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Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ zeigt sich alarmiert über die Lage in Burkina Faso. Nachdem Anfang Juli mehr als zwanzig Personen in der Ortschaft Bourasso im Nordwesten des Landes von Milizen erschossen worden waren, erreichen das Hilfswerk auch aus der katholischen Diözese Fada N’Gourma im Osten von Burkina Faso besorgniserregende Nachrichten: Aufgrund der anhaltenden Terrorgefahr können zahlreiche Dörfer im Bistum kaum noch von außen erreicht werden.

 

Auf Anfrage von „Kirche in Not“ teilten die Projektpartner in Fada N’Gourma mit, dass von den über 500 Städten und Dörfern auf dem Gebiet des Bistums aktuell mehr als 90 Prozent von der Außenwelt abgeschnitten seien. Raubüberfälle, Entführungen und Morde hätten so massiv zugenommen, dass die Diözese seit Anfang 2022 ihre Seelsorger aus fünf weiteren Pfarreien abberufen musste.

Gläubige in Burkina Faso bei einem Gottesdienst. © KIRCHE IN NOT
In sieben weiteren Gemeinden seien die oft abgelegenen Außenstellen nicht mehr zu erreichen; die Straßen seien in der Kontrolle von Milizen und deshalb unpassierbar. Da auch die Telefon- und Internetverbindungen gekappt wurden, habe man keine Informationen über die dortigen Gemeindemitglieder.

 

Terror richtetet sich vermehrt gezielt gegen Christen

 

Auslöser dieser dramatischen Situation ist der islamistische Terror, der sich seit dem Jahr 2015 in Burkina Faso immer weiter vorwärts frisst. Dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ von „Kirche in Not“ zufolge ist das Land zu einem der Hauptoperationsgebiete des militanten Dschihadismus in Afrika geworden. Während sich die Gewalt zu Beginn unterschiedslos gegen die gesamte Bevölkerung richtete, kommt es nach Angaben von lokalen Beobachtern seit 2019 vermehrt zu gezielten Attacken auf Christen, die etwa ein Viertel der Bevölkerung Burkina Fasos ausmachen.

Zerstörtes Kreuz nach einem Überfall von Islamisten auf das Studienseminar der Diözese Fada N’Gourma. © KIRCHE IN NOT
Der Bericht der Diözese Fada N’Gourma an „Kirche in Not“ enthält auch die Aussage eines Priesters, der das übliche Vorgehen der Terroristen schildert. Demnach eroberten Milizen Ende Februar die Stadt Tombaga im Osten der Diözese. Die Bewohner seien in der Moschee zugsammengeführt worden. Die Terroristen hätten die anwesenden Christen aufgefordert, zum Islam zu konvertieren. „Sie sagten, Isa (Name für Jesus im Islam; d. Red.) sei gekommen, aber seine Mission sei beendet. Mohammed sei sein Nachfolger“, zitiert der Bericht den Augenzeugen. Anschließend hätten die Milizen eine katholische Schule und weitere staatliche Bildungseinrichtungen in Brand gesetzt.

 

Freie Religionsausübung vielfach eingeschränkt

 

In vielen Orten der Diözese Fada N’Gourma sei es verboten, eine andere Religion als den Islam auszuüben, heißt es in dem Bericht. Mancherorts dürften zwar noch christliche Gottesdienste abgehalten werden, würden aber von den lslamisten überwacht. Trotz der prekären Lage gebe es jedoch nach wie vor ein lebendiges Gemeindeleben. Vielen christlichen Bewohnern aus den abgeschnittenen Dörfern sei die Flucht gelungen; sie hätten sich rund um die Ortschaft Matiakoali niedergelassen, wo Militär stationiert und es deshalb vergleichsweise sicher ist.

Leben mit dem Terror – Ein Provinzial aus Burkina Faso berichtet KIRCHE IN NOT:

„Kirche in Not“ unterstützt in Burkina Faso aktuell 75 Einzelprojekte, um das Überleben und die Nothilfe der katholischen Kirche in der angespannten Situation zu sichern. Im Bistum Fada N’Gourma hat das Hilfswerk den Bau einer Schule finanziert und zahlt Stipendien für Flüchtlingskinder.

 

Mit Mess-Stipendien, der Gabe für die Feier einer heiligen Messe, hilft „Kirche in Not“ den mittellosen Seelsorgern. Die Einnahmen kommen darüber hinaus häufig den karitativen Einsätzen zugute, zum Beispiel wenn ein Priester kranke oder verletzte Gemeindemitglieder ins nächstgelegene Krankenhaus bringt oder Medikamente besorgt. Da viele Kommunikationskanäle abgeschnitten sind, ist das Radio oft die einzige Möglichkeit, um Informationen weiterzugeben. „Kirche in Not“ unterstützt deshalb die Medienarbeit der katholischen Diözese und wird das auch in Zukunft intensivieren.

Weitere Informationen zur Lage in Burkina Faso im Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ von „Kirche in Not“: https://acninternational.org/religiousfreedomreport/de/reports/bf/

 

Unterstützen Sie den Einsatz der Kirche in Burkina Faso, die unter den Folgen des Terrors leidet, mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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Seit 2018 hat die katholische Kirche in Nicaragua rund 200 gewaltsame Übergriffe erlitten. Das geht aus einem örtlichen Untersuchungsbericht hervor, der von der „Beobachtungsstelle für Transparenz und Korruptionsbekämpfung“ erstellt wurde und dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ vorliegt. Die religionsfeindlichen Handlungen umfassen Brandstiftungen und Plünderungen von Kirchen, darunter einen Brandanschlag auf die Kathedrale der Hauptstadt Managua Ende Juli 2020, sowie Repressalien gegen Geistliche unter dem Regime von Nicaraguas Präsident Daniel Ortega.

 

Schändungen, Brandstiftungen, Schikanen

Bei mehr als einem Drittel der dokumentierten Fälle handelt es sich laut dem Bericht um Anfeindungen und Angriffe auf Priester, Bischöfe, Ordensfrauen, Priesterseminaristen und Gläubige. In Einzelfällen seien missliebige Personen ausgebürgert und des Landes verwiesen worden. In 19 Prozent der Fälle seien Kirchen geschändet worden; bei 17 Prozent handelt es sich um Brandstiftungen, Zerstörung oder Belagerung von Kircheneigentum. Auch seien kirchliche Krankenhäuser oder Hilfseinrichtungen vom Staat gesperrt oder ganz geschlossen worden.

Beschädigtes Kreuz nach einem Brandanschlag auf die Kathedrale von Managua. © KIRCHE IN NOT
Die Dunkelziffer religionsfeindlicher Gewalt in Nicaragua dürfte jedoch weit höher liegen, heißt es in dem Bericht: „Priester, die der Diebstähle und Schändungen in ihren Kirchen überdrüssig waren, haben uns ihre Fälle geschildert. Andere haben sich entschlossen zu schweigen.“

 

Repressalien gehen weiter

 

Der Bericht umfasst den Zeitraum zwischen Januar 2018 und Frühjahr 2022. Aus diesem Grund sind die jüngsten Schikanen gegen die katholische Kirche in Nicaragua noch nicht enthalten: So kündigte das Innenministerium Nicaraguas Ende Juni die Schließung von 101 sozialen Institutionen an, darunter auch die Niederlassungen der von Mutter Teresa gegründeten „Missionarinnen der Nächstenliebe“. Die Ordensfrauen, die sich dem Dienst an den Ärmsten der Gesellschaft widmen, wurden des Landes verwiesen. Insgesamt mussten in den vergangenen Jahren mehr als 750 Nichtregierungsorganisationen ihre Arbeit in Nicaragua einstellen.

Bischof Rolando José Alvarez Lagos aus Matagalpa in den zerstörten Räumen einer karitativen Einrichtung seines Bistums.
Die staatlichen Behörden haben darüber hinaus im Mai und Juni zwei katholische Fernsehsender vom Netz genommen. Internationale Aufmerksamkeit erregte der Bischof von Matagalpa, Rolando José Alvarez Lagos. Er war Mitte Mai in Hungerstreik getreten, um gegen die Schikanen des sandinistischen Regimes zu protestieren.

 

Eskalation seit Studentenprotesten 2018

 

Bis 2018 habe es in Nicaragua nur sporadische Angriffe auf die Kirche gegeben, so der Bericht. Das habe sich geändert, als die katholische Kirche sich in auf die Seite der Demonstranten stellte, die seit April 2018 gegen die Korruption und die politische Elite des Landes protestierten. Das Regime unter Präsident Ortega ging gewaltsam dagegen vor; hunderte Menschen wurden getötet.

 

Die Kirche öffnete ihre Türen, um den Demonstranten Schutz zu gewähren und bot sich als Vermittlerin an. Daraufhin seien „die beleidigende und bedrohliche Sprache des Präsidentenpaars gegenüber der katholischen Führungsebene“ immer deutlicher geworden, heißt es in dem Bericht. „Die Aktionen von Behörden gegen die karitative Arbeit der Kirche in Nicaragua haben zugenommen.“

Nicaragua: Der gute Hirte Bischof David Zywiec:

„Kirche in Not“ hatte bereits in dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ auf die schwierige Situation für die Kirche in Nicaragua aufmerksam gemacht. Der Länderbericht findet sich unter: https://acninternational.org/religiousfreedomreport/de/reports/ni/

 

Unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in Nicaragua, die unter Repressionen leidet, mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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Bislang unbekannte Täter haben zwei betagte Ordensgeistliche und eine dritte Person in der Kirche von Cherochahui im nordwestmexikanischen Bundesstaat Chihuahua erschossen. Bei den getöteten Geistlichen handelt es sich um die Jesuitenpatres Joaquin Mora (78) und Javier Campos (78). Mit ihnen starb Pedro Palma (60). Er war auf der Flucht vor einer Bande von Drogenhändlern; die beiden Ordensmänner hatten ihm Zuflucht gewährt.

 

Die Tat hatte sich am 20. Juni ereignet, wurde jedoch von der örtlichen Gemeinde aus Angst vor Repressalien erst einen Tag später publik gemacht. Lokale Quellen berichteten gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“: Ein weiterer Jesuit, der unverletzt blieb, habe die Täter gebeten, die Leichen der drei Getöteten in der Kirche zurückzulassen. Diese hätten die Körper jedoch abtransportiert. Zwei Tage nach der Tat seien sie dann von der Polizei gefunden worden.

Ein Priester betete vor den Bildern der beiden getöteten Jesuiten. © Kirche in Not

„Jeden Tag werden Frauen und Männer willkürlich getötet“

 

Internationalen Presseangaben zufolge gilt der Bandenboss José Noriel Portillo, genannt El Chueco, als Hauptverdächtiger. Er soll eine militante Gruppe leiten, die mit einem Drogenkartell zusammen operiert und vor allem in den südlichen Bergregionen des Bundesstaats Chihuahua aktiv ist. Die Region wird nach der dort siedelnden ethnischen Gruppe auch „Tarahumara-Gebirge“ genannt.

 

Der Jesuiten in Mexiko teilten in einer Erklärung mit: „Wie viele andere Regionen unseres Landes ist auch die Tarahumara-Region anhaltender Gewalt und Vernachlässigung ausgesetzt. Jeden Tag werden Frauen und Männer willkürlich getötet, so wie unsere Mitbrüder getötet wurden.“

Mexiko gilt für Priester als eines der gefährlichsten Länder der Welt

Mit den jüngsten Morden hat sich die Zahl der getöteten Geistlichen in Mexiko seit 2019 auf insgesamt sieben erhöht. Das teilte das „Centro Católico Multimedial“ gegenüber „Kirche in Not“ mit. Mexiko sei für Priester und Seelsorger eines der gefährlichsten Länder der Welt – obwohl es nach Brasilien die Nation mit den meisten katholischen Gläubigen weltweit ist.

Gottesdienst in Mexiko.
Geistliche geraten immer wieder ins Visier von Drogenbanden und Kriminellen, besonders wenn sie sich für den Schutz von armen und entrechteten Bevölkerungsgruppen einsetzen. Neben Mordanschlägen kommt es auch immer wieder zu Entführungen von Priester und Ordensleuten.

 

Der von „Kirche in Not“ alle zwei Jahre herausgegebene Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ hat die Menschrechtslage in dem lateinamerikanischen Land als besorgniserregend eingestuft. Dies betreffe auch das Recht auf freie Religionsausübung und den Einsatz der Kirche. Die Entwicklung bleibe weiterhin negativ. Lokalen Gesprächspartnern von „Kirche in Not“ zufolge hat sich die Situation seit Amtsantritt von Präsident Andrés Manuel López Obrador Ende 2018 nochmals verschlimmert.

 

Auch Papst Franziskus hat im Rahmen der Generalaudienz am vergangenen Mittwoch in Rom seine Trauer über die Ereignisse zum Ausdruck gebracht: „So viele Morde in Mexiko! Ich wiederhole noch einmal, dass Gewalt niemals Probleme löst, sondern nur nutzloses Leid verstärkt.“

Die Jungfrau von Guadalupe ist die Patronin Mexikos und Lateinamerikas:

„Kirche in Not“ ist ein internationales päpstliches Hilfswerk. Es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Heute hat es Nationalbüros in 23 Ländern. Der deutsche Zweig arbeitet von München aus; Sitz der internationalen Zentrale ist Königstein im Taunus. „Kirche in Not“ ist rein spendenfinanziert und erhält keine öffentlichen Zuschüsse oder Kirchensteuereinnahmen. Den Jahresbericht sowie weitere Zertifikate und Übersichten finden Sie unter: https://www.kirche-in-not.de/kirche-in-not/transparenz/.

 

Unterstützen Sie den Einsatz der Kirche in Mexiko mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel, ein katholisches Ehepaar mit vier Kindern aus Gojra in der Nähe von Faisalabad, wurden im Juli 2013 unter dem Vorwurf der Blasphemie verhaftet und zum Tod verurteilt. Nach jahrelangen Revisionsbemühungen sprach das Oberste Gericht in Lahore die beiden Christen im Juni 2021 frei. Heute lebt die Familie an einem sicheren Ort in Europa. Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) konnte mit Shagufta Kausar sprechen und gibt ihr persönliches Zeugnis wieder:
Shagufta Kausar und ihr Mann Shafqat Emmanuel. © KIRCHE IN NOT
„Ich wurde in eine sehr gläubige christliche Familie hineingeboren. Die meisten Einwohner in unserem Dorf waren Muslime. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es je einen Streit oder eine Auseinandersetzung aufgrund der Religion gab.

 

Einige Jahre nach meiner Heirat mit Shafqat zogen wir nach Gojra und mein Mann fand dort eine Arbeit. Mein Mann ist seit zwölf Jahren teilweise gelähmt. Er hatte versucht, einen Streit zu schlichten und war dabei von einem Querschläger aus einer Waffe getroffen worden. Das Leben danach war hart, doch wir hatten Glück und fanden beide eine Arbeit an einer christlichen Schule, wo wir Hausmeisterdienste verrichteten. Nebenbei reparierte mein Mann Handys.

Geständnis unter Folter erzwungen

Im Juli 2013 stürmte die Polizei unser Haus und verhafteten meinen Mann und mich. Sie warfen uns Gotteslästerung vor. Über die SIM-Karte unseres Handys sei eine SMS über den Propheten Mohammed verfasst worden. Die Nachricht war auf Englisch geschrieben – eine Sprache, die weder mein Mann noch ich sprechen oder lesen können.

Eine Christin in Pakistan beim Gebet. © KIRCHE IN NOT
Im Gefängnis wurden wir gefoltert. Die Beamten sagten meinem Mann, dass sie mich vor seinen Augen vergewaltigen würden, wenn er die Tat nicht gestehen würde. Also tat er es, obwohl wir beide unschuldig waren.

 

Acht Monate waren wir inhaftiert, als wir vom Gericht schuldig gesprochen und zum Tod verurteilt wurden. Unser Anwalt durfte sein Schlussplädoyer nicht zu Ende führen, keiner von uns wurde angehört. Als ich das Todesurteil hörte, wurde ich ohnmächtig.

Todesdrohungen auch gegen die Kinder

Mein Mann und ich wurden nach der Verhandlung getrennt: Shafqat wurde in das Gefängnis von Faisalabad überführt, während ich in eine Todeszelle in Multan gebracht wurde. Meine Kinder konnten mich nur zweimal im Jahr für knapp eine halbe Stunde besuchen. Auch für sie war es sehr schwer: Sie mussten ständig umziehen und sich verstecken. Islamisten hatten sie mit dem Tod bedroht, weil sie unsere Kinder waren.

Gottesdienst in der Kathedrale von Lahore
Jeden Tag habe ich geweint, weil ich nicht bei meinen Kindern sein konnte. Ich dachte ständig daran, dass mein Mann und ich eines Tages gehängt würden. Doch trotzdem verlor ich nie meinen Glauben. Ich betete jeden Tag und sang Psalmen und Hymnen. Das hat mir sehr viel Kraft gegeben. Mehrmals wurde mir gesagt: Wenn ich zum Islam konvertiere, könnte ich der Todesstrafe entgehen und würde eines Tages freigelassen. Ich habe immer Nein gesagt.

 

Eine Zeit lang war Asia Bibi, die ebenfalls unter der falschen Anklage der Blasphemie zum Tode verurteilt worden war, meine Nachbarin in der Todeszelle in Multan. [Asia Bibi war 2010 als erste Frau in Pakistan zum Tod wegen Gotteslästerung verurteilt worden. Ihr Schicksal erregte internationale hohe Aufmerksamkeit. Sie kam schließlich nach einer Revisionsverhandlung Anfang 2019 frei; Anm. d. Red.]

Nach Freilassung in Pakistan nicht mehr sicher

Mittlerweile wurden weltweit Stimmen laut, die sich gegen unseren unfairen Prozess und unsere Verurteilung wandten. Sie beteten für unsere Freilassung und boten uns moralischen und geistlichen Beistand an. Und schließlich geschah es – man ließ meinen Mann und mich frei. Doch konnten wir ebenso wie Asia Bibi nicht mit unserer Familie in Pakistan bleiben, weil fanatische und extremistische Muslime darauf aus waren, uns zu töten, wenn wir in Pakistan blieben.

KIRCHE IN NOT-Doku: Christen in Pakistan:

Wir sind jedoch sehr froh, dass ein europäisches Land uns Asyl gewährt hat und unsere Familie nun wieder vereint ist. Ich hoffe und bete, dass in meiner Heimat Pakistan die falschen Blasphemie-Anschuldigungen aufhören und dass diejenigen bestraft werden, die falsche Anschuldigungen erheben.“

 

Informationen zur Lage der Religionsfreiheit in Pakistan im Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“:

„Kirche in Not“ unterstützt die pastorale Arbeit und das Gemeindeleben der katholischen Minderheit Pakistans. Das Hilfswerk hilft über die Partner vor Ort auch Personen, die wegen Blasphemie angeklagt sind und macht auf internationaler Ebene auf ihr Schicksal aufmerksam. „Kirche in Not“ finanziert auch Initiativen, die sich gegen die Entführung von Frauen und Mädchen einsetzen.

Helfen Sie den bedrängten Christen in Pakistan mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Pakistan

 

Interview: Pakistan – Der gefährliche Alltag der Christen (mit Reinhard Backes, KIRCHE IN NOT)

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Die Desinformation der russischen Bevölkerung ist für den römisch-katholischen Bischof von Odessa, Stanislaw Schyrokoradjuk, eine der Ursachen für die Invasion in der Ukraine: „Wir Ukrainer sind die Opfer des Krieges, das russische Volk ist ein Opfer der Propaganda.“ Der Bischof war am vergangenen Dienstag bei einer Konferenz am internationalen Sitz des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN) in Königstein im Taunus zugeschaltet.
Bischof Stanislaw Schyrokoradjuk in der Kathedrale von Odessa.
Laut Bischof Schyrokoradiuk sei der Krieg „kein Konflikt zwischen unseren beiden Völkern“. Die Bewohner Russlands hätten jedoch keinen Zugang zu vollständigen Informationen; viele von ihnen würden deshalb die russische Regierung unterstützen. Das heize die Aggression weiter an. „Ich hoffe, dass ihnen die Augen geöffnet werden, damit der Frieden kommen kann“, erklärte Schyrokoradiuk.


„Weg der Freiheit weitergehen, auch wenn er für uns alle ein Kreuzweg ist“

Mit Blick auf die weitere Perspektive für die Ukraine betonte der Bischof, dass es für sein Land keine Alternative zu Unabhängigkeit, Freiheit und der Orientierung nach Europa gebe. „Das ist unser Weg, den wir gewählt haben. Diesen Weg wollen wir weitergehen, auch wenn er für uns alle ein Kreuzweg ist.“

Warteschlange bei der Ausgabe von Hilfsgütern in Odessa. © KIRCHE IN NOT
Seine Bischofsstadt Odessa befinde sich aktuell im „Epizentrum des Krieges“, erklärte der Bischof. Jeden Tag gäbe es Luftalarme und Angriffe: „So viele Ruinen, so viel Tränen, so viel Blut in unserem Land.“ In der Ukraine seien im ersten Monat des Krieges hunderte Kinder getötet und schwer verletzt worden. „Die Kinder haben beim Beschuss Hände oder Füße verloren; es ist furchtbar!“ Der Hafen in Odessa sei aktuell blockiert; die ukrainische Armee habe jedoch den Vorstoß der russischen Marine zurückstoßen können.

 

Auch kirchliche Gebäude zerstört

Sehr angespannt sei die Lage in den beiden anderen nordöstlich von Odessa gelegenen Hafenstädten Cherson und Mykolajiw. Cherson sei mittlerweile komplett besetzt; in Mykolajiw habe sich die russische Armee zwar weiter zurückgezogen, aber es gäbe tägliche Luftangriffe.

 

In der Nacht von 28. auf 29. März sei bei einem Angriff auch ein Gebäude der katholischen Pfarrgemeinde in Mykolajiw zerstört worden, berichtete der Bischof: „Dennoch wollen viele Bewohner bleiben, das ist meine große Sorge.“ Auch alle Priester seien nach wie vor in den umkämpften Regionen präsent. „Die Pfarrer fahren von Dorf zu Dorf und bringen den Menschen Hilfsgüter. Sie machen eine sehr engagierte Arbeit, obwohl es sehr gefährlich ist.“

Ukraine Flaggen vor der Kathedrale von Odessa.

Humanitäre Versorgung weitgehend gesichert

Da der Seeweg abgeschnitten ist, hat die Diözese Odessa-Simferopol eigene Transporter organisiert, die Lebensmittel und Medikamente aus dem westukrainischen Lwiw (Lemberg) abholen – oft unter Lebensgefahr. Lwiw ist der zentrale Verteilpunkt von Waren, die aus Polen und dem westlichen Ausland eintreffen.

Die humanitäre Versorgung in der Region Odessa sei aktuell weitgehend sichergestellt, erklärte der Bischof: „Wir helfen ohne Ansehen der Religion oder Nationalität – in Odessa leben Menschen aus 120 Nationen.“ Die Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Konfessionen bei der Hilfe für die notleidende Bevölkerung laufe sehr gut, auch mit der ukrainisch-orthodoxen Kirche und mit den Protestanten.

„Kirche in Not“ sei ebenfalls eine wichtige Stütze. Das Hilfswerk habe nicht nur als erstes seine Unterstützung angeboten, sondern gerade auch die Finanzierung von weiteren Fahrzeugen zugesagt, damit die Versorgung der Menschen in entlegenen Dörfern gewährleistet ist. „Wir sind von der Solidarität sehr bewegt“, betonte Bischof Schyrokoradjuk.

Insgesamt hielten die Menschen im Kriegsgebiet fest zusammen; es herrsche sogar Optimismus, stellt der Bischof fest: „Die Menschen habe den Humor nicht verloren und versuchen, auch die positive Seite des Lebens zu sehen. So ist Odessa!“

Frauen in Odessa beten um Frieden. © KIRCHE IN NOT

Ihre Spende für die Ukraine

Nach Beginn des Ukraine-Krieges hat „Kirche in Not“ Nothilfen in Höhe von 1,3 Millionen Euro gestartet. Aktuell sind weitere Projekthilfen auf dem Weg. Die Unterstützung kommt Priestern und Ordensleuten zugute, die im ganzen Land in den Pfarreien, bei den Flüchtlingen, in Waisenhäusern und Altenheimen arbeiten.

Unterstützen Sie den Einsatz der Kirche für die Menschen in der Ukraine mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT

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Botschaft von Bischof Schyrokoradjuk aus Odessa:

Beten Sie für die Menschen in der Ukraine

Bitte schließen Sie die Menschen in der Ukraine in Ihr Gebet ein und beten Sie für eine friedliche und diplomatische Lösung der aktuellen Spannungen. Stellen Sie in unserer virtuellen Kapelle eine Kerze auf.

 

Besonders werden wir in unseren Mittagsgebeten der Menschen in der Ukraine in den Gebeten gedenken. Schließen Sie sich bitte an, damit der Glaube lebt und unser Gebet stärker sein möge als Waffen.

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Die Lage in Kiew spitzt sich dramatisch zu. Während die Stadt immer mehr unter Beschuss gerät, verharren Priester mit ihren Gemeinden in Bunkern und Luftschutzkellern. Die Zeugnisse, die das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) erreichen, sind bewegend. Eines stammt von Pfarrer Mateusz aus der römisch-katholischen Gemeinde St. Antonius in der ukrainischen Hauptstadt. In einer Audiobotschaft an ACN berichtet er: „Ich kann aus Sicherheitsgründen nicht zu viel sagen über den Ort, wo wir Unterschlupf gefunden haben. Wir sind hier schon mehr als 30 Personen, darunter einige Kinder, und wir erleben, dass Gott uns jeden Tag begleitet.“
Die kleine Gemeinde St. Antonius in ihrem Unterschlupf. © Kirche in Not
In vielen Bunkern und Zufluchtsorten herrschten aufgrund der Enge, der Angst und der weiteren Einschränkungen schwierige Verhältnisse, so der Priester: „Es wird mir berichtet, dass es dort viel Wut und viel Verzweiflung gibt, es wird viel geweint und getrauert. Bei uns ist die Atmosphäre etwas anders. Wir beten jeden Tag zusammen und beten Jesus im Allerheiligsten Sakrament an.“

 

Nächtliche Anbetung im Bunker

 

Jede Nacht verbringt Pfarrer Mateusz mit seiner kleinen Gemeinde Stunden mit eucharistischer Anbetung. Das gebe ihnen große Kraft, erzählt der Priester: „Neulich bei der abendlichen Anbetung habe ich dem Herrn gesagt: ‚Ich bin bereit zu allem, und ich danke für mein ganzes Leben‘. Und ich dachte darüber nach, was für Pläne Gott für uns und für die Ukraine hat. Wenn das zur Saat werden kann, zur Saat der Hoffnung und des Glaubens für andere Menschen, dann sind wir glücklich.“

Das Wort „Schutz“ weist den Weg zu einem Luftschutzraum der Paulinerpatres in Kiew. © Kirche in Not
Eine Szene aus dem Evangelium ist für Pfarrer Mateusz in der aktuellen Situation sehr wichtig geworden: „Als die Pharisäer zu Jesus kamen und sagten, er solle fliehen, weil Herodes ihn töten wolle, antwortete er: ,Geht und sagt diesem Fuchs: Siehe, ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen, heute und morgen, und am dritten Tag werde ich vollendet. … Ein Prophet darf nicht außerhalb Jerusalems umkommen.’ (Lk 13,32-33).“ Das habe ich auch in seiner Entscheidung bestärkt, in Kiew bei seiner Gemeinde zu bleiben, erzählt der Priester: „Christus ist auferstanden und hat jeglichen Tod besiegt, er ist mit uns und begleitet uns.“

 

„Wir geben die Hoffnung nicht auf“

 

Die Mitglieder der Pfarrei St. Antonius, die sich an anderen Orten aufhalten, können die heilige Messe aktuell noch online verfolgen. Pfarrer Mateusz versucht in seinen Predigten, den Menschen Mut zu machen: „Wir sind die Hirten aller, und jeden Tag kommen mehr Leute. Gott begleitet uns wirklich. Und indem es uns gelingt, das Notwendige zu tun – zum Beispiel einzukaufen und Lebensmittel zu organisieren – geben wir die Hoffnung nicht auf.“

Ukrainische Kinder beten für den Frieden. © Kirche in Not
„Kirche in Not“ steht in regelmäßigem Kontakt mit Pfarrer Mateusz sowie unzähligen anderen Projektpartnern und Freunden in der Ukraine. Die Mitteilungen, dass weltweit Menschen um Frieden beten und ihre Solidarität zeigen, kommt auch im Luftschutzkeller an, sagt Pfarrer Mateusz: „Wir sind dankbar für jegliche Hilfe und Unterstützung, die von überall her aus der Welt kommt und für die guten Worte. Wir danken allen, die für uns beten und Spenden in den Anliegen der Ukraine geben.“

 

„Hüten wir uns vor Hass“

 

Trotz der stärker werdenden Angriffe auf Kiew ist Pfarrer Mateusz und seiner kleinen Gemeinde im Luftschutzkeller eine Botschaft sehr wichtig: „Wir vertrauen darauf, dass die Stimme der Kriegsopfer, der Waisen und Witwen zu allen Menschen der Welt gelangt – nicht um Hass im Herzen zu stiften oder Bitterkeit zu säen. Ein Christ soll für seine Feinde beten. Und deshalb sollten wir uns alle vor Hass und Gewalt hüten!“

Die Ikone „Muttergottes von Kiew“. Die Menschen in der Ukraine finden Kraft und Trost in ihrem Glauben. © Kirche in Not

Ihre Spende für die Ukraine

Als Reaktion auf den Kriegsausbruch in der Ukraine hat „Kirche in Not“ ein Nothilfe-Paket in Höhe von einer Million Euro auf den Weg gebracht. Das Geld komme nach Aussage des Geschäftsführenden Präsidenten von „Kirche in Not“, Dr. Thomas Heine-Geldern, Priestern und Ordensleuten zugute, die im ganzen Land in den Pfarreien, bei den Flüchtlingen, in Waisenhäusern und Altenheimen arbeiten. Das Hilfswerk ruft auch zu Gebeten um Frieden in der Ukraine auf und hat dazu ein Gebetsblatt veröffentlicht. Download- und Bestellmöglichkeit: www.kirche-in-not.de/shop

 

Unterstützen Sie den Einsatz der Kirche im Krieg in der Ukraine mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Nothilfe Ukraine

Beten Sie für die Menschen in der Ukraine

Bitte schließen Sie die Menschen in der Ukraine in Ihr Gebet ein und beten Sie um Frieden in der Ukraine. Stellen Sie in unserer virtuellen Kapelle eine Kerze auf.

Auch Papst Franziskus beobachtet die Entwicklungen an der Ostgrenze der Ukraine und rief zum Gebet auf: „Ich appelliere eindringlich an alle Menschen guten Willens, ihr Gebet zum Allmächtigen Gott zu erheben, damit jede politische Aktion und Initiative im Dienst der menschlichen Geschwisterlichkeit stehe, mehr als der Einzelinteressen. Wer seine eigenen Ziele zum Schaden anderer verfolgt, verachtet seine eigene Berufung als Mensch, denn wir wurden alle als Geschwister geschaffen.“

Besonders werden wir in unseren Mittagsgebeten der Menschen in der Ukraine in den Gebeten gedenken. Schließen Sie sich bitte an, damit der Glaube lebt und unser Gebet stärker sein möge als Waffen.

Eucharistische Anbetung in einem Kiewer Luftschutzkeller

KIRCHE IN NOT bittet um das Gebet und Spenden für die Menschen in der Ukraine

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Am 6./7. Januar nach gregorianischem Kalender feiern viele Christen der Ostkirchen Weihnachten. So auch im Kleinen Kaukasus. Für viele Christen aus Bergkarabach ist es schon das zweite Weihnachten als Flüchtlinge. Seit September 2020 ist der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan wieder aufgebrochen. Der Waffenstillstand unter russischer Aufsicht ist brüchig, der Streit um die Region längst nicht beigelegt. Die Folgen der Kämpfe sind allgegenwärtig: Tausende Soldaten sind gefallen, über 90 000 Menschen mussten flüchten. Nur etwas mehr als ein Viertel von ihnen konnte bislang zurückkehren. Die Mehrheit der Flüchtlinge ist in Armenien gestrandet und kämpft dort ums Überleben. Staatliche Hilfen bleiben aus, auch viele Hilfsorganisationen haben sich zurückgezogen.
Unsere Liebe Frau von Armenien

Unterschlupf in der Industriebrache

 

Mitarbeiter des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN) haben sich vor Ort ein Bild gemacht und mit mehreren Flüchtlingsfamilien gesprochen. So auch mit der Familie von Lida. Sie hat in Artaschat Zuflucht gefunden, einer Kleinstadt im Dreiländereck zwischen Armenien, der Türkei und Aserbaidschan. Das Stadtzentrum liegt weit entfernt, lange, staubige Schotterstraßen führen durch verlassene Industrieanlagen – Relikte aus sowjetischer Zeit. Am Ende eines dieser Fabrikgrundstücke steht ein verlassen aussehendes Haus. Doch der erste Eindruck trügt.

 

In der Tür steht Lida, eine Frau mittleren Alters. Sie freut sich über den Besuch, sonst kommt kaum jemand vorbei. Ihre Schwiegertochter Mariam und Enkelin Nané sind bei ihr. „Unser Leben war gut in Bergkarabach“, erinnert sich Lida. Sie hat als Lehrerin gearbeitet. Seit Jahren ist sie verwitwet, zwei Söhne mit Familien lebten bei ihr.

Lida mit ihrer Enkeltochter Nané. © Ismael Martinez Sanchez/Kirche in Not
Doch das änderte sich schlagartig: „Gleich am ersten Tag des Krieges haben sich meine Söhne zum Militär gemeldet. Sie sind 22 und 24 Jahre alt. Ich war allein mit meiner Schwiegertochter und der Kleinen.“ Dann kam der Krieg ins Dorf – aus der Luft wurde es beschossen und bombardiert. „Zuerst sind wir unter den Küchentisch gekrochen“, erzählt Lida. „Später haben wir uns im Keller versteckt. Strom und fließend Wasser gab es längst nicht mehr.“

 

Schließlich hätte sie der Dorfvorsteher informiert, dass sie ihre Heimat verlassen müssen. Zunächst flohen sie in die Stadt Bedsor, wie viele andere Bewohner von Bergkarabach. Doch schon nach einer Woche mussten sie auch dort weg: „Wir sind in Bussen nach Armenien abtransportiert worden. Wir hatten nur einen Koffer dabei.“ Zuerst kamen sie in Artaschat bei Verwandten unter. Aber die Enge sei belastend gewesen, erzählt Lida. „Das war kein Dauerzustand. Seit einem halben Jahr leben wir jetzt hier, in diesem verlassenen Haus.“

Lidas Schwiegertochter schaut durch das Loch in der Decke in ihrer Behelfsunterkunft. © Ismael Martinez Sanchez/Kirche in Not
Auch in der neuen Unterkunft gibt es weder Strom noch Wasser. In der Zimmerdecke klafft ein Loch, durch das man bis in den ersten Stock schauen kann. Für Esstisch, Stühle, Bett und Schrank mussten die beiden Frauen Schulden machen. „Wir müssen zusätzlich noch einen Kredit abzahlen, den wir in Bergkarabach aufgenommen haben. Die Bank kennt da keine Gnade.“

 

Wo staatliche Hilfen ausbleiben, springt die Kirche ein

 

Staatliche Hilfe in Höhe von umgerechnet etwa 130 Euro gab es nur vier Monate lang. Familien, die einen Angehörigen im Krieg verloren haben, bekamen eine einmalige Zahlung von rund 18 000 Euro. Glücklicherweise kamen Lidas Söhne unversehrt aus dem Krieg zurück, körperlich zumindest. Ihr Ältester, berichtet Lida, sei jedoch schwer traumatisiert und arbeitsunfähig. „Mein jüngerer Sohn hat jetzt wenigstens ein Job in einer Konservenfabrik gefunden. Aber er wird schlecht bezahlt. Den ersten Lohn hat er erst nach einem halben Jahr bekommen.“ Auch Lida versucht etwas zum Unterhalt der fünfköpfigen Familie beizutragen: Sie gibt Nachhilfeunterricht.

Armenischer Soldatenfriedhof in Jerablur, der am westlichen Stadtrand von Jerewan liegt, zu Ehren der im Krieg gegen Aserbaidschan um Bergkarabach im Jahr 2020 gefallenen Soldaten. © Ismael Martínez Sánchez / ACN
Wie in vielen anderen Krisenregionen greift die Kirche den Flüchtlingen unter die Arme, wo es kaum staatliche Hilfe gibt. Priester, Ordensfrauen und Mitarbeiter in den Kirchengemeinden leisten geistlichen und psychologischen Beistand, aber sie helfen auch ganz handfest: Sie organisieren behindertengerechten Wohnraum für Kriegsversehrte, helfen bei der Arbeitsplatzsuche oder besorgen Lebensmittel und Medikamente. „Kirche in Not“ finanziert zum Beispiel ein Nothilfeprogramm für 150 Familien in der Stadt Goris nahe der Grenze zu Bergkarabach.

 

Viele Flüchtlingsfamilien haben ihre Haupternährer verloren, auch wenn sie den Kriegseinsatz überlebt haben: Teilweise sind die Männer in Bergkarabach geblieben, um ihr Eigentum zu schützen oder sie durchlaufen Reha-Maßnahmen nach dem Militäreinsatz. Manche Familienväter sind auch nach Russland gegangen und suchen dort Arbeit.

Ordensfrauen sind die Stützen der Arbeit der Kirche in Armenien. © Ismael Martínez Sánchez / ACN
Tränen schießen Lida in die Augen, als sie über die aktuelle Situation in Bergkarabach berichtet: „Eigentlich sollen wir zurückkehren. Aber es ist dort nicht sicher. Die an der Grenze stationierten russischen Truppen schließen im Zweifel die Augen. Unser Haus ist außerdem von Aserbaidschanern besetzt. Sie posten das ganz ungeniert auf Facebook.“ Das Leid der Flüchtlinge von Bergkarabach geht weiter – auch am zweiten Weihnachtsfest in Elend und Vertreibung.

 

Unterstützen Sie vertriebene Christen aus der Region Bergkarabach und den Einsatz der Kirche für Kriegsflüchtlinge mit Ihrer Spende – entweder online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

 

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Kinderpastoral in Armenien:

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Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat von Projektpartnern aus Indien Berichte erhalten, wonach extremistische Hindu-Gruppen an den Weihnachtstagen gezielt gegen Christen und christliche Einrichtungen vorgegangen sind. „Wir sind zutiefst schockiert über diese Gewaltwelle, die sich leider in jüngster Zeit schon abgezeichnet hat“, erklärte Florian Ripka, Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland. „Indien, die größte Demokratie der Welt, wird für Christen und andere religiöse Minderheiten mehr und mehr zu einem Land der Unsicherheit und der Angst. Das setzt uns in Alarmbereitschaft.“
Zerstörte Kirche im Bundesstaat Odisha. © Kirche in Not
Dr. Suresh Mathew, Herausgeber der katholischen Wochenzeitung „Indian Currents“, bestätigte dem Hilfswerk acht christenfeindliche Attacken an den Feiertagen. Diese gingen auf das Konto hindunationalistischer Kräfte, unter anderem der „Hindutva Brigade“. Sie gilt als militanter Arm der Regierungspartei BJP (Bharatiya Janata Party), der auch der indische Premierminister Narendra Modi angehört. Nachdem die „Hindutva Brigade“ Medienberichten zufolge in jüngster Vergangenheit muslimische Einrichtungen attackiert habe, ging sie an den Weihnachtstagen gezielt gegen Christen vor.

 

Christmette gestürmt und Gläubige bedroht

 

Laut Mathew sei etwa im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh ein Mob vor das Kloster „Mathridham Ashram“ in Varanasi gezogen. Die Menge skandierte „Church Murdabad“, auf Deutsch in etwa „Nieder mit der Kirche“ oder „Tod der Kirche“. In der Stadt Ambala im Bundesstaat Haryana hätten Extremisten eine Christusstatue beschädigt; in Silchar (Bundesstaat Assam) sei eine Christmette gestürmt und die Gläubigen bedroht worden. An mehreren Orten gab es Proteste gegen Weihnachtsfeiern an christlichen Schulen oder auf öffentlichen Plätzen.

Indische Christen beim Gebet. © Kirche in Not
Irritationen hatten auch Berichte über die von Mutter Teresa gegründeten „Missionarinnen der Nächstenliebe“ ausgelöst. Die Ordensleitung bestätigte, dass ihr Verlängerungsantrag, um Spenden aus dem Ausland annehmen zu dürfen, nicht verlängert worden sei. Nach Angaben des indischen Innenministeriums sei die erneute sogenannte FCRA-Registrierung am 25. Dezember abgelehnt worden, weil die Zulassungsbedingungen nicht erfüllt worden seien. In den vorhergehenden Monaten hatten nationalistische Gruppen den „Missionarinnen der Nächstenliebe“ vorgeworfen, sie würden hinduistische Mädchen in Kinderheimen zur Konversion zwingen und religiöse Gefühle verletzen.

 

„Organisierte Gewalt gegen Christen weitet sich aus“

 

Einem im Oktober erschienenen Bericht mehrerer Menschenrechtsorganisationen zufolge herrsche in 21 der 28 Bundesstaaten Indiens Christenverfolgung; bis September 2021 registrierte der Bericht 305 Gewalttaten gegen Christen oder christliche Einrichtungen. „Die organisierte Gewalt gegen Christen weitet sich im ganzen Land aus“, erklärte A. C. Michael, einer der Mitherausgeber des Berichts vom „United Christian Forum“. Weitere Herausgeber waren die „Association for Protection of Civil Rights“ und die Gruppe „United Against Hate“. Der Bericht kritisiert, dass Polizei und Behörden zu zögerlich gegen die Täter vorgingen. Auch immer mehr christliche Frauen gerieten ins Visier der Fanatiker. „Wir leben in einer sehr bedrohlichen Situation“, sagte Michael gegenüber „Kirche in Not“.

Christen machen rund 2,3 Prozent der 1,3 Milliarden Einwohner Indiens aus. Die Kirchen engagieren sich vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheitsfürsorge und anderen wohltätigen Zwecken.

 

Weitere Informationen zu antichristlicher Gewalt in Indien und Attacken gegen andere religiöse Minderheiten enthält die Dokumentation „Religionsfreiheit weltweit 2021“ von „Kirche in Not“: https://acninternational.org/religiousfreedomreport/de/reports/in/

 

Unterstützen Sie die bedrängte christliche Minderheit in Indien und den Einsatz der Kirche für marginalisierte Bevölkerungsgruppen – entweder online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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- Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland

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Zum Jahreswechsel erinnert der Geschäftsführende Präsident der internationalen Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ (Aid to the Church in Need ACN), Dr. Thomas Heine-Geldern, an die zunehmende religiöse Verfolgung weltweit. Er beklagt auch eine steigende Intoleranz gegenüber christlichen Überzeugungen in der westlichen Welt. Gleichzeitig sei die Aufmerksamkeit für die Opfer religiöser Verfolgung gestiegen, stellt Heine-Geldern fest. Seine Erklärung im Wortlaut:

 

„Im Jahr 2021 war unsere Arbeit bei ,Kirche in Not’ geprägt von Dankbarkeit und Sorge. Dankbar sind wir vor allem, dass Gott auch in diesem Jahr unsere Arbeit sichtbar gesegnet hat. Dankbar sind wir auch so vielen Wohltätern, Freunden und Verbündeten weltweit.

Vorstellung des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2021“ in Berlin (von links): Regina Lynch (Projektdirektorin von KIRCHE IN NOT/ACN International), Heiner Koch (Erzbischof von Berlin), Thomas Heine-Geldern (Geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT/ACN), Markus Grübel MdB (Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit), Mark von Riedemann (Vorsitzender des Redaktionsausschusses des Berichts).l
Unser besonderer Dank gilt Papst Franziskus. Er hat mit seinem Irak-Besuch im vergangenen Frühjahr die dortige christliche Minderheit getröstet und ihr Hoffnung gebracht. Vor allem hat der Heilige Vater die Augen der Weltöffentlichkeit auf die Situation der Christen im ganzen Nahen Osten gelenkt. Sie sind konstitutiver Teil ihrer Heimatländer, werden aber allzu oft als Bürger zweiter Klasse behandelt.

 

Exodus der Christen im Nahen Osten geht ungebremst weiter

 

Im Irak, in Syrien und auch im Libanon leidet die christliche Minderheit unter den Folgen von Krieg und wirtschaftlicher Misere. Der Exodus der Christen geht ungebremst weiter. ,Kirche in Not’ arbeitet zusammen mit Wohltätern und Projektpartnern daran, den Christen im Nahen Osten Zukunftsperspektiven in ihrer Heimat zu eröffnen und ihr Elend zu verringern.

 

Ein weltweit wahrgenommener Lichtblick im Zusammenleben von Christen und Muslimen in der arabischen Welt war Anfang Dezember die Weihe der Kathedrale ,Unsere Liebe Frau von Arabien’ in Bahrain, deren Bau ,Kirche in Not’ unterstützt hat.

Christlicher Junge beim Papstbesuch im Irak. © Kirche in Not

Gemeinsamer Einsatz für Religionsfreiheit

Besonders erfreulich ist auch das große Echo auf unseren Bericht ,Religionsfreiheit weltweit 2021’, den wir im April vorgelegt haben. Der Bericht deckt nicht nur die religiöse Verfolgung in vielen Ländern weltweit auf. Er ist auch, dass Kirchen und Religionsgemeinschaften, Nichtregierungsorganisationen, Politik und öffentliche Akteure zusammen einstehen müssen für das Menschenrecht auf Religionsfreiheit. Die Freiheit des religiösen Bekenntnisses ist der Gradmesser unserer Humanität.

 

Zum weltweit sichtbaren Zeichen für bedrängte Christen hat sich auch die Initiative ,Red Wednesday/Red Week’ entwickelt. 2015 von ,Kirche in Not’ ins Leben gerufen, machen mittlerweile Ende November immer mehr Kirchen und Einrichtungen auf der ganzen Welt mit. Ich danke allen Teilnehmern für ihre Solidarität und ihr Gebet.

 

Morde und Entführungen von Geistlichen und Gläubigen nehmen zu

 

Leider erreichten uns im zu Ende gehenden Jahr fast wöchentlich Berichte über religiöse Verfolgung und Gewalt. Priester, Ordensleute und Laien werden in ihrem Einsatz getötet, entführt oder misshandelt. Gerade die aktuelle Lage in Indien oder Nigeria erfüllt uns mit großer Sorge und setzt uns in Alarmbereitschaft.

Dr. Thomas Heine-Geldern, Geschäftsführender Präsident von „Kirche in Not“ (ACN) International, bei der Präsentation des Berichts „Religionsfreiheit weltweit“ im April 2021. © Kirche in Not
Dramatisch ist die Lage in den Ländern der afrikanischen Sahelzone und in Mosambik. Die Gewalt trifft alle, Christen aber ganz besonders. Es ist sehr zu bedauern, dass die Kirche an vielen Orten durch den Terror an ihrer pastoralen und sozialen Arbeit gehindert wird: Viele von der Kirche geführten Kliniken, Schulen und viele andere lebenswichtige Orte sind geschlossen. Außerdem sind die kirchlichen Mitarbeiter in diesen Ländern mit der Herkules-Herausforderung konfrontiert, hunderttausende Flüchtlinge und Vertriebene zu versorgen und zu betreuen.

 

,Höfliche Verfolgung’ in westlichen Ländern

 

Auch in den westlichen Ländern registriert ,Kirche in Not’ zunehmende Gewaltakte gegen religiöse Einrichtungen und eine Entwicklung, die Papst Franziskus als ,höfliche Verfolgung’ beschrieben hat: Glaubensüberzeugungen sollen unter dem Deckmantel einer vermeintlichen ,Toleranz’ aus dem öffentlichen Leben gedrängt werden.

Basilika Sankt Suitbertus in Düsseldorf während des von KIRCHE IN NOT veranstalteten „Red Wednesday“
Das jüngste Beispiel war das interne Dokument der Europäischen Kommission zur integrativen Sprache mit dem Vorschlag, christliche Bezeichnungen und Namen zu vermeiden, beispielsweise das Wort ,Weihnachten’ durch ,Feiertage’ zu ersetzen. Das Dokument wurde zurückgezogen, was wir befürworten. Denn das durchaus berechtigte Anliegen der Inklusion hätte in diesem Fall die Exklusion der größten Glaubensgemeinschaft der Europäischen Union mit sich gebracht. Immerhin sind fast zwei Drittel der EU-Bürger Christen.

 

Besonders denken wir zum Jahresende an die Opfer der Covid-19-Pandemie: Viele Ordensfrauen, Bischöfe, Priester und Katecheten sind in Ausübung ihres Dienstes an der Krankheit gestorben. Sie haben ihr Leben geopfert, um trotz der gesundheitlichen Gefahr den ihnen anvertrauten Menschen nahe zu sein. Das ist ein großes Zeugnis der Hingabe.“

Der KIRCHE IN NOT-Jahresrückblick in bewegten Bildern:

Unterstützen Sie den Einsatz von „Kirche in Not“ für bedrängte und notleidende Christen in rund 140 Ländern weltweit mit Ihrer Spende – entweder online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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Auch in diesem Jahr erteilt Pater Michele Goegan, Prior des Karmelitenklosters St. Anna in Genua (Italien), wieder den Segen für die Wohltäter von KIRCHE IN NOT.  Vielen Dank für Ihre Treue und Ihre Hilfsbereitschaft für die notleidende Kirche weltweit. Möge der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren.
Pakistanischer Junge mit einer Figur des Prager Jesuleins.

Der Text im Wortlaut:

Frohe Weihnachten, liebe Freunde von KIRCHE IN NOT! Ich bin Pater Michele,  und ich befinde mich in der Kirche St. Anna in Genua, dem ältesten Kloster der Unbeschuhten Karmeliten außerhalb Spaniens. Ich wünsche euch alles, alles Gute für dieses Weihnachtsfest, und ich wollte bei der Krippe anfangen, die wir in dieser Kirche aufgebaut haben, damit sie euch Hoffnung, Freude und inneren Frieden einflößt. Es ist wahr, wir befinden uns noch in der Zeit der Pandemie, die Ansteckungen nehmen zu, es gibt noch so viele Kriege, so viele Christen werden verfolgt, und es gibt so viele Flüchtlinge.

 

Aber wir wollen nicht mutlos werden! Vertrauen wir auf den Kleinen König! Seine Gegenwart möge uns Hoffnung und Frieden schenken! Ich befinde mich auch in der Kapelle der heiligen Märtyrerin Ursula, die ihr hinter mir seht, da ich weiß, wie viele Christen weltweit verfolgt werden, weil sie Zeugnis für Christus ablegen. Und ich weiß, wie sehr ihr diese Verfolgten liebt und sie unterstützt, liebe Wohltäter von KIRCHE IN NOT.

 

Daher möchte ich euch an diesem Ort des Martyriums und der Hoffnung so viele gute Wünsche für diese heilige Zeit aussprechen. Und ich gebe euch den Segen des Jesuskindes, damit Es euch und besonders alle Leidenden, immer beschützen möge. Der Herr sei mit euch! Es segne euch der Allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Alles Gute, liebe Freunde, und frohe Weihnachten!

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

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Vor 40 Jahren wurde am 13. Dezember 1981 in Polen das Kriegsrecht ausgerufen. Die moskautreuen Militärs und Funktionäre um General Wojciech Jaruzelski sahen darin das letzte Mittel, ihre Macht zu erhalten. Die kommunistische Partei reagierte damit auf den wachsenden Einfluss der Gewerkschaft Solidarność, die ihre Initialzündung durch die Wahl Papst Johannes Paul II. und seinen ersten Besuch in der Heimat im Jahr 1979 erhalten hatte.

 

Deshalb übte Moskau auf die polnische Regierung Druck aus, das Kriegsrecht auszurufen, um so die Aktivitäten von Solidarność zu unterbinden. Der sowjetische Parteichef Leonid Breschnew drohte sogar mit dem Einmarsch der Roten Armee. In Polen war die Angst davor groß. General Jaruzelski ließ Ministerpräsident Gierek verhaften und verhängte das Kriegsrecht. Die Solidarność wurde verboten, und Lech Walesa verhaftet. Streiks wurden niedergeschlagen, Oppositionelle inhaftiert oder des Landes verwiesen. Es gab Tote.

Auch während des verhängten Kriegsrechts gingen die Menschen in Polen auf die Straße (wikipedia, gemeinfrei).
Es ist wenig bekannt, dass „Kirche in Not“ angesichts der gefährlichen Lage in Polen bereits im Frühjahr 1981 einen Aufruf gestartet hatte, der in ganz Europa Gehör fand und in Belgien zur Aktion „Ein Schiff für Polen“ führte. Diese nationale Aktion, an der sich elf Organisationen beteiligten, hatte Ende 1981 bereits 1.670.000 Dollar für den Ankauf von Lebensmitteln, Waschmitteln und sanitären Artikeln gesammelt. „Kirche in Not“ schenkte der polnischen Caritas, die alle Spenden verteilte, zwei Zwanzigtonner und zehn kleine Lastwagen für den Transport in Polen. Die Freunde des Werkes in der Schweiz steuerten 50.000 Dollar zu den Transportkosten bei und beteiligten sich intensiv an der Sammlung von Dutzenden Tonnen Sachspenden.

 

In Deutschland und Frankreich finanzierte „Kirche in Not“ Ankauf und Transport vieler Tausender Liter Messwein. In England wurden 150.000 Dollar für Lebensmittel gesammelt. Am 19. Februar 1982 rollten in Anwesenheit von Königin Fabiola von Belgien 40 LKWs mit mehr als 200 Tonnen Zucker, Konserven, Milchpulver und ein Tankwagen voller Diesel für die Heimfahrt von Belgien nach Polen. Hinzu kamen 300 Tonnen Speck, Fett, Kleider und Nähmaschinen aus dem Warenlager des Hilfswerks sowie 60 Tonnen Zucker und Milchpulver des belgischen Bauernvereins. Es war die größte sozial-caritative Hilfsaktion von „Kirche in Not“ seit der Ungarnaktion von 1956.

Priesterseminar in Tarnow. Anfang der Achtzigerjahre studierten 8500 Priesteramtskandidaten in Polen. KIRCHE IN NOT half auf vielfältige Weise, z.B. durch die Finanzierung des Essens,
Am 22. Juli 1983 hob die polnische Regierung offiziell das Kriegsrecht auf, das eine Bankrotterklärung des kommunistischen Regimes gewesen war. Die Gewerkschaft Solidarność wurde wieder zugelassen und stellte mit dem Gewerkschaftsführer Lech Wałęsa den Präsidenten nach den ersten freien Wahlen seit der Wende 1989.

 

KIRCHE IN NOT und die Hilfe für Polen

 

„Ein Schiff für Polen“ war nicht die erste Hilfsaktion von KIRCHE IN NOT in Polen. Bereits vor der Ausrufung des Kriegsrechts 1981 wurden dort 57 beschauliche Klöster mit 1.355 Klausurschwestern ebenso unterstützt, wie die Priesterseminare des Landes, die zu der Zeit mit 8.500 Priesteramtskandidaten brechendvoll waren. Weitere Hilfen galten der Versorgung alter Priester, der Unterstützung kirchlicher Druckereien, dem Druck von Bibeln und anderer religiöser Bücher, der Einrichtung oder Sanierung von katholischen Krankenhäusern, der Förderung katechetischer Mittel u.v.m.

 

Als die kommunistischen Machthaber eine riesige Arbeiter-Trabantenstadt planten, Nowa Huta bei Krakau, eine ,,Stadt ohne Gott“, in der kein Platz für eine Kirche sein sollte, half „Kirche in Not“ auch hier. Kardinal Wojtyla gelang es, dem Regime 1967 eine Baugenehmigung für ein Gotteshaus abzuringen. Zwischen 1967 und 1977 wurde in Nowa Huta eine Kirche mit Hilfe von „Kirche in Not“ errichtet, die schließlich am 15. Mai 1977 der ,,Königin von Polen“ geweiht wurde. Diese Kirche gilt in Polen bis heute als Symbol des siegreichen Katholizismus gilt.

Karol Kardinal Wojtyła besichtigt den Bauplatz in Nowa Huta.

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Am 10. Dezember 2021 wird die Kathedrale „Unsere Liebe Frau von Arabien“ in Bahrain ihrer Bestimmung übergeben. Damit geht das größte Kirchenbauprojekt auf der Arabischen Halbinsel nach fast sieben Jahren Bauzeit zu Ende. Die Kirche befindet sich in Awali, etwa 23 Kilometer südlich von Manama, der Hauptstadt des Inselstaats Bahrain. Die neue Kathedrale in Form eines Zelts verfügt über 2300 Sitzplätze, zwei Kapellen und Veranstaltungsräume. Auch das 2012 errichtete Apostolische Vikariat für das Nördliche Arabien hat dort seinen Sitz. Das Zentrum kann auch von anderen christlichen Konfessionen genutzt werden.
Innenraum der neuen Kathedrale. © Mattia del Prete Architect MDPA

Meilenstein im christlich-muslimischen Dialog

 

Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) gehört zu den Unterstützern des neuen Gotteshauses, das auch als Meilenstein im christlich-muslimischen Dialog gilt. Das wird auch dadurch unterstrichen, dass am Tag vor der Kirchweihe der bahrainische König, Scheich Hamad bin Isa Al Chalifa, den neuen Gebäudekomplex eröffnet. König Al Chalifa gehört zu den größten Förderern des Projekts und hat der katholischen Gemeinschaft auch den Baugrund zur Verfügung gestellt. Die kirchliche Weihe an diesem Freitag wird Louis Antonio Kardinal Tagle, Präfekt der Vatikan-Kongregation für die Evangelisierung der Völker, vollziehen.

 

Die Kathedrale „Unsere Liebe Frau von Arabien“ ist der neue geistliche Mittelpunkt für die christliche Minderheit des Apostolischen Vikariats für das Nördliche Arabien. Das Vikariat umfasst neben Bahrain auch Kuwait, Katar und Saudi-Arabien. Auf der Arabischen Halbinsel leben etwa 2,5 Millionen Katholiken; die meisten von ihnen sind Wanderarbeiter verschiedener Nationen und Kulturen. Ihr geistliches Oberhaupt ist Bischof Paul Hinder, ein gebürtiger Schweizer Kapuziner. Er hat im Mai 2020 zusätzlich zu seinem Amt als Apostolischer Administrator für das Südliche Arabien auch die Verantwortung für die katholischen Gemeinden im Nördlichen Arabien übernommen, nachdem der dortige Administrator, Bischof Camillo Ballin, verstorben war. Ballin war der Motor hinter dem Bauprojekt.

Bei der Grundsteinlegung im Jahr 2018. Links der damalige Apostolische Administrator für das Nördliche Arabien, Bischof Camillio Ballin (ⴕ). © Kirche in Not

Wachsende Zahl von Katholiken auf der Arabischen Halbinsel

 

„Die neue Kathedrale ist ein wichtiger Schritt in den Beziehungen zwischen Kirche und Staat, und sie zeugt auch von der wachsenden Zahl der Katholiken auf der Arabischen Halbinsel“, erklärte Regina Lynch, Projektdirektorin am Sitz der internationalen Zentrale von „Kirche in Not“ in Königstein im Taunus. „Bisher gab es nur fünf offiziell anerkannte Kirchen für die Gläubigen in einer Region, die fast so groß ist wie Deutschland und Frankreich zusammen.“ In Bahrain, wo etwa 90 000 Katholiken leben, existierten bislang nur eine Kirche in der Hauptstadt Manama und eine Kapelle in einem Vorort. Dort mussten über das Wochenende bislang 25 heilige Messen gefeiert werden, um allen Gläubigen die Teilnahme zu ermöglichen. Die Gottesdienste waren stets überfüllt.

 

Auch viele Christen verschiedener Riten aus Saudi-Arabien und anderen Ländern kämen nach Bahrain, um dort ihren Glauben zu praktizieren und die Sakramente zu empfangen, erklärte Lynch: „Auf der gesamten arabischen Halbinsel, insbesondere aber in Saudi-Arabien, ist die öffentliche Ausübung des Christentums stark eingeschränkt. Christen können sich nur in ausländischen Botschaften oder Privathäusern treffen. Deshalb ist die neue Kathedrale in Bahrain auch ein wichtiges Hoffnungssignal für die Christen in anderen Ländern der Region.“

Bischof Camillo Ballin (ⴕ) besucht indische Gastarbeiter in Kuwait.

„Viele Christen leben allein und unter armseligen Umständen“

 

Für den Leiter des Bauprojekts, Dompfarrer Saji Thomas, ist das neue Gotteshauses „ein Paradebeispiel für religiöse Harmonie und Toleranz und ein großartiges Beispiel für friedliche Koexistenz“, wie er gegenüber „Kirche in Not“ erklärte. Bahrain fährt im Vergleich zu den anderen Staaten der Arabischen Halbinsel einen toleranteren Kurs gegenüber der christlichen Minderheit. Bereits die erste katholische Kirche der Neuzeit war 1939 in Bahrain errichtet worden, auch damals hatte der Emir ein Grundstück zur Verfügung gestellt.

 

Dennoch sei die Lage der Christen in Bahrain schwierig, erklärte Projektdirektorin Regina Lynch: „Nicht wegen der Regierung, sondern weil sie ihre Heimatländer, ihre Familien und Freunde verlassen haben.“ Die Mitglieder der katholischen Gemeinde in Bahrain stammen nach Angaben des Apostolischen Vikariats vorrangig aus Indien, Pakistan, Sri Lanka, von den Philippinen, aus dem Libanon, Jordanien, aber auch aus afrikanischen und südamerikanischen Staaten. „Viele dieser Migranten leben allein und unter armseligen Umständen“, sagte Lynch. Die Corona-Pandemie und wirtschaftliche Krisen hätten die Situation für viele Menschen noch schlimmer gemacht. „Sie brauchen eine spezielle Begleitung und Fürsorge, sonst gehen sie verloren.“

 

Unterstützen Sie die katholische Gemeinschaft in Bahrain und den Einsatz der Kirche auf der Arabischen Halbinsel mit Ihrer Spende – entweder online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

 

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Interview mit dem Journalisten Oliver Maksan über die historische Papstreise auf die Arabische Halbinsel

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