Das Land im Südwesten Afrika wurde 1975 von Portugal unabhängig. Es folgte ein langjähriger Bürgerkrieg, dessen Folgen bis heute fortwirken: Gesellschaftliche Spaltungen und Armut prägen vielerorts immer noch den Alltag.
Bischof Estanislau Chindecasse aus dem Bistum Dundo sagte in einem Interview mit KIRCHE IN NOT, es sei „eine große Gnade“, dass Papst Leo XIV. noch nicht einmal ein Jahr nach Beginn seines Pontifikats Angola besuche. Er betonte, dass der Papst als Pilger der Hoffnung, der Versöhnung und des Friedens komme. „Das sind drei sehr wichtige und hochaktuelle Themen für unsere Kirche von heute. Deshalb werden wir diesen Besuch mit Katechese, Gebet und Begegnungen vorbereiten“, so der Bischof.
Die Bischöfe erinnerten in ihrem Hirtenbrief daran, dass Angola die erste Nation in der Subsahara-Region war, die das Evangelium empfing und in der die ersten Taufen stattfanden. Auch der erste schwarzafrikanische Bischof, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts geweiht wurde, stammte aus dem Gebiet des heutigen Angola.
Papst Leo XIV. besucht vom 18. bis 21. April mehrere Städte in Angola. Weitere Stationen seiner aktuellen Reise nach Afrika sind Algerien, Äquatorialguinea und Kamerun, wo KIRCHE IN NOT ebenfalls zahlreiche Projekte unterstützt.
Aus Beirut berichtete der 43-jährige von einer zunehmend katastrophalen Lage im Land. Die israelischen Angriffe richteten sich offiziell gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah, tatsächlich seien jedoch immer wieder zivile Einrichtungen betroffen. So seien zuletzt auch Gebäude in Wohngebieten getroffen worden, darunter Hotels – eines davon in einem überwiegend christlichen Viertel. „Niemand weiß, wer sich im selben Gebäude aufhält. Diese Unsicherheit betrifft jeden Libanesen. Das Risiko ist überall“, erklärte der Bischof.
Mit Interesse registriert Boutros, dass angesichts der jüngsten Eskalation auch ein Umdenken unter schiitischen Muslimen einsetze. „Früher hörte man aus der schiitischen Gemeinschaft kaum Kritik an der Hisbollah. Jetzt ist das anders.“ Besonders die Äußerung eines ranghohen schiitischen Geistlichen, wonach religiöse Gebäude nicht als Flüchtlingsunterkünfte dienen sollten, habe Empörung ausgelöst. Sunnitische Muslime, Christen und Drusen seien sich in der Ablehnung des Krieges ohnehin einig, sagte Boutros.
Besonders dramatisch sei die Situation im Süden des Libanon nahe der Grenze zu Israel. „Der gesamte Süden ist weitgehend entvölkert. Wir sprechen von hunderten von Dörfern“, sagte Boutros. Auch mehrheitlich von Christen bewohnte Ortschaften seien von Angriffen betroffen. Viele Menschen seien geflohen und wüssten nicht, ob sie jemals zurückkehren könnten. Internationale Beobachter gehen von rund einer Million Binnenflüchtlinge im Libanon aufgrund der jüngsten Eskalation aus.
Die humanitäre Lage verschärfe sich dramatisch, so der Bischof. Die Kirche im Libanon spiele eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Vertriebenen: „Christliche Gemeinden haben ihre Türen weit geöffnet.“ Gleichzeitig stoßen viele Einrichtungen an ihre Grenzen. Die Bedürfnisse seien vielfältig und reichten von Treibstoff für Generatoren über Lebensmittel bis hin zu psycho-spiritueller Begleitung.
Besonders schwierig sei die Situation für Familien, die Angehörige aufgenommen haben und von öffentlicher Hilfe nicht erfasst würden. In manchen Regionen sei es zudem zu gefährlich, Hilfsgüter direkt zu verteilen. „Deshalb ist finanzielle Unterstützung oft die einzige Möglichkeit, zu helfen“, erklärte Boutros.
KIRCHE IN NOT unterstützt die Kirche im Libanon seit Jahrzehnten und hat seine Hilfe angesichts der aktuellen Krise weiter verstärkt. Bischof Boutros dankte ausdrücklich für diese Unterstützung: „Aus dem Libanon danken wir Ihnen für alles, was Sie für unsere Kinder, Familien und besonders für die Vertriebenen tun.“ Zugleich richtete er einen dringenden Appell an das Ausland: „Wir brauchen noch mehr Hilfe. Jede noch so kleine Spende bedeutet sehr viel.“
Wie verschiedene Medien berichten, kamen am 16. März bei Explosionen in Maiduguri mindestens 28 Menschen ums Leben, über 100 weitere wurden verletzt. Ziel der Attentäter waren unter anderem ein Krankenhaus, ein belebter Markt sowie ein Geschäftsviertel. Nach Angaben der Diözese waren auch Christen unter den Opfern.
Bereits in den Wochen zuvor hatte es Angriffe auf umliegende Dörfer gegeben. Nach Einschätzung der lokalen Kirche stecken Kämpfer der Terrorgruppe ISWAP (Islamischer Staat in Westafrika) hinter den Anschlägen. Diese würden zunehmend unauffällig agieren: „Sie tragen Alltagskleidung, bewegen sich in kleinen Gruppen und nutzen selbstgebaute Sprengsätze“, so der Priester.
Nach einer Phase der Beruhigung und rückläufiger Anschläge sei das Alltagsleben jetzt wieder stark belastet, betonte Fidelis: „Die Menschen meiden zentrale Orte, gehen Umwege und trauen sich kaum noch auf die Straße. Die Angst ist allgegenwärtig.“
Zugleich verschärft sich die humanitäre Lage. Durch die anhaltenden Angriffe sind tausende Menschen aus umliegenden Dörfern geflohen. So seien in den vergangenen Wochen mindestens 3000 Binnenvertriebene nach Maiduguri gekommen, so der Priester.
Viele der Vertriebenen suchen Schutz in kirchlichen Einrichtungen. „Die Menschen kommen zu uns in die Gemeinden. Wir versuchen, ihnen das Nötigste zu geben: Nahrung, Unterkünfte, einfache sanitäre Einrichtungen“, berichtete Fidelis.
KIRCHE IN NOT unterstützt die katholische Diözese Maiduguri seit Jahren – insbesondere durch Hilfe für Witwen, Waisen und Katechisten sowie durch pastorale und humanitäre Projekte. „KIRCHE IN NOT ist oft die erste Organisation, die hilft“, betonte der Priester.
Angesichts der zunehmenden Unsicherheit rief er zum Gebet und zur Solidarität auf: „Wir bitten um Unterstützung – die Lage wird immer chaotischer, je mehr Menschen auf der Flucht sind.“
Selbst im Iran lebten nach wie vor einige tausend Christen. „Besonders Konvertiten waren unter dem Mullah-Regime verfolgt. Allein über die Christen im Iran zu reden, ist mitunter schon gefährlich für sie.“ Zu begrüßen sei, wenn der Ruf nach Freiheit im Iran jetzt endlich auch im Leben der Menschen ankomme. „Aber der Preis eines erneuten Krieges wäre hoch, zumal er auch Zivilisten trifft und viele Christen zu den schutzlosesten Gruppen im Iran zählen“.
Auch unter den Christen im Irak, Syrien und im Libanon und im Heiligen Land sei die Angst hoch. „Ja, der militante Islamismus verursacht Leid und Terror. Aber viele Christen fragen sich: Wird ein Krieg nicht zu noch mehr Hass und Extremismus führen?“ Gerade im Irak, das an Iran grenzt, seien christliche Dörfer gerade wieder instandgesetzt. „Die Christen würden eine erneute Zerstörung kaum verkraften“, sagte Ripka. Zudem verstärken erneute Kriege die Zukunftsangst: „Es sind so viele Christen ins Ausland gegangen. Die kommen nicht zurück. Aber was soll mit denen werden, die geblieben sind – es sind oft arme und ältere Menschen.“
In Syrien sei nicht abzuschätzen, wie die neue Regierung auf die Vorgänge reagiere. „Bedrohlicher ist, dass in der Zivilbevölkerung nach wie vor viele Islamisten leben. Das macht sie unkontrollierbar und zur ernsten Bedrohung für Minderheiten, die wie die Christen als vermeintlich ,westlich‘ gelten“, befürchtete Ripka.
Auch im Heiligen Land sei die erneute Eskalation ein schwerer Rückschlag: „In Gaza ist die humanitäre Lage verheerend. Wenn jetzt Hilfslieferungen eingeschränkt werden sollten, kann die einzige verbleibende katholische Gemeinde nicht überleben – und tausende Menschen in der Nachbarschaft nicht mehr versorgen.“
Trotz dieser prekären Lage würden Pfarreien und Klöster ihre Arbeit nicht stoppen: „Sie geben Lebensmittel aus, betreiben Schulen, beherbergen Flüchtlinge, treten für Aussöhnung ein – so lange wie möglich.“ Ripka betonte, KIRCHE IN NOT habe sich seit Jahrzehnten für die Christen im Nahen Osten eingesetzt, und werde das weiterhin tun: „Wir rufen zu Gebet und Spenden auf. Was auch immer die Zukunft bringt: Die christliche Präsenz und die Arbeit der Kirche im Nahen Osten muss weitergehen.“
„Auch 2025 war die Situation für viele Christen weltweit weiterhin verheerend. Sie leiden unter autoritären Regimen, dschihadistischer Gewalt, religiösem Nationalismus und organisierter Kriminalität. Für Drogenkartelle und Islamisten ist es ein Geschäftsmodell geworden, kirchliche Mitarbeiter zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Moderne Technik wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz wird in Staaten wie China, Nordkorea oder Indien immer mehr zur Waffe, um Christen und andere religiöse Minderheiten zu überwachen und Hass zu schüren.
Aktuell steht Nigeria im Fokus der Öffentlichkeit – besonders nach den Massenentführungen von Schülern, von denen glücklicherweise vor Weihnachten wieder viele freigekommen sind. Doch die Christen in Nigeria leiden seit mehr als zehn Jahren. In keinem anderen Land werden aktuell mehr Geistliche und Ordensleute entführt.
Ja, die Regierungen in Nigeria und in anderen afrikanischen Staaten können der Gewalt zu wenig entgegensetzen – manchmal scheint es auch so, als wollten sie es nicht, wie unsere Projektpartner kritisieren. Ja, der Westen hat Möglichkeiten Druck auszuüben, kann humanitäre und militärische Hilfe leisten. Vor allem aber kann er terroristische Vereinigungen austrocknen, deren wirtschaftliche Verflechtungen längst auch nach Europa reichen. Die Betroffenen leiden über alle Maßen; Krieg ist niemals eine Lösung – aber Hinschauen hilft verfolgten Christen.
Ähnliches gilt in Lateinamerika. Sozialistische Regierungen wie in Venezuela, Kuba und Nicaragua üben unvorstellbaren Druck auf die Kirchen aus – nicht erst jetzt. Doch militärischer Gegendruck erhöht nur das Leid für die Zivilbevölkerung. Die Folgen sind noch mehr Leid, noch mehr Flucht. Fluchtursachen zu bekämpfen und die Menschen zum Bleiben zu bewegen, sieht anders aus.
KIRCHE IN NOT setzt sich seit bald 80 Jahren dafür ein, dass Christen in ihrer Heimat bleiben und die Kirche ihren Einsatz für alle Menschen fortsetzen kann, die Hilfe brauchen.
Viele verfolgte Christen treibt die Frage um: Nimmt jemand Notiz von unserem Schicksal, oder sind wir ganz vergessen? Wir dürfen nicht schweigen. Wir müssen Christenverfolgung beim Namen nennen! Das gilt in der Kirche, in den Medien und in der Politik. Wir sind der deutschen Bundesregierung und namentlich ihrem Beauftragten für Religionsfreiheit, Thomas Rachel, sehr dankbar, dass die Situation und die Hilfe für bedrängte Christen wieder stärker ins politische Bewusstsein zurückgekehrt sind. Das stimmt vorsichtig hoffnungsvoll.
Beim von KIRCHE IN NOT initiierten Red Wednesday war Ende November der nigerianische Bischof Wilfred Chikpa Anagbe aus Makurdi zu Gast. Er hat sinngemäß gesagt: Dialog ist wichtig. Aber es gilt auch Farbe zu bekennen, wenn Christen angegriffen und verfolgt werden. – Der Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen ist ein Anlass, sich das wieder in Erinnerung zu rufen.“
Diese Kooperation habe sich in der Vergangenheit schon als äußerst effektiv erwiesen, erzählte Bischof Kientega. Als im August ein Priester während der heiligen Messe attackiert worden sei, hätten Gläubige einen „menschlichen Schutzschild“ gebildet, um die Angreifer abzuwehren. „Darüber wurde nie in den Medien berichtet, aber es ist ein starkes Symbol für Glauben und Solidarität“, betonte Kientega.
Beide Bischöfe kritisieren, dass im Ausland zu wenig Notiz von der Lage in Burkina Faso genommen werde. Teilweise seien ganze Dörfer menschenleer, weil sich die Bewohner vor Terrorangriffen in Sicherheit bringen mussten.
20 000 Menschen getötet, zwei Millionen sind auf der Flucht. Um die Lage und die Verfolgung der christlichen Gemeinden stärker ins Bewusstsein zu rufen, werden jetzt zwei Priester als Ansprechpartner für Medien ausgebildet; KIRCHE IN NOT unterstützt diese Initiative.
Vor allem aber fördert das Hilfswerk die Flüchtlingsarbeit der lokalen Kirchen. „Es geht ums Überleben. Wir versuchen die Grundbedürfnisse zu decken: Lebensmittel, Unterkunft, medizinische Versorgung“, betont Bischof Naré. Die Flüchtlingslager seien überfüllt. Vor seinem Bischofshaus kampierten Menschen unter freiem Himmel, weil kein Platz mehr im Gebäude frei sei. Die Diözesen versuchten auch den Unterricht für die vertriebenen Kinder zu stemmen; ebenso gelte es, traumatisierte und körperlich wie psychisch verwundete Menschen medizinisch wie seelsorgerisch zu betreuen.
Weitere Informationen: www.religionsfreiheit-weltweit.de
Kardinal Parolin zeigte sich sichtlich bewegt, als er bei einer Begegnung mit Gläubigen unter anderem die Geschichte eines Christen hörte, der drei Brüder und einen Onkel bei terroristischen Überfällen verloren hat. Mehrere Ordensleute berichteten, welcher Lebensgefahr sie täglich ausgesetzt sind. „Ich bin gekommen, um euch allen zu sagen, dass Ihr nicht allein seid“, erklärte Parolin den Teilnehmern zufolge. „Euer Leiden, eure Ängste, aber auch eure Hoffnungen liegen der Kirche am Herzen.“ Auch Papst Leo XIV. gehe die Situation in Mosambik zu Herzen, betonte der vatikanische Staatssekretär.
Kardinal Parolin hielt sich mit einer vatikanischen Delegation vom 5. bis 10. Dezember in Mosambik auf, zwei Tage davon in der umkämpften Region Cabo Delgado. Anlass der Reise war der 30. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Mosambik und dem Heiligen Stuhl. Vorausgegangen war das Ende eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs; die katholische Kirche in Mosambik hatte beim Abschluss eines Friedensvertrags vermittelt.
Der Bischof von Kontagora im Nordwesten von Nigeria, Bulus Dauwa Yohanna, ruft die Bevölkerung nach der Entführung von über 300 Kindern und Lehrkräften einer katholischen Schule dazu auf, keine Selbstjustiz zu üben: „Wir predigen Hoffnung und raten von Vergeltung ab, aber wir verlangen Gerechtigkeit.“ Der Bischof äußerte sich bei einem Besuch des Sicherheitsberaters der nigerianischen Regierung, Nuhu Ribadu, in der Region. In einer Videobotschaft, die er KIRCHE IN NOT (ACN) übermittelte, sagte Bischof Yohanna: „Unsere Herzen sind gebrochen, aber unser Glaube bleibt fest.“
Bischof Yohanna steht in Kontakt mit den Eltern der Entführungsopfer aus Papiri, diese würden seelsorgerisch betreut. „Die Familien sind in großer Angst, sie wissen nicht, in welchem Zustand sich ihre Kinder befinden.“ Die Kirche verfolge keine politische Agenda, ihre Strategie sei vielmehr „anhaltendes Gebet, seelsorgliche Begleitung und Unterstützung“ für die betroffenen Familien, „in der Überzeugung, dass die Hoffnung selbst angesichts des tiefsten Leids lebendig bleiben muss“. Der Bischof wies im Gespräch mit Regierungsvertretern auch darauf hin, dass die kriminellen Banden die Menschen in der Region in ständige Angst versetzen. Sie trauten sich nicht mehr, ihre Felder zu bestellen, was die Versorgung mit Lebensmitteln gefährde.
Nigeria leidet seit Jahren unter Gewalt und Terror. Dschihadistische Gruppen wie Boko Haram oder der Islamische Staat – Westafrikanische Provinz (ISWAP) operieren vor allem im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes. Ihre Gewalt richtet sich gegen Christen, aber auch gegen andere Bewohner, die ihrer radikalen Glaubenspraxis nicht folgen.
In ganz Nigeria wiederum sind bewaffnete Gruppen aktiv, die mit Entführungen und Erpressungen ihre Machenschaften finanzieren. Nigeria zählt KIRCHE IN NOT zufolge zu den Ländern, in denen am meisten Priester und Ordensleute entführt werden.
KIRCHE IN NOT unterstützt die christlichen Gemeinden Nigeria seit Jahren – unter anderem mit Mitteln für Ausbildung von angehenden Priestern und Ordensleuten, für die Betreuung von traumatisierten und vertriebenen Christen oder für die Arbeit katholischer Schulen, die auch bei Muslimen einen guten Ruf genießen.
Kardinal Woelki wies darauf hin, dass Christenverfolgung weltweit „kontinuierlich steigt“. Gläubige seien Angst, Terror und Gewalt ausgesetzt „in einem Ausmaß, dass wir uns nicht vorstellen können oder erleben wollen“. Christen seien die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft der Welt. Besorgt zeigte sich der Kardinal darüber, dass auch im „relativ sicheren Europa“ Sachbeschädigungen und Vandalismus gegenüber kirchlichen Einrichtungen sowie „Diskriminierung und Mobbing“ gegenüber Gläubigen zunähmen.
„Wie können wir mit dieser Situation umgehen“, fragte Woelki. Die christliche Antwort sei „beten, über verfolgte Christen reden und hoffen“. Auch im Hinblick auf Christenverfolgung gelte: „Schweigen hilft nur den Tätern.“ Gemeinsam könne man viel für verfolgte Christen tun, sagte Woelki: „Wir können und müssen Einfluss nehmen auf Politik und Wirtschaft.“
Als weltkirchlicher Gast war auf Einladung von KIRCHE IN NOT Bischof Wilfred Chikpa Anagbe aus Makurdi in Nigeria zum „Red Wednesday“ gekommen. Im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas leiden Christen unter islamistischem Terror, kriminellen Banden und ethnisch-religiösen Konflikten. „Nigeria ist ein Land des lebendigen Glaubens und des unaussprechlichen Leids“, beschrieb Anagbe die Situation in seinem Heimatland. In den nördlichen und zentralen Regionen Nigerias fänden nahezu täglich Anschläge und Übergriffe statt: „Kirchen werden niedergebrannt. Dörfer werden überfallen. Familien werden auseinandergerissen. Und doch hält die Kirche Stand.“
Florian Ripka, der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, zeigte sich beeindruckt vom „Abend der Zeugen“ in Düsseldorf, der vom katholischen Fernsehsender EWTN live übertragen wurde: „Unsere Aktion ,Red Wednesday‘ zieht immer weitere Kreise, jedes Jahr machen mehr Pfarreien und Kirchen mit.“ Das schaffe nicht nur ein sichtbares Bewusstsein für die dramatische Christenverfolgung weltweit.
„Die Gemeinde hier in St. Suitbertus in Düsseldorf zeigt, wie es geht: ökumenisch zusammenstehen, beten, ein Ohr haben für die verfolgten Christen und zur Hilfe ermuntern“, sagte Ripka. „Für diesen Appell bin ich besonders Kardinal Woelki und allen Verantwortlichen sehr dankbar.“
Als Vertreter von KIRCHE IN NOT dankte Pater Benedikt Eble dem Bistum für die Gastfreundschaft am „Red Wednesday“ und erläuterte, wie die an diesem Abend erbetene Hilfe konkret aussehe: „In über 130 Ländern unterstützt KIRCHE IN NOT weit über 5000 Hilfsprojekte.“ So mache unser Hilfswerk vielerorts die Priesterausbildung erst möglich, leiste finanzielle Hilfe für Ordensfrauen, fördere den Aufbau von Gemeindezentren und Kirchen und unterstütze die kirchliche Medienarbeit. „Aufgrund unseres pastoralen Schwerpunkts tun wir das ganz ohne öffentliche Gelder oder Kirchensteuermittel“, ergänzte Pater Eble.
Zu dem zweistündigen Gebetsabend für verfolgte Christen am „Red Wednesday“ waren knapp 200 Gläubige in den Regensburger Dom gekommen. Sie erlebten ein Rosenkranzgebet mit Betrachtungen zu modernen Märtyrern und ein feierliches Pontifikalamt mit Weihbischof Josef Graf. Musikalisch berührend gestaltet wurde der Abend von der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik; die katholischen Sender K-TV und Radio Horeb übertrugen die Veranstaltung live.
Zum Hintergrund: Um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Schicksal verfolgter und benachteiligter Christen zu lenken, werden seit 2015 rund um den „Red Wednesday“, der in diesem Jahr auf den 19. November fiel, Kirchen und staatliche Gebäude rot angestrahlt. Dazu zählten in den vergangenen Jahren unter anderem das Kolosseum und der Trevi-Brunnen in Rom, die Christusstatue in Rio de Janeiro, das österreichische Parlamentsgebäude sowie in Deutschland die Kathedralen in Augsburg, Dresden, Fulda, Paderborn, Passau und Regensburg. In diesem Jahr beteiligte sich erstmals das Europäische Parlament an der Aktion.
Informationen über die aktuelle Lage der Religionsfreiheit weltweit stellt KIRCHE IN NOT unter: www.religionsfreiheit-weltweit.de zur Verfügung.
Ebenfalls am 17. November hatten internationale Medien gemeldet, dass in Maga im nordwestlichen Bundesstaats Kebbi eine staatliche Schule überfallen wurde. Eine lokale Quelle, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben muss, bestätigte gegenüber KIRCHE IN NOT den Vorfall: „Gerade als wir dachten, es gäbe eine kleine Ruhepause bei den Morden und Entführungen, hat uns die Nachricht schockiert, dass etwa 25 Mädchen entführt worden sind, die genaue Zahl ist noch nicht bekannt.“ Bei dem Versuch, die Schülerinnen zu schützen, sei der stellvertretende Schulleiter getötet worden.
Die anonyme Quelle erklärte außerdem, dass der Bezirk, in dem sich die Schule befindet, einer der religiös vielfältigsten im Bundesstatt Kebbi sei. In mehreren Gemeinden im mehrheitlich muslimisch geprägten Norden Nigerias lebten zahlreiche Christen. Deshalb befänden sich unter den entführten Mädchen auch einige Christinnen, auch der ermordete Lehrer sei Christ gewesen.
Zu beiden Taten hat sich bislang noch keine Gruppierung bekannt; Beobachter weisen darauf hin, dass kriminelle Banden in der Region immer gewaltbereiter auftreten und ihre Taten stärker koordinieren. Auch sind im Norden Nigerias nach wie vor dschihadistische Gruppen wie Boko Haram oder der Islamische Staat Westafrika (ISWAP) aktiv.
Informationen von KIRCHE IN NOT zufolge gehört Nigeria weltweit zu den gefährlichsten Ländern für Priester und Ordensfrauen – es kommt regelmäßig zu Entführungen. Auch gab es in der Vergangenheit bereits mehrere Massenentführungen von Mädchen; der international bekannteste Fall ereignete sich im Jahr 2014 in Chibok, wo Dschihadisten 276 Schülerinnen entführten. Über 80 von ihnen gelten noch heute als vermisst.
Der Ende Oktober erschienene Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT stuft Nigeria in die Kategorie „rot“ ein – das Land ist mit schweren, anhaltenden und systematischen Verletzungen der Religionsfreiheit konfrontiert. Diese treffen viele Christen, die rund die Hälfte der Einwohner Nigerias ausmachen. Gleichzeitig hält der Bericht fest: „Auch wenn Christen am meisten unter extremistischer Gewalt zu leiden haben, gehört zur Wahrheit auch, dass die Terrorgruppen fast ausschließlich in den Bundesstaaten mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung aktiv sind und ihre Gewalt somit nicht nur Christen, sondern auch Muslime trifft.“
Die Zusammenfassung des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ zum Herunterladen und die Länderberichte finden Sie unter: www.religionsfreiheit-weltweit.de
– Nigeria: Entführter Priester Alphonsus Afina wieder frei
– Katholisches Internat in Nigeria überfallen: Ein Toter und drei Entführte
– Nigeria: Bis zu 200 Tote bei Angriff auf Flüchtlinge
– Dutzende Tote bei neuer Angriffswelle
– Christentum im Norden Nigerias wächst
– Nigeria: Zwei Priester entführt
– Nigerianischer Erzbischof: Regierung muss Sicherheit der Bevölkerung verbessern
So haben am 6. Oktober im Dorf Kouala nahe der Stadt Fada N’Gourma im Südosten des westafrikanischen Landes Angreifer während des Sonntagsgottesdienstes einen Katecheten überfallen und verschleppt. Das berichteten Ansprechpartner von KIRCHE IN NOT, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben müssen. Die Terroristen hätten direkt auf den Katecheten abgezielt. „Die Absicht ist es, gezielt Angst unter Christen zu verbreiten“, so die Quelle. Nach Informationen von KIRCHE IN NOT wurde der Katechet später wieder freigelassen.
Ebenfalls am 6. Oktober wurden in Djibasso im Nordwesten von Burkina Faso nahe der Grenze zu Mali drei Schüler von bewaffneten Männern aus einem Bus gezerrt und hingerichtet. Nur wenigen Stunden später wurden auf der Straße zwischen Nouna und Dédougo Fahrgäste eines Busses von Angreifern beschossen. 15 Menschen starben; bei den Passagieren handelte es sich vorwiegend um Mitglieder der Pfarrei Solenzo im Bistum Nouna.
Bereits am 21. September war ein weiterer Katechet aus dem Bistum Fada N’Gourma auf dem Heimweg von einer Versammlung in Diabo in einen Hinterhalt geraten und getötet worden. In der Region kommt es häufig zu Überfällen auf Landstraßen.
Im aktuellen Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“, der am 21. Oktober erschienenen ist, warnt KIRCHE IN NOT mit Nachdruck vor der Misere in Burkina Faso. Seit 2015 haben Dschihadisten mehr als 20 000 Menschen getötet, zwei Millionen Menschen mussten fliehen.
Die Zusammenfassung des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ können Sie hier kostenlos herunterladen: www.religionsfreiheit-weltweit.de