Spenden
Nordkorea

Nordkorea

Mehr Beiträge zu diesem Thema

Mehr Schlagworte 3 Beiträge gefunden
Beiträge anzeigen
Am 18. Oktober treffen sich der südkoreanische Präsident Moon Jae-in und Papst Franziskus im Vatikan. Bei einer Audienz wird der Politiker dem Heiligen Vater auch eine Einladung des nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un überreichen. Viele Beobachter fragen sich, ob Papst Franziskus diese annimmt und tatsächlich irgendwann nach Nordkorea reisen wird.
[BR) Doch nicht jeder in Korea würde einen Besuch des Heiligen Vaters in Nordkorea begrüßen, schreibt Johannes Klausa, Direktor des koreanischen Büros von KIRCHE IN NOT (ACN). Er erläutert die Hintergründe und die aktuellen Entwicklungen der Annäherung auf der koreanischen Halbinsel:

Im Oktober 2017 twitterte US-Präsident Donald Trump: „Zu dem Raketenmann nett zu sein, hat 25 Jahre lang nichts gebracht – warum sollte es jetzt was bringen?” Wenige Monate zuvor hatte er den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un „kleiner Raketenmann” genannt und ihm mit „Feuer und Zorn, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat” gedroht.
Blick nach Nordkorea: Buchstaben aus Sträucherwerk bilden die koreanischen Schriftzeichen für das Wort „Einheit“.
Grenzanlagen an der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea.
Kumsusan-Palast im Pjöngjang. In dem Gebäude befindet sich das Mausoleum von Kim Il-sung und Kim Yong-il.

Ein Jahr später herrscht auf der koreanischen Halbinsel ein anderer Ton. Die beiden Staatschefs aus Nordkorea und Südkorea haben sich seit der Friedens- und Charme-Offensive während der Olympischen Winterspiele dreimal getroffen, um den Weg für Gipfeltreffen, Familienzusammenführungen und einen umfassenden politischen und kulturellen Austausch zu ebnen.

„Charme-Offensive bei Olympia”

Zudem gab es ein Gipfeltreffen von Kim und Donald Trump, der den einstigen „Raketenmann“ jetzt öffentlich als „sehr talentiert” und einen „cleveren Kerl” bezeichnet, und ihn nach den Wahlen erneut treffen möchte.

Die jüngste Entwicklung: Kim Jong-un würde einen Besuch des Heiligen Vaters in Pjöngjang „begeistert” begrüßen. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in besucht Papst Franziskus in Rom und hat eine Einladung für ihn in der Aktentasche.

Diese Entwicklungen sind aufregend, aber nicht jeder in Korea sieht darin einen Grund für begeisterten Applaus. Obwohl die Mehrheit der Koreaner, insbesondere die jüngere Generation, über diese Aussicht begeistert zu sein scheint, sind auch Stimmen zu hören, die einen Besuch des Heiligen Vaters im Norden nicht begrüßen. Manch einer glaubt nicht so recht an die Bereitschaft des „Jungen Marschalls“, mit der Politik seines Vaters und Großvaters zu brechen.

Sie bezweifeln, dass er sein nukleares Waffenarsenal aufgeben und sein Land wirklich zu Frieden und Versöhnung führen will. Ein Besuch des Papstes in Pjöngjang, so meinen sie, sähe so aus, als vergebe die katholische Kirche die Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Christenverfolgungen noch bevor die Täter vor Gericht gestellt worden sind. Dass in der Vergangenheit unter der brutalen Kim-Diktatur zahlreiche Verbrechen begangen worden sind, steht außer Frage.

Nach Meinung der Kritiker sollte die katholische Kirche ein Anwalt der Opfer sein und die Taten des Regimes anprangern, statt Kim dabei zu helfen, sein negatives Image aufzupolieren und ihm als Trittbrett für den Schritt auf die Weltbühne und in die Präsidentenpaläste der internationalen Gemeinschaft zu dienen.

„Kirche sollte Anwalt der Opfer sein”

Es ist nicht das erste Mal, dass Pjöngjang sich um einen Papstbesuch bemüht. In der Phase der Annäherung und der sogenannten „Sonnenschein-Politik” unter dem damaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung Anfang des neuen Jahrtausends war Papst Johannes Paul II. – vergeblich – zu einem Besuch der „Demokratischen Republik Korea“ eingeladen worden.

Sollte sich Papst Franziskus für eine Reise nach Pjöngjang entscheiden, so wäre dies kein naiver Entschluss. Er könnte Zugeständnisse verlangen, wie beispielsweise die Einwilligung in eine permanente Präsenz von Priestern in Nordkorea.

Wenn er die Einladung annehmen sollte, so würde dies nicht ohne eine Reihe vorheriger inoffizieller Kontakte und Verhandlungen geschehen. Zu der Delegation, die Kim Jong-un persönlich getroffen hat, gehören neben dem Vorsitzenden der koreanischen Bischofskonferenz auch andere religiöse Führer.

Ein Papst-Franziskus-Comic in Südkorea.
Papst Franziskus wird in Seoul begeistert gefeiert.
Diese Muttergottesstatue hat die katholische Kirche Südkoreas im nordöstlichen Bezirk Goseong an der Grenze zu Nordkorea errichtet. Die Statue blickt in Richtung Norden und verkörpert den Wunsch nach Frieden und Einheit zwischen den getrennten Staaten Koreas.
Johannes Klausa, Direktor des koreanischen Büros von KIRCHE IN NOT in Seoul.
Die Einladung annehmen?

Erzbischof Hyginus Kim Hee-jong (Erzbistum Gwangju/Südkorea) war bereits vor einigen Jahren mit einer Delegation südkoreanischer Bischöfe und Priester in Pjöngjang. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in, selbst ein gläubiger Katholik, hat ihn zu seinem „Sondergesandten beim Heiligen Stuhl” ernannt. Andrew Kardinal Yeom Soo-jung, Erzbischof von Seoul, Präsident von KIRCHE IN NOT/ACN Korea und Apostolischer Administrator von Pjöngjang, hat kürzlich gesagt, er „warte auf den Tag”, an dem er Missionare, Priester, Mönche und Nonnen nach Nordkorea schicken könne, um dort mit ihnen gemeinsam die Sakramente zu feiern.

Frieden auf der koreanischen Halbinsel

„Ich weiß, dass Papst Franziskus sich große Sorgen um den Frieden auf der koreanischen Halbinsel macht und wiederholt für uns gebetet hat“, so der Kardinal. Deshalb wünsche er sich, dass all diese Anstrengungen zu einem Frieden auf der koreanischen Halbinsel führen werde. Katholiken sollten, unabhängig von ihren politischen Ansichten, immer darauf vertrauen, dass auch Gott aufmerksam über diese Entwicklungen wacht.

Lasst uns dafür beten, dass die bilateralen Gespräche zwischen Kim Jong-un und Papst Franziskus – sollte er denn die historische Reise nach Pjöngjang unternehmen – zu einem trilateralen Gipfel unter der Führung des Heiligen Geistes werden. Und dass der Heilige Geist Korea auf den Weg zu Frieden und Stabilität führen möge.

Internationale Beobachter sähen in Nordkorea „lediglich einen Unsicherheitsfaktor mit einem über Raketen verfügenden Diktator. Dabei werden die Lebensbedingungen der 24 Millionen Nordkoreaner häufig ausgeblendet.“ Dies erklärte der südkoreanische Priester Kang Ju-seok in einem Gespräch mit dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. Kang leitet das „Nordostasiatische Katholische Institut für Frieden und Zusammenarbeit“. Es befindet sich in der Stadt Paju, nur wenige Kilometer von der demilitarisierten Zone entfernt, die Nord- und Südkorea trennt. Das Institut engagiert sich in der Friedensarbeit – „jenseits von Schlagzeilen“, wie Kang anmerkt.
Grenzanlagen an der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea.
Kumsusan-Palast im Pjöngjang. In dem Gebäude befindet sich das Mausoleum von Kim Il-sung und Kim Yong-il.
Blick an der Grenze nach Nordkorea.
Denkmal für die beiden verstorbenen Machthaber Kim Il-sung und Kim Yong-il in Pjöngjang.
Mehr Informationen aus dem Ausland – weiterhin schlechte Versorgungslage

Die historischen Begegnungen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un mit US-Präsident Donald Trump und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in würden zwar die Hoffnungen auf Reform und Annäherung nähren, meint der Priester. „Allerdings wird das nordkoreanische Regime die Wachsamkeit gegenüber den Religionen nicht verringern.“

Man wisse kaum etwas über die alltägliche Situation in Nordkorea – sowohl was die humanitäre Situation als auch die Zahl der Christen anbelange. Flüchtlinge berichteten jedoch, dass immer mehr Informationen aus dem Ausland nach Nordkorea gelangten. „Immer mehr Nordkoreaner haben Zugang zu Handys, DVD-Playern und Computern“, sagte Kang. Es herrsche aber nach wie vor eine mangelhafte Lebensmittelversorgung. Der Schmuggel mit China blühe – davon profitierten jedoch am ehesten höhere Angestellte und Parteikader. „Ich mache mir Sorgen um die Armen und Verletzlichen, denn sie leiden am meisten.“ Die internationalen Sanktionen würden die Situation noch verschärfen. „Viele Nordkoreaner leben in extremer Armut“, so Kang.

Auch was die Zahl der Christen und Angehörigen anderer Religionen anbelange, gebe es keine verlässlichen Zahlen. Fakt sei aber, dass in der Hauptstadt Pjöngjang heute vier vom Regime errichtete Kirchen existieren: zwei russisch-orthodoxe, eine römisch-katholische und eine protestantische. Ausländischen Besuchern werden diese Gotteshäuser als Beleg für religiöse Toleranz gezeigt. Auch Katholiken und Priester aus Südkorea können seit 20 Jahren vereinzelt an Gottesdiensten teilnehmen, so Kang. Diese regelmäßigen heiligen Messen seien eine Ausnahme im Vergleich zu den anderen christlichen Konfessionen. Diese könnten seltener Gottesdienste feiern.

Die Meinungen über die Zusammensetzung der Gemeinde sei jedoch gespalten: „Einige sind von den Gottesdiensten beeindruckt. Anderen ist die Situation verdächtig. Sie fragen sich, ob die Nordkoreaner, die an der Messe teilnehmen, wirklich Gläubige sind.“ Kangs Auffassung nach würden die meisten Gottesdienstbesucher vom Regime in die Kirche beordert, wenn Gäste teilnehmen. Es sei so gut wie unmöglich, in Nordkorea längerfristig eine Religion auszuüben, ohne Repressalien des Regimes fürchten zu müssen. „Aber wir glauben dennoch, dass es Christen in Nordkorea gibt“, sagte Chang.

Kang Ju-seok, Leiter des Nordostasiatische Katholischen Instituts für Frieden und Zusammenarbeit.

Diese seien vielleicht Überlebende der Christenverfolgung oder deren Nachkommen. Die kommunistischen Machthaber hatten bereits nach der Teilung der koreanischen Halbinsel im Jahr 1948 mit der systematischen Verfolgung begonnen. „Schon bevor der Koreakrieg ausbrach (1950-1953, Anm. d. Red.), gingen viele Christen auf der Suche nach Religionsfreiheit über die Grenze.“ Noch Anfang des 20. Jahrhunderts waren in Pjöngjang drei von zehn Einwohnern Christen. Die Stadt wurde sogar „Jerusalem des Ostens“ genannt. In der Region wurden damals mehr als 2000 Kirchen gebaut.

Hass als Ersatzreligion?

Der Kult um die Kim-Dynastie sei nach wie vor eine Art „Ersatzreligion“. Die Loyalität zum Regime speise sich jedoch auch aus dem immer wieder geschürten Hass auf Südkorea und den Westen. „Während des Koreakriegs starben zwei bis drei Millionen Nordkoreaner, und die Regierung nutzt dieses Trauma immer wieder aus.“ Zum Erhalt der Alleinherrschaft trage auch das ein Art „Kastensystem“ namens Songbun bei, das die Kim-Dynastie eingeführt habe. „Bei der Zuteilung von Gütern und Dienstleistungen erhält die Gruppe der Menschen, die dem Regime loyal ergeben sind, einen besseren Anteil oder wird großzügiger behandelt“, sagte Kang. Ob diese quasireligiöse Verehrung aber auch in die private Vorstellungswelt der Nordkoreaner vorgedrungen sei, könne niemand sagen. „Wir wissen nicht genau, wie diese Gesellschaft funktioniert.“

Diese jahrzehntelang etablierten Verhaltensmuster seien schwer zu durchbrechen. Deshalb ist der Priester überzeugt, „dass im Zuge der Reform und der Öffnung zwar nicht kurzfristig, aber langsam das Christentum zurückkehren wird. Letztlich müssen wir die Herzen der Nordkoreaner gewinnen.“ Dies könne durch die Erfahrung von „Werken der Nächstenliebe ohne Gegenleistung“ erfolgen. Der Weg zu mehr Menschenrechten und Religionsfreiheit könne gegenwärtig nur über Veränderungen von Seiten des Regimes erfolgen. Dazu sei eine Zusammenarbeit aller friedensliebenden Kräfte nötig, ist Kang überzeugt. „Laut Papst Franziskus sollen wir daran glauben und dafür beten, dass der Weg zur Öffnung über Dialog und Verhandlungen führt, nicht über Militärmacht.“

Die zurückliegenden Olympischen Winterspiele in Pyeongchang standen stark unter dem Eindruck der aktuellen politischen Lage – besonders im Hinblick auf die fragile Situation zwischen Nord- und Südkorea.

KIRCHE IN NOT hat seit 2015 eine Niederlassung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Mit dem dortigen Geschäftsführer Johannes Klausa, einem gebürtigen Deutschen, sprach Maria Lozano von KIRCHE IN NOT International über die Auswirkungen von Olympia auf das geteilte Land, die Arbeit des Hilfswerks in Südkorea und die Situation der verfolgten Christen im Norden.
Pater Werenfried, der Gründer von KIRCHE IN NOT, 1960 in Seoul bei koreanischen Flüchtlingen aus dem kommunistischen Norden.
Besuch an der innerkoreanischen Grenze. Im Hintergrund schauen nordkoreanische Grenzsoldaten durch die Fensterscheiben.
Namdaemun-Tor in Seoul.
Namdaemun-Tor in Seoul.Seoul, die Hauptstadt Südkoreas.
Diese Muttergottesstatue hat die katholische Kirche Südkoreas im nordöstlichen Bezirk Goseong an der Grenze zu Nordkorea errichtet. Die Statue blickt in Richtung Norden und verkörpert den Wunsch nach Frieden und Einheit zwischen den getrennten Staaten Koreas.
Blick nach Nordkorea: Buchstaben aus Sträucherwerk bilden die koreanischen Schriftzeichen für das Wort „Einheit“.
MARIA LOZANO: Die Olympischen Winterspiele sind gerade zu Ende gegangen. Beobachter sahen angesichts des gemeinsamen Teams mit Sportlern aus Süd- und Nordkorea erste Anzeichen von Tauwetter in den eisigen Beziehungen der beiden Staaten. Wie sehen Sie das?

JOHANNES KLAUSA: Der Olympische Geist hat des gespaltene Korea für einen kurzen Moment ein Stück weit zusammengeführt. Sportler aus Nord und Süd liefen unter gemeinsamer Flagge ins Stadion ein.

Es gab sogar eine kurzfristig zusammengestellte gemeinsame Eishockeymannschaft der Damen. Mit 28 Gegentreffern in fünf Spielen hat sie zwar sportlich wenig geglänzt, aber dennoch die internationalen Schlagzeilen erobert. Wenige Monate zuvor hätte man aus Nordkorea eher Raketen als Sportler erwartet.

Unter gemeinsamer Flagge bei Olympia
Glauben Sie, diese Annäherung wird von Dauer sein?

Das bleibt abzuwarten. Immerhin kam es während der Eröffnungsfeier nicht nur zum vielbeachteten Händedruck zwischen dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in mit der Schwester des nordkoreanischen Diktators, Kim Yo-jong, sondern auch zur Begegnung des Präsidenten mit dem protokollarischen Staatsoberhaupt Nordkoreas, Kim Yong-nam.

Das geschah alles unter den skeptischen Blicken des US-Vizepräsidenten Mike Pence, der solchen versöhnlichen Gesten tunlichst aus dem Weg ging. Das nährt die Sorge, dass die zarte Annäherung durch die US-Regierung wieder zunichtegemacht wird.

Das klingt sehr pessimistisch. Wie hoch schätzen Sie die Gefahr weiterer Raketentests und angedrohter Gegenreaktionen ein?

Es ist leider nicht auszuschließen, dass es mit dem kurzen Intermezzo einer innerkoreanischen Olympia-Romanze sehr schnell wieder vorbei sein könnte. Es ist fraglich, ob es zu einem politischen Dialog oder gar direkten Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea kommen kann.

Die Argumente der Befürworter eines harten Kurses gegenüber dem Norden sind leider nicht von der Hand zu weisen. Dennoch führt meines Erachtens kein Weg am Dialog vorbei, wenn man zu einer echten Veränderung der Lage kommen will. Dazu würde dann auch die Unterzeichnung eines Friedensvertrags gehören, der den Koreakrieg nach 65 Jahren endlich beendet. Denn bisher gibt es ja nur einen Waffenstillstand.

Papst Franziskus wird in Seoul begeistert gefeiert.
Johannes Klausa, Leiter des südkoreanischen Büros von KIRCHE IN NOT.
„Am Dialog führt kein Weg vorbei”
Die politische Rhetorik vor den Spielen, sowohl aus dem nordkoreanischen Pjöngjang, als auch aus Washington klang anders …

Eine militärische Lösung kann und darf keine ernstgemeinte Option sein. Immense Opferzahlen in Süd- wie Nordkorea wären die Folge.

Ich hoffe, dass zumindest die innerkoreanischen Gesprächskanäle offen bleiben, wenn nach den Paralympics das Olympische Feuer erlischt. Dann hätten die Spiele tatsächlich einen Ausweg aus der festgefahrenen Situation eröffnet.

„Festgefahrene Situation”
Auch wenn die Informationen sehr spärlich sind, ist bekannt, dass in Nordkorea nicht nur politisch Andersdenkenden, sondern auch Christen Schreckliches widerfahren ist. Was können Sie über die Lage der Christen dort sagen?

Dass das nordkoreanische Regime Anfang der 1950er-Jahre fürchterliche Verbrechen an Christen begangen hat, ist hinreichend belegt. Bekannt sind auch die herzzerreißenden Geschichten von christlichen Nordkoreaflüchtlingen aus jüngerer Zeit.

Was ganz aktuell in Nordkorea vor sich geht, wage ich nicht zu beurteilen. Ich gehe jedoch stark davon aus, dass die seit nunmehr drei Generationen verordnete Staatsideologie und Propaganda den christlichen Glauben weitgehend verdrängt hat. Möglicherweise ist im Geheimen, im engsten Familienkreis, ein Flämmchen des Glaubens weitergereicht worden und hat überlebt.

Nordkorea-Besuchern werden mitunter aber auch Kirchen gezeigt, in denen sogar Gottesdienste gefeiert werden …

Pjöngjang wurde einst das „Jerusalem des Ostens“ genannt. Heute gibt es dort nur noch vier offizielle Kirchen, deren Leiter und Besucher sich zuallererst tagtäglich als treue Bürger und Patrioten beweisen müssen. Natürlich können wir nicht in ihre Herzen sehen. Wie könnten wir uns anmaßen, über ihren Glauben zu urteilen?

Einige Mitglieder der offiziellen christlichen Gemeinden in Pjöngjang wurden meines Wissens bereits vor der Teilung Koreas 1945 getauft.

„Soldaten sind trainiert, einander zu hassen”
Mit verschiedenen Delegationen von KIRCHE IN NOT haben sie die innerkoreanische Grenze und die Baracken in der sogenannten Demilitarisierten Zone besucht, wo die Grenzlinie zwischen beiden Ländern verläuft. Was war das für ein Gefühl?

Es war für mich jedes Mal sehr emotional. Ich hatte die Gelegenheit, den selben Ort von „beiden Seiten“ zu besuchen, einmal geführt von einem süd- und das andere Mal von einem nordkoreanischen Soldaten. Es sind sehr sympathische Männer, die sich in vielen Punkten sehr ähnlich waren – bis auf die Uniform.

Die jungen Soldaten, die sich da Tag für Tag an der Grenze gegenüberstehen, sind im Grunde genommen Brüder, die sich nicht mehr kennen und die trainiert wurden, einander zu hassen. Bei meinen Besuchen im Grenzgebiet wird mir das immer wieder schmerzlich bewusst.

Seit Ende 2015 ist KIRCHE IN NOT mit einem Büro in Korea präsent. Wie kommt die Arbeit des Hilfswerks im Land an?

Unsere Niederlassung ist sehr jung, aber die Verbindung unseres Hilfswerks zu Korea reicht bis Anfang der 1960er-Jahre zurück.

Der Gründer von KIRCHE IN NOT, Pater Werenfried van Straaten, hat Südkorea mehrmals besucht, als es nach dem Krieg in Trümmern lag. Er sammelte in Europa Spenden, die dem Land und der Kirche hier halfen, wieder auf die Beine zu kommen.

„Stolz auf Entwicklung ihres Landes”

Daran versuche ich die Koreaner zu erinnern. Sie kennen die Erfahrung von Armut, Krieg und Verfolgung aus ihrer Geschichte und können sich deshalb mit der leidenden Kirche der Gegenwart sehr gut identifizieren. Außerdem sind sie zu Recht stolz auf die Entwicklung ihres Landes und darauf, dass sie den Sprung vom Hilfe-Empfänger zum Wohltäter geschafft haben.

Wo setzen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Im vergangenen Jahr habe ich meine persönlichen Eindrücke der Projekte von KIRCHE IN NOT im Irak, Libanon, in Pakistan und Nigeria in den Vordergrund gestellt. Diese Länder, aber natürlich auch die unerträgliche Situation in Syrien, thematisieren wir hier sehr stark.

In dieser Fastenzeit blicken wir besonders nach Indien. Papst Franziskus hat den Gläubigen Koreas aufgetragen, sich insbesondere der Glaubensgeschwister in Asien anzunehmen.

„Das Leben Asiens hell machen”

Bei seinem Besuch im Jahr 2014 sagte er: „Genauso wie der Herr seine Herrlichkeit im heroischen Zeugnis der Märtyrer aufleuchten ließ, möchte er seine Herrlichkeit auch in eurem Leben und durch euch aufscheinen lassen, um das Leben dieses weiten Kontinents hell zu machen.“

Bei der Erfüllung dieses päpstlichen Auftrags mitzuwirken, dazu tritt KIRCHE IN NOT in Korea an.

Beiträge zu diesem Thema