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Der heilige Johannes Sarkander - Patron des Beichtgeheimnisses

Der heilige Johannes Sarkander - Patron des Beichtgeheimnisses

400. Todestag am 17. März 2020

14.03.2020 aktuelles
400. Todestag am 17. März 2020

Im Jahre 1995 hat Papst Johannes Paul II. in Olmütz mit Johannes Sarkander einen Märtyrer heilig gesprochen, der auch oft zusammen mit dem heiligen Johannes Nepomuk dargestellt wird. Den heiligen Johannes Nepomuk, der auch in Deutschland auf vielen Brücken steht, kennt jeder. Aber Johannes Sarkander? Am 17. März 2020 ist der 400. Todestag, der als Patron des Beichtgeheimnisses verehrt wird.

 

Obwohl der Papst 1995 eigens nach Olmütz kam, um Sarkander heilig zu sprechen, ist er ein unbekannter Heiliger geblieben, sozusagen eines der „böhmischen Dörfer“ im Heiligenkalender der Kirche. In Mähren wurde er aber schon vor der Seligsprechung sehr verehrt: Es gibt Andachtsbilder, die Johannes Nepomuk im Kreise anderer Heiliger zeigen, die Johannes heißen: Johannes der Täufer, Johannes der Evangelist, Johannes Chrysostomus und Johannes von Damaskus.

Auf einem der linken Nebenaltäre in der deutschen Nationalkirche Santa Maria dell‘ Anima in Rom sind der heilige Johannes Nepomuk und Johannes Sarkander zu sehen. Sarkander wurde erst im Jahre 1860 seliggesprochen. Beide Märtyrer galten damals als deutsche Heilige.
Der deutsche Komponist und Direktor des Sudetendeutschen Musikinstituts in Regensburg, Widmar Hader, hat Ende 1995 „Variationen zum Sarkander-Lied“ komponiert, die 1996 in Klattau uraufgeführt wurden und auch bei Paneuropa-Tagen im Kloster Andechs zu hören waren.

 

Ein Heiliger aus Schlesien

Johannes Sarkander stammt aus dem schlesischen Skotschau, das heute in Polen liegt. Dort wurde er 1576 geboren. Bei der Familie seines älteren Bruders Paul lebte Johannes Sarkander nach dem Tode seines Vaters in Freiberg bei Neutitschein (tschechisch Přibor). Als er sich 1597 an der Universität Olmütz einschrieb, vermelden die Annalen: Johannes Sarkander, ein Mährer aus Freiburg (Priborensis Moravus). Er studierte Theologie in Olmütz und Graz, ließ sich aber erst 1609 zum Priester weihen.

Die 35 Meter hohe barocke Dreifaltigkeitssäule in Olmütz. Sie wurde in die UNESCO-Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen.
Seine Seelsorgestellen waren Jaktar bei Troppau, Charwath bei Olmütz, Boskowitz und Holleschau. 1619 machte er eine Wallfahrt nach Tschenstochau. Damals hatten die Protestanten in Brünn den katholischen Landeshauptmann Lobkowitz gestürzt und die Jesuiten vertrieben. Auch in Holleschau wurde ein protestantischer Pfarrer eingesetzt. Kaiser Ferdinand II. hatte indessen nach dem böhmischen Aufstand von 1618 mit seinem Schwager König Sigismund III. Wasa von Polen Verhandlungen geführt und polnische Hilfstruppen angeworben.

 

Solch ein Kosakentrupp von 4.000 Reitern zog Anfang Februar 1620 über Schlesien und Mähren nach Wien, wobei die Soldaten überall auf dem Weg plünderten. Am 6. Februar näherten sich diese Kosaken auch Holleschau, von wo aus ihnen Sarkander mit dem Schlosskaplan und seinen Gläubigen in einer feierlichen Prozession in Richtung Hullein entgegenzog.

 

Johannes Sarkander trug an der Spitze der Prozession eine Monstranz mit dem Allerheiligsten. Als die Soldaten die Prozession und den Priester mit der Monstranz sahen, stiegen sie von den Pferden und knieten nieder. Sie umritten dann Holleschau und sprengten bis Wien durch. Dieses Ereignis wurde Sarkander von den Protestanten zum Vorwurf gemacht. Sie behaupteten, er habe mit den Kosaken im Einverständnis gestanden, ja er habe sie bei seiner Reise nach Tschenstochau sogar angeworben.

Die Sarkanderkapelle in Olmütz am Ort des Martyrums.
Deshalb sei nur Holleschau von ihnen verschont geblieben, er aber sei schuld an den Plünderungen, die anderenorts durch die polnischen Truppen in Mähren stattgefunden haben. Sarkander sah die drohende Gefahr hinter diesen Beschuldigungen und floh. Er wurde jedoch nach verschiedenen Verstecken in Scheunen und einer Totenkammer auf dem Friedhof sowie nach einem Aufenthalt auf Schloss Tobitschau festgenommen und nach Olmütz gebracht.

 

Hier wurde er beim Verhör mehrfach gefoltert, damit er aussage, er habe die Kosaken geholt. Während der Haft und der Folter war auch der evangelische „Winterkönig“ Friedrich von der Pfalz in Olmütz. Unter anderem wurde von ihm beim Verhör am 18. Februar 1620 verlangt, das Beichtgeheimnis zu verletzen und die Inhalte der Beichten seines Herren von Lobkowicz bekannt zu geben.

- Dekret Kongregation für die Glaubenslehre im Pontifikat von Papst Johannes Paul II. zum Schutz des Beichtgeheimnisses 23. September 1988
Sarkander weigerte sich und starb einen Monat später am 17. März an den Folgen der Folterung im Alter von nur 43 Jahren. Wegen dieser Glaubensstärke gilt Johannes Sarkander auch als Patron des Beichtgeheimnisses. Sehr bald setzte die Verehrung ein, denn die Olmützer Katholiken sahen in ihm einen Martyrer. 1860 erfolgte die Seligsprechung. Am Ort seines Martyriums steht heute in Olmütz die Sarkanderkapelle. Drei Kapellen erinnern in seiner Geburtsstadt Skotschau an den Heiligen.

 

Prof. Rudolf Grulich, Kirchenhistoriker

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