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Karakosch

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Noch immer warten mehrere Zehntausend christliche Flüchtlinge darauf, in ihre Heimatorte in der Ninive-Ebene im Nordirak zurückkehren zu können.

 

Das berichtete der syrisch-katholische Priester Georges Jahola aus Karakosch (Irak) in einem Gottesdienst in Neumarkt in der Oberpfalz.

Der syrisch-katholische Priester Georges Jahola aus Karakosch im Irak berichtete über die Situation der Christen in seinem Land.
Für diese Aktion waren das Münster St. Johannes und das Neumarkter Rathaus rot angestrahlt worden. Die Farbe symbolisiert das Blut unzähliger Menschen weltweit, die wegen ihrer Religion Gewalt erleiden, verfolgt oder gar getötet werden.

 

Initiator dieser Aktion war der Ökumenische Arbeitskreis Religionsfreiheit, der schon seit Jahren auf die Lage verfolgter Christen aufmerksam macht. Diesmal wurde er unterstützt von KIRCHE IN NOT.

Die Münsterkirche St. Johannes in Neumarkt.
Rund 300 Gläubige waren dem Aufruf gefolgt. In einem Schweigemarsch zogen sie von der evangelischen Christuskirche zum katholischen Münster. Domkapitular Norbert Winner leitete dort einen Gottesdienst, in dem auch Georges Jahola über die Lage der Christen im Irak sprach.

 

Im Sommer 2014 waren rund 90 000 Christen durch islamistische Kämpfer des IS aus ihrer Heimat in der Ninive-Ebene vertrieben worden. Zwar sei der IS militärisch inzwischen besiegt, doch in den christlichen Gebieten habe er schwere Verwüstungen hinterlassen, so Jahola.

Alle Wohnhäuser der Christen seien vom IS geplündert, viele Häuser in Brand gesteckt oder dem Erdboden gleichgemacht worden.

Die Münsterkirche St. Johannes in Neumarkt wurde rot angestrahlt. Die Farbe symbolisiert das Blut, das Märtyrer für den christlichen Glauben vergossen haben.

Seit 2017 werden diese Häuser auch mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT wiederaufgebaut. Georges Jahola leitet diese Arbeiten in Karakosch. Früher war sie die größte christliche Stadt im ganzen Irak.

 

Viele Christen haben noch Angst vor einer Rückkehr

Immerhin sind inzwischen die Hälfte der christliche Flüchtlinge in die Ninive-Ebene zurückgekehrt. Die anderen Flüchtlinge halten sich noch in der nahegelegenen kurdischen Region des Iraks auf. Viele von ihnen trauen der Lage nicht, haben Angst vor einer Rückkehr des IS oder ihre Häuser sind einfach noch nicht wieder bewohnbar.

Ansprache von Berthold Pelster.
Viele Christen im Irak „sind müde von den endlosen Konflikten und der andauernden Verfolgung“, so Jahola. Sie spielten mit dem Gedanken, den Irak zu verlassen. Die Zahl der Christen im Irak sei von früher einmal 1,5 Millionen drastisch geschrumpft auf heute vielleicht noch 200 000 oder weniger.

Wolle man das vollständige Verschwinden des Christentums im Irak verhindern, müsse dringend gehandelt werden.

Die Märtyrer nicht im Stich lassen

Berthold Pelster von KIRCHE IN NOT machte in einer kurzen Ansprache die geistliche Dimension dieser Verfolgungssituation im Irak deutlich. Eine Kirche, die ihre Märtyrer im Stich lasse, so Pelster, verhalte sich nicht nur unsolidarisch gegenüber ihren Gläubigen in Not, sondern verrate zugleich ihren Herrn Jesus Christus, der das Haupt der ganzen Kirche und aller ihrer Glieder sei.

Musa ist ein Mann, der viel lacht und eine innere Ruhe ausstrahlt. Doch was dem 63-Jährigen und seiner Familie von den Truppen des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) angetan wurde, macht ihn heute noch zornig: „Ich werde nie vergessen, was uns die Terroristen angetan haben.“

Es war der 6. August 2014: Mitten in der Nacht mussten Musa, seine Frau und ihre sechs Kinder vor den heranrückenden Truppen des IS aus Karakosch fliehen, der bis dahin größten christlichen Stadt des Irak. So erging es zehntausenden Bewohnern der Ninive-Ebene, seit den Tagen der frühen Kirche christliches Siedlungsgebiet. Sie ließen alles zurück und suchten Zuflucht in Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan.
Musa und seine Tochter Miray aus Karakosch. Miray arbeitet als Krankenschwester.

Prozession durch die Straßen von Karakosch.
Zerstörtes Geschäft in Karakosch.

Wie viele andere Vertriebene kampierten Musa und seine Familie die ersten Tage auf der Straße. Um sie auf die Schnelle unterzubringen, war der Ansturm der Geflüchteten zu groß – allein in Erbil waren es über 120 000. Staatliche Unterstützung blieb weitgehend aus.

Staatliche Unterstützung blieb aus

So war es die Kirche, die sich der Vertriebenen annahm. Bischöfe und Priester wurden über Nacht zu Krisenmanagern; Freiwillige packten rund um die Uhr mit an. So gelang es schnell, Musas Familie vorübergehend in einer Schule unterzubringen.

Dort mussten sie sich mit 25 anderen Geflüchteten einen Raum teilen. „Es war heiß und eng. Nach ein paar Wochen konnten wir aber in eine kleine Wohnung umziehen“, erzählt Musa. Auch in der neuen Unterkunft lebte die achtköpfige Familie zusammen mit anderen Vertriebenen.

Es sollte für mehr als drei Jahre ihr Zuhause werden. Die Miete bezahlte KIRCHE IN NOT, wie für tausende andere Flüchtlingsfamilien auch. Musa ist bis heute dafür dankbar: „Wir hatten ja nur noch das, was wir am Leib trugen. Wir hätten uns nie eine Wohnung leisten können.“

Denn der gelernte Automechaniker fand keine Arbeit. Den Lebensunterhalt verdiente Musas Frau. Sie ist Lehrerin für Aramäisch, der Sprache Jesu.

„Wir hatten nur das, was wir am Leib trugen”

Nach über zwei Jahren kam endlich die erlösende Nachricht: Die Ninive-Ebene ist vom IS befreit. Doch eine Rückkehr erschien Musa und seiner Familie erst noch zu gefährlich, für den Neuanfang fehlten die Mittel. Erst im November 2017 wagte Musa mit seiner Familie die Rückkehr nach Karakosch.

Der Wut über die Gräueltaten des IS wich der Trauer: „Ich war schockiert über so viel Zerstörung. Unser Haus stand zwar noch, aber es war leer – alles war gestohlen“, erzählt Musa mit Tränen in den Augen.

„Es zählt nur die Zukunft“

Er weiß bis heute nicht, wer für die Plünderung verantwortlich ist – der IS oder die Nachbarn der mehrheitlich muslimischen Dörfer ringsum. „Was bringt es, darüber nachzugrübeln? Es ist passiert. Es zählt nur die Zukunft.“

Und diese Zukunft liegt für Musa in der Ninive-Ebene. An Auswanderung hat er nie gedacht. „So schwierig es auch ist: Wer hier über Jahrhunderte seine Wurzeln hat, wird immer wieder zurückkommen“, ist er überzeugt.

Renovierung in einem Haus in Karakosch.
August 2014: Tausende geflüchtete Menschen kampieren unter freiem Himmel in Erbil (Foto: ankawa.com).
Wiederaufbau in der Ninive-Ebene.

Viel ist seit der Rückkehr geschehen: Musa hat mit Helfern Fenster und Türen am Haus erneuert, die Räume neu gestrichen. KIRCHE IN NOT hat das möglich gemacht.

Unser Hilfswerk hat zusammen mit lokalen Kirchenvertretern einen „Marshall-Plan“ für den Wiederaufbau erstellt, finanziert Renovierungen, überwacht die Fortschritte. Und die sind sichtbar: Mitte Juli waren über ein Drittel der Gebäude renoviert und fast die Hälfte der Vertriebenen (44,63 Prozent) aus dem Nordirak heimgekehrt.

„Wohltätern von Herzen dankbar”

Zu Hause fühlen sich jetzt auch wieder Musa und die Seinen, vor allem seit es ihnen gelang, wieder ein paar Möbel aufzutreiben. „Ich bin den Wohltätern von Herzen dankbar. Ohne ihre Hilfe hätten wir nicht in unsere Heimat zurückkehren können“, sagt Musa.

Seine Tochter Miray stimmt ihm zu. Sie ist 25 und arbeitet als Krankenschwester. Wegen des Krieges musste sie 2014 ihre Ausbildung in Mossul abbrechen.

Die Stadt war zum Zentrum der Kämpfe gegen den IS geworden und ist heute schwer zerstört. Erst mit einiger Verspätung konnte Miray ihre Ausbildung in Erbil fortsetzen.

Trotz aller Schwierigkeiten kann sie der Zeit dort einen Sinn abringen: „Ich konnte kranken Flüchtlingen helfen und habe so viele hilfsbereite Menschen kennengelernt. Das war eine gute Erfahrung für mich.“ Überhaupt: Die Menschen seien sich in den Jahren der Vertreibung nähergekommen.

„Vorher ging es hier bei vielen Menschen nur um Materielles: mehr Häuser, mehr Geld. In der Zeit der Not haben sich die Menschen füreinander geöffnet“, meint Miray. „Sie haben erkannt, dass es im Leben um mehr geht.“

„Wir brauchen ihre Gebete“

An die Christen im Ausland appelliert sie, den Menschen in der Ninive-Ebene nicht nur materiell, sondern auch geistlich beizustehen: „Wir brauchen ihre Gebete.“

Ihr eigener Glaube sei in den zurückliegenden Jahren zwar auf die Probe gestellt, aber letztlich gestärkt worden: „Ich habe sehr deutlich gespürt, dass Gott mit uns ist“, zeigt sich Miray überzeugt.

Miray möchte Ärztin werden

Die junge Frau würde gern studieren und Ärztin werden. Dazu wären allerdings im Ausland die Bedingungen besser. „Ich spare schon darauf“, erzählt Miray.

Doch langfristig sehe sie ihre Zukunft im Irak, auch wenn ihr die aktuelle Sicherheitslage Sorgen macht: „Ich will auf jeden Fall zurück, um den Menschen in meiner Heimat zu dienen.“

Helfen Sie den Christen im Irak

Um den Wiederaufbau von Kirchen, Häusern, christlichen Ortschaften im Irak weiter voranzubringen und die Versorgung der Vertriebenen aufrechterhalten zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Die zehnjährige Irakerin Helda ist um Worte nicht verlegen. „Meine Hobbys sind Malen und Singen. Und ich liebe Theaterspielen. Doch mein Traum ist es, Zahnärztin zu werden, um den Menschen helfen zu können – wo auch immer das sein wird.“

Wo auch immer das sein wird: Für Helda und ihre Familie ist das seit einigen Wochen wieder ihre alte Heimat Karakosch, eine Stadt in der Ninive-Ebene, eine halbe Autostunde südöstlich von Mossul. Helda und ihre Familie – die Eltern und ein jüngerer Bruder – sind Christen, wie die meisten Bewohner hier. Und wie die meisten waren auch sie drei Jahre auf der Flucht. Helda war damals erst sieben, aber die Erinnerung an die Nacht vom 6. August 2014 hat sich in ihr Gedächtnis eingebrannt.
Flüchtlinge in der St.-Josef-Kirche in Ankawa, Erbil im August 2014. Viele von ihnen haben alles zurücklassen müssen, als sie vor den IS-Kämpfern fliehen mussten.
Zelte im Flüchtlingslager Ankawa, Irak. Bei 43 Grad eine belastende Umgebung, gerade für Kinder.
Wiederaufbau in der Ninive-Ebene.
KIRCHE IN NOT ließ im Irak Schulen in Containern errichten, damit Flüchtlingskinder wieder die Schule besuchen können.

„Die Sirenen heulten in unseren Straßen. Wir mussten so schnell wie möglich weglaufen vor dieser Hölle.“ Die Hölle, das waren die heranrückenden Truppen des sogenannten „Islamischen Staates“, die das jahrhundertealte Siedlungsgebiet der Christen überrannten.

„Ich dachte, dass ich meine Freunde nie wiedersehen würde”

„Ich habe auf dem ganzen Weg geweint. Ich dachte, ich würde niemals zurückkommen in meine Stadt, in meine Schule, würde meine Freunde nie mehr wiedersehen.“ Schließlich erreichten sie das nahe Erbil – nur gut 70 Kilometer entfernt, aber als Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan ein Hort der Sicherheit. Zuerst kampierten sie unter freiem Himmel, dann im Flüchtlingslager.

„Jeden Tag waren wir traurig und hatten Angst, bis wir uns schließlich daran gewöhnt hatten“, sagt Helda. Trauer durchzieht ihr Gesicht, die kindliche Unbekümmertheit ist verschwunden. Die Flucht wurde zum dauerhaften Exil mit offenem Ende. Das Leben war hart: „Wir hätten nie gedacht, dass wir eines Tages wie Bettler dastehen.“

Dauerhaftes Exil mit offenem Ende

Für die vertriebenen Kinder wurden in Erbil mit Hilfe von KIRCHE IN NOT Schulen gebaut; Helda und ihre Familie konnte schließlich in eine kleine Wohnung umziehen. Ein neues Leben begann. Helda erinnert sich: „Ich war lange traurig und hoffte, in meine alte Schule zurückkehren zu können. Aber ich schloss auch neue Freundschaften.“

Trost und Hoffnung gab ihr und der Familie der Glaube an Gott und der starke Zusammenhalt der christlichen Gemeinde: „Wir fühlten uns nie verlassen. Wann auch immer wir uns an Gott gewendet haben, fühlten wir Freude und Vertrauen. Er ist überall bei mir.“ Helda zeigt mit Stolz ihre Bibel, Bilder von Jesus und Heiligen.

Die zehnjährige Helda aus dem Irak blickt auf ein Gebetsbildchen.
Der Glaube gibt ihnen Trost

Nach dem Sieg irakischer und kurdischer Truppen über den IS Ende 2016 keimte in den vertrieben Christen langsam wieder Hoffnung. Der Vater fuhr nach Karakosch, nahm das beschädigte Wohnhaus in Augenschein. Es konnte fürs Erste notdürftig repariert werden; Freunde und Bekannte halfen dabei.

KIRCHE IN NOT sicherte die Finanzierung. Diese wird für die christlichen Dörfer der Ninive-Ebene auf über 250 Millionen US-Dollar geschätzt. Fast 13 000 Gebäude müssen wiederaufgebaut werden, dazu kommt die am Boden liegende Infrastruktur.

Der Aufbruch hält an: Kurz vor Weihnachten, ein Jahr nach der Befreiung, konnten Helda und ihre Familie zurück. Der Traum erfüllte sich, so wie für gut ein Drittel der vertriebenen Christen. Die Freude ist groß. Sie geht wieder in ihre alte Schule, trifft die alten Freunde.
Und vor allem träumt sie wieder wortreich von einer Zukunft, die mehr bereithält als den Kampf ums Überleben. Doch noch ist nicht alles beim Alten: Die Unsicherheit bleibt. „Am liebsten möchte ich im Irak bleiben, hier bin ich zu Hause“, sagt Helda. „Aber wenn ich Fotos und Videos vom Terror sehe, möchte ich weg. Ich kann das nicht ertragen.“

Helfen Sie den Menschen im Irak

Um den Wiederaufbau der christlichen Dörfer im Irak weiter voranzutreiben und der Bevölkerung materiell wie pastoral beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

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