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"Das Ende des Syrienkriegs liegt in der Hand der internationalen Gemeinschaft."

"Das Ende des Syrienkriegs liegt in der Hand der internationalen Gemeinschaft."

Syrischer Bischof, Antoine Chbeir, glaubt nicht mehr an eine innersyrische Lösung

17.04.2018 aktuelles
Der maronitische Bischof der Küstenstadt Tartus im Westen Syriens, Antoine Chbeir, glaubt, dass es den Kriegsparteien nicht mehr darum geht, Frieden herbeizuführen. „Viele Menschen in Syrien glauben, dass der Krieg nie enden wird. Es scheint den Großmächten vor allem darum zu gehen, dass der Konflikt immer weiter besteht“, sagte Chbeir dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT.

Während 2017 noch eine Einigung auf diplomatischem Weg in greifbarer Nähe gewesen sei, habe sich mit den jüngsten Bombardements die Lage erneut verschärft. An eine innersyrische Lösung glaubt Chbeir nicht mehr: „Das Ende des Syrienkriegs liegt in der Hand der internationalen Gemeinschaft, insbesondere bei Russland, den Vereinigten Staaten, China und Europa.“
Kinder aus Tartus bitten auf einer Kundgebung um Frieden.
Zerstörter Straßenzug in Homs.
Syrer mit einer Lebensmittelration, die KIRCHE IN NOT finanziert hat.

Der seit nunmehr sieben Jahren andauernde Krieg habe nicht nur unzählige Menschenleben gefordert, sondern auch eine Verelendung weiter Bevölkerungsteile mit sich gebracht. „Schätzungen zufolge leben 70 Prozent der Syrer mittlerweile unter der Armutsgrenze.“ In seiner Bischofsstadt Tartus liege die Arbeitslosenquote bei 30 Prozent, in anderen Landesteilen bei 60 Prozent. „Und die Menschen, die Arbeit haben, verdienen kaum mehr als 60 US-Dollar im Monat.“ Hinzu komme der fortwährende Geldverfall.

Hilfe für 30 000 Binnenflüchtlinge

Durch die Lage am Mittelmeer ist Tartus eine wichtige Anlaufstelle für Vertriebene und Geflüchtete. „Wir helfen in unserer Diözese rund 30 000 Binnenflüchtlingen. Tag für Tag erhalten wir Bitten um Hilfe“, berichtet der Bischof. Auch unter erschwerten wirtschaftlichen und humanitären Umständen sei es notwendig, diesen Gesuchen nachzukommen: „Damit wollen wir vermeiden, dass die Menschen für immer das Land verlassen – häufig über das Mittelmeer und unter Einsatz ihres Lebens.“

Für Chbeir stehen die Unterstützung für Kinder und Jugendliche im Vordergrund, denn viele hätten aufgrund des Krieges und der Flucht keine Schule besuchen können. Seine Diözese habe allein im Februar 900 Schul- und Studienstipendien bezahlt, 2000 Lebensmittelpakete verteilt, 800 Mietbeihilfen geleistet, und über 100 Operationen für Kriegsverletzte finanziert. KIRCHE IN NOT unterstützt das Bistum dabei.

Trotz der ausweglosen Kriegssituation seien viele Flüchtlinge entschlossen, in ihre Heimat zurückzukehren, erklärte der Bischof. Als die Truppen des „Islamischen Staates“ Ende 2016 vielerorts vertrieben worden seien und sich eine Beruhigung abzuzeichnen schien, seien auch erste Bewohner nach Damaskus, Aleppo oder Idlib zurückgegangen. Mittlerweile herrsche jedoch die Meinung, „es sei besser abzuwarten“, so Chbeir. „Die Menschen fühlen sich noch nicht sicher, weil wieder einmal Bombenangriffe geflogen werden, vor allem auf Damaskus.“

„Ohne KIRCHE IN NOT könnten wir unsere Arbeit nicht tun“

Die Hilfe aus dem Ausland hält der Bischof für unabdingbar. „Ohne KIRCHE IN NOT könnten wir unsere Arbeit nicht tun: Den Menschen helfen, in Syrien zu überleben.“ Immer wieder rufe er seine Gläubigen zum Gebet für die Wohltäter auf – es sei wichtig, dass die Menschen spürten, dass sie nicht allein gelassen sind. „Wir schätzen Ihre Hilfe sehr.“

Ihr altes Wohnhaus, das diesen Namen eher verdiente, ist vor einem Jahr abgebrannt. „Meine ganze Habe ist zerstört.“

Antoine Chbeir, maronitischer Bischof von Tartus.

Seit dem Kriegsausbruch in Syrien im März 2011 hat KIRCHE IN NOT über 21 Millionen Euro für die christliche Bevölkerung des Landes zur Verfügung gestellt. Neben Lebensmittelhilfen, Kleidungs- und Medikamentenspenden finanziert das Hilfswerk auch Mietbeihilfen, Stipendien und Ausbildungsprogramme sowie Projekte zur Stromversorgung. Auch dem Wiederaufbau zerstörter Kirchengebäude und die Unterstützung der Seelsorge für die traumatisierte Bevölkerung gilt ein besonderes Augenmerk.

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