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Libanon: Maronitischer Patriarch sieht Aufnahmekapazität für Flüchtlinge erreicht

Libanon: Maronitischer Patriarch sieht Aufnahmekapazität für Flüchtlinge erreicht

22.04.2022 aktuelles
„Die internationale Gemeinschaft lobt uns und sagt, wir Libanesen seien gastfreundlich. Doch wir brauchen das nicht gesagt bekommen. Wir schaffen es einfach nicht mehr.“ Dieses Fazit zog der maronitische Patriarch Béchara Boutros Kardinal Rai, im Gespräch mit einer Delegation von KIRCHE IN NOT in Beirut.

 

Aktuell hielten sich insgesamt rund zwei Millionen Flüchtlinge im Libanon auf – die meisten von ihnen seien aus Syrien. Das Land beherberge aber auch eine halbe Million palästinensische Flüchtlinge: „Sie waren unsere Brüder in Not. Unser Land hat nie seine Grenzen geschlossen“, sagte Kardinal Rai.

Angesichts der desolaten Situation im Libanon seien jedoch die Grenzen der Belastbarkeit erreicht. Der Libanon hat insgesamt etwa sieben Millionen Einwohner; über ein Viertel von ihnen sind Flüchtlinge. Kein Land der Erde hat gemessen an der Gesamtbevölkerung mehr Schutzsuchende aufgenommen.

Patriarch Béchara Boutros Kardinal Rai im Gespräch mit einer Delegation von KIRCHE IN NOT.
Der Patriarch sieht die Hauptschuld an der aktuellen Misere bei der libanesischen Regierung: „Unsere Politiker haben die Bevölkerung zu Bettlern gemacht.“ Sichtbar sei dies an der hohen Inflation, erklärte der Patriarch: „Ein US-Dollar war vor eineinhalb Jahren noch 1500 libanesische Pfund wert; heute sind es 25 000 Pfund. Die Löhne haben ihren Wert verloren, und jetzt sind alle arm geworden.“

 

 „Unsere Politiker haben die Bevölkerung zu Bettlern gemacht“

Alle Bewohner, die konnten, seien bereits emigriert, betonte Kardinal Rai: „Unser Land ist nicht mehr das, was es einmal war. Jeden Tag verlieren wir tausende unserer besten Ingenieure, Ärzte und Lehrer.“

Ein Projektbeispiel von KIRCHE IN NOT aus Libanon: 15 000 Kinder erhalten Winterkleidung.
Da ein Ende der finanziellen und politischen Krise noch nicht abzusehen sei, seien viele Bereiche der Gesellschaft auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. In diesem Zusammenhang dankte der Patriarch KIRCHE IN NOT, das über 100 Hilfsprojekte im Libanon unterstützt: „Was KIRCHE IN NOT und die Wohltäter leisten, ist wirklich großartig. Ich möchte Ihnen versichern, dass die Hilfe für die Menschen spürbar ist.“

- Béchara Boutros Kardinal Rai, maronitischer Patriarch
KIRCHE IN NOT fördert im Libanon über die lokalen Kirchen unter anderem die Ausgabe von Lebensmittelpaketen, den Betrieb kirchlicher Schulen, Stipendien für Schüler aus mittellosen Familien sowie die karitativen und pastoralen Aktivitäten von Klöstern und Pfarrgemeinden.

 

Die Hilfe löse zwar die gravierenden Probleme des Libanon nicht, denn dies sei Aufgabe der Politik, betonte Kardinal Rai: „Aber die Wohltäter praktizieren Solidarität, Geschwisterlichkeit und Gemeinschaft. Die Libanesen sind dankbar für Ihre Nähe und für alles, was Sie tun.“

Kirchliche Mitarbeiter und freiwillige Helfer verteilen im Süden Libanons Lebensmittel.
Der Libanon ist Heimat der größten christlichen Gemeinde im Nahen Osten. Die meisten Gläubigen gehören der mit Rom unierten maronitischen Kirche an. Anfang April haben Vertreter der insgesamt 23 Nationalbüros von KIRCHE IN NOT einzelne Projekte im Libanon besucht. Das Land gehört zu den Schwerpunktregionen von KIRCHE IN NOT.
Unterstützen Sie die Arbeit der Kirche im Libanon für die notleidende Bevölkerung mit Ihrer Spende – entweder online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Libanon

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