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Unser Hilfswerk unterstützt die katholische Kirche auf Sri Lanka, um den Opfern der Terroranschläge vom Ostersonntag beizustehen. Islamistische Selbstmordattentäter hatten im April dieses Jahres in drei christlichen Kirchen und drei Hotels fast 300 Menschen in den Tod gerissen und mehr als 500 Personen verwundet. Allein in der Kirche von Negombo kamen über 150 Menschen ums Leben.

 

Die Anwältin und Autorin Ewelina Ochab ergriff im September 2017 nach einer von KIRCHE IN NOT veranstalteten internationalen Konferenz in Rom die Initiative, um die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf Verletzungen der Religionsfreiheit zu lenken.

Gedenkstätte für die Anschlagsopfer in Negombo.
Eine große Welle der Solidarität im Land und der sri-lankischen Diaspora im Ausland sowie Soforthilfen von Teilen der Regierung haben es ermöglicht, die beiden durch den Anschlag zerstörten katholischen Kirchen im Erzbistum Colombo rasch wiederherzustellen.

 

Viele Familien stehen vor dem Nichts

Den betroffenen Familien wurde sofort mit medizinischer und materieller Unterstützung geholfen. Viele haben nicht nur einen Angehörigen verloren, sondern auch den Alleinverdiener der Familie. So stehen sie materiell vor dem Nichts.

Nun macht sich die katholische Kirche Sri Lankas daran, langfristige Hilfen für den Heilungsprozess und die psychosoziale Betreuung der Überlebenden und ihrer Familien nach dem Trauma bereitzustellen. KIRCHE IN NOT finanziert dieses Projekt.

Plakate vor der Kirche St. Sebastian in Negombo erinnern an die Opfer der Bombenanschläge.
Viele Menschen haben die Anschläge unmittelbar erlebt und sind schwer traumatisiert. Einige haben alle Familienmitglieder verloren, andere kümmern sich noch um zum Teil schwer verletzte Verwandte.

 

Besondere Therapie-Programme für Kinder

Für ihre Betreuung hat das Erzbistum Colombo ein Team aus 40 zertifizierten Trauma-Therapeuten aufgestellt. Sie betreuen trauernde, verwundete und andere schwer traumatisierte Menschen psychologisch. Geplant sind darüber hinaus spezielle Therapieprogramme für Kinder, Familien und alleinstehende Menschen. Mehr als 2000 Menschen sollen davon profitieren.

Ein großer Teil der von KIRCHE IN NOT bereitgestellten Förderung geht in die Ausbildung von 300 Beratern und Sozialhelfern – auch in der Jugendarbeit –, damit sie traumatisierte Menschen erkennen und ihnen zielgerichtet beistehen können.

Am Ostersonntag rissen Bombenanschläge auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka mindestens 250 Menschen in den Tod, rund 500 wurden verletzt. Gleichzeitig haben die Anschläge, die auf das Konto einer islamistischen Splittergruppe gehen, eine Welle der Solidarität ausgelöst.

 

Die katholische Kirche hat haupt- und ehrenamtliche Helfer losgeschickt, um den traumatisierten Menschen zu helfen. Einer von ihnen ist Prasad Harshan aus dem Bistum Colombo.

Mit seinem „Faith Animation Team“ besucht er Überlebende und Hinterbliebene, koordiniert Hilfen und leistet geistlichen Beistand. Bei einem Sri-Lanka-Besuch sprach Stephan Baier (Zeitung „Die Tagespost“) mit dem Priester.

Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge in Negombo.
STEPHAN BAIER: Die Terroranschläge haben die Menschen nicht nur physisch und psychisch, sondern auch in ihrem Glauben verwundet. Wie steht ihnen die Kirche bei?
PRASAD HARSHAN: 
Unser Erzbischof Malcolm Kardinal Ranjith wollte Missionare auf der Straße, um den Menschen zuzuhören und ihnen beizustehen. Damit haben wir schon vor drei Jahren begonnen. Das wurde jetzt nach dieser Tragödie zum Segen.

 

Wir sind zurzeit fünf Priester, die mit den Betroffenen der Terroranschläge arbeiten. Vor allem sind wir in Negombo tätig, wo 115 Menschen einer einzigen Pfarrei ermordet und mehr als 280 verletzt wurden. c In 30 Jahren Bürgerkrieg hatten wir nie solche Bombenattacken in Kirchen.

- Prasad Harshan, Priester aus Sri Lanka
Bringt das Glaubenszweifel und Distanz zur Kirche?
Zunächst waren die Menschen geschockt und fragten sich: Wie konnte Gott das zulassen? Wir Priester beschlossen, mit den Menschen auszuharren, auch wenn wir keine Antworten geben konnten. Wir wollten ihnen zeigen, dass Gott bei ihnen ist und bleibt.

 

Nach dem Schock kam die Wut. Insbesondere als die Menschen erfuhren, dass die Regierung vor den Anschlägen warnende Informationen erhalten hatte. Da spielten die Appelle von Kardinal Ranjith eine große Rolle. Er rief die Menschen auf, sich nicht von Emotionen, sondern vom Glauben leiten zu lassen.

Prasad Harshan, Priester aus Sri Lanka. Er kümmert sich um die Hinterbliebenen der Opfer der Anschläge vom Ostersonntag 2019 auf Sri Lanka.
Viele Katholiken auf Sri Lanka sagten mir, sie seien nach den Terroranschlägen stärker und gläubiger als zuvor.
Über Nacht war das ganze Land getauft. Es gibt ja die Taufe mit Wasser und jene mit Blut. Plötzlich wurde unserem ganzen Land die Anwesenheit der Katholiken und die besondere Art ihres Glaubens bewusst.

 

Früher sahen sich etwa 4000 Menschen die Videobotschaften des Kardinals an, jetzt sind es hunderttausende. Sie wollen hören, was er sagt. Wir hatten ein wahres Osterfest. Aber es begann mit den zerfetzten Leibern, mit dem Blut der Märtyrer.

„Terroristen wollen die ganze Welt involvieren“

Die islamistischen Attentäter haben bewusst christliche Kirchen attackiert. Dabei sind rund 70 Prozent der Einwohner Sri Lankas Buddhisten …
Es hat wohl damit zu tun, dass die katholische Kirche zwar hier im Land eine Minderheit darstellt, aber die größte religiöse Gemeinschaft in der Welt ist. Die Terroristen wollen die ganze Welt involvieren.

Albert Malcolm Kardinal Ranjith, Erzbischof von Colombo, tröstet einen Mann, der einen Angehörigen bei den Anschlägen verloren hat (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).
Wie haben die Attentate die Beziehung zwischen Buddhisten und Katholiken beeinflusst?
Die Buddhisten begannen untereinander darüber zu sprechen, wie bewundernswert die Katholiken seien: Warum üben sie keine Rache? Die besondere Struktur der katholischen Kirche kam uns da sehr zugute.

 

Der Kardinal hat dazu aufgerufen, keine Gewalt zu üben, die Priester haben das aufgegriffen und die Gläubigen ebenso. Jetzt bewundern auch buddhistische Mönche uns Katholiken und begegnen uns mit viel Sympathie und Respekt.

„Es muss ein Reinigungsprozess in Gang kommen“

Wie reagierten die Spitzen der islamischen Glaubensgemeinschaft in Sri Lanka auf den Terror aus ihren Reihen?
Die muslimischen Autoritäten haben erkannt, dass es ihr Fehler war, zu den Aktivitäten terroristischer Gruppen in ihren Gemeinden zu schweigen. Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber alle Attentäter vom Ostersonntag waren Muslime. Es muss ein Reinigungsprozess in Gang kommen. Als die Untersuchungen begannen, wurden Waffen in den Moscheen gefunden. Das war schockierend für uns.

Schutz durch das Militär unmittelbar nach den Anschlägen (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).
Wie wurde die internationale Solidarität mit den Opfern auf Sri Lanka spürbar?
Hilfsorganisationen wie KIRCHE IN NOT haben uns hier sehr viel geholfen. Wir sind im Land eine Minderheit, aber wir wissen, dass wir einer größeren Familie angehören. Menschen, die nie in Sri Lanka waren, beten und spenden für uns.

 

So wurde die katholische Kirche zu einem Segen für alle Menschen Sri Lankas. Indem die Menschen auf die katholische Kirche blicken, hat eine innere Umkehr begonnen. Sie beginnen zu verstehen, was es bedeutet, als Christ zu leben.

„Die Bevölkerung und insbesondere alle Christen Sri Lankas stehen weiterhin unter Schock. Die Anschläge an Ostern haben viele Leute an den Ausnahmezustand zur Zeit des Bürgerkriegs erinnert.“ Dieses Fazit zieht die Asien-Projektreferentin von KIRCHE IN NOT, Veronique Vogel. Genau vier Wochen nach den Terroranschlägen von Ostersonntag hat sie Sri Lanka besucht.

 

Eine Delegation von KIRCHE IN NOT reiste Mitte Mai in die Region um die Hauptstadt Colombo und die Stadt Negombo. Dort hatten die meisten Anschläge auf Kirchen und Hotels am Ostersonntag stattgefunden. Dabei kamen mindestens 253 Menschen zu Tode. Rund 500 wurden verletzt.

Plakate vor der Kirche St. Sebastian in Negombo erinnern an die Opfer der Bombenanschläge.
Die Behörden machen eine lokale islamistische Gruppe für die Taten verantwortlich. „Mit der Reise wollten wir uns persönlich ein Bild vom Zustand der katholischen Gemeinden machen und ihnen unsere Solidarität versichern. Es waren ja gezielt Christen, die Opfer des Terrors wurden“, so Vogel.

 

Die Angst vor weiteren Anschlägen sei weiterhin sehr groß, berichtet Vogel: „Es ist bekannt, dass mehr Attentäter beteiligt waren, als anschließend festgenommen werden konnten. Jeder weiß also ganz genau: Irgendwo da draußen laufen noch hochgefährliche Leute rum, die jederzeit wieder zuschlagen könnten.“

 

Angst vor weiteren Anschlägen

Seit dem 21. Mai seien die Kirchen im Land wieder geöffnet, doch viele Christen seien schwer traumatisiert, berichtet Veronique Vogel: „Viele haben mir erzählt, dass sie schon in Panik geraten, wenn sie eine Kirchenglocke läuten hören. Das zeigt, wie belastend die Erinnerungen an Ostersonntag für sie sein müssen.“

Es gebe jedoch auch die gegenteilige Erfahrung: Viele Menschen, die von den Anschlägen selbst betroffen waren oder Angehörige verloren haben, zeichnete ein enormer Lebenswille und ein starker Glaube aus.

Schutz durch das Militär unmittelbar nach den Anschlägen (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).
„Die Leute verstehen nicht, weshalb ausgerechnet ihnen in Sri Lanka solches Leid widerfahren ist. Sie wollen keinen neuen Bürgerkrieg mehr, sondern setzen sich für dauerhaften Frieden ein“, betont Vogel.

Der Erzbischof von Colombo, Malcolm Kardinal Ranjith, ruft die Bevölkerung immer wieder dazu auf, Ruhe zu bewahren und keine Racheakte zu verüben. „Immer wieder spürte ich während der Reise, dass die Christen dankbar für die Worte ihres Erzbischofs waren und sie beherzigt haben“, stellt Veronique Vogel fest.

 

Enormer Lebenswille und starker Glaube

Der Besuch eines Franziskanerklosters in Negombo habe sie besonders beeindruckt: Es befinde sich direkt gegenüber der katholischen Kirche St. Sebastian, wo allein mindestens 100 Menschen bei den Bombenattacken getötet wurden.

Die Franziskaner seien sofort nach den Explosionen zur Stelle gewesen, hätten sich um Verletzte gekümmert und Tote geborgen, so Vogel. „Trotz dieser traumatischen Erfahrungen sind sie ein Zeugnis gelebter Nächstenliebe, die sich ihren Glauben und ihre Hilfsbereitschaft nicht von Terror und Gewalt nehmen lassen.“

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