Länderbericht Serbien
Einwohner: 7,5 Millionen
Fläche: 77 474 qkm
Religion:
Überwiegend serbisch-orthodox (ca. 70 Prozent), etwa vier Prozent katholisch
Die Verfassung der Union von Serbien und Montenegro, die im Jahr 2003 verabschiedet und durch die Artikel 26 und 27 der “Charta über Menschenrechte, Minderheitenrechte und bürgerliche Freiheiten” ergänzt wurde, garantiert das Recht auf volle Religionsfreiheit. Es gibt keine Staatsreligion, auch wenn die serbisch-orthodoxe Mehrheit besondere Berücksichtigung durch die Behörden genießt.
Die serbische Gesetzgebung beinhaltet eher diskriminierende Bestimmungen in Bezug auf religiöse Gruppen und schafft Ungleichheiten zwischen ihnen. Das serbische Gesetz über die Aktivitäten religiöser Organisationen, das seit April 2006 in Kraft ist, schafft einen veränderten Status für religiöse Minderheiten, darunter
einige, die zuvor offiziell anerkannt gewesen waren.
Sieben traditionelle religiöse Gemeinschaften sind anerkannt
Das Gesetz erkennt sieben traditionelle religiöse Gemeinschaften an: die serbisch-orthodoxe Kirche, die katholische Kirche, die slowakische evangelische Kirche, die reformierte christliche Kirche, die evangelikale Kirche, die islamische Gemeinschaft und die jüdische Gemeinde. Die anderen Konfessionen können sich in Übereinstimmung mit dem Gesetz vom April erneut registrieren lassen, aber es bleibt dem Ermessen der Regierung überlassen, ob dem Antrag stattgegeben
wird.
Viele Nichtregierungsorganisationen, Religionsgemeinschaften, die OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) und der Europarat haben dieses Gesetz über religiöse Fragen wiederholt scharf kritisiert und es als Eingriff in die Freiheit von religiösen Gruppen bezeichnet. Zur Registrierung wird in der Tat der Name der Gruppe, die Namen der Mitglieder, ihre Unterschriften, das Einreichen der Satzung, eine Beschreibung der Zeremonien und der wichtigsten Aktivitäten eingefordert.
In Serbien gibt es in Primär- und Sekundarschulen Religionsunterricht, die Schüler müssen zwischen den sieben traditionellen, offiziellen Religionen wählen. Wenn der Schüler oder seine Eltern keinen Religionsunterricht wünschen, wird dieser durch Staatsbürgerkunde ersetzt.
Am 16. Januar 2006 berichtete die katholische Nachrichtenagentur Zenit, dass der Präsident der Republik Montenegro, Filip Vujanovic, den Papst im Rahmen einer Privataudienz über Vorbereitungen für ein Referendum über Montenegros Unabhängigkeit von Serbien und seine Abtrennung von der Föderation informiert habe. Dieses Referendum wurde ordnungsgemäß für den 21. Mai 2006 festgelegt, wie der Osservatore Romano am selben Tag berichtete, und wurde von Milo Djukanovic, dem Premierminister von Montenegro, unterstützt.
Montenegro spaltet sich 2006 ab
Die Intention war, diese kleine Republik von der wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeit von seinem größeren Partner Serbien zu lösen und zugleich ihren Eintritt in die Europäische Union zu beschleunigen. Die serbische Regierung hatte ihrerseits mehr als einmal betont, dass sie das Ergebnis des Referendums, wie immer es lauten möge, akzeptieren werde; dies war in der Tat eine formelle Zustimmung.
Am 22./23. Mai berichtete die gleiche Quelle über die Ergebnisse dieses Referendums, in dem mit 55,4 Prozent für eine Trennung von Serbien gestimmt wurde, was bedeutet, dass das Quorum von 55 Prozent, das die europäischen Beobachter verlangt hatten, nur knapp übertroffen worden war.
Am 16. Dezember 2006 berichtete Radio Vatikan über die Entscheidung des Heiligen Stuhls und der Republik Montenegro, diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Der Vatikan hatte den neuen politischen Status des Landes bereits am 19. Juni 2006 anerkannt.
Das italienische katholische Magazin Il Regno (Bologna, Nr. 18/2006) berichtete über die IX. Plenarsitzung der Gemischten Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen und den orthodoxen Kirchen in Belgrad vom 18. bis zum 25. September 2006. Die Kommission hatte zwischen 2000 und 2005 nicht gearbeitet; nun wurde sie auf Initiative der Orthodoxie wieder eröffnet.
Berichte von Vandalismus gegenüber christlichen Einrichtungen
Auch Papst Benedikt XVI. drückte seine Freude über die Wiederaufnahme des theologischen Dialogs aus, der “die bestehenden Differenzen beseitigen und den tiefen Wunsch aufrechterhalten soll, die volle Gemeinschaft wiederherzustellen”, die “ein wesentliches Gut für die Gemeinschaft der Jünger Christi” sei.
Am 26. September 2006 berichtete Human Rights Without Frontiers, dass die religiösen Minderheiten in Serbien oft angegriffen und diskriminiert werden und fügte zahlreiche detaillierte Schilderungen von Vorfällen an. Darunter der Messerangriff auf ein Mitglied der Hare-Krishna-Sekte im Juni und der Vandalismus gegen die neue islamische Fakultät in Novi Pazar am 6. September. Es gibt auch immer wieder Berichte von Vandalismus gegen katholische, orthodoxe, lutherische und adventistische Kirchen.
Am 27. August 2006 verhaftete die Polizei in Gornij Milanovac eine islamische Delegation, die aus Belgrad zurückgekehrt war, darunter auch den Mufti des Sandschak, Muamar ef Zukurllic. Die Autos und das persönliche Eigentum der Reisenden wurden durchsucht. Der Mufti weigerte sich, sein persönliches Gepäck zu übergeben und protestierte beim Premierminister.
Am 18. August 2007 berichtete AsiaNews, dass der serbische Minister für religiöse Angelegenheiten, Milan Radulovi , durch Radomir Naumov ersetzt wurde; viele Quellen behaupten dagegen, dies sei nur Augenwischerei, die wahre Entscheidungsmacht liege weiterhin in den Händen von Radulovi.
In der Tat wird den Gruppen, die nicht als “historische Religionen“ angesehen werden, und zwar den Baptisten, den Hare Krishnas, den Pfingstlern, Zeugen Jehovas und Altkatholiken, weiterhin die gesetzliche Anerkennung verweigert, was es ihnen unmöglich macht, Bankkonten zu eröffnen und Besitz zu haben.
(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2008. Stand: 2008)


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