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Franz Viktor Werfel (1890-1945) war ein österreichischer Schriftsteller jüdisch-deutschböhmischer Herkunft. Im Jahr 2020 gedenken wir seines 130. Geburtstages und seines 75. Todestages. Er war ein Wortführer des lyrischen Expressionismus, wurde aber besonders durch seine erzählenden Werke populär. Mit seinem zweibändigen historischen Werk „Die 40 Tage des Musa Dagh“ entriss er das Verbrechen des Völkermords an den Armeniern dem Vergessen. – Eine geschichtliche Einordnung des berühmten Romans von Franz Werfel durch Prof. Dr. Rudolf Grulich.
Franz Werfel 1890 – 1945. (© Public Domain)
1933 erschien in Wien und Berlin der Roman Franz Werfels „Die vierzig Tage des Musa Dagh“. Wie kaum ein Historiker hat der Prager Autor dazu beigetragen, dass die Tragödie der Armenierverfolgung von 1915 nicht vergessen wurde.

 

In einer „Nachbemerkung des Autors“ schreibt Werfel in der Erstausgabe zu seinem Roman: „Dieses Werk wurde im März des Jahres 1929 bei einem Aufenthalt in Damaskus entworfen.

 

Das Jammerbild verstümmelter und verhungerter Flüchtlingskinder, die in einer Teppichfabrik arbeiteten, gab den entscheidenden Anstoß, das unfassbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen.“

Titelbild des Romans “Die vierzig Tage des Musa Dagh”.
Werfels Roman fußt auf der historischen Grundlage, dass sich im Sommer 1915 die Bewohner einiger armenischer Dörfer bei Antiochien auf den Musadagh (so die heutige türkische Schreibweise), auf den Moses-Berg, zurückgezogen hatten und alle Angriffe türkischer Einheiten abwehren konnten, bis sie nach vierzig Tagen von einem französischen Kriegsschiff gerettet und nach Alexandrien gebracht wurden.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg kehrten sie in ihre Dörfer zurück, als Syrien französisches Mandatsgebiet war. Doch 1938 überließen die Franzosen das Gebiet um Antiochien (heute Antakya) und Alexandrette (heute Iskenderun) der Türkei. Die meisten Armenier verließen damals ihre Dörfer auf dem Musadagh. Ihre Nachkommen siedeln heute meist in Anjar, einem Dorf an der Strecke zwischen Beirut und Damaskus, andere leben in Eriwan und in anderen Teilen der Welt.

Armenischer Friedhof auf dem Musa Dagh.
Nur wenige blieben am Musadagh, und zwar in Vakifliköyü, das heute das einzige armenische Dorf der Türkei ist. Nur mit geländegängigen Fahrzeugen gelangt man dort hin, entweder von Samandagh aus oder über Tekepinar. Während in Tekepinar nur die Ruine der einstmals großen armenischen Kirche steht, gibt es in Vakifliköyü noch eine 1997 renovierte Kirche und einen Friedhof. In den Sommermonaten betreut ein Priester aus Istanbul die kleine Gemeinde. Sonst sind die nächsten armenischen Kirchen in Iskenderun und Kirikhan.

 

Ein Schauplatz der Weltliteratur

Tekepinar ist heute ein beliebter Ausflugsort für die Großstädter von Antakya, dem alten Antiochien, wo nach der Apostelgeschichte die Jünger Jesu erstmals „Christen“ genannt wurden. Es liegt wie die von Werfel beschriebenen Dörfer malerisch am Hang des Musadagh. Auf dem Dorfplatz kommen Schüler der naheliegenden Schule und fragen, ob man zur Kirche wolle. Es geht einen Fußweg steil bergauf, dann liegt auf einem kleinen Plateau die zerstörte Kirche vor uns.

 

Bei unserem Besuch im Jahre 2002 war sie noch von Gestrüpp umwuchert, 2004 war der Platz gesäubert, der Schutt weggeschafft und sogar eine kleine Holzbude errichtet, in der wohl bald die Eintrittskarten verkauft werden, wenn die Ruine von mehr Touristen besucht wird.

Die Marienkirche in Vakifliköyü, dem einzigen armenischen Dorf in der Türkei.
Die Kuppel der Kirche ist eingestürzt und man sieht vom Inneren der Kirche in den blauen Himmel. An den mächtigen Säulen der dreischiffigen Basilika kann man die ehemalige Schönheit des Raumes ahnen. Wann wurde die Kirche zerstört? Die Dorfbewohner zucken die Schultern. Es muss 1938 beim Abzug der Armenier gewesen sein. Täter waren wohl die Neuansiedler, die Väter der im Café sitzenden Männer.

 

Die schmale Straße führt am Hang weiter. Es geht über kühne kleine Brücken und subtropische Landschaften vorbei an Ruinen armenischer Kirchen. Nur in Vakifliköyü ist noch armenische Gegenwart erhalten. Eine Bewohnerin im Nachbarhaus der Kirche spricht deutsch. Sie ist auf Urlaub hier, denn seit mehr als dreißig Jahren arbeitet sie in Deutschland.

 

Sie ist Armenierin, in Augsburg aber wegen ihres Passes eine türkische Gastarbeiterin. So geht es Tausenden Armeniern aus der Türkei. Immerhin werden sie heute in Deutschland von einem armenischen Bischof in Köln und einigen Priestern betreut.

 

1997 ist Werfels Roman auch in der Türkei in türkischer Übersetzung erschienen. „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ ist kein antitürkisches Buch, denn Werfel lässt in diesem Werk auch Nezimi Bey sprechen: „An den armenischen Leichenfeldern wird die Türkei zugrunde gehen“, und er lässt ihn den deutschen Pastor Dr. Johannes Lepsius fragen: „Wissen Sie, dass die wahren Türken die armenischen Verschickungen noch heftiger verwerfen als Sie?“

Kirchenruine oberhalb von Tekepinar am Musa Dagh.
Durch Nezimis Vermittlung und auf Rat des armenischen Patriarchen kann Lepsius auch den muslimischen Scheich Ahmed und dessen Derwisch-Orden besuchen. In dem Gespräch der beiden wird der „Nationalismus, der heute bei uns herrscht“, als Ursache genannt, „ein fremdes Gift, das aus Europa kam.

 

Vor wenigen Jahrzehnten lebten unsere Völker treu unter der Fahne des Propheten: Türken, Araber, Kurden, Lasen und andere mehr. Der Geist des Korans glich die irdischen Unterschiede des Blutes aus.“ Der alte Scheich erklärt Lepsius: „Der Nationalismus füllt die brennend leere Stelle, die Allah im menschlichen Herzen zurücklässt, wenn er daraus vertrieben wird.“

 

Werfel lässt ferner einen türkischen Hauptmann, der Mitglied des Ordens ist, berichten, dass er mehr als tausend armenische Waisenkinder in türkischen und arabischen Familien unterbrachte. Schließlich bringen Derwische sogar etwas Hilfe für die belagerten Christen auf den Musadagh.

 

Heute leugnet die türkische Regierung immer noch die Verantwortung, ja die Tatsache dieses Völkermordes. Dass muss eigentlich verwundern, denn wenig bekannt ist bis heute, dass es 1919 bis 1921 auf Druck der alliierten Mächte in Istanbul Kriegsverbrecherprozesse gegen türkische Politiker gab, um den Völkermord an den Armeniern zu untersuchen und die Verantwortlichen zu bestrafen.

Kirchenhistoriker Rudolf Grulich über die Geschichte des Christentums in der Türkei:

Der türkische Wissenschaftler Taner Akcam hat diesen kaum beachteten Vorläufer der Nürnberger Prozesse auch dem deutschen Leser zugänglich gemacht und in den Zusammenhang des Untergangs der alten Sultanherrschaft und des Aufstiegs der jungtürkischen Bewegung gestellt.

 

Die Hauptangeklagten Enver Pascha, Cemal Pascha und Talaat Pascha konnten fliehen und sich in Berlin frei bewegen wie heute die Kriegsverbrecher Karadzic und Mladic in Jugoslawien. Zwar wurden in Istanbul Urteile gefällt und gegen Einzelne sogar Todesurteile vollstreckt, aber die alliierten Pläne zur Aufteilung Anatoliens und die griechische Besetzung Izmirs 1919 mit den schrecklichen Übergriffen gegen türkische Zivilisten riefen den türkischen Widerstand gegen die „Siegerjustiz“ hervor.

 

Die „nationale Souveränität“ der Türkei siegte danach über die Zustimmung zu diesem Prozess, als die griechische Landung in Izmir mit den Massaker an der türkischen Zivilbevölkerung nicht geahndet wurde.

 

Hatten zunächst sowohl die osmanische Regierung in Istanbul als auch die Nationalbewegung in Anatolien Bereitschaft gezeigt, die Verantwortlichen des Völkermordes zu bestrafen, so verschwand nach den Morden in Izmir diese Bereitschaft sehr bald. „Das Recht hat jetzt die Seite gewechselt“, sagte sogar Winston Churchill schon nach der Landung der Griechen in Izmir, „Die Gerechtigkeit, dieses ewige Flüchtige aus den Räten der Eroberer, ist in das gegnerische Lager übergelaufen.“

Blick vom Musa Dagh auf die Orontesebene.
Seitdem leugnet die Regierung der Türkei bis heute die Armeniermassaker und stellt sie als Folge des Weltkrieges dar, als Kollateralschäden, wie es heute heißt. Diese Deportationen und Ausrottungsmaßnahmen sind zwar durch Werke von Johannes Lepsius und anderer Autoren im deutschen Sprachraum bekannt, aber auch durch Adolf Hitler, der sich bei seinen Mordplänen auf die Armenierendlösung berief. Bereits am 22. August 1939, also noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, ordnete er die Ausrottung der Polen an und fragte zynisch: „Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“

 

Im Jahre 1921, zwei Jahre bevor Hitler in München durch den Marsch zur Feldherrnhalle erstmals zur Macht kommen wollte, sprach ganz Berlin von den Armeniern. Denn einer der Hauptverantwortlichen für die Armeniervernichtung, Talaat Pascha, wurde am 15. März 1921 in Berlin von einem jungen Armenier erschossen, der alle seine Familienangehörige im Jahre 1915 verloren hatte und selber wie durch ein Wunder unter Leichen liegend das damalige Massaker überlebte.

 

Talaat Pascha war wie seine Mittäter Enver Pascha und Cemal Pascha nach dem verlorenen Krieg nach Berlin geflohen, weil ihm in Istanbul die Todesstrafe drohte, in Abwesenheit gegen ihn wie seine Kollegen verhängt wurde.

 

Als der Armenier, der ihn tötete, am 2. und 3. Juni 1921 in Berlin vor Gericht stand, kam die Schuld Talaat Paschas an der Vernichtung der Armenier zur Sprache. Als Sachverständiger war auch Dr. Johannes Lepsius vorgeladen, als Zeugen verschiedene Überlebende der Massaker. Die Anklage verzichtete angesichts der erdrückenden Beweise für die Urheberschaft Talaat Paschas auf eine Reihe weiterer Zeugen, darunter auch auf A. T. Wegener, der dann nach dem Freispruch des Armeniers das stenografische Protokoll des Prozesses veröffentlichte.

Innenraum der Marienkirche in Vakifliköyü.
Wegener, der im Ersten Weltkrieg Zeuge der Massaker in Kleinasien war, schreibt im Vorwort, dass das Unglück des armenischen Volkes ohne Beispiel sei und bringt im Anhang auch Dokumente, die zeigen, dass Talaat Pascha auch gegen die Türken und andere Muslime vorging, die armenische Waisenkinder adoptiert hatten. Talaat Paschas Sarg wurde vor dem Zweiten Weltkrieg nach Ankara überführt, wo er ein Ehrengrab hat, vor dem türkische Politiker sich verneigen und Kränze niederlegen.

 

Als 1933 Werfels Roman erschien, lenkte er sofort den ganzen Hass der Nazi-Machthaber auf sich. Er wurde von den Nazis aus der Preußischen Dichterakademie ausgeschlossen, sein Roman verfemt.

 

Dabei entspricht Werfels Darstellung den Ereignissen des Jahres 1915, lediglich die Gestalt des Helden Gabriel Bagradian entspringt der Idee des Autors. Werfel wollte mit Bagradian „einen Helden schildern, wie er ihn sich vorstelle … den türkischen Nationalismus beleuchten und die Geschichte der armenischen Gräuel berichten.“

- Adolf Hitler, 1939 - Hitler studierte den Armenier-Genozid genau. Das Schweigen weiter Teile der Weltöffentlichkeit bestärkte ihn in seiner Vernichtungspolitik gegen die Juden.
So wurde dieses Werk nach 1933 ein Schicksalsbuch aller rassischer Verfolgten. Die englische Übersetzung machte es weltbekannt. In New York und Paris wurde Werfel in den armenischen Kolonien gefeiert. Bis heute würdigen Armenier den Roman „als ein einzigartiges und für uns Armenier wertvolles Werk“.

 

1966 konnte ich in Anjar und Jerusalem noch mit Überlebenden sprechen, die als Kinder und Jugendliche 1915 auf dem Musadagh waren oder als junge Erwachsene Werfel 1929 in Damaskus trafen. Heute ist dies alles Geschichte. Aber Werfels Roman lebt als ein Buch der Weltliteratur.

Rudolf Grulich

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Für den heutigen 4. September hat Papst Franziskus zu einem „Tag des Gebets und des Fastens“ für die Menschen im Libanon aufgerufen. „Lasst uns durch konkrete Werke der Nächstenliebe unsere Nähe zeigen“, rief der Papst bei der Generalaudienz am vergangenen Mittwoch auf.

 

Die Explosionskatastrophe in Beirut vom 4. August haben nicht nur weite Teile der Hauptstadt des Libanon verwüstet, sie haben das ganze Land an den Rand des Abgrunds gebracht. Die einstige „Schweiz des Nahen Ostens“ war schon zuvor in schweren wirtschaftlichen wie politischen Turbulenzen. Eine zusätzliche Bürde ist die hohe Zahl der irakischen und syrischen Flüchtlinge. Kein Land der Erde hat gemessen an der Einwohnerzahl mehr Schutzsuchende aufgenommen als der Libanon.

Lebensmittelausgabe in Zahlé während der Corona-Pandemie.
Doch viele Libanesen suchen ihr Glück mittlerweile selbst im Ausland. Sie sind der Korruption überdrüssig und haben das Vertrauen in die Politik verloren. Die Auswanderungswelle erfasst auch die Christen. Der Libanon hat den größten christlichen Bevölkerungsanteil im Nahen Osten. Doch der geht zurück: Laut dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ gehört heute noch gut ein Drittel der sechs Millionen Libanesen einer der christlichen Konfessionen an. Schätzungen des US-Außenministeriums zufolge lag ihr Anteil 2010 noch bei knapp über 40 Prozent.

 

„Das Leid im Libanon ist riesig“

„Kirche in Not“ steht den christlichen Gemeinden im Land seit Jahrzehnten bei, besonders seit der Zeit des Libanesischen Bürgerkriegs (1975-1990). Auch nach der verheerenden Explosion in Beirut hat „Kirche in Not“ sofort Lebensmittelhilfen auf den Weg gebracht.

 

Doch die Not ist weit umfassender, betont Projektdirektorin Regina Lynch: „Das Leid im Libanon ist riesig. Wir dürfen nicht die Corona-Pandemie vergessen, die sich in der Region immer mehr ausbreitet. Ein wichtiger Teil der Herausforderungen, mit denen die Kirche im Libanon konfrontiert ist, umfasst aktuell die Lebensmittel- und die medizinische Versorgung.“

Verteilung von Lebensmitteln durch die syrisch-katholische Kirche in Beirut.
Deshalb hat „Kirche in Not“ Ende August drei weitere Nothilfeprojekte für den Libanon auf den Weg gebracht. Sie gelten besonders Familien und Flüchtlingen in der Region Zahlé und der Bekaa-Ebene im Westen des Libanon. Der dortige melkitisch griechisch-katholische Erzbischof Issam John Darwish hat „Kirche in Not“ um finanzielle Unterstützung für 2000 Lebensmittelpakete gebeten.

 

Hilfen für hungernde Familien

 

Aufgrund der Corona-Krise haben viele Menschen Arbeit und Einkommen verloren und können sich nicht einmal mit Grundnahrungsmitteln versorgen. Auch leben in der Region Zahlé viele Geflüchtete, deren humanitäre Situation sich durch die Not im Libanon noch weiter verschärft hat. „Jetzt kämpft unser ganzes Volk darum, seine tägliche Nahrung zu bekommen. Wir werden alles tun, um in diesen schwierigen Zeiten an seiner Seite zu stehen“, fasst Erzbischof Darwish das Engagement der Kirche zusammen.

Der melkitisch griechisch-katholische Erzbischof Issam John Darwish überwacht die Verteilung von Lebensmitteln an bedürftige Familien.
Ein zweites Projekt umfasst Existenzhilfen für hundert Familien in den Pfarrgemeinden der maronitisch-katholischen Diözese Baalbek und Deir Al-Ahmar nahe der syrischen Grenze. Aktuell ist damit die Versorgung von besonders bedürftigen Familien für ein Vierteljahr gesichert. „Ihre Hilfe kommt genau jetzt, wo wir sie am dringendsten brauchen. Sie ist ein Lichtstrahl, der etwas Hoffnung bringt“, sagte die Projektleiterin der maronitisch-katholischen Diözese, Dr. Mireille Bechara, gegenüber „Kirche in Not“.

 

„Das Leben der Menschen liegt in unseren Händen“

 

Als drittes Nothilfeprojekt unterstützt das Hilfswerk die Einrichtung eines Corona-Testzentrums im Tel Chiha Krankenhaus in Zahlé, das von der melkitischen Diözese betrieben wird. Die Zahl der Covid-19-Patienten hat in der Region, die zu den ärmsten im Libanon gehört, drastisch zugenommen. Es fehlt an Testkapazitäten, zumal das einzige staatliche Krankenhaus in einen Ärzteskandal geriet und falsche Testergebnisse herausgegeben hat. „Die Menschen leben in Chaos und Angst“, erklärte Erzbischof Darwish. Im kirchlichen Krankenhaus soll nun eine eigene Testabteilung aufgebaut werden, die 150 000 Einwohnern offensteht.

KIRCHE IN NOT-Dokumentarfilm über Christen im Libanon:

Um der notleidenden Bevölkerung im Libanon weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT

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IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02

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Verwendungszweck: Libanon

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Nach einem Angriff mutmaßlich dschihadistischer Truppen auf die Hafenstadt Mocímboa da Praia im Norden Mosambiks Anfang August gelten zwei Ordensfrauen und über sechzig weitere Personen als vermisst. Die Behörden hätten keinerlei Hinweise, was mit den Vermissten geschehen sei, erklärte der Priester Kwiriwi Fonseca aus der nahegelegenen Stadt Pemba im Gespräch mit dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“.

 

Die vermissten Schwestern Inés Ramos und Eliane da Costa gehören der Ordensgemeinschaft „St. Joseph von Chambéry“ an. Beide stammen aus Brasilien; Schwester Inés ist über 70 Jahre alt. Fonseca schilderte gegenüber „Kirche in Not“ die Umstände ihres Verschwindens: „Der Angriff begann am 5. August und dauerte bis zum 11. In diesen Tagen wurde der Hafen von Mocímboa da Praia angegriffen und besetzt.“

Verteilung von Hilfsgütern an Vertriebene während der Corona-Pandemie.
Dort lebten die beiden Ordensfrauen in einer Pfarrei. Rund 60 Personen hätten während der Angriffe in ihrem Kloster Zuflucht gesucht, vor allem ältere Menschen und Kinder. Plötzlich sei der Kontakt zu ihnen abgerissen: „Wir glauben, dass die Schwestern ihre Mobiltelefone verloren haben“, erklärte Fonseca.

 

„Wir wissen nicht, ob sie entführt wurden oder gestorben sind“

Ein Gemeindemitglied hatte die Verantwortlichen der Diözese Pemba informiert, dass auf das Haus der beiden Ordensfrauen ein Anschlag verübt worden sei. Von den dort befindlichen Personen gab es keine Spur. Niemand könne sich derzeit vor Ort ein Bild machen, denn nach wie vor sei Mocímboa da Praia und die umliegende Region abgeriegelt. „Ob die Schwestern mittlerweile zurückkehren konnten, wissen wir nicht. Da wir keine Nachricht haben, wissen wir nicht, ob sie und die 60 weiteren Menschen entführt wurden oder gestorben sind“, sagte der Priester.

Menschen in einem Flüchtlingslager in der Erzdiözese Nampula.
Der Norden Mosambiks wird seit 2017 von bewaffneten Angriffen mutmaßlich dschihadistischer Truppen heimgesucht. Besonders betroffen ist die Provinz Cabo Delgado. Die Hafenstadt Mocímboa da Praia wurde allein 2020 mindestens fünf Mal angegriffen. Da in der weiteren Umgebung derzeit Anlagen zur Verarbeitung der Offshore-Gasreserven Mosambiks errichtet werden, dürfte diese Eskalation die Investoren verunsichern und die wirtschaftliche Lage des Landes weiter destabilisieren. Das könnte eines der Ziele der Terroristen sein, deren Motivation und Unterstützer weitgehend unbekannt sind. Beobachter vermuten eine Mischung aus wirtschaftskriminellen und religiösen Gründen. In der Vergangenheit wurden auch wiederholt christliche Kirchen angegriffen.

 

Die humanitäre Lage in der Region hat durch die anhaltenden Angriffe immer dramatischere Ausmaße angenommen. Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) spricht von mehr als 500 000 vom Terror betroffenen Menschen.

Mädchen in einem Flüchtlingslager in der Erzdiözese Nampula.
„Es mangelt an Unterkunft und Kleidung“

Aus der Erzdiözese Nampula wandte sich Cantífula de Castro, Leiter eines katholischen Radiosenders, an „Kirche in Not“. Er erläuterte, dass in seiner Erzdiözese in den vergangenen Wochen rund 5000 Vertriebene aus den umliegenden Bezirken eingetroffen sind. „Die meisten sind junge Frauen und Kinder. Es mangelt an Unterkunft, Kleidung und Hygieneartikeln zum Schutz vor Covid-19“. Die Provinz Cabo Delgado befinde sich seit drei Jahren im Krieg. „Schätzungen zufolge gibt es mehr als 1000 Tote, niedergebrannte Häuser, verlassene Dörfer. Menschen flüchten in den Busch oder kommen mit leeren Händen an sicherere Orte“, erklärte de Castro.

Der Priester wies darauf hin, dass die Kirche die Menschen trotz der schwierigen Situation nicht im Stich lasse. An die internationale Gemeinschaft richtete de Castro den Appell: „Bitte vergessen Sie uns nicht. Wenn Sie können, helfen Sie bitte den Menschen, die alles verloren haben und aus ihrer Heimat fliehen mussten.“

KIRCHE IN NOT-Doku über einen Märtyrer aus Mosambik:

„Kirche in Not“ unterstützt die Arbeit der Kirche in Mosambik, besonders im leidgeprüften Norden des Landes. Dies reicht von Nothilfen für Geflüchtete, über den Wiederaufbau zerstörter Kirchen und Gemeindezentren bis zur Unterstützung von Priestern und Missionaren. Um weiter helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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Der slowakische Politiker Jan Figel war von 2016 bis 2019 erster EU-Sonderbeauftragter für Religionsfreiheit außerhalb der Europäischen Union. Nach einigem politischen Tauziehen wird dieses Amt auch unter Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wieder neu besetzt. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat Jan Figel zum Einsatz für Religionsfreiheit sowie seinem persönlichen Zugang zu dem Thema befragt. Anlass war der von den Vereinten Nationen ausgerufene „Internationale Gedenktag für die Opfer von Gewalt aufgrund von Religion oder Glauben“ am 22. August. Das Interview führte Josué Villalon.


Josué Villalon:
Was verbinden Sie mit dem Gedenktag für die Opfer von Gewalt aufgrund von Religion oder Glauben, den die Vereinten Nationen 2019 zum ersten Mal ausgerufen haben?

 

Jan Figel: Der Tag ist wichtig, weil es viele Opfer religiöser Verfolgung gibt. Wir können von hunderten Millionen Betroffenen ausgehen. Die Verfolgung aufgrund der Religion nimmt weltweit zu. Viele weitere Millionen Menschen werden aufgrund ihres Glaubens diskriminiert. In der Vergangenheit wurde die Religionsfreiheit in internationalen Abkommen oft vernachlässigt, doch heute ist Religions- und Glaubensfreiheit der Lackmustest für den Status der Menschenrechte.

Der damalige EU-Sonderbeauftragte Jan Figel (Mitte) nahm bei einem Besuch im Nordirak im Jahr 2017 auch die Lebensmittelverteilung von „Kirche in Not“ an christliche Binnenflüchtlinge in Augenschein.
Wie sollte das Gedenken an die Opfer religiöser Verfolgung aussehen?

 

Sehr wichtig sind die Zeugnisse von Überlebenden. Beim UN-Gedenktag wurden Demonstrationen, Konferenzen, Online-Sitzungen und Webinare veranstaltet. Diese Veranstaltungen sollten in erster Linie dazu dienen, in uns das Bewusstsein für die universale Bedeutung der Religionsfreiheit zu schärfen und der Opfer religiöser Verfolgung zu gedenken. Denn wer das Gedächtnis verliert, verliert seine Identität und Orientierung.

 

Zum zweiten ist es sehr wichtig, den Fokus auf eine Erziehung zum Zusammenleben in Vielfalt zu legen. Denn Zusammenleben ist mehr als nur zusammen zu existieren. Und drittens müssen Staaten und nationale Autoritäten Gerechtigkeit für alle fördern, denn Frieden ist die Frucht der Gerechtigkeit. Zum Beispiel sind gleiche Bürgerrechte ein großartiger Ausdruck der Gleichheit für alle, sowohl für die Mehrheit der Gesellschaft als auch für Minderheiten.

Rot erleuchtetes Kreuz bei einem Gebetsabend für verfolgte Christen von „Kirche in Not“.
Welche Erfahrungen haben Sie als junger Mensch in einem kommunistischen Land wie der damaligen Tschechoslowakei gemacht?

 

Ich habe mein halbes Leben lang ohne Freiheit gelebt. Es war eine unmenschliche Situation. Ich bin nach meinem Onkel benannt, der in den 1950er Jahren vom Geheimdienst des damals stalinistischen Staates ermordet wurde. Freiheit ist ein Ausdruck der Menschenwürde, und die Menschenwürde ist die Grundlage aller Menschenrechte. Die Freiheit des Menschen zu verleugnen bedeutet daher, die Menschenwürde zu verleugnen.

 

Warum ist es in diesem Zusammenhang wichtig, die Religionsfreiheit zu schützen?

 

Die Religions- oder Glaubensfreiheit ist der höchste Ausdruck der Freiheit. Sie umfasst auch die Freiheit des Gewissens. Daher ist sie für Gläubige wie Nicht-Gläubige gleichermaßen wichtig. Sie ist ein zentrales Menschenrecht, da sie mit der Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit verbunden ist. Wird die Religionsfreiheit unterbunden, werden auch andere Rechte und Freiheiten unterdrückt. Deshalb müssen wir uns mehr denn je für Religionsfreiheit einsetzen.

Ein Gesicht der Verfolgung: Michael Nnadi wurde nach einem Überfall auf ein Priesterseminar in Nigeria entführt und getötet.
Wie kann dieser Einsatz für die Religionsfreiheit aussehen?

 

Es ist unsere Pflicht, die Opfer von Verfolgung zu schützen. Es ist unsere menschliche Verantwortung, aber es liegt auch im grundlegenden Interesse aller. Die Medien sollten viel mehr über diese Themen und die Situation verfolgter Menschen berichten. Es liegt in unserer Verantwortung, denjenigen eine Stimme zu geben, die keine Stimme haben und sich nicht verteidigen können. Die Welt braucht heute einen „Klimawandel“ in Sachen Religionsfreiheit, denn die Situation ist sehr leidvoll. Millionen Menschen leiden unter religiöser Verfolgung, und der Trend ist besorgniserregend. Diese Tatsachen sollten in der internationalen Gemeinschaft ein größeres Bewusstsein für die Achtung der Religionsfreiheit und die Verteidigung der Menschenwürde überall auf der Welt wecken.

 

Um den Einsatz für Religionsfreiheit fortsetzen und bedrängte Christen weltweit unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT

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Verwendungszweck: Verfolgte Christen

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Seit 2010 veranstaltet KIRCHE IN NOT in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien unter der Leitung des Kirchenhistorikers Prof. Rudolf Grulich Jahreswallfahrten zu weitgehend unbekannten Gnadenorten Ostmitteleuropas. Viele dieser Pilgerziele gehörten bis zum Ersten Weltkrieg zu Österreich. Wir haben eine Linkliste mit Beiträgen rund um diese Wallfahrten angelegt, die zeigen, wie reichhaltig und völkerverbindend das Wallfahrtswesen  gewesen ist. Auch die in den Beiträgen vorgestellten Seligen und Heiligen zeigen, wie sehr Europa christlich geprägt ist. Ihre Leistungen und Verdienste bleiben unvergessen.
Der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Rudolf Grulich ist seit 2010 wissenschaftlicher Reiseleiter der Wallfahrten von KIRCHE IN NOT in die Länder Ostmitteleuropas.
Professor Rudolf Grulich erläutert die Tafel von Cyrill und Method, ein Teil der glagolitischen Allee in Kroatien.
2018 führte die Jahreswallfahrt von KIRCHE IN NOT die Pilger auch nach Prag. Nur wenige Touristen auf dem Prager Altstädter Ring wissen noch, dass dort seit 1650 bis 1918 eine barocke Mariensäule stand; drei Jahre sogar neben dem Hus-Denkmal, das im Ersten Weltkrieg 1915 zum 500. Todestag des böhmischen Reformators errichtet wurde. Nur sechs Tage nach der Ausrufung der Tschechoslowakischen Republik am 28. Oktober 1918 wurde am 3. November die Mariensäule gestürzt, als „Wiedergutmachung für die Schlacht am Weißen Berg“ am 8. November 1620.

 

„… sie wird wiedererstehen“

 

Nur wenige Bruchstücke der Säule sind erhalten; etliche Teile liegen in der nahen Moldau. Erst 1990, also nach der Samtenen Revolution, wurde eine „Gesellschaft für die Wiedererrichtung der Mariensäule“ gegründet. Am 75. Jahrestag des Sturzes der Säule ließ diese Gesellschaft am 3. November 1993 auf dem Pflaster des Altstädter Rings eine Platte anbringen: „Hier stand die Mariensäule und sie wird wiedererstehen.“ Der Prager Magistrat ließ die Worte „… und sie wird wiedererstehen“, tilgen.

Die Prager Mariensäule auf dem Altstädter Ring, im Hintergrund die Teynkirche. Stahlstich nach Ludwig Richter, 1841 (wikipedia, public domain).
Der tschechische Bildhauer Petr Váňa arbeitete aber seitdem an einer Wiederherstellung bzw. einer Kopie der Säule, doch der Prager Stadtrat sprach sich 2017 gegen die Wiedererrichtung aus. Als Váňa im Mai 2019 mit der Wiedererrichtung beginnen wollte, schritt die Polizei dagegen ein. Nun kam aus Prag die überraschende Meldung, dass der Magistrat seine Erlaubnis für die Wiedererrichtung gegeben habe.

 

Beide Denkmäler, die Marienstatue und das Hus-Denkmal, spalten bis heute die Bevölkerung Böhmens und ganz Tschechiens. Kaiser Ferdinand III. hatte 1648 die Errichtung von Mariensäulen in Wien und Prag als Dank für die Errettung Prags vor den Schweden gelobt. Damals standen die Schweden bereits auf der Kleinseite von Prag, aber kaiserliche Soldaten, Bürger, Kleriker und Studenten hatten tapfer auf der Karlsbrücke gekämpft, so dass die Schweden die Altstadt nicht erobern konnten.

 

Symbol der Habsburgerherrschaft

 

Bereits 1650 wurde die von dem Bildhauer Johann Georg Bendl geschaffene Säule auf dem Altstädter Ring aufgestellt. Sie ist für viele Tschechen bis heute das Symbol der Gegenreformation und der Habsburgerherrschaft nach dem Sieg am Weißen Berg, weil dort 1621 die Rädelsführer des Aufstandes von 1618 hingerichtet wurden. Seit dem Roman von Alois Jirásek „Temno“ (Dunkelheit) ist der Mythos immer noch lebendig, dass sich Dunkelheit und Finsternis nach der Schlacht am Weißen Berg über die böhmischen Länder bis 1918 ausgebreitet habe. Die Mariensäule galt aber nicht nur als Zeichen der Gegenreformation und der Herrschaft Habsburgs, sondern auch des Endes der böhmischen Staatlichkeit.

Der Wenzelsplatz mit dem St.-Wenzels-Denkmal. Obwohl Tschechien als stark säkularisiert gilt, ehren die Tschechen ihre Heiligen.
Wie durch drei Jahrzehnte seit 1990 die Wiedererrichtung der Mariensäule umstritten ist, gab es vor dem Ersten Weltkrieg über Jahrzehnte Auseinandersetzungen um die Errichtung des Hus-Denkmals. Bereits 1890 entstand ein Verein für den Bau eines Denkmals für Magister Jan Hus, das der Stadtrat für den Kleinen Ring in der Altstadt genehmigte; andere Vorschläge wurden für den Wenzelsplatz gemacht, auch für den Platz vor der Bethlehemskirche, wo Jan Hus gepredigt hatte.

 

1896 wurde der Altstädter Ring als Standort vorgeschlagen, nachdem für den Wenzelsplatz bereits das Wenzelsdenkmal geplant war. Die katholische Kirche protestierte heftig gegen den Plan, Hus mit einem Denkmal zu würdigen. Bereits im Jahr 1889 führte die Frage, ob unter 72 tschechischen Persönlichkeiten auch für Hus eine Gedenktafel am Prager Nationalmuseum vorzusehen sei, zum Eklat im böhmischen Landtag. Fürst Karl IV. von Schwarzenberg hatte die Hussiten „eine Bande von Räubern und Brandstiftern“ genannt.

Die 1918 von einem Mob gestürzte Mariensäule (wikipedia, public domain).

Anti-katholische Maßnahmen

 

Noch mehr als die Auseinandersetzungen um das Hus-Denkmal vergiftete am Ende des Ersten Weltkriegs durch den Zerfall Österreich-Ungarns auch die Zerstörung der Mariensäule die politische, nationale und konfessionelle Atmosphäre in der neuen Republik. Der Sturz der Mariensäule war nur der Anfang. Die Führung des neuen Staates unter Präsident Thomas Masaryk und Außenminister Edvard Beneš war antikatholisch eingestellt. Die zu über neunzig Prozent katholischen Sudetendeutschen waren trotz der Aussagen des amerikanischen Präsidenten Wilson vom Selbstbestimmungsrecht der Völker ausgeschlossen, obwohl es in der ČSR mehr Deutsche gab als Slowaken.

 

Die deutschen Erzbischöfe von Prag und Olmütz mussten damals freiwillig zurücktreten, deutsche Ordensleute aus Prag mussten das Land verlassen wie die Benediktiner in Emmaus oder die Benediktinerinnen von St. Gabriel. Diese Schwestern waren so zahlreich, dass sie 1904 mit zwölf Schwestern das Hildegard-Kloster in Eibingen bei Bingen am Rhein besiedeln konnten. Die in Prag verbliebenen Schwestern gingen 1919 in die Steiermark, die Mönche aus Emmaus nach Grüssau in Schlesien und nach Neresheim in Württemberg.

Das Prager Jesuskind ist der Kirche Maria vom Siege. Mit über zwei Millionen Pilger jährlich verkörpert dieser Gnadenort die Hoffnung auf ein Wiederaufleben christlichen Lebens im stark säkularisierten Tschechien.

Nationalismus und Kirchenspaltung

Tschechischer Nationalismus hatte auch den Klerus erfasst und führte zum Abfall von Rom, als im Januar 1920 eine „Tschechoslowakische Kirche“ gegründet wurde, die einen eigenen Patriarchen wählte und sich erst 1971 den neuen Namen „Tschechoslowakische Hussitische Kirche“ gab. Diese neue Kirche brach mit Rom und verzichtete auf den Zölibat. Als sie auch auf die Apostolische Sukzession verzichtete, unterstellten sich genügend Priester, die bis 1920 katholisch waren, 1923 dem serbischen Patriarchen, der aus ihren Reihen einen Bischof für eine tschechische orthodoxe Kirche weihte, der Moskau 1951 die Autokephalie gab.

 

Als 1925 die Prager Regierung den Todestag von Hus zum Feiertag erklärte, zog der Vatikan den Nuntius ab. Die Schaffung der Nationalkirche 1920 war der größte Schlag für Rom seit der Reformation. Zwei Millionen Tschechen verließen damals die katholische Kirche. Nur eine Hälfte davon schloss sich der Nationalkirche an, die andere Hälfte wurde religionslos. Bei den Tschechen sank dadurch in der Zwischenkriegszeit der Anteil der Katholiken auf 70 %, bei den Sudetendeutschen blieb er trotz einer Los-von-Rom-Bewegung bei 90 %.

Der heilige Johannes Nepomuk ist die älteste Figur auf der Karlsbrücke. Er ist Patron Prags und ganz Böhmens.
Bis heute gibt es unterschiedliche Meinungen über die Zerstörung der Mariensäule: War es eine organisierte antikatholische Aktion oder war es ein spontaner vandalistischer Akt einer aufgehetzten Masse, die man nur mit Mühe hindern konnte, auch alle Heiligenfiguren auf der Karlsbrücke in die Moldau zu werfen? Noch heute ist auch der Ökumenische Rat der Kirchen in Tschechien hinsichtlich der Wiedererrichtung der Säule gespalten. Der Senior der Kirche der Böhmischen Brüder stellte fest: „Es gibt Kirchen, die darin überhaupt kein Problem sehen, und es gibt Kirchen, für die es aus tiefstem Herzen unvorstellbar ist.“

 

In der Debatte um die Mariensäule mischen sich bis heute politische und historische Argumente mit religiösen Empfindungen, weil die Religion in den böhmischen Ländern wegen der Nähe der katholischen Kirche zur Habsburg-Monarchie politisch gesehen wurde. Daraus ist auch die Tatsache zu verstehen, dass sich nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung im 21 . Jahrhundert nur noch elf Prozent der Bevölkerung in Tschechien zu einer Konfession bekennen.

Wallfahrt ins Sudetenland – Dokumentation aus dem Jahr 1969

 

Die neuen Teile der Mariensäule warten nun am Moldauufer auf ihre Aufstellung. Über den Ablauf der Zerstörung hört man unterschiedliche Berichte in Prag. Nach über 100 Jahren gibt es keine Zeitzeugen mehr. Gegen eine „spontane“ Reaktion der Volksmasse spricht die sorgfältig vorbereitete Organisation, denn Feuerwehr stand bereit und bot dem „Volkszorn“ die nötige technische Hilfe. Eine junge Sportlerin erstieg die Säule und legte der Madonna eine vorbereitete feste Schlinge mit einem langen Strick um den Hals, mit dem die Säule umgerissen wurde. Versuche, das zu verhindern, wurden buchstäblich niedergeschlagen.

 

Über die Zerstörung des Mariendenkmals, bei dem ein Vierteljahrtausend Andachten und Prozessionen stattgefunden hatten, werden heute schon Legenden erzählt: Die Frau, die auf die Säule kletterte, sei Milada Horáková gewesen. Nach ihr wurde in Prag eine Straße benannt, denn sie war die erste Frau, die 1950 von den Kommunisten hingerichtet wurde. Mit einem Strick um den Hals.

Im Februar 2020 haben die Bauarbeiten für die rekonstruierte Mariensäule begonnen.

 

Prof. Rudolf Grulich (2020); alle KIRCHE IN NOT-Fotos mit freundlicher Genehmigung: Rudolf Weilguni

Es war der 27. April 2002, als die beiden Freunde Abschied voneinander nahmen. Jahrzehntelang waren Karol Wojtyla und Pater Werenfried van Straaten, der Gründer von „Kirche in Not“, Weggefährten gewesen. Auf den Tag genau zwölf Jahre nach dieser letzten Begegnung wird Papst Johannes Paul II. in Rom heiliggesprochen.

 

Es war eine Geste voller Symbolkraft, als Papst Johannes Paul II. seinem Freund Pater Werenfried die Osterkerze aus seiner Privatkapelle schenkte. Zum letzten Mal hatten sie gemeinsam die heilige Messe gefeiert. Niemand hat diese letzte irdische Begegnung so schön beschrieben wie der 2007 verstorbene italienische Journalist Orazio Petrosillo, der diese Momente miterleben durfte.

Pater Werenfried bei einer Audienz von Johannes Paul II. in Rom

Pater Werenfried unterstützte die Kirche Polens seit den 50er Jahren

Er berichtet: „Sie waren zu Tränen gerührt. Wie oft hatten sie aneinander gedacht, füreinander gebetet? Jetzt sahen sie sich wieder, der Heilige Vater und sein Freund Pater Werenfried. Beide gezeichnet von Alter und Krankheit, und dennoch voll Leben und Charisma. Nach der Messe umarmten sie sich in der Privatbibliothek. Wenige Worte, lange Blicke, Tränen der Rührung.“

 

Sie kannten sich schon lange, bevor Karol Wojtyla 1964 Erzbischof von Krakau wurde. Der spätere Papst kam lange Jahre als Beauftragter der polnischen Bischofskonferenz zu Pater Werenfried, um über Hilfsprojekte für die Kirche in seiner kommunistisch regierten Heimat zu sprechen.

Die Kardinäle Stefan Wyszyński und Karol Wojtyła mit dem Pfarrer von Nowa Huta, Józef Gorzelany.
Ihren ersten gemeinsamen Kampf führten der junge Erzbischof und Pater Werenfried im Jahr 1967, als die Kommunisten in der Nähe von Krakau eine Arbeitersiedlung des Eisenhüttenkombinates für 200 000 Einwohner errichteten, die als „Stadt ohne Gott“ geplant war.

Gemeinsamer Kampf gegen die „Stadt ohne Gott“

Um den Atheismus zu fördern, wurde hier absichtlich keine Kirche eingeplant. Allen Widerständen zum Trotz wurde dennoch Sonntag für Sonntag mit Tausenden Gläubigen die heilige Messe rings um ein unter freiem Himmel aufgestelltes Kreuz gefeiert.

Trotz aller Schikanen seitens der Kommunisten wurde schließlich mit der Hilfe von KIRCHE IN NOT ein Gotteshaus für 5000 Gläubige gebaut. 1977 konnte die Kirche von Erzbischof Wojtyla eingeweiht werden. Dieser gemeinsame Sieg gegen die Regierung war auch für die Kirche in den ebenfalls kommunistisch regierten Nachbarländern ein großes Zeichen der Ermutigung.

Pater Werenfried und der russisch-orthodoxe Patriarch Alexei II. bei ihrem Treffen In Moskau im Oktober 1992

Eine neue Aufgabe: Versöhnung mit der russisch-orthodoxen Kirche

Beide glaubten fest daran, dass der Eiserne Vorhang eines Tages fallen und Gott in die atheistisch regierten Länder zurückkehren würde. Beide geißelten den Kommunismus im Osten ebenso wie die „Kultur des Todes“ im Westen. Beide waren kompromisslos und furchtlos darin, die Wahrheit beim Namen zu nennen und die zahlreichen Angriffe gegen Gott und den Menschen in letzter Konsequenz als Werk des Bösen zu erkennen.

„Politische Korrektheit“ und die Meinung des Mainstreams waren nicht ihr Maßstab. Auch in ihrem Streben nach Versöhnung waren sie prophetische Verbündete.

So beauftragte Papst Johannes Paul II. Pater Werenfried damit, nach dem Zusammenbruch des Kommunismus die Versöhnung mit der russisch-orthodoxen Kirche zu suchen. Daraufhin reiste Pater Werenfried noch im fortgeschrittenen Alter zweimal nach Russland und begegnete Patriarch Aleksij II. und zahlreichen orthodoxen Bischöfen, denen er sein Gebet und seine tätige Hilfe versprach.

Papst Johannes Paul II. 2000 in Fatima
Eine besondere Rolle in ihrem Wirken spielte die große Verehrung der Muttergottes, die Papst Johannes Paul II. und Pater Werenfried teilten und die auch Katholiken und Orthodoxe in besonderer Weise verbindet. So wollte es die Vorsehung, dass das Gnadenbild der Muttergottes von Kasan (Kasanskaja), der in Russland am stärksten verehrten Ikone, zu Sowjetzeiten gewissermaßen „katholisches Asyl“ fand.

Fatima als Angelpunkt zweier priesterlicher Leben

Nachdem sie Mitte der 1960er-Jahre in das Marienheiligtum von Fatima gelangt war, wurde sie Papst Johannes Paul II. im Jahr 1993 als Geschenk überreicht. Der Papst bewahrte sie in seinen Privatgemächern auf und verehrte sie zutiefst.

13. Mai 1981: Wie durch ein Wunder überlebt Johannes Paul II. den Mordanschlag des türkischen Attentäters Ali Agca.
Als er sie im Jahr 2004 der russisch-orthodoxen Kirche zurückgab, sagte er während der Andacht zur Verabschiedung der Kasanskaja: „Wie oft habe ich seit diesem Tag die Muttergottes von Kasan angerufen und sie gebeten, sie möge das russische Volk, von dem sie so sehr verehrt wird, beschützen und leiten und bald den Zeitpunkt herbeiführen, an dem alle Jünger ihres Sohnes sich als Brüder anerkennen und die verletzte Einheit vollkommen wiederherstellen.“

Einer der Höhepunkte im Leben Pater Werenfrieds

Sowohl Johannes Paul II. als auch Pater Werenfried waren zutiefst mit dem Marienheiligtum in Fatima verbunden, wo die Ikone der Muttergottes von Kasan 30 Jahre lang Asyl gefunden hatte. Sie sahen in den Botschaften, die die Muttergottes 1917 an drei Hirtenkinder gerichtet hatte, eine wichtige Warnung vor den Gefahren des Kommunismus und des Atheismus, denen es zu begegnen galt.

14. Mai 1992: Pater Werenfried trifft die Seherin Lucia dos Santos.
Papst Johannes Paul II. schrieb die Tatsache, dass er das Attentat vom 13. Mai 1981 überlebte, der Hilfe Unserer Lieben Frau von Fatima zu. Er ließ die Kugel, die ihn fast getötet hätte, in die Krone der Madonna einarbeiten. Pater Werenfried wurde eingeladen, mit Papst Johannes Paul II. die heilige Messe zu feiern, als dieser am 13. Mai 2000 in Fatima die beiden Hirtenkinder Francisco und Jacinta seligsprach.

 

Die abendliche Lichterprozession, bei der er unmittelbar hinter dem Gnadenbild im Rollstuhl durch die Menge von einer Million Pilger geschoben wurde, gehörte für Pater Werenfried zu den Höhepunkten seines Lebens.

Kardinal Karol Wojtyla und die Kirche von Nowa Huta (KIRCHE IN NOT-Doku):

Die beiden Weggefährten sind nun im Himmel vereint. Einer von ihnen wird am 27. April auf den Tag genau zwölf Jahre nach ihrer letzten Begegnung heiliggesprochen. Gemeinsam haben sie viele historische Momente des 20. Jahrhunderts erlebt. Seite an Seite haben sie gekämpft, immer waren sie prophetisch, oft wurden sie verkannt.

 

Ihr Vermächtnis ist gigantisch. KIRCHE IN NOT ist diesem Erbe bis heute verpflichtet. Orazio Petrosillo berichtete von ihrem Abschied: „Johannes Paul II. legte seinem alten Freund die Hand auf die Schulter. Es war seine Geste als Nachfolger Petri, um ein Werk der Vorsehung wie KIRCHE IN NOT mit dem ureigenen Charisma des Papstes gleichsam zu bestätigen.“


Eva-Maria Kolmann, KIRCHE IN NOT

- Pater Werenfried van Straaten, Gründer von KIRCHE IN NOT
Eine Station der KIRCHE IN NOT-Wallfahrt im Jahr 2012 nach Slowenien und Kroatien, die wir mit dem Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien veranstalteten, war Zagreb. In der Kathedrale der kroatischen Hauptstadt ist der Sarkophag mit den Gebeinen von Erzbischof Aloisius Stepinac begraben. Er war 1946 in Zagreb in einem skandalösen Schauprozess als Kriegsverbrecher und Kollaborateur verurteilt worden. Am 10. Februar 1960 starb er mit den Worten seines Wahlspruchs auf den Lippen: “In Te, Domine, speravi. – Auf Dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt.”

 

Seit 1997 steht der Sarkophag hinter dem Hauptaltar der Kathedrale in Zagreb. Hier wurde er nach seinem Tod am 10. Februar 1960 zwei Tage später unter Teilnahme von 18 Bischöfen, 500 Priestern und mehr als 100 000 Gläubigen beigesetzt.

Aloisius Stepinac im Jahr 1957.
Besucht man heute die Kathedrale in Zagreb, so findet man sein Grab umgeben von einem Meer aus Kränzen und Blumen. Die Bischofskirche des Seligen ist mit seinem Grab ein neuer Wallfahrtsort der Kroaten geworden. Wenige Personen der kirchlichen Zeitgeschichte standen so im Kreuzfeuer verschiedener Meinungen wie er, auch im Westen.

 

Die Wahrheit, dass Kardinal Stepinac ein Märtyrer und ein Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit war, wurde im kommunistischen Jugoslawien bis 1990 unterdrückt, wenigstens von staatlicher Seite. Die Gläubigen dagegen verehrten ihn immer als Heiligen, und seine Nachfolger auf dem erzbischöflichen Stuhl traten auch in kommunistischer Zeit immer wieder dafür ein, dem Kardinal die geschuldete Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

 

Erst seitdem Kroatien nach der Unabhängigkeitserklärung von 1991 ein freies Land wurde, erfuhren die Kroaten die ganze Wahrheit über diesen Märtyrer.

KIRCHE IN NOT-Wallfahrtsgruppe vor dem Aloisius-Stepinac-Gedenkstein auf dem Ucka-Pass. (2013).
Am 8. Mai 1898 in Krasic unweit von Zagreb (deutsch: Agram) geboren, besuchte Aloisius Stepinac die Volksschule seines Heimatortes, später das “Erzbischöfliche Orphanotrophium” in Zagreb. Er machte 1916 das Abitur und wurde nach Rijeka zu einem Offizierskurs für die Armee eingezogen.

 

Als Kadett musste er 1917 an die italienische Front am Isonzo. 1918 geriet er in Gefangenschaft, von wo aus er sich zur “Südslawischen Legion” meldete und an die Front nach Saloniki kam. Er diente bis Juni 1919 in Mazedonien, ehe er entlassen wurde.

 

Als Student der Landwirtschaft verlobte er sich mit Maria Horvat, doch 1924 entschloss er sich, Priester zu werden. Im römischen Germanicum und an der Gregoriana absolvierte er sein Studium. Am 26. Oktober 1930 wurde er in Rom zum Priester geweiht. Sein Wunsch, als Seelsorger bei und mit den Gläubigen zu arbeiten, erfüllte sich nicht, denn sein Erzbischof Anton Bauer von Zagreb machte ihn 1931 zum erzbischöflichen Zeremoniar.

Die Kathedrale von Zagreb.
Schon 1934 wurde der junge Priester Stepinac von Papst Pius XI. zum Titularbischof und Koadjutor des Erzbischofs von Zagreb mit dem Recht der Nachfolge ernannt. Als Erzbischof Bauer 1937 starb, stand Stepinac an der Spitze der großen Erzdiözese und der Kirchenprovinz Zagreb. Seine Sorge galt der Seelsorge in den Städten, der katholischen Aktion und der Caritas. Er förderte die katholische Presse und die Orden.

 

1941 geriet er mit seinen Gläubigen in den Wirbel der Kriegsereignisse, als im April jenes Jahres Jugoslawien innerhalb weniger Tage von der politischen Landkarte verschwand und die Kroaten einen eigenen Staat ausriefen. Entgegen allen kommunistischen Verleumdungen, die leider auch im Westen allzu gerne übernommen wurden und immer noch werden, war Erzbischof Stepinac dem neuen Regime seit 1941 eine persona non grata gewesen.

 

Er “beschränkte seinen Umgang mit den neuen Machthabern auf das Allernotwendigste und wurde immer wieder mit Ermahnungen und Protestschreiben vorstellig, die sich in der Hauptsache gegen die Verfolgung der serbischen Minderheit und der Juden richteten”, schreibt Ernest Bauer in seinem Buch über Stepinac.

 

Darin hat er auch dessen karitative Tätigkeit während des Krieges gewürdigt: “In all seinem Wirken in den furchtbaren Kriegsjahren sah Stepinac, im Sinne des Evangeliums, nur den leidenden Menschen. All sein Bemühen ging dahin, diesen leidenden und verfolgten Menschen zu helfen.”

 

KIRCHE IN NOT-Dokumentarfilm über Aloisius Stepinac:

Er tat dies, indem er sich für geflohene Juden aus Deutschland einsetzte, indem er von den Ustascha verfolgte Orthodoxe unter seinen Schutz nahm und indem er 300 von Nazis aus der slowenischen Diözese Maribor vertriebene slowenische Priester in seiner Erzdiözese unterbrachte. Die Zeugnisse darüber sind zahlreich und stammen von Juden und Orthodoxen.

 

Bereits im Mai 1945, unmittelbar nach Kriegsende, wurde der Erzbischof vom neuen kommunistischen Regime zum ersten Mal verhaftet, am 3. Juni jedoch wieder entlassen und am folgenden Tag zu Tito zitiert. Es folgten unruhige Monate. Am 22. September 1945 wandten sich alle Bischöfe Jugoslawiens in einem gemeinsamen Brief an den Staatschef und wiesen darauf hin, dass in Jugoslawien 243 katholische Priester ermordet und 169 weitere in Gefängnisse gebracht wurden.

 

Die Kommunisten antworteten mit Schmierereien an den Kirchenwänden: “Nieder mit den Pfaffen! Nieder mit dem Banditen Stepinac!” Die Zeitungen hetzten, und es wurden Unterschriften für seine Verhaftung gesammelt. Diese erfolgte fast ein Jahr später am 18. September 1946. Die Anklageschrift wurde am 23. September veröffentlicht, das Gerichtsverfahren eine Woche später eröffnet.

Marija Bistrica, das Nationalheiligtum der Kroaten
Es war ein Schauprozess übelsten Stils, von sowjetischen Beratern durchdacht und gelenkt, deren Handschrift auch die Anklageformulierung trägt. Der Erzbischof wurde als aktiver Volksfeind hingestellt, worauf Stepinac nur die eine Frage stellte: “Können Sie einen einzigen Beweis anführen?” Der Staatsanwalt schwieg.

 

Am vierten Verhandlungstag, am 3. Oktober, äußerte sich der Erzbischof zur “Anklage” und sagte: “Auf alle Anklagen, die vor diesem Gerichtshof gegen mich erhoben wurden, antworte ich: Mein Gewissen ist rein in jeder Hinsicht, wenn auch die hier Anwesenden es lächerlich finden.

 

Ich werde nicht versuchen, mich selbst zu rechtfertigen, ich werde auch keine Berufung gegen das Urteil einlegen. Ich bin bereit, für meine Überzeugung nicht nur Spott, Hass und Demütigungen zu ertragen, sondern ich bin auch – eben weil mein Gewissen rein ist – jeden Augenblick bereit, den Tod zu erleiden.”

 

Von den 35 Zeugen der Verteidigung wurden nur sieben zugelassen. Auch der spätere Nachfolger von Stepinac auf dem erzbischöflichen Stuhl von Zagreb, Kardinal Franjo Seper, sowie der orthodoxe Bischof von Slawonien und einige orthodoxe Priester und Juden hatten sich als Entlastungszeugen gemeldet, wurden aber nicht zugelassen.

Gefängnistrakt von Lepoglava.
Obwohl keine Schuld vorlag, wurde Stepinac am 11. Oktober 1946 als Kollaborateur und Kriegsverbrecher zu “Freiheitsentzug und Zwangsarbeit für die Dauer von 16 Jahren” verurteilt. Am 19. Oktober 1946 brachte man ihn ins Gefängnis von Lepoglava. Im Dezember 1951 wurde er zur Verbannung in seinen Heimatort nach Krasic gebracht und dort unter Hausarrest gestellt. Ein Jahr später ernannte ihn Papst Pius XII. zum Kardinal.

 

Aber Stepinac blieb ein Kardinal ohne Purpur, da er nicht nach Rom reisen durfte, ohne seine Rückkehr nach Kroatien zu gefährden. Acht Jahre lebte Stepinac unter Arrest. Sein Gesundheitszustand war schlecht. Alle Angebote und Versuche der kommunistischen Regierung in Belgrad, er möge das Land für immer verlassen, lehnte er ab. Noch 1959 ließ ihm die Geheimpolizei keine Ruhe und verhörte ihn.

 

Er starb am 10. Februar 1960. Erst am 18. September 1962 wäre seine Haft abgelaufen. Untersuchungen an seinen Gebeinen im Laufe des Seligsprechungsprozesse zeigten, dass er langsam, aber systematisch vergiftet wurde.

 

Im September 1994 kniete Papst Johannes Paul II. an seinem Grab und rief die Kroaten auf, ihm, der “leuchtendsten Gestalt der Kirche Kroatiens”, zu folgen. Im Oktober 1998 kam er erneut nach Kroatien, um Kardinal Aloisius Stepinac seligzusprechen.

 

Prof. Dr. Rudolf Grulich

- Hl. Papst Johannes Paul II. (als Kardinal)

Kardinal Alojzije Stepinac – Ein Glaubenszeuge in totalitären Zeiten (mit Claudia Stahl, Biographin)

Seit 23 Jahren schweigen die Waffen in Bosnien und Herzegowina. Doch das Land gleicht einem Pulverfass, erklärt Bischof Franjo Komarica.

Der 72-Jährige leitet die Diözese Banja Luka im Norden des Landes – und ist ein Freund klarer Worte, besonders wenn es um die katholische Minderheit geht. Diese sieht er nämlich nach wie vor an der Rückkehr gehindert und wirtschaftlich, sozial und religiös benachteiligt. Schwere Vorwürfe erhebt er gegen die Regierungen Europas: Sie verschlössen die Augen vor der religiösen Diskriminierung.

Warum immer mehr Katholiken das Land verlassen und wie die Kirche dennoch Versöhnung lebt, erklärt Bischof Komarica im Gespräch mit Tobias Lehner von KIRCHE IN NOT Deutschland.
Wallfahrt in Bosnien und Herzegowina.
Eine Kirche und eine Moschee in unmittelbarer Nachbarschaft in Sarajewo.
Im Juni 2015 hat Papst Franziskus Bosnien und Herzegowina besucht.
Gruppenfoto vor dem neuen Jugendzentrum in Sarajewo. Der Bau wurde von KIRCHE IN NOT unterstützt.
Jugendliche im Jugendzentrum in Sarajewo, das nach dem heiligen Johannes Paul II. benannt ist.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka(/Bosnien und Herzegowina.
KIRCHE IN NOT: Bischof Komarica, der Bosnienkrieg ist seit dem Abkommen von Dayton im Jahr 1995 offiziell beigelegt. Aber wie sieht es in der Realität aus?

Bischof Franjo Komarica: Die Waffen schweigen zwar, aber der Krieg wird mit anderen Mittel fortgeführt. Es herrscht ein „kontrolliertes Chaos“ in Bosnien und Herzegowina. Mein Eindruck ist, als sei weder die Regierung noch die internationale Gemeinschaft am Aufbau eines Rechtsstaats interessiert, in dem Gleichberechtigung unter den Volksgruppen und Menschenrechte auch für Minderheiten garantiert werden.

Bosnien und Herzegowina steht bis heute faktisch unter dem Semiprotektorat der Vereinten Nationen. Ein Teil der Staatsgewalt wird von einem „Hohen Kommissar“ ausgeübt (seit 2009 der Österreicher Valentin Inzko; Anm. d. Red.). Aber er sagt, ihm seien hinsichtlich der politischen Entwicklung die Hände gebunden.

„Kein Interesse von der internationalen Gemeinschaft”

Das Land ist nach wie vor in drei Volksgruppen gespalten: Kroaten, Serben, Bosniaken. Die Kroaten sind mehrheitlich katholisch und die kleinste Bevölkerungsgruppe. Sie orientieren sich nach Europa. Die Serben, mehrheitlich orthodox, stehen stark unter dem Einfluss Russlands.

Und die muslimischen Bosniaken orientieren sich immer mehr in Richtung Türkei und der islamischen Welt. So entstehen gefährliche Zentrifugalkräfte. Und das schadet nicht nur dem Land, das schadet auch Europa!

Wie meinen Sie das?

Das serbische und das bosnische Volk werden durch den ausländischen Einfluss absichtlich in Feindschaft gehalten. Das Land ist nach wie vor ein Pulverfass! Und die Kroaten sind dazwischen.

Sie wurden während des Kriegs zu Hunderttausenden vertrieben und können auch mehr als zwanzig Jahre danach nicht zurück, obwohl ihnen im Dayton-Vertrag ein Rückkehrrecht zugestanden wurde. Das Gegenteil ist passiert: Viele gehen auch jetzt noch ins Ausland.

„Kroatische Minderheit nicht gleichberechtigt”

Wir haben von Seiten der Bischofskonferenz immer wieder gefordert, den Dayton-Vertrag zu ergänzen, um der kroatischen Minderheit mehr Sicherheit zu geben. Sie sind nach wie vor nicht gleichberechtigt.

Was sind die Gründe für diese Ungleichberechtigung der katholischen Minderheit?

Die Kroaten werden nicht als konstitutive Volksgruppe für Bosnien und Herzegowina behandelt. Auch viele ausländische Regierungen erklären, dass für sie Bosnien und Herzegowina nur aus zwei Völkern besteht: den Serben und den Bosniaken.

Das hat schwerwiegende Folgen, wie ein Beispiel aus der Republik Srpska zeigt (die Republik Srpska wurde im Vertrag von Dayton als „zweite Entität“ des Bundestaates Bosnien und Herzegowina geschaffen und umfasst weite Teil im Norden und Osten des Landes; Anm. d. Red.).

Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka/Bosnien und Herzegowina.
„Wir brauchen die Kroaten unbedingt hier“

Dort sind in den 69 Pfarreien, die vor dem Krieg dort bestanden, nur etwa fünf Prozent der Katholiken zurückgekehrt. Und in den anderen Landesteilen wandern jetzt sogar noch Katholiken ab. Die Kroaten haben weder politische, noch rechtliche, noch finanzielle Unterstützung.

Es ist ihnen nahezu unmöglich, ihre Häuser wiederaufzubauen oder eine Arbeit zu finden. Sie werden systematisch diskriminiert. Das ist ein schwerer Schaden für das ganze Land. Das sehen im Übrigen auch die anderen Religionen so: Ich habe kürzlich mit dem bosnischen Großmufti gesprochen. Auch er sagt: „Wir brauchen die Kroaten unbedingt hier!“

Der ranghöchste Muslim im Land hat also das Problem erkannt. Tun es auch seine Glaubensgeschwister? In jüngster Zeit war zu hören, dass sich auch in Bosnien und Herzegowina Muslime radikalisieren ….

Ja, diese Entwicklung gibt es. Aber noch schlimmer als die religiöse ist die existenzielle Diskriminierung. Um es klar zu sagen: Auch unter Verfolgung können wir unseren Glauben bewahren – und das haben wir auch getan. Aber wenn die Katholiken kein Recht haben auf ihre Heimat und ihr Eigentum, dann wirkt das noch zerstörerischer.

Laut Verfassung ist Religionsfreiheit garantiert

Ein Beispiel: Der Bürgermeister eines Ortes in meiner Diözese sagte mir: „Ihr dürft hier keine Kirche bauen.“ Dabei hatte es dort vor dem Krieg eine katholische Pfarrei gegeben! Er hat auch kein Recht dazu, denn in der Verfassung von Bosnien und Herzegowina ist Religionsfreiheit garantiert.

Also habe ich Widerspruch eingelegt. Aber auch die übergeordnete Stelle hat mich abgewiesen. Schließlich bin ich zum Vertreter der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, zuständig für die Koordination des Wiederaufbaus; Anm. d. Red.) gegangen.

Er sagte mir: „Bischof, ich verbiete Ihnen eine Kirche zu bauen!“ Ich habe ihm die Bilder der alten Pfarrkirche gezeigt und auch das Bild des Pfarrers, der im Krieg ermordet wurde. Er hat sich weder entschuldigt, noch den Kirchenbau erlaubt. Das ist ein offener Angriff auf die katholische Kirche. Mir wurde auch wiederholt gesagt: „Ihr Katholiken müsst aus dem Land verschwinden.“

Diese dramatische Situation der Katholiken in Bosnien und Herzegowina ist im Ausland nur wenig bekannt. Was fordern sie von der internationalen Gemeinschaft?

Die Politiker müssen endlich Farbe bekennen und diese schwere Diskriminierung mitten in Europa verurteilen. Das gilt besonders für die Christen. Ich erwarte von denjenigen, die es ernst mit dem Glauben meinen, dass sie sich auch für die entrechteten Menschen in meiner Heimat einsetzen – mit Worten und Taten.

„Eine Blamage für Europa“

Bislang verhallten unsere Appelle ungehört. Das ist eine Blamage für Europa! Quo vadis, Christentum in Europa? Wie wollen wir anderen Völkern unsere christlichen Werte näherbringen, wenn wir solch eine Entwicklung im eigenen Haus zulassen und wegschauen?

So viel Hass und Zwietracht wurde in Bosnien und Herzegowina gesät. Was kann die katholische Kirche dennoch tun, damit die Gesellschaft wieder zusammenfindet?

Wir Katholiken sind die älteste Glaubensgemeinschaft des Landes. Wir fühlen uns verpflichtet, dass unsere Heimat zu einem gerechten und dauerhaften Frieden findet! Wir leisten Versöhnungsarbeit vor allem durch unsere sozialen Angebote und die Bildungsarbeit, vor allem in unseren katholischen Schulen.

„Ich trete für die Wahrheit ein”

Auch wenn wir von der Politik für diesen Einsatz bestraft werden! Deshalb bin ich Hilfswerken wie KIRCHE IN NOT so dankbar, dass sie auf unser Schicksal aufmerksam machen und uns unterstützen. Ich werde weiter für die Wahrheit eintreten, obwohl ich dafür bereits tätlich angegriffen wurde. Unsere Gegner werden gewinnen, wenn wir schweigen!

TV-Tipp: Katholiken in Bosnien und Herzegowina

Ein zweiteiliges Fernsehinterview zum Thema „Der Heimat beraubt – Katholiken in Bosnien und Herzegowina“ mit dem Bischof von Banja Luka, Franjo Komarica, und dem Journalisten und Buchautor Winfried Gburek finden Sie in der Mediathek von KIRCHE IN NOT.

Die Beiträge sind auch kostenfrei (zzgl. Versandkosten) bestellbar unter: kontakt@kirche-in-not.de.

Bischof Franjo Komarica über die Lage der Katholiken in Bosnien-Herzegowina:

Helfen Sie mit Ihrer Spende

KIRCHE IN NOT steht seit über drei Jahrzehnten den Katholiken Bosniens und Herzegowinas bei. Die Hilfe umfasst vor allem den Wiederaufbau kriegszerstörter Kirchen, Klöster und die Renovierung eines Priesterseminars.

Darüber hinaus unterstützt KIRCHE IN NOT auch die Anschaffung von Fahrzeugen für die Seelsorge, den Aufbau von Pastoralzentren, die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten und leistet Existenzhilfe für kontemplative Klöster. Auch die kirchliche Jugend- und Medienarbeit gehört zu den Förderprojekten.

Um weiter helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

So können Sie helfen

„Haus Pater Werenfried“, so heißt das neue Gebäude auf der Fazenda da Esperança („Hof der Hoffnung“) in Irsee bei Kaufbeuren im Ostallgäu. Der Augsburger Bischof Dr. Konrad Zdarsa hat es am 10. Dezember nach fünf Jahren Bauzeit eingeweiht.

 

Auf der „Fazenda” in Irsee leben und arbeiten junge Männer, die aus der Kraft des Wortes Gottes in der Heiligen Schrift, durch Arbeit und Gemeinschaftserfahrung ihre Drogenabhängigkeit und andere Süchte überwinden.

 

Im neuen Gebäude haben sie nun ausreichend Platz, um religiöse Schriften, Prayerboxen und andere Artikel von KIRCHE IN NOT zu lagern und an Besteller in die ganze Bundesrepublik zu senden.

Bischof Konrad Zdarsa weiht das Haus „Pater Werenfried“ ein.
Seit Jahren arbeitet die Fazenda in Irsee mit KIRCHE IN NOT zusammen. Der Gründer des Hilfswerks, Pater Werenfried van Straaten, ist der Namensgeber des Hauses. Es bietet mit fünf Gästezimmern Familien oder Einzelpersonen eine Übernachtungsmöglichkeit. Sie können auf der Fazenda Urlaub machen oder Tagungen veranstalten. Hierfür eignet sich ein großer Saal im neuen Gebäude.

 

Als der aus Brasilien stammende Leiter der Fazenda, Luiz Fernando Braz, den Augsburger Bischof eingeladen hatte, das  Haus„Pater Werenfried“ einzuweihen, überlegte dieser nicht lange.

 

„Ich habe gerne zugesagt, denn hier auf der Fazenda wird Nächstenliebe konkret. Hier wird jungen Menschen in bedrängenden Krisensituationen geholfen. Ich bin sehr froh, dass es so eine Einrichtung in meiner Diözese gibt“, so Zdarsa.

TV-Interview von KIRCHE IN NOT mit Luiz Fernando Braz, dem Leiter der Fazenda in Irsee:

Braz sieht in der Versandarbeit einen enormen Wert für die jungen Erwachsenen: „Früher haben die Jungs verächtliche Worte von der Gesellschaft gehört: ,Die taugen nichts, die machen alles nur kaputt, die sind böse.‘ Nun ist es anders. Sie fühlen sich gut, wenn sie ihre Arbeit im Auftrag von KIRCHE IN NOT erledigen.

 

Sie wissen: Jedes Paket mit Kinderbibeln, Katechismen oder Prayerboxen, das sie verpacken, erreicht einen Menschen und wird ihm nützen. Sie entdecken durch die Arbeit für KIRCHE IN NOT: Ich bin geliebt und ich kann lieben.“

 

KIRCHE IN NOT hat die „Fazendas da Esperança“ vielfach gefördert. „Pater Werenfried hat von Anfang an verstanden, dass es sich bei den Fazendas um ein spirituelles Werk handelt.

Auf der Fazenda da Esperança in Irsee werden unter anderem die beliebten Prayerboxen von KIRCHE IN NOT bestückt.
Hierher kommen Menschen, die durch verschiedenste Umstände oft weit weg von Gott geraten sind, und nun zu Gott zurückfinden.

 

Indem sie das Wort Gottes täglich in die Tat umsetzen, entdecken sie in ihrem Leben einen tiefen Sinn. Dies hat Pater Werenfried begeistert“, erklärt der Initiator der Fazenda-Idee, der in Brasilien lebende deutsche Franziskanerpater Hans Stapel.

 

Der „Hof der Hoffnung“ in Bickenried ist eine von über 120 Fazendas weltweit in 17 Ländern. Seit 1983 haben etwa 30 000 junge Erwachsene mit Suchtproblemen etwa ein Jahr auf einem der Höfe verbracht. Das Projekt ist erfolgreich: Die Heilungsquote liegt bei mehr als 84 Prozent.

KIRCHE IN NOT, Dezember 2016

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