Länderbericht Peru

Indigene Frau aus Peru.

Indigene Frau aus Peru.

Einwohner: 29,5 Millionen

Fläche: 1 285 216 qkm (3,5-mal größer als Deutschland)

Religion:
Christen: 96,5 Prozent (Katholikenanteil: ca. 25 Millionen)
Sonstige: 3,5 Prozent

Gesetzesänderungen

In Peru gewährleistet die Verfassung die Religionsfreiheit und erkennt die Katholische Kirche als ein wichtiges Element in der historischen, kulturellen und moralischen Entwicklung Perus an (Artikel 50). Darüber hinaus wurden in einer Vereinbarung zwischen der Republik Peru und dem Heiligen Stuhl (1980) der katholische Religionsunterricht als reguläres Fach in den staatlichen Schulen, die Beibehaltung von Seelsorgern zur geistlichen Betreuung in Krankenhäusern, Gefängnissen und Polizei- und Militärkasernen sowie Steuerbefreiungen und persönliche Zuwendungen durch den Staat gebilligt.

Derzeit gibt es 2,6 Millionen Menschen in Peru, die sich selbst als Protestanten oder Evangelikale bezeichnen. Dies entspricht einem Prozentsatz von 12,5 % der Bevölkerung ab 12 Jahren.

Im Kongress der Republik Peru findet derzeit eine Debatte über das „Gesetz zur religiösen Freiheit und Gleichheit“ statt, dessen Ursprung zwei Gesetzentwürfe sind. Diese sehen vor, das Recht auf Religionsfreiheit laut Artikel 2, Paragraf 3 der Verfassung zu erweitern und Artikel 50 bezüglich der Formen der Zusammenarbeit des Staats mit religiösen Gemeinschaften, die verschieden sind von der Katholischen Kirche, zu ändern.

In Bezug auf diesen Text wurde vom Präsidenten der Bischofskonferenz, Erzbischof Héctor Miguel Cabrejos Vidarte, OFM, eine interessante Beobachtung gemacht: „Angesichts des Anspruchs, in religiösen Angelegenheiten den Begriff ‚Gleichheit’ zu verwenden, muss eine Tatsache betont werden, die jeglicher gesetzlichen Bestimmung vorausgeht: Die Religionen sind nicht gleich. Das Christentum, das Judentum und der Islam sind nicht gleich. Das bedeutet nicht, einer der Religionen einen geringeren Wert beizumessen, sondern objektiv das Wesen jeder Religion herauszustellen.

Wichtig ist die Fähigkeit eines Glaubensbekenntnisses zur Verwurzelung in der Gesellschaft. Die Katholische Kirche ist über 2000 Jahre alt, und in Peru steht ihre Beteiligung an der historischen, kulturellen und moralischen Entwicklung der aktuellen Gesellschaft außer Frage. Dies unterscheidet sie zwangsläufig in ihrer Beziehung zum Staat, verglichen mit den Beziehungen, die der Staat mit anderen Konfessionen aufbauen kann. Außerdem muss bei der Regelung der Beziehungen des Staates mit anderen religiösen Konfessionen deren jeweilige juristische Stabilität und deren große Vielfalt berücksichtig werden.“

Der Gesetzentwurf sieht vor, allen Schulkindern, die einer anderen Religion angehören, die Möglichkeit zu geben, vom katholischen Religionsunterricht, der zurzeit noch Pflicht ist, befreit zu werden. Zudem sollen alle Menschen von Vertretern ihres eigenen Glaubens einen geistlichen Beistand in Gesundheitseinrichtungen, Polizei- und Militärkasernen sowie Strafanstalten erhalten können. Auch die Steuerbefreiungen sollen auf alle religiösen Gemeinschaften ausgedehnt werden.

Im Dezember 2009 wurde die Initiative von der für die Verfassung und Regulierung zuständigen Kommission einstimmig angenommen, die damit den Vorgang an die Abgeordnetenkammer des Kongresses weiterleitete. Im Februar 2010 wurden Themen wie das Recht auf Arbeitsverweigerung aus Gewissensgründen und der Anwendungsbereich des Gesetzes auf die Tagesordnung des Ständigen Ausschusses gesetzt. Das bedeutet, dass sie zum ersten Mal in diesem Gremium diskutiert wurden. Daraufhin machte ein Parlamentarier einen alternativen Textvorschlag. Die Debatte wird nun im parlamentarischen Ausschuss stattfinden.

Die Katholische Kirche und ihre Beziehungen zum Staat

Neben der Debatte über das Religionsgesetz hat eine Novelle zur Entkriminalisierung von Abtreibungen Kontroversen hervorgerufen. Der Revisionsausschuss für das Strafgesetzbuch entschied im Oktober, die Artikel, die Abtreibung unter Strafe stellen, zu ändern und den bereits rechtskräftigen Artikel 119 über therapeutische Abtreibung mit Artikel 120 über Abtreibung aus eugenischen Motiven und infolge von Vergewaltigung zu vereinigen.

Nichtsdestotrotz ist die therapeutische Abtreibung nicht anwendbar, da es weder Bestimmungen noch ein medizinisches Protokoll gibt, das ihre Anwendung erlaubt. Eine der Maßnahmen, die zurzeit verhandelt werden, ist eben die Verabschiedung genau dieser gesetzlichen Regelung. Die Katholische Kirche hat sich offen gegen die Entkriminalisierung von Abtreibung unter allen Umständen ausgesprochen und ihre Meinung dazu in Pressekonferenzen kund getan, wobei sie an Politiker und die Menschen allgemein appellierte, gegen die Änderung des Strafgesetzes zu protestieren und das Leben immer und in jeder Beziehung zu schützen.

Der peruanische Justizminister bat seinerseits den Ausschuss, seine Entscheidung zu überdenken. Der Justizminister Aurelio Pastor betonte, die Einstellung des Ministeriums sei zugunsten des Lebens; die medizinischen Argumente des Gesundheitsministeriums für eine Entkriminalisierung seien zwar vernünftig, befänden sich aber im Konflikt mit dem Gesetz.

Einer der in der Presse am meisten zitierten Abtreibungsfälle aus eugenischer Motivation ist der von Karen Llantoy, die 2001 ein Kind zur Welt brachte, obwohl sie die Schwanger schaft mit einem Mädchen, das unter Anenzephalie litt, abbrechen wollte. Das Kind starb einige Tage nach der Geburt. 2005 erreichte der Protest den UN-Ausschuss für Menschenrechte, der sich zu ihren Gunsten aussprach und der Ansicht war, dass die Verweigerung einer legalen Abtreibung eine Verletzung ihrer Menschenrechte darstelle und der peruanische Staat sie dafür zu entschädigen hätte.

Und nochmals zum Thema Lebensrecht: Das Verfassungsgericht hieß mit Urteil vom 16. Oktober 2009 eine Petition gegen die kostenlose Verbreitung und die öffentliche Politik der so genannten „Pille danach“ gut. Außerdem wies es die Laboratorien an, Verbraucher darüber zu informieren, dass diese Pille die Einnistung der befruchteten Eizelle verhindern könnte.

Dennoch verteilte das Gesundheitsministerium, gestützt auf eine Resolution von 2010, weiterhin die Pille und gab zu verstehen, dass es kein Problem für deren Verkauf gäbe. Die Bischofskonferenz, die sich mit der Erklärung „Peru, verteidige das Leben!“ entschieden gegen diese Maßnahme stellte, verurteilte den Vertrieb der Pille als verfassungswidrig und beschuldigte das Gesundheitsministerium, das Rechtsverfahren zu missachten.

Zum gleichen Thema findet aktuell eine Debatte über „das allgemeine Gesetz sexueller und reproduktiver Gesundheit“ statt. Es schlägt vor, Artikel 4 des Allgemeinen Gesundheitsgesetzes um einen Absatz zu ergänzen, der Jugendlichen den Zugang zu Gesundheitsdiensten erlauben soll, um integrierte Hilfestellung in Fragen sexueller und reproduktiver Gesundheit, mit besonderem Schwerpunkt auf HIV-AIDS und andere sexuell übertragbaren Krankheiten, zu bekommen.

Die Ansichten der Katholischen Kirche zum Umweltschutz wurden nicht immer gut aufgenommen. So ist zum Beispiel die peruanische Stadt Oroya laut einer Studie des Blacksmith-Instituts der Ort mit der sechsthöchsten Umweltverschmutzung der Welt, in der schätzungsweise 99% der Kinder einen hohen Bleiwert im Blut haben. Diese Umweltverschmutzung ist auf die Bergbauindustrie zurückzuführen, die seit 1922 in der Nähe der Stadt in Betrieb ist.

Msgr. Pedro Barretto Jimeno, Erzbischof von Huancayo, betonte immer wieder, dass das Unternehmen nicht die erforderlichen Umweltschutzbedingungen laut dem Umweltmanagement- und verbesserungsplan einhalte, und begann eine pastorale Arbeit, in der er sich für das Recht der Menschen auf ein Leben in einer gesunden Umgebung einsetzt.

Daraufhin wurde er bei verschiedenen Gelegenheiten von der Vereinigung der Bergbaugesellschaft bedroht: Sie veröffentlichte eine Mitteilung, in der sie Msgr. Barretto vor „Konsequenzen“ warnte; sie verbrannte einen Sarg mit seinem Namen darauf im Innenhof der Einrichtung; sie rief den Erzbischof an und drohte ihm, dass sie am folgenden Tag während der Eucharistiefeier vermutlich einen Anschlag auf sein Leben verüben werde.

Trotz alledem wurde der Managementplan der Bergbaugesellschaft vom Kongress für weitere dreißig Monate genehmigt.

Der Priester Pater Marco Arana, ein Anhänger der Befreiungstheologie will während der Präsidentschaftswahlen für 2010 für das Amt des Präsidenten kandidieren. Zu diesem Zweck hat er die linke Partei „Erde und Frieden“ gegründet. Kardinal Juan Luis Cipriani, Erzbischof von Lima, forderte ihn auf, das Priesteramt niederzulegen, falls er beabsichtige, sich der Politik zu widmen. Arana antworte, dass er sich nur gegenüber dem Bischof von Cajamarca zu verantworten habe.

Quellen:
Ansa www.ansa.it
Peruanische Bischofskonferenz www.iglesiacatolica.org.pe/cep
EFE www.rpp.com.pe
El Comercio http://elcomercio.pe
Päpstliche Katholische Universität von Peru http://blog.pucp.edu.pe
Radioprogramme von Peru www.rpp.com.pe
Zenit www.zenit.org

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2011)

28.Okt 2009 14:20 · aktualisiert: 28.Jun 2012 11:27
KIN / S. Stein