Länderbericht Kroatien

Jugendliche mit kroatischer Fahne.

Jugendliche mit kroatischer Fahne.

Einwohner: 4,4 Millionen

Fläche: 56 538 qkm

Religionen:
Christen: 91,4 Prozent (darunter vier Millionen Katholiken)
Religionslose: 6,3 Prozent
Muslime: 2,3 Prozent

Seit August 2009 konzentriert sich der größte Teil der sozialpolitischen Diskussion auf ein Thema, das vom kroatischen Präsidenten Stjepan Mesić in einem Interview mit dem staatlichen kroatischen Radio (HR) aufgeworfen wurde.

Darin sagte er: „Religiöse Symbole sollten in Ministerien, Kasernen, Krankenhäusern und Schulen keinen Platz haben, denn das verstößt gegen die Prinzipien eines säkularen Staates … und (das Prinzip) der Gleichheit aller Bürger, ungeachtet ihrer Religion.“ Laut Mesić sollten nur das Wappen der Republik und, wo nötig, die Nationalflagge an der Wand hängen.

Zudem behauptete er, die Katholische Kirche genieße eine privilegierte Position im Land, eine Ansicht, die von der katholischen Wochenzeitung Glas Koncila scharf kritisiert wurde.

Mit seiner Aussage hatte der Präsident auch Kroatiens Bischöfe, darunter den Erzbischof von Zagreb, Mgr. Josip Bozanić, verärgert. In verschiedenen autonomen Stellungnahmen griffen sie die Aussagen des Präsidenten an und machten deutlich, dass sie gegen seine Ansichten sind.

Wie auch immer, kein Gesetz, das sich ausdrücklich mit religiösen Symbolen befasst, ist jemals verabschiedet worden. Daher gibt es formaljuristisch keinen Grund, diese Symbole zu entfernen, wie es Mesić gern hätte. Die meisten Kroaten, darunter auch solche, die nicht katholisch sind, sprechen sich gegen die Auffassung des Präsidenten aus.

Am 31. März 2009 verabschiedete das Parlament eine Änderung des Gesetzes über den Status von Ausländern. Laut diesem Gesetz sollen religiöse Würdenträger besondere Privilegien im Umgang mit der Verwaltung erhalten.

Zudem bekommen sie das Recht auf begrenzten Aufenthalt für die Ausübung ihrer religiösen Pflichten sowie weniger bürokratische Schwierigkeiten bei der Erneuerung ihrer Aufenthaltserlaubnis zu. Dennoch bleibt die Registrierung für 18 Gruppen weiterhin in der Schwebe, weil die Behörden der Ansicht sind, sie würden nicht alle rechtlichen Kriterien erfüllen.

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche erklärte, sie sei zufrieden mit dem Zugang zu Krankenhäusern und Gefängnissen für die Seelsorge, aber beklagte sich weiterhin über die Schwierigkeiten, bei Militär und Polizei. Serbisch-orthodoxe Würdenträger berichteten, dass Verbalattacken gegenüber orthodoxen Kirchenmännern, besonders in Šibenik, dem Sitz ihrer dalmatinischen Eparchie zunähmen.

Es ist auch von konkreter Gewalt die Rede. Am 18. April 2009 zerschlugen Unbekannte einige Fenster des serbischen Kulturvereins in Knin.

Islam

Die muslimische Gemeinschaft beklagte sich weiterhin über die Hürden, die manche muslimischen Frauen zu überwinden hätten, wenn sie versuchten, Ausweise mit Fotos, auf denen sie ein Kopftuch tragen, zu bekommen.

Der Baubeginn einer Moschee in Rijeka wurde von Mitte 2008 auf Oktober 2009 verschoben. Pläne für den Bau einer Moschee in Osijek werden bis dato auch durch administrative Hürden blockiert. In Sisak beantragte die muslimische Gemeinde eine Baugenehmigung für eine Moschee, aber auch hier wurden ihr eine Anzahl bürokratischer Hürden in den Weg gestellt.

In Rijeka und in Istrien beklagten sich Muslime im Allgemeinen auch über Schwierigkeiten mit lokalen Behörden, wenn es um die Zuteilung muslimischer Grabstellen auf städtischen Friedhöfen ging.

Juden

Die jüdische Gemeinschaft wartet immer noch auf die Rückgabe von verschiedenen Besitztümern, die unter früheren Regierungen beschlagnahmt worden waren. Es gab sehr wenig offene antisemitische Vorfälle, wenn man von der Zerstörung eines jüdischen Friedhofs in Vrbovic einmal absieht. Dennoch beklagten sich die Leader der Gemeinschaft über Vorfälle mit eindeutig antisemitischen Untertönen.

Beispielsweise berichteten lokale Medien am 30. Januar 2009, dass eine Liste mit Namen der prominentesten Juden in Kroatien auf einer ultranationalistischen, rechten Website veröffentlicht worden war. Offensichtlich sollte damit gezeigt werden, dass Juden Positionen einnehmen, von denen aus sie wirtschaftlichen und politischen Druck auf das Land ausüben können.

Quellen:
Forum 18 News Service
Human Rights Watch
Human Rights Without Frontiers
L’Osservatore Romano
OSZE
Radio Vatikan
Reuters
United States Commission on International Religious Freedom – Annual Report, ed. 2009; ed. 2010
Zenit

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2010. Stand: 2010)

 

12.Jun 2012 11:10 · aktualisiert: 17.Apr 2015 14:39
KIN / S. Stein