Regen muss er ausfallen.“

Schüler einer Landwirtschaftsschule im Erzbistum Bangui (Zentralafrikanische Republik).
Insgesamt habe sich die Lage in der Zentralafrikanischen Republik auf niedrigem Niveau stabilisiert. Trotzdem seien vielerorts noch bewaffnete Banden unterwegs, die Straßen dadurch oft unpassierbar und ganze Dörfer entvölkert.

 

Immer noch bewaffnete Banden unterwegs

„Unsere Gesellschaft ist schwer verwundet und muss wieder aufgebaut werden. Die Menschen haben das Gefühl, dass sich niemand um sie kümmert“, betonte der Kardinal. Er selbst sei bei seinen Besuchen an verschiedenen Orten von Rebellen schikaniert worden, habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass sich auch muslimische Geistliche für seine Reise- und Redefreiheit einsetzten.

Für ihn sei wichtig, die Menschen daran zu erinnern, „dass sie Kinder Gottes sind“, erklärte Nzapalainga. „Deshalb reise ich durch das Land und sage ihnen: ,Auch wenn die Menschen euch vergessen haben, Gott hat euch nicht vergessen.’

Prozession in der Zentralafrikanischen Republik (Foto: Aurelio Gazzera).
Die Zentralafrikanische Republik wird seit 2013 durch Bürgerkrieg und politische Unruhen erschüttert. Damals eroberten aus dem Norden kommende mehrheitlich muslimische Séléka-Milizen die Hauptstadt Bangui. Regierungstruppen und überwiegend christliche Milizen, die sogenannte Anti-Balaka, eroberten die Macht zurück.

 

Schwere Menschenrechtsverletzungen

Immer wieder kommt es auf Seiten aller Beteiligten zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen. Seit 2020 geraten vor allem muslimische Zivilisten ins Visier der Behörden und der mit ihnen verbündeten russischen Söldnertruppen, wie zum Beispiel der Gruppe Wagner.

Die Zentralafrikanische Republik gilt als eines der ärmsten Länder der Erde. Rund drei Viertel der fünf Millionen Einwohner sind Christen, 13 Prozent Muslime. KIRCHE IN NOT hat in den vergangenen Jahren 175 Projekte der zentralafrikanischen Kirche unterstützt, vor allem in den Bereichen Bildung und Wiederaufbau.

Unterstützen Sie die leidgeprüfte Bevölkerung und den Einsatz der Kirche in der Zentralafrikanischen Republik! Spenden Sie online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Zentralafrikanische Republik

Zentralafrikanische Republik: Hoffen wider alle Hoffnung angesichts islamistischen Terrors

Weitere Informationen