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Die Kirche in Angola erhofft sich vom bevorstehenden Papstbesuch ein Ende der politischen und sozialen Spaltungen im Land. Wie die Bischofskonferenz des afrikanischen Landes in einem KIRCHE IN NOT (ACN) vorliegenden Hirtenbrief erklärt, könne man den „Boten des Friedens“ nicht mit einem Herzen voller Hass und Groll empfangen. „Die Versöhnung muss in jedem Herzen, in jeder Familie und in jeder zivilgesellschaftlichen oder parteipolitischen Organisation beginnen“, schreiben die angolanischen Bischöfe.

 

Das Land im Südwesten Afrika wurde 1975 von Portugal unabhängig. Es folgte ein langjähriger Bürgerkrieg, dessen Folgen bis heute fortwirken: Gesellschaftliche Spaltungen und Armut prägen vielerorts immer noch den Alltag.

Bischof Estanislau Chindecasse aus dem Bistum Dundo/Angola. © Kirche in Not

Folgen des Bürgerkriegs noch immer präsent

 

Bischof Estanislau Chindecasse aus dem Bistum Dundo sagte in einem Interview mit KIRCHE IN NOT, es sei „eine große Gnade“, dass Papst Leo XIV. noch nicht einmal ein Jahr nach Beginn seines Pontifikats Angola besuche. Er betonte, dass der Papst als Pilger der Hoffnung, der Versöhnung und des Friedens komme. „Das sind drei sehr wichtige und hochaktuelle Themen für unsere Kirche von heute. Deshalb werden wir diesen Besuch mit Katechese, Gebet und Begegnungen vorbereiten“, so der Bischof.

 

Die Bischöfe erinnerten in ihrem Hirtenbrief daran, dass Angola die erste Nation in der Subsahara-Region war, die das Evangelium empfing und in der die ersten Taufen stattfanden. Auch der erste schwarzafrikanische Bischof, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts geweiht wurde, stammte aus dem Gebiet des heutigen Angola.

Heilige Messe in Angola. © Kirche in Not

Laut dem von KIRCHE IN NOT 2025 herausgegebenen Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ sind mehr als 93 Prozent der Einwohner Angolas Christen; die Mehrheit von ihnen ist katholisch. KIRCHE IN NOT hilft der Kirche in Angola seit Jahrzehnten bei zahlreichen Projekten. Neben der Renovierung von Kirchen, Kapellen und kirchlichen Einrichtungen unterstützt das Hilfswerk die Ausbildung von Priestern, Ordensleuten, Priesteranwärtern und Laien. Hinzu kommt die praktische Hilfe für die Mobilität von Priestern und Katecheten durch Fahrzeuge und Motorräder, die für die Seelsorge in Regionen mit schlechten Straßenverhältnissen unverzichtbar sind.

 

Papst Leo XIV. besucht vom 18. bis 21. April mehrere Städte in Angola. Weitere Stationen seiner aktuellen Reise nach Afrika sind Algerien, Äquatorialguinea und Kamerun, wo KIRCHE IN NOT ebenfalls zahlreiche Projekte unterstützt.

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Geschichte Angolas von der Kolonialherrschaft über die Unabhängigkeit bis zum Drama des Bürgerkriegs

Die anhaltenden Angriffe im Libanon treffen nach Einschätzung eines Ortsbischofs nicht mehr nur militärische Ziele, sondern die gesamte Bevölkerung. „Das ist kein gerechter Krieg, es ist eine Niederlage für uns alle“, sagte der syrisch-katholische Bischof Jules Boutros KIRCHE IN NOT (ACN). Boutros ist seit 2022 Kurienbischof des syrisch-katholischen Patriarchats von Antiochia.

 

Aus Beirut berichtete der 43-jährige von einer zunehmend katastrophalen Lage im Land. Die israelischen Angriffe richteten sich offiziell gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah, tatsächlich seien jedoch immer wieder zivile Einrichtungen betroffen. So seien zuletzt auch Gebäude in Wohngebieten getroffen worden, darunter Hotels – eines davon in einem überwiegend christlichen Viertel. „Niemand weiß, wer sich im selben Gebäude aufhält. Diese Unsicherheit betrifft jeden Libanesen. Das Risiko ist überall“, erklärte der Bischof.

Jules Boutros, Kurienbischof des syrisch-katholischen Patriarchats von Antiochia mit Sitz in Beirut. © Kirche in Not

Umdenken in Sachen Hisbollah?

Mit Interesse registriert Boutros, dass angesichts der jüngsten Eskalation auch ein Umdenken unter schiitischen Muslimen einsetze. „Früher hörte man aus der schiitischen Gemeinschaft kaum Kritik an der Hisbollah. Jetzt ist das anders.“ Besonders die Äußerung eines ranghohen schiitischen Geistlichen, wonach religiöse Gebäude nicht als Flüchtlingsunterkünfte dienen sollten, habe Empörung ausgelöst. Sunnitische Muslime, Christen und Drusen seien sich in der Ablehnung des Krieges ohnehin einig, sagte Boutros.

 

Besonders dramatisch sei die Situation im Süden des Libanon nahe der Grenze zu Israel. „Der gesamte Süden ist weitgehend entvölkert. Wir sprechen von hunderten von Dörfern“, sagte Boutros. Auch mehrheitlich von Christen bewohnte Ortschaften seien von Angriffen betroffen. Viele Menschen seien geflohen und wüssten nicht, ob sie jemals zurückkehren könnten. Internationale Beobachter gehen von rund einer Million Binnenflüchtlinge im Libanon aufgrund der jüngsten Eskalation aus.

Suppenküche für Binnenvertriebene im Nordlibanon (Archivbild). © Kirche in Not

„Jede noch so kleine Spende bedeutet sehr viel“

Die humanitäre Lage verschärfe sich dramatisch, so der Bischof. Die Kirche im Libanon spiele eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Vertriebenen: „Christliche Gemeinden haben ihre Türen weit geöffnet.“ Gleichzeitig stoßen viele Einrichtungen an ihre Grenzen. Die Bedürfnisse seien vielfältig und reichten von Treibstoff für Generatoren über Lebensmittel bis hin zu psycho-spiritueller Begleitung.

 

Besonders schwierig sei die Situation für Familien, die Angehörige aufgenommen haben und von öffentlicher Hilfe nicht erfasst würden. In manchen Regionen sei es zudem zu gefährlich, Hilfsgüter direkt zu verteilen. „Deshalb ist finanzielle Unterstützung oft die einzige Möglichkeit, zu helfen“, erklärte Boutros.

 

KIRCHE IN NOT unterstützt die Kirche im Libanon seit Jahrzehnten und hat seine Hilfe angesichts der aktuellen Krise weiter verstärkt. Bischof Boutros dankte ausdrücklich für diese Unterstützung: „Aus dem Libanon danken wir Ihnen für alles, was Sie für unsere Kinder, Familien und besonders für die Vertriebenen tun.“ Zugleich richtete er einen dringenden Appell an das Ausland: „Wir brauchen noch mehr Hilfe. Jede noch so kleine Spende bedeutet sehr viel.“

Menschen aus dem Süden Libanons haben in einer Pfarrei Unterschlupf gefunden.

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Was hält eine junge, gut ausgebildete Frau noch im Libanon? (mit Marielle Boutros)

Nach einer Serie schwerer Anschläge im Nordosten Nigerias hat ein katholischer Priester aus der Diözese Maiduguri vor einer neuen Eskalation der Gewalt gewarnt. „Die Terroristen gehen inzwischen wie in einem Guerillakrieg vor – sie schleichen sich unauffällig in die Orte ein und verüben dann Anschläge“, sagte Projektpartner Pfarrer Joseph Bature Fidelis KIRCHE IN NOT (ACN).

 

Wie verschiedene Medien berichten, kamen am 16. März bei Explosionen in Maiduguri mindestens 28 Menschen ums Leben, über 100 weitere wurden verletzt. Ziel der Attentäter waren unter anderem ein Krankenhaus, ein belebter Markt sowie ein Geschäftsviertel. Nach Angaben der Diözese waren auch Christen unter den Opfern.

Der Priester Joseph Bature Fidelis betreut in Maiduguri mehrere Flüchtlingsunterkünfte. © Kirche in Not

„Angst ist allgegenwärtig“

Bereits in den Wochen zuvor hatte es Angriffe auf umliegende Dörfer gegeben. Nach Einschätzung der lokalen Kirche stecken Kämpfer der Terrorgruppe ISWAP (Islamischer Staat in Westafrika) hinter den Anschlägen. Diese würden zunehmend unauffällig agieren: „Sie tragen Alltagskleidung, bewegen sich in kleinen Gruppen und nutzen selbstgebaute Sprengsätze“, so der Priester.

Nach einer Phase der Beruhigung und rückläufiger Anschläge sei das Alltagsleben jetzt wieder stark belastet, betonte Fidelis: „Die Menschen meiden zentrale Orte, gehen Umwege und trauen sich kaum noch auf die Straße. Die Angst ist allgegenwärtig.“

Zugleich verschärft sich die humanitäre Lage. Durch die anhaltenden Angriffe sind tausende Menschen aus umliegenden Dörfern geflohen. So seien in den vergangenen Wochen mindestens 3000 Binnenvertriebene nach Maiduguri gekommen, so der Priester.

Joseph Bature Fidelis mit einer Gruppe von Helfern und Vertriebenen. © Kirche in Not

Kirche als Zufluchtsort

Viele der Vertriebenen suchen Schutz in kirchlichen Einrichtungen. „Die Menschen kommen zu uns in die Gemeinden. Wir versuchen, ihnen das Nötigste zu geben: Nahrung, Unterkünfte, einfache sanitäre Einrichtungen“, berichtete Fidelis.

KIRCHE IN NOT unterstützt die katholische Diözese Maiduguri seit Jahren – insbesondere durch Hilfe für Witwen, Waisen und Katechisten sowie durch pastorale und humanitäre Projekte. „KIRCHE IN NOT ist oft die erste Organisation, die hilft“, betonte der Priester.

Angesichts der zunehmenden Unsicherheit rief er zum Gebet und zur Solidarität auf: „Wir bitten um Unterstützung – die Lage wird immer chaotischer, je mehr Menschen auf der Flucht sind.“

Eine Delegation von KIRCHE IN NOT zusammen mit Vertretern des Bistums Maiduguri vor dem Traumatherapiezentrum der Diözese. Hier können Menschen, die von Überfällen von Terrororganisationen betroffen sind, Hilfe erfahren. Das Haus wurde mithilfe von KIRCHE IN NOT errichtet.

Unterstützen Sie den Einsatz der Kirche in Nigeria für Betroffene von Terror und Gewalt:

Bischof Wilfred Chikpa Anagbe berichtet über die Lage der Christen in Nigeria | Red Wednesday 2025

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Angesichts der erneuten kriegerischen Auseinandersetzungen im Iran und den Nachbarländern warnt KIRCHE IN NOT (ACN) vor einem Flächenbrand in der gesamten Region. Dies hätte unabsehbare Folgen für die christliche Minderheit, erklärte Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland: „Eine weitere Eskalation könnte das Aus für die Christen im Nahen Osten bedeuten.“

 

Freiheit ja, Krieg nein

Selbst im Iran lebten nach wie vor einige tausend Christen. „Besonders Konvertiten waren unter dem Mullah-Regime verfolgt. Allein über die Christen im Iran zu reden, ist mitunter schon gefährlich für sie.“  Zu begrüßen sei, wenn der Ruf nach Freiheit im Iran jetzt endlich auch im Leben der Menschen ankomme. „Aber der Preis eines erneuten Krieges wäre hoch, zumal er auch Zivilisten trifft und viele Christen zu den schutzlosesten Gruppen im Iran zählen“.

Kriegerdenkmal in Antwerpen.

„Erneute Zerstörung nicht verkraftbar“

Auch unter den Christen im Irak, Syrien und im Libanon und im Heiligen Land sei die Angst hoch. „Ja, der militante Islamismus verursacht Leid und Terror. Aber viele Christen fragen sich: Wird ein Krieg nicht zu noch mehr Hass und Extremismus führen?“ Gerade im Irak, das an Iran grenzt, seien christliche Dörfer gerade wieder instandgesetzt. „Die Christen würden eine erneute Zerstörung kaum verkraften“, sagte Ripka. Zudem verstärken erneute Kriege die Zukunftsangst: „Es sind so viele Christen ins Ausland gegangen. Die kommen nicht zurück. Aber was soll mit denen werden, die geblieben sind – es sind oft arme und ältere Menschen.“

Islamisten sind nach wie vor aktiv

In Syrien sei nicht abzuschätzen, wie die neue Regierung auf die Vorgänge reagiere. „Bedrohlicher ist, dass in der Zivilbevölkerung nach wie vor viele Islamisten leben. Das macht sie unkontrollierbar und zur ernsten Bedrohung für Minderheiten, die wie die Christen als vermeintlich ,westlich‘ gelten“, befürchtete Ripka.

Kinder beten vor einer Ikone in Syrien (Archivbild)
Im Süden des Libanon seien Christen in den vergangenen Jahren von Militärschlägen gegen die Hisbollah betroffen gewesen. „Sie wollen Frieden und sind unschuldig – und werden dennoch zu Opfern im Krieg – das wäre auch jetzt nicht anders“, erklärte Ripka.

 

Schwerer Rückschlag kurz vor Ostern

Auch im Heiligen Land sei die erneute Eskalation ein schwerer Rückschlag: „In Gaza ist die humanitäre Lage verheerend. Wenn jetzt Hilfslieferungen eingeschränkt werden sollten, kann die einzige verbleibende katholische Gemeinde nicht überleben – und tausende Menschen in der Nachbarschaft nicht mehr versorgen.“

Rauch durch Detonationen in der Nähe der katholischen Pfarrei in Gaza.
Die Christen im Westjordanland hätten jetzt, kurz vor Ostern, auf wieder mehr Pilger und Touristen gehofft. „Diese Hoffnung ist jetzt zerstört“, sagte Ripka. „Das bedeutet für viele Christen: Keine Einkünfte, keine Existenzgrundlage.“

 

„Christliche Präsenz darf nicht sterben“

 

Trotz dieser prekären Lage würden Pfarreien und Klöster ihre Arbeit nicht stoppen: „Sie geben Lebensmittel aus, betreiben Schulen, beherbergen Flüchtlinge, treten für Aussöhnung ein – so lange wie möglich.“ Ripka betonte, KIRCHE IN NOT habe sich seit Jahrzehnten für die Christen im Nahen Osten eingesetzt, und werde das weiterhin tun: „Wir rufen zu Gebet und Spenden auf. Was auch immer die Zukunft bringt: Die christliche Präsenz und die Arbeit der Kirche im Nahen Osten muss weitergehen.“

Unterstützen Sie das Überleben der katholischen Kirche im Nahen Osten:

Heiliges Land: Krieg ohne Ende? Abt Nikodemus Schnabel über Israel und Gaza.

Am 26. Dezember, dem zweiten Weihnachtstag und Fest des ersten Märtyrers Stephanus, begeht die katholische Kirche in Deutschland den Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen. Zu diesem Anlass erklärt der Geschäftsführer des deutschen Zweigs von KIRCHE IN NOT (ACN), Florian Ripka:

 

„Auch 2025 war die Situation für viele Christen weltweit weiterhin verheerend. Sie leiden unter autoritären Regimen, dschihadistischer Gewalt, religiösem Nationalismus und organisierter Kriminalität. Für Drogenkartelle und Islamisten ist es ein Geschäftsmodell geworden, kirchliche Mitarbeiter zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Moderne Technik wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz wird in Staaten wie China, Nordkorea oder Indien immer mehr zur Waffe, um Christen und andere religiöse Minderheiten zu überwachen und Hass zu schüren.

Florian Ripka

In Nigeria sind Anschläge und Entführungen Alltag

 

Aktuell steht Nigeria im Fokus der Öffentlichkeit – besonders nach den Massenentführungen von Schülern, von denen glücklicherweise vor Weihnachten wieder viele freigekommen sind. Doch die Christen in Nigeria leiden seit mehr als zehn Jahren. In keinem anderen Land werden aktuell mehr Geistliche und Ordensleute entführt.

 

Ja, die Regierungen in Nigeria und in anderen afrikanischen Staaten können der Gewalt zu wenig entgegensetzen – manchmal scheint es auch so, als wollten sie es nicht, wie unsere Projektpartner kritisieren. Ja, der Westen hat Möglichkeiten Druck auszuüben, kann humanitäre und militärische Hilfe leisten. Vor allem aber kann er terroristische Vereinigungen austrocknen, deren wirtschaftliche Verflechtungen längst auch nach Europa reichen. Die Betroffenen leiden über alle Maßen; Krieg ist niemals eine Lösung – aber Hinschauen hilft verfolgten Christen.

Bewaffneter Soldat in Kolumbien (Archivbild). © Ismael Martinez Sanchez/Kirche in Not
Militärischer Druck erhöht das Leid der Christen

 

Ähnliches gilt in Lateinamerika. Sozialistische Regierungen wie in Venezuela, Kuba und Nicaragua üben unvorstellbaren Druck auf die Kirchen aus – nicht erst jetzt. Doch militärischer Gegendruck erhöht nur das Leid für die Zivilbevölkerung. Die Folgen sind noch mehr Leid, noch mehr Flucht. Fluchtursachen zu bekämpfen und die Menschen zum Bleiben zu bewegen, sieht anders aus.

 

KIRCHE IN NOT setzt sich seit bald 80 Jahren dafür ein, dass Christen in ihrer Heimat bleiben und die Kirche ihren Einsatz für alle Menschen fortsetzen kann, die Hilfe brauchen.

Weltkarte aus dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von KIRCHE IN NOT.
Eine Ordensschwester in Venezuela versorgt Kinder mit einer Mahlzeit (Archivbild). © Kirche in Not
Sind verfolgte Christen vergessen?

 

Viele verfolgte Christen treibt die Frage um: Nimmt jemand Notiz von unserem Schicksal, oder sind wir ganz vergessen? Wir dürfen nicht schweigen. Wir müssen Christenverfolgung beim Namen nennen! Das gilt in der Kirche, in den Medien und in der Politik. Wir sind der deutschen Bundesregierung und namentlich ihrem Beauftragten für Religionsfreiheit, Thomas Rachel, sehr dankbar, dass die Situation und die Hilfe für bedrängte Christen wieder stärker ins politische Bewusstsein zurückgekehrt sind. Das stimmt vorsichtig hoffnungsvoll.

 

Beim von KIRCHE IN NOT initiierten Red Wednesday war Ende November der nigerianische Bischof Wilfred Chikpa Anagbe aus Makurdi zu Gast. Er hat sinngemäß gesagt: Dialog ist wichtig. Aber es gilt auch Farbe zu bekennen, wenn Christen angegriffen und verfolgt werden. – Der Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen ist ein Anlass, sich das wieder in Erinnerung zu rufen.“

KIRCHE IN NOT (international Aid to the Church in Need – ACN) unterstützt jährlich rund 5000 Projekte in über 130 Ländern, wo Christen verfolgt werden oder die Kirche aufgrund von Krieg und Armut nicht genügend Mittel zur Verfügung hat, um ihren Auftrag zu erfüllen. Unser Hilfswerk erhält weder öffentliche Gelder noch Kirchensteuermittel, sondern finanziert sich ausschließlich aus Spenden. In 24 Ländern betreibt KIRCHE IN NOT eigene Nationalbüros.

 

Unterstützen Sie den Einsatz von „Kirche in Not“ für verfolgte Christen mit Ihrer Spende: 

Papst Leo XIV. – Rede zum ACN-Bericht Religionsfreiheit weltweit 2025

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In Burkina Faso verstärken die Kirchen ihre Sicherheitsmaßnahmen rund um die Weihnachtsfeiertage; die Angst vor Anschlägen sei hoch. Das berichteten die Bischöfe Théophile Naré aus Kaya und Justin Kientega aus Ouahigouya bei einem Besuch in der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT (ACN) in Königstein im Taunus. Beide Diözesen liegen im Norden des westafrikanischen Staates, wo es besonders häufig zu dschihadistischen Anschlägen kommt. Zwar habe sich die Lage in den vergangenen Monaten etwas entspannt, aber das könne sich schnell wieder ändern, betonten die Bischöfe.
Bischof Justin Kientega während eines Besuchs der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT (ACN) © Kirche in Not

Bischof Théophile Naré von Kaya in Burkina Faso © Kirche in Not
Zum zehnten Mal würden die Christmetten vor Einbruch der Dunkelheit gefeiert, berichtete Bischof Naré: „Die Feierlichkeiten beginnen so früh, um Fahrten in der Dunkelheit zu vermeiden.“ Armee, lokale Sicherheitskräfte, Pfadfinder und Gläubige arbeiteten zusammen, um die Gottesdienstbesucher zu schützen und zum Beispiel Einlasskontrollen durchzuführen.

 

Kritik an fehlendem Interesse für die Lage in Burkina Faso

 

Diese Kooperation habe sich in der Vergangenheit schon als äußerst effektiv erwiesen, erzählte Bischof Kientega. Als im August ein Priester während der heiligen Messe attackiert worden sei, hätten Gläubige einen „menschlichen Schutzschild“ gebildet, um die Angreifer abzuwehren. „Darüber wurde nie in den Medien berichtet, aber es ist ein starkes Symbol für Glauben und Solidarität“, betonte Kientega.

 

Beide Bischöfe kritisieren, dass im Ausland zu wenig Notiz von der Lage in Burkina Faso genommen werde. Teilweise seien ganze Dörfer menschenleer, weil sich die Bewohner vor Terrorangriffen in Sicherheit bringen mussten.

Frau in einem Flüchtlingslager in Burkina Faso. © Kirche in Not
Fast die Hälfte des Staatsgebiets von Burkina Faso sei in den Händen der Terroristen; zahlreiche Pfarreien hätten aus Sicherheitsgründen aufgegeben werden müssen, berichteten die Bischöfe. Lokalen Angaben zufolge wurden seit 2025 über

20 000 Menschen getötet, zwei Millionen sind auf der Flucht. Um die Lage und die Verfolgung der christlichen Gemeinden stärker ins Bewusstsein zu rufen, werden jetzt zwei Priester als Ansprechpartner für Medien ausgebildet; KIRCHE IN NOT unterstützt diese Initiative.

 

Kein Platz mehr frei

 

Vor allem aber fördert das Hilfswerk die Flüchtlingsarbeit der lokalen Kirchen. „Es geht ums Überleben. Wir versuchen die Grundbedürfnisse zu decken: Lebensmittel, Unterkunft, medizinische Versorgung“, betont Bischof Naré. Die Flüchtlingslager seien überfüllt. Vor seinem Bischofshaus kampierten Menschen unter freiem Himmel, weil kein Platz mehr im Gebäude frei sei. Die Diözesen versuchten auch den Unterricht für die vertriebenen Kinder zu stemmen; ebenso gelte es, traumatisierte und körperlich wie psychisch verwundete Menschen medizinisch wie seelsorgerisch zu betreuen.

Rosenkranzgebet in einem Wallfahrtsort in Burkina Faso.
Im aktuellen Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ warnt KIRCHE IN NOT mit Nachdruck vor der Misere in Burkina Faso. Betroffen von der Gewalt ist die gesamte Zivilbevölkerung; Beobachter stellen jedoch auch gezielte Übergriffe auf Christen fest, die etwas weniger als ein Viertel der Bevölkerung von Burkina Faso ausmachen.

Weitere Informationen: www.religionsfreiheit-weltweit.de

Unterstützen Sie die Nothilfe der Kirche und den Einsatz für Terroropfer in Burkina Faso mit Ihrer Spende:

„Ich sehe jetzt, welche Rolle KIRCHE IN NOT hier spielt, und das ist sehr gut.“ Mit diesen Worten dankte Kardinalstaatsekretär Pietro Parolin für den Einsatz unseres   Hilfswerks in Mosambik. Der „Außenminister des Vatikans“ hatte Anfang Dezember die umkämpfte Provinz Cabo Delgado im Norden des südostafrikanischen Landes besucht. Seit 2017 kommt es dort zu Angriffen dschihadistischer Gruppen. UN-Schätzungen gehen von über 6000 Toten und mehr als einer Million Vertriebenen aus.
Pietro Kardinal Parolin bei einer Begegnung mit Gläubigen in der Diözese Pemba. © Diego Menjibar/Kirche in Not
Pietro Kardinal Parolin © Diego Menjibar/Kirche in Not
Pietro Kardinal Parolin bei einer Begegnung mit Gläubigen in der Diözese Pemba. © Diego Menjibar/Kirche in Not
Die Gewalt richtet sich gegen die gesamte Bevölkerung, die kirchlichen Stellen berichten aber auch von gezielten Übergriffen auf Christen. Bischof Antonio Juliasse von der lokalen Diözese Pemba berichtete beim Besuch der Vatikan-Delegation, dass in den vergangenen Jahren über 300 Katholiken ermordet worden seien, 2025 seien es 34 gewesen. Die meisten der Opfer wurden enthauptet. Der Bischof betonte, der Kardinalstaatsekretär habe bei seinem Aufenthalt Gelegenheit bekommen, aus erster Hand zu erfahren, was es bedeute „Kirche im Kontext dschihadistischer Gewalt zu sein, eine verfolgte und leidende Kirche“.

 

„Euer Leid liegt der Kirche am Herzen“

 

Kardinal Parolin zeigte sich sichtlich bewegt, als er bei einer Begegnung mit Gläubigen unter anderem die Geschichte eines Christen hörte, der drei Brüder und einen Onkel bei terroristischen Überfällen verloren hat. Mehrere Ordensleute berichteten, welcher Lebensgefahr sie täglich ausgesetzt sind. „Ich bin gekommen, um euch allen zu sagen, dass Ihr nicht allein seid“, erklärte Parolin den Teilnehmern zufolge. „Euer Leiden, eure Ängste, aber auch eure Hoffnungen liegen der Kirche am Herzen.“ Auch Papst Leo XIV. gehe die Situation in Mosambik zu Herzen, betonte der vatikanische Staatssekretär.

Flüchtlingstreck in der Provinz Cabo Delgado (Mosambik).
KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützt die Diözese Pemba seit Beginn der Terrorwelle. Unser Hilfswerk unterstützt unter anderem kirchliche Flüchtlingslager und die Versorgung von Vertriebenen in Pfarreien. Ein Schwerpunkt liegt auch auf der Schulung von Priestern und Ordensleuten, die traumatisierten Menschen pastoral und psychologisch beistehen. Parolin betonte bei der Begegnung, dass er mit KIRCHE IN NOT in seiner Zeit als Nuntius in Venezuela von 2009 bis 2013 eng zusammengearbeitet habe. Mit Blick auf die Lage in Mosambik erklärte der Kardinal: „Bitte helfen Sie diesen Gemeinden, die so bedürftig sind, auch weiterhin. Wir müssen diesen Menschen konkret die Solidarität der Weltkirche zeigen, und genau das tun Sie.“

 

Eskalation antichristlicher Gewalt

 

Kardinal Parolin hielt sich mit einer vatikanischen Delegation vom 5. bis 10. Dezember in Mosambik auf, zwei Tage davon in der umkämpften Region Cabo Delgado. Anlass der Reise war der 30. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Mosambik und dem Heiligen Stuhl. Vorausgegangen war das Ende eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs; die katholische Kirche in Mosambik hatte beim Abschluss eines Friedensvertrags vermittelt.

Mosambik: Junge in einem Flüchtlingslager. © Kirche in Not
Rund 60 Prozent der knapp 34 Millionen Einwohner Mosambiks sind Christen; im Norden des Landes sind sie eine Minderheit. Der im Oktober veröffentlichte Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT stuft Mosambik in die „Kategorie rot“ für schwere Verfolgung ein und bilanziert: „Insbesondere 2024 kam es zu einer drastischen Eskalation antichristlicher Gewalt (…). Vor dem Hintergrund des expandierenden Einflusses dschihadistischer Gruppen, der politischen Unruhen und einem schwachen Staat in einem Großteil des Nordens des Landes sind die Bedingungen für Menschenrechte und Religionsfreiheit weiterhin sehr prekär.“
Bitte helfen Sie der Kirche in Mosambik mit Ihrer Spende, Betroffene des Terrors zu versorgen und pastoral zu betreuen: 

Weltkirche aktuell: Kirche im Nordwesten Mosambiks (2025)

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BREAKING NEWS / EILMELDUNG:
UPDATE (08.12.2025, 10 Uhr): Etwa 100 der entführten Kinder sind freigelassen worden. Das bestätigte der Bischof von Kontagora, Bulus Dauwa Yohanna, gegenüber KIRCHE IN NOT (ACN)

 

Der Bischof von Kontagora im Nordwesten von Nigeria, Bulus Dauwa Yohanna, ruft die Bevölkerung nach der Entführung von über 300 Kindern und Lehrkräften einer katholischen Schule dazu auf, keine Selbstjustiz zu üben: „Wir predigen Hoffnung und raten von Vergeltung ab, aber wir verlangen Gerechtigkeit.“ Der Bischof äußerte sich bei einem Besuch des Sicherheitsberaters der nigerianischen Regierung, Nuhu Ribadu, in der Region. In einer Videobotschaft, die er KIRCHE IN NOT (ACN) übermittelte, sagte Bischof Yohanna: „Unsere Herzen sind gebrochen, aber unser Glaube bleibt fest.“

Bischof Bulus Dauwa Yohanna aus Kontagora bei einem Besuch in der internationalen Zentrale von „Kirche in Not“ (ACN) in Königstein im Taunus. © Kirche in Not
Am 21. November hatten bislang nicht identifizierte Täter Angaben des Bundesstaates Niger zufolge 303 Schülerinnen und Schüler sowie 12 Lehrkräfte der katholischen St. Mary’s School in der Ortschaft Papiri entführt. Lokale Angaben zufolge gelang 50 Schülern die Flucht, aber nach wie vor sind 253 Kinder und 12 Mitarbeiter in der Gewalt der Entführer. Die meisten der Verschleppten besuchten die Grundschule. Nur wenige Tage zuvor waren im Bundesstaat Kebbi 25 Schülerinnen einer staatlichen Schule entführt worden, diese sind jedoch alle wieder in Sicherheit, wie die nigerianischen Sicherheitsbehörden bestätigen

 

Angst vor kriminellen Banden gefährdet Lebensmittelversorgung

 

Bischof Yohanna steht in Kontakt mit den Eltern der Entführungsopfer aus Papiri, diese würden seelsorgerisch betreut. „Die Familien sind in großer Angst, sie wissen nicht, in welchem Zustand sich ihre Kinder befinden.“ Die Kirche verfolge keine politische Agenda, ihre Strategie sei vielmehr „anhaltendes Gebet, seelsorgliche Begleitung und Unterstützung“ für die betroffenen Familien, „in der Überzeugung, dass die Hoffnung selbst angesichts des tiefsten Leids lebendig bleiben muss“. Der Bischof wies im Gespräch mit Regierungsvertretern auch darauf hin, dass die kriminellen Banden die Menschen in der Region in ständige Angst versetzen. Sie trauten sich nicht mehr, ihre Felder zu bestellen, was die Versorgung mit Lebensmitteln gefährde.

Kinder im Bistum Kontagora. © Kirche in Not
Der Nationale Sicherheitsberater Nuhu Ribadu versicherte, dass die Regierung alles daransetze, die Kinder und ihre Lehrer zu befreien. „Das ist das Böse in seiner schlimmsten Form. Aber wir können Ihnen versichern, dass es eine Frage der Zeit ist. Diese Sache wird enden. Wir müssen sie beenden“, erklärte Ribadu und lief gleichzeitig zum Zusammenhalt auf: „Lasst nicht zu, dass schlechte Menschen uns spalten. Das Böse wird niemals gewinnen.“

 

Zunehmende Radikalisierung

 

Nigeria leidet seit Jahren unter Gewalt und Terror. Dschihadistische Gruppen wie Boko Haram oder der Islamische Staat – Westafrikanische Provinz (ISWAP) operieren vor allem im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes. Ihre Gewalt richtet sich gegen Christen, aber auch gegen andere Bewohner, die ihrer radikalen Glaubenspraxis nicht folgen.

Überlebende einer Fulani-Attacke in Nigeria © Kirche in Not
In zwölf nigerianischen Bundesstaaten ist die Scharia Grundlage der Rechtsprechung, Christen fühlen sich hier als Bürger zweiter Klasse. In anderen Regionen haben Konflikte zwischen radikalen muslimischen Fulani-Hirten und christlichen Landwirten zu zahlreichen Todesopfern geführt. Obwohl es sich hierbei nicht um einen spezifisch religiösen Konflikt handelt, gibt es Anzeichen für eine zunehmende islamistische Radikalisierung.

 

In ganz Nigeria wiederum sind bewaffnete Gruppen aktiv, die mit Entführungen und Erpressungen ihre Machenschaften finanzieren. Nigeria zählt KIRCHE IN NOT zufolge zu den Ländern, in denen am meisten Priester und Ordensleute entführt werden.

 

KIRCHE IN NOT unterstützt die christlichen Gemeinden Nigeria seit Jahren – unter anderem mit Mitteln für Ausbildung von angehenden Priestern und Ordensleuten, für die Betreuung von traumatisierten und vertriebenen Christen oder für die Arbeit katholischer Schulen, die auch bei Muslimen einen guten Ruf genießen.

Unterstützen Sie den Einsatz der Kirche in Nigeria für Betroffene von Terror und Gewalt:

Bischof Wilfred Chikpa Anagbe berichtet über die Lage der Christen in Nigeria | Red Wednesday 2025

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„Es ist wichtig, ein breites Bewusstsein über unsere verfolgten Brüder und Schwestern zu schaffen“, betonte der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki bei einem ökumenischen „Abend der Zeugen“ am 20. November in der Basilika St. Suitbertus in Düsseldorf-Kaiserswerth. Das gemeinsame Gebet fand im Rahmen der weltweiten Aktion „Red Wednesday“ von KIRCHE IN NOT statt. Wie rund 300 Kirchen in ganz Deutschland erstrahlte auch St. Suitbertus in blutrotem Licht.

 

Kardinal Woelki wies darauf hin, dass Christenverfolgung weltweit „kontinuierlich steigt“. Gläubige seien Angst, Terror und Gewalt ausgesetzt „in einem Ausmaß, dass wir uns nicht vorstellen können oder erleben wollen“. Christen seien die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft der Welt. Besorgt zeigte sich der Kardinal darüber, dass auch im „relativ sicheren Europa“ Sachbeschädigungen und Vandalismus gegenüber kirchlichen Einrichtungen sowie „Diskriminierung und Mobbing“ gegenüber Gläubigen zunähmen.

Die ökumenischen Vertreter beim „Abend der Zeugen“ mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki (4. v. l.) und Bischof Wilfred Chikpa Anagbe (3. v. l.). © Lilly Urbascheck, Pfarrei St. Suitbertus

„Beten, über verfolgte Christen reden und hoffen“

 

„Wie können wir mit dieser Situation umgehen“, fragte Woelki. Die christliche Antwort sei „beten, über verfolgte Christen reden und hoffen“. Auch im Hinblick auf Christenverfolgung gelte: „Schweigen hilft nur den Tätern.“ Gemeinsam könne man viel für verfolgte Christen tun, sagte Woelki: „Wir können und müssen Einfluss nehmen auf Politik und Wirtschaft.“

 

„Land des lebendigen Glaubens und des unaussprechlichen Leids“

 

Als weltkirchlicher Gast war auf Einladung von KIRCHE IN NOT Bischof Wilfred Chikpa Anagbe aus Makurdi in Nigeria zum „Red Wednesday“ gekommen. Im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas leiden Christen unter islamistischem Terror, kriminellen Banden und ethnisch-religiösen Konflikten. „Nigeria ist ein Land des lebendigen Glaubens und des unaussprechlichen Leids“, beschrieb Anagbe die Situation in seinem Heimatland. In den nördlichen und zentralen Regionen Nigerias fänden nahezu täglich Anschläge und Übergriffe statt: „Kirchen werden niedergebrannt. Dörfer werden überfallen. Familien werden auseinandergerissen. Und doch hält die Kirche Stand.“

Blick in die Basilika St. Suitbertus beim „Abend der Zeugen“. © Lilly Urbascheck, Pfarrei St. Suitbertus
Bischof Wilfred Chipka Anagbe und Florian Ripka, Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland. © Lilly Urbascheck, Pfarrei St. Suitbertus
v.l.n.r.: Gastgeber Pfarrer Thomas Müller, Bischof Anagbe, Kardinal Woelki, Nadim Ammann (Erzbistum Köln), Florian Ripka
Anagbe kritisierte, dass Christenverfolgung oft „nur eine flüchtige Schlagzeile“ sei. Er rief dazu auf, Politiker und Verantwortliche zum Handeln zu mahnen; sie könnten Druck auf Regierungen ausüben, um entschiedener gegen Verfolgung vorzugehen und das Problem nicht kleinzureden. „Lasst uns eine Kirche sein, die mahnt. Eine Kirche, die auf Christenverfolgung reagiert. Eine Kirche, die mit dem gekreuzigten Christus an den Orten der Welt steht, wo Menschen heute das Kreuz tragen“, forderte der Bischof.

 

„Red Wednesday zieht immer weitere Kreise“

Florian Ripka, der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, zeigte sich beeindruckt vom „Abend der Zeugen“ in Düsseldorf, der vom katholischen Fernsehsender EWTN live übertragen wurde: „Unsere Aktion ,Red Wednesday‘ zieht immer weitere Kreise, jedes Jahr machen mehr Pfarreien und Kirchen mit.“ Das schaffe nicht nur ein sichtbares Bewusstsein für die dramatische Christenverfolgung weltweit.

„Die Gemeinde hier in St. Suitbertus in Düsseldorf zeigt, wie es geht: ökumenisch zusammenstehen, beten, ein Ohr haben für die verfolgten Christen und zur Hilfe ermuntern“, sagte Ripka. „Für diesen Appell bin ich besonders Kardinal Woelki und allen Verantwortlichen sehr dankbar.“

Das Parlamentsgebaeude an der Hofburg in Wien bei einem früheren „Red Wednesday“.
Der Westminster-Palast, Sitz des britischen Parlaments in London beim „Red Wednesday“.
Notre-Dame in Paris. beim Red Wednesday 2024.
Weitere Informationen zum „Red Wednesday“ von KIRCHE IN NOT: www.red-wednesday.de

 

Unterstützen Sie den Einsatz von KIRCHE IN NOT für verfolgte Christen mit Ihrer Spende:

RED WEDNESDAY von Kirche in Not in Düsseldorf - Abend der Zeugen mit Kardinal Woelki

„Wir dürfen heute in unseren weltweit verfolgten Schwestern und Brüdern den leidenden Christus erkennen.“ Mit diesen Worten beschrieb Weihbischof Dr. Josef Graf die Kernaussage des „Red Wednesday“, den KIRCHE IN NOT (ACN) am Mittwoch, 19. November, auf Einladung des Bistums Regensburg im Dom St. Peter veranstaltet hat. Die Kathedrale leuchtete an diesem Abend aus Solidarität mit verfolgten und diskriminierten Christinnen und Christen innen und außen blutrot.
Heilige Messe im Regensburger Dom während des Red Wednesday. Am Altar: Weihbischof Josef Graf und Pater Benedikt Eble. © Kirche in Not
Weihbischof Graf betonte, mit dem „Red Wednesday“ werde deutlich, dass „das Gebet uns auch zum Handeln bewegen“ müsse. „Der Glaube muss in der Liebe wirksam werden. Unsere Solidarität mit den verfolgten Mitchristen braucht konkrete Formen, in denen sie verwirklicht wird“, erklärte der Weihbischof.

 

Als Vertreter von KIRCHE IN NOT dankte Pater Benedikt Eble dem Bistum für die Gastfreundschaft am „Red Wednesday“ und erläuterte, wie die an diesem Abend erbetene Hilfe konkret aussehe: „In über 130 Ländern unterstützt KIRCHE IN NOT weit über 5000 Hilfsprojekte.“ So mache unser Hilfswerk vielerorts die Priesterausbildung erst möglich, leiste finanzielle Hilfe für Ordensfrauen, fördere den Aufbau von Gemeindezentren und Kirchen und unterstütze die kirchliche Medienarbeit. „Aufgrund unseres pastoralen Schwerpunkts tun wir das ganz ohne öffentliche Gelder oder Kirchensteuermittel“, ergänzte Pater Eble.

Der Regensburger Dom beim Red Wednesday 2025. © Kirche in Not
Weihbischof Johannes Graf beim Red Wednesday 2025 in Regensburg. © Kirche in Not

Knapp 200 Gläubige feiern ein Pontifikalamt im Dom

Zu dem zweistündigen Gebetsabend für verfolgte Christen am „Red Wednesday“ waren knapp 200 Gläubige in den Regensburger Dom gekommen. Sie erlebten ein Rosenkranzgebet mit Betrachtungen zu modernen Märtyrern und ein feierliches Pontifikalamt mit Weihbischof Josef Graf. Musikalisch berührend gestaltet wurde der Abend von der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik; die katholischen Sender K-TV und Radio Horeb übertrugen die Veranstaltung live.

 

Zum Hintergrund: Um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Schicksal verfolgter und benachteiligter Christen zu lenken, werden seit 2015 rund um den „Red Wednesday“, der in diesem Jahr auf den 19. November fiel, Kirchen und staatliche Gebäude rot angestrahlt. Dazu zählten in den vergangenen Jahren unter anderem das Kolosseum und der Trevi-Brunnen in Rom, die Christusstatue in Rio de Janeiro, das österreichische Parlamentsgebäude sowie in Deutschland die Kathedralen in Augsburg, Dresden, Fulda, Paderborn, Passau und Regensburg. In diesem Jahr beteiligte sich erstmals das Europäische Parlament an der Aktion.

Nähere Informationen zum „Red Wednesday“ und eine Karte mit allen 2025 teilnehmenden Kirchengemeinden finden sich auf der Webseite www.red-wednesday.de.

Informationen über die aktuelle Lage der Religionsfreiheit weltweit stellt KIRCHE IN NOT unter: www.religionsfreiheit-weltweit.de zur Verfügung.

Ihre Spende für verfolgte Christen kommt an!

K-TV: Übertragung des Gebetsabends aus dem Regensburger Dom

Im Norden Nigerias sind erneut ein Geistlicher und 25 Schülerinnen einer staatlichen Mädchenschule entführt worden. Wie das Erzbistum Kaduna KIRCHE IN NOT (ACN) mitteilte, griffen bislang unbekannte Täter am Morgen des 17. November das Pfarrhaus der Gemeinde St. Stephanus in der Ortschaft Kushe Gugdu im Süden des Bundesstaats Kaduna an. Dabei kam ein Mann ums Leben. Mehrere Personen seien verschleppt worden, darunter der Gemeindepfarrer Bobbo Paschal. Informationen über weitere Todesopfer oder den Verbleib der Geisel konnte die Erzdiözese noch nicht geben.

 

Ebenfalls am 17. November hatten internationale Medien gemeldet, dass in Maga im nordwestlichen Bundesstaats Kebbi eine staatliche Schule überfallen wurde. Eine lokale Quelle, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben muss, bestätigte gegenüber KIRCHE IN NOT den Vorfall: „Gerade als wir dachten, es gäbe eine kleine Ruhepause bei den Morden und Entführungen, hat uns die Nachricht schockiert, dass etwa 25 Mädchen entführt worden sind, die genaue Zahl ist noch nicht bekannt.“ Bei dem Versuch, die Schülerinnen zu schützen, sei der stellvertretende Schulleiter getötet worden.

Christen im Bundesstaat Kaduna protestieren im Jahr 2019 gegen die anhaltende Gewalt. © Kirche in Not

Zahlreiche Christinnen unter entführten Schülerinnen

 

Die anonyme Quelle erklärte außerdem, dass der Bezirk, in dem sich die Schule befindet, einer der religiös vielfältigsten im Bundesstatt Kebbi sei. In mehreren Gemeinden im mehrheitlich muslimisch geprägten Norden Nigerias lebten zahlreiche Christen. Deshalb befänden sich unter den entführten Mädchen auch einige Christinnen, auch der ermordete Lehrer sei Christ gewesen.

 

Zu beiden Taten hat sich bislang noch keine Gruppierung bekannt; Beobachter weisen darauf hin, dass kriminelle Banden in der Region immer gewaltbereiter auftreten und ihre Taten stärker koordinieren. Auch sind im Norden Nigerias nach wie vor dschihadistische Gruppen wie Boko Haram oder der Islamische Staat Westafrika (ISWAP) aktiv.

Beisetzung eines ermordeten Priesterseminaristen im Erzbistum Kaduna im Jahr 2020. © Kirche in Not

Schwere und systematische Verfolgung

 

Informationen von KIRCHE IN NOT zufolge gehört Nigeria weltweit zu den gefährlichsten Ländern für Priester und Ordensfrauen – es kommt regelmäßig zu Entführungen. Auch gab es in der Vergangenheit bereits mehrere Massenentführungen von Mädchen; der international bekannteste Fall ereignete sich im Jahr 2014 in Chibok, wo Dschihadisten 276 Schülerinnen entführten. Über 80 von ihnen gelten noch heute als vermisst.

 

Der Ende Oktober erschienene Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT stuft Nigeria in die Kategorie „rot“ ein – das Land ist mit schweren, anhaltenden und systematischen Verletzungen der Religionsfreiheit konfrontiert. Diese treffen viele Christen, die rund die Hälfte der Einwohner Nigerias ausmachen. Gleichzeitig hält der Bericht fest: „Auch wenn Christen am meisten unter extremistischer Gewalt zu leiden haben, gehört zur Wahrheit auch, dass die Terrorgruppen fast ausschließlich in den Bundesstaaten mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung aktiv sind und ihre Gewalt somit nicht nur Christen, sondern auch Muslime trifft.“

 

Die Zusammenfassung des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ zum Herunterladen und die Länderberichte finden Sie unter: www.religionsfreiheit-weltweit.de

Unterstützen Sie den Einsatz der Kirche in Nigeria für Betroffene des Terrors:

Bischof Musa aus Nigeria: Christsein unter der Scharia

Weitere Informationen

In Burkina Faso sind erneut Christen Opfer terroristischer Übergriffe geworden. Das berichten Projektpartner KIRCHE IN NOT (ACN). Die Ereignisse liegen schon einige Wochen zurück, die Meldungen trafen jetzt erst bei unserem Hilfswerk ein.

 

So haben am 6. Oktober im Dorf Kouala nahe der Stadt Fada N’Gourma im Südosten des westafrikanischen Landes Angreifer während des Sonntagsgottesdienstes einen Katecheten überfallen und verschleppt. Das berichteten Ansprechpartner von KIRCHE IN NOT, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben müssen. Die Terroristen hätten direkt auf den Katecheten abgezielt. „Die Absicht ist es, gezielt Angst unter Christen zu verbreiten“, so die Quelle. Nach Informationen von KIRCHE IN NOT wurde der Katechet später wieder freigelassen.

Ein Katechet in der Diözese Nouna spendet die heilige Kommunion. © Kirche in Not

„Angst in der Bevölkerung sitzt tief“

 

Ebenfalls am 6. Oktober wurden in Djibasso im Nordwesten von Burkina Faso nahe der Grenze zu Mali drei Schüler von bewaffneten Männern aus einem Bus gezerrt und hingerichtet. Nur wenigen Stunden später wurden auf der Straße zwischen Nouna und Dédougo Fahrgäste eines Busses von Angreifern beschossen. 15 Menschen starben; bei den Passagieren handelte es sich vorwiegend um Mitglieder der Pfarrei Solenzo im Bistum Nouna.

 

Bereits am 21. September war ein weiterer Katechet aus dem Bistum Fada N’Gourma auf dem Heimweg von einer Versammlung in Diabo in einen Hinterhalt geraten und getötet worden. In der Region kommt es häufig zu Überfällen auf Landstraßen.

Eine geflüchtete Familie in Burkina Faso. © Kirche in Not
Die jüngsten Angriffe machten Hoffnungen auf eine Entspannung der Lage in Burkina Faso wieder zunichte. Zahlreiche Vertriebene hatten begonnen, in ihre Dörfer zurückzukehren, die sie wegen der Terrorangriffe verlassen mussten. „Die Angst in der Bevölkerung sitzt tief. Dennoch wollen viele Christen trotz der neuen Angriffe in ihren Dörfern bleiben“, sagte der anonyme Ansprechpartner.

 

Fast die Hälfte des Landes in der Hand von Terroristen

 

Im aktuellen Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“, der am 21. Oktober erschienenen ist, warnt KIRCHE IN NOT mit Nachdruck vor der Misere in Burkina Faso. Seit 2015 haben Dschihadisten mehr als 20 000 Menschen getötet, zwei Millionen Menschen mussten fliehen.

Rosenkranzgebet in einem Wallfahrtsort in Burkina Faso.
Inzwischen ist fast die Hälfte des Landes in der Hand der Terroristen. Ganze Landstriche sind menschenleer, etwa 30 Pfarreien mussten aus Sicherheitsgründen aufgegeben werden. Armee und Freiwilligenkorps gelang es nur zeitweise, die Gewalt etwas einzudämmen. Betroffen von der Gewalt ist die gesamte Zivilbevölkerung; Beobachter stellen jedoch auch gezielte Übergriffe auf Christen fest, die etwas weniger als ein Viertel der Bevölkerung von Burkina Faso ausmachen.

 

Die Zusammenfassung des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ können Sie hier kostenlos herunterladen: www.religionsfreiheit-weltweit.de

Bitte unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in Burkina Faso und den Einsatz für Terrorbetroffene mit Ihrer Spende: