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Die Pygmäen: Das ist der Sammelbegriff für die wohl ältesten indigenen Urvölker Afrikas, die in den Urwäldern Zentral- und Westafrikas siedeln. Zu der Stammesgruppe gehören heute gerade einmal 150 000 bis 200 000 Personen – denen ein Merkmal gemeinsam ist: Die relativ geringe Körpergröße. Da sie zudem eine relativ helle Hautfarbe haben, sind die Pygmäen unter ihren dunkelhäutigen Landsleuten am Äquator in mehrfacher Hinsicht isoliert: Sozial, wirtschaftlich, kulturell. Durch die anhaltende Ausbeutung des Regenwaldes sind sie in ihrer Existenz bedroht.

Die Pygmäen pflegen weitgehend ihre Stammeskulte. Doch in vergangenen Jahrzehnten gab es auch Begegnungen mit dem Christentum. Einzelne Stammesmitglieder ließen sich taufen. So zum Beispiel in der Republik Kongo. Dort wurde ein junger Priester der Diözese Ouésso im Norden des Landes an der Grenze zu Kamerun auf eine wohl einzigartige Mission geschickt: Franck Bango wirkt als Seelsorger unter den Pygmäen. Das weltweite päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT unterstützt ihn dabei. Emmanuelle Ollivry-Kaeser von KIRCHE IN NOT Frankreich hat mit dem Priester über seine Erfahrungen gesprochen.
Hochzeit eines Pygmäen-Paares.
Prozession bei einer heiligen Messe in der Pfarrei der Pygmäen.
EMMANUELLE OLIVRY-KAESER: Seit wann gibt es unter den Pygmäen katholische Christen?

FRANCK BANGO: Katholische Pygmäen gibt es schon seit einiger Zeit, aber ihre Präsenz fällt noch kaum auf. In den 1960er Jahren haben sich im Kongo die Spiritaner (Ordensleute der „Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist“, Anm. d. Red.) dieser Ureinwohner angenommen. Später haben das die Franziskanerschwestern fortgesetzt. Sie haben sich für Bildung und medizinische Versorgung der Pygmäen eingesetzt, denn sie sind vielfach von den übrigen Einwohnern abgetrennt und vergessen. In der Folge ließen sich auch einzelne Stammesangehörige taufen. Sie besuchten die Gottesdienste in den nächstliegenden Pfarreien – auch wenn das bisweilen stundenlange Fußmärsche bedeutete. Neu ist jetzt, dass es eine eigene Pfarrei in einem Pygmäendorf gibt. Die Einwohner hatten selbst darum gebeten. Und ich bin seit vier Jahren ihr Pfarrer.

Was ist das Neue an diesem Modell?

Die Pygmäen sind fast allein dafür zuständig, damit das Gemeindeleben gelingt. Einige von ihnen wurden zu Katecheten ausgebildet und erteilen Religionsunterricht, die Pfarreimitglieder verwalten die geringen Gemeindefinanzen, sie legen die Ordnung der liturgischen Feier fest, bilden die Chorsänger und die Messdiener aus … Das ist für viele ein großer Schritt, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Aber die Pygmäen bleiben nicht unter sich. Alle sind in unserer Gemeinde willkommen.

Anfangs sehr zurückhaltend
Wie wurden Sie aufgenommen, als sie vor vier Jahren hier ankamen?

Ich kam, um Seelsorge zu betreiben und zu evangelisieren. Ich konnte weder Geld mitbringen, noch humanitäre Hilfe. Die ist ja auch in guten Händen bei den Ordensschwestern, die schon lange hier präsent sind. Anfangs waren die Pygmäen mir gegenüber sehr zurückhaltend.

Woher kam diese Zurückhaltung?

Die Pygmäen leben ja sehr isoliert. Das macht sie misstrauisch. Auch bin ich keiner von ihnen. Manche dachten, dass das Christentum nicht mit ihren Traditionen vereinbar sei. Aber ich entdeckte: Viele leben schon nach einigen Grundwerten des Evangeliums, ohne es zu wissen. Das war für mich ein wichtiger Anknüpfungspunkt. Ich lebte mit ihnen, begleitete sie beim Fischen … Es dauerte zwei Jahren, bis sie mich akzeptierten.

Sie sagten, viele Werte des Evangeliums seien schon unter den Pygmäen präsent. Welche zum Beispiel?

Die Ehe hat bei den Pygmäen einen hohen Stellenwert. Es gibt weder Scheidung noch Polygamie. Der ganze Reichtum der Pygmäen ist die Familie. Sie sind keine Materialisten. Selbst wenn sie ein wenig Geld zur Verfügung haben, geben sie es nicht für Besitztümer aus. Als ich ihnen erklärte, wie nah sie der Lehre der Kirche schon sind, begann sich etwas in ihnen zu ändern. Sie hörten mir zu und da sie mit einem außergewöhnlichen Gedächtnis begabt sind, merkten sie sich alles. Nach zwei Jahren konnten wir in unserer Pfarrgemeinde die ersten Taufen und Hochzeiten feiern. Einer von den Neugetauften ist mittlerweile Katechet.

Franck Bango, Pfarrer der Pygmäen
Blick auf Wohnhütten von Pygmäen in der Republik Kongo.
Viele Veränderungen
Was hat der christliche Glaube im Leben der Pygmäen verändert?

Ein großes Problem war der Alkoholkonsum. Am Wochenende und den traditionellen Beschneidungsfesten, mit denen meistens samstags der Eintritt der Männer ins Erwachsenalter gefeiert wird, wurde sehr viel getrunken. Ich habe den Männern dann versucht zu erklären, dass der Alkoholkonsum den Respekt vermindern würde, den ihre Frauen und Kinder ihnen sonst entgegenbringen. Das hat sie sehr betroffen gemacht. Mittlerweile nehmen sie immer noch an diesen traditionellen Festen teil, trinken aber maßvoll – und kommen am darauffolgenden Sonntag zur heiligen Messe!

Es gibt noch viele andere Veränderungen – zum Beispiel im Umgang mit Eigentum oder die Aufgabe von religiösen Praktiken, die mit Flüchen und Verwünschungen verbunden sind. Viele Pygmäen wollen endlich davon befreit werden …

Im Kongo verzeichnen zahlreiche Gruppen großen Zuwachs, die sich zwar christlich nennen, aber in der Regel von der amerikanischen Sekte „Great Awakening“ (Große Erweckung) beeinflusst sind. Wie ist die Situation?

Die Mehrheit der kongolesischen Bevölkerung bezeichnet sich als Christen. Nur gut ein Drittel ist katholisch. Das hat auch mit dem Wachstum von Sekten zu tun. Als ich im Jahr 2014 hier ankam, existierte im nächstgrößeren Ort eine sogenannte „Kirche vom geweihten Öl“. Dort wurde verkündet: „Wenn du krank bist, so kommt die Krankheit von einem Onkel oder einer Tante, die Dich verhext hat.“ Dies entzweite die Familien. Da den Pygmäen die Familie heilig ist, haben sie solche Lehren aber nicht überzeugt.

Sie als katholischer Priester scheinen aber überzeugt zu haben. Was ist ihr Rezept?

Man muss viel Geduld haben, trotz Zeiten der Entmutigung. Und man muss die Menschen lieben, sie sehr lieben.

Von Kirchenbau bis zum Lebensunterhalt für Priester

Das weltweite päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT steht den Katholiken in der Republik Kongo seit Jahrzehnten bei. Allein in den vergangen zehn Jahren hat das Hilfswerk dort rund 250 Projekte gefördert: von der Unterstützung bei der pastoralen Arbeit über Bildungsprojekte, den Kirchenbau und die Beschaffung von Fahrzeugen bis hin zum Lebensunterhalt für Priester, die ein geringes oder gar kein Einkommen haben.

Helfen Sie der Kirche im Kongo:

Um weiterhin der Kirche im Kongo helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Die Dominikaner in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, freuen sich über einen neuen Minibus.

Ihr altes Fahrzeug hatte unwiederbringlich seinen Geist aufgegeben, als sie einmal 210 Kilometer von ihrem Kloster entfernt unterwegs waren. Seitdem mussten sie ohne Wagen irgendwie zurechtkommen.

Dank unserer Wohltäter, die 22.000 Euro ermöglicht haben, konnten sie nun einen neuen Minibus anschaffen. Der Dominikanerorden ist seit 1912 in der heutigen Demokratischen Republik Kongo vertreten. Das Land war zu dieser Zeit eine belgische Kolonie. Damals waren es belgische Patres, die als Missionare dorthin kamen. Inzwischen sind es kongolesische Ordensmänner, die in ihre Fußstapfen getreten sind.
Der neue Minibus ist für viele Aktivitäten der Dominikaner von großer Bedeutung. Auch die Dominikaner, die noch studieren, gelangen damit nun besser und sicherer zur Universität.
Die Dominikaner in Kinshasa freuen sich über ihr neues Gefährt.
Die Dominikaner in Kinshasa freuen sich über ihr neues Gefährt.
Ein junger Dominikaner freut sich über den Autoschlüssel für den neuen Minibus.

In vier Diözesen ist der Dominikanerorden vertreten und hat sechs Niederlassungen mit insgesamt 42 Patres. Die Dominikaner betreiben Militär- und Polizeiseelsorge, betreuen ehemalige Kindersoldaten, kümmern sich um Waisen, Menschen mit Behinderungen und Opfer sexueller Gewalt und sind außerdem in fünf Pfarreien tätig.

Dominikaner freuen sich über viele Berufungen

Besonders schön ist, dass es viele junge Berufungen gibt: Zurzeit sind es siebzehn Studenten, sechs Novizen und acht Pränovizen, die sich darauf vorbereiten, sich eines Tages mit ihren feierlichen Gelübden ganz an den Orden zu binden. Zwei junge Männer sind zudem schon zu Diakonen geweiht worden und freuen sich auf ihre Priesterweihe.

Der neue Minibus ist für viele Aktivitäten der Dominikaner von großer Bedeutung. Insbesondere kommt er aber den jungen Männern zugute, die noch studieren.

Denn eine der beiden Universitäten, an denen die Studenten ausgebildet werden, ist 15 Kilometer vom Dominikanerkloster entfernt gelegen. Der öffentliche Verkehr in der 10-Millionen-Stadt Kinshasa ist unzuverlässig und unzureichend.

So war es den Studenten fast unmöglich, pünktlich und zuverlässig zu den Lehrveranstaltungen zu kommen. Zudem verloren sie auch viel Zeit, die sie für ihr Studium und für ihr klösterliches Leben gebraucht hätten.

Sicher zur Universität

Pater Albert Akora Kanika schreibt uns: „Dank des Fahrzeugs sind unsere Studenten auf der Straße weniger Gefahren ausgesetzt. Sie sind gesünder und froher, können regelmäßiger und besser an den Kursen, aber auch am Leben im Kloster teilnehmen und erzielen in ihrem Studium bessere Ergebnisse.“

Die Dominikaner danken allen Wohltätern, die die Anschaffung des Minibusses ermöglicht haben.

Zu einem Gebets- und Fasttag für den Frieden in der Demokratischen Republik Kongo und im Südsudan ruft Papst Franziskus für Freitag, 23. Februar, auf. Der Pontifex hat darüber hinaus auch Angehörige anderer Konfessionen und Nichtchristen aufgerufen, sich der Initiative anzuschließen – in der Form, die sie am geeignetsten halten.

In den beiden Ländern ist die Dankbarkeit für diese Geste der Solidarität groß.

„Papst Franziskus kennt die tragische Situation gut, in der sich unsere beiden Länder befinden“, sagte der Bischof der Diözese Kikwit im Westen der Demokratischen Republik Kongo, Timothée Bodika Mansiyai, gegenüber KIRCHE IN NOT. „Papst Franziskus kann leider momentan nicht persönlich kommen. Aber er begleitet uns geistig“, so Bodika.
Frau mit Kind in der Demokratischen Republik Kongo.
Kind in einem Flüchtlingslager in der Demokratischen Republik Kongo.
Flüchtlingstreck aus dem Südsudan.

In der Demokratischen Republik Kongo hat der Kampf um die Bodenschätze im Osten des Landes zu einem seit über zehn Jahre andauernden Bürgerkrieg geführt. Auch in der zentralen Region Kasai gibt es blutige Auseinandersetzungen.

Und als wäre das noch nicht genug, kommt es nun aufgrund der für Ende 2017 angekündigten, aber immer wieder aufgeschobenen Präsidentenwahlen zu Unruhen im ganzen Land. Bei Protesten hatten auch katholische Laienorganisationen mitgewirkt. Regierungstruppen hatten das Feuer auf die Demonstranten eröffnet.

„Bekehrung von uns allen und der Regierenden”

Er hoffe, dass durch Gebet und Fasten eine Bekehrung „von uns allen, aber auch der Regierenden“ erreicht werden könne, erklärte Bodika. „Die Politiker haben vergessen, dass ihre Arbeit dem Dienst an der Nation und nicht an einigen wenigen gelten sollte.“

Derweil schreie das kongolesische Volk „vor Schmerz“. Allein in seiner Diözese Kikwit ist die Zahl der Vertrieben auf über 30 000 Menschen gestiegen. Da staatliche Hilfe weitgehend ausfalle, müsse die Kirche die Binnenflüchtlinge versorgen. „Aber wir haben nur beschränkte Finanzmittel“, sagte der Bischof. „Alle unsere Aufrufe, die Krise wirksam zu bewältigen, wurden von den Behörden und der Weltgemeinschaft bislang nicht erhört.“

Vorrückendes Militär in der Demokratischen Republik Kongo.
„Im Südsudan herrscht der Terrror“

Auch im Südsudan sind hunderttausende Menschen vor dem Krieg geflohen, der seit 2013 tobt. Das Land hatte erst 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan erklärt.

„Im Südsudan herrscht der Terrror“, bringt es Weihbischof Daniel Adwok aus der sudanesischen Hauptstadt Khartum auf den Punkt. „Rebellen, Regierung und Opposition streiten um die Macht, um Ämter – ohne Rücksicht auf die einfache Bevölkerung.“ Viele Menschen suchen deshalb Zuflucht im Sudan. Die humanitäre Situation ist angespannt. Nicht einmal die Zahl der Todesopfer im Südsudan sei bekannt, so Adwok. „Niemand zählt sie. Sie waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.“

Er begegne immer wieder Menschen, die ihm grausame Geschichten erzählten. Zum Beispiel von „alten Menschen, die nicht schnell genug aus ihren Häusern fliehen konnten. Sie wurden an Ort und Stelle ermordet.“

Solidarität mit den Menschen im Südsudan

Dem Weihbischof ist es ein Anliegen, dass am 23. Februar nicht nur um Frieden im Südsudan gebetet wird. Auch die jungen Menschen sollten Solidarität und Aufmerksamkeit erfahren.

„Die meisten von ihnen sind arbeitslos. Viele sind Waisenkinder. Sie fühlen sich allein und suchen billigen Trost. Das treibt sie in die Arme von gewalttätigen Gruppen.“

So können Sie helfen

KIRCHE IN NOT steht den notleidenden Christen in der Demokratischen Republik Kongo und im Südsudan zur Seite.

Wir fördern zum Beispiel die kirchliche Flüchtlingsarbeit, unterstützt die Ausbildung und den Lebensunterhalt von Priestern, den Wiederaufbau und Neubau von Kirchen und Gemeindezentren sowie die seelsorgerische Arbeit, besonders mit Familien und Kriegsopfern.

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden

Kirchenvertreter in der Demokratischen Republik Kongo erheben schwere Vorwürfe gegen Polizei und Sicherheitskräfte: Bei Attacken auf über 130 katholische Kirchen seien mindestens vier Personen getötet und weitere verletzt worden.

Der jüngste Vorfall ereignete sich am 12. Januar, berichtete der Sekretär der Bischofskonferenz der Kirchenprovinz Kananga, Apolinaire Cibaka Cikongo, gegenüber KIRCHE IN NOT.
Seminaristen in der Demokratischen Republik Kongo.

„In der Kathedrale der Hauptstadt Kinshasa fand gerade ein Gedenkgottesdienst für die Opfer der Übergriffe am Silvestertag statt. Nach dieser Messe setzten Armee und Polizei erneut Tränengas an, wodurch mindestens zwei Menschen verletzt wurden“, schilderte er.

Hintergrund für die Attacken sind die friedlichen Proteste gegen Präsident Kabila, zu der katholische Laienorganisationen am 31. Dezember aufgerufen hatten. Der Präsident hatte nach Vermittlung durch die katholische Kirche seinen Verzicht auf eine dritte Amtszeit zugesagt und Neuwahlen bis Ende 2017 versprochen.

Friedliche Proteste gegen den Präsidenten

Als der Termin verstrich, gingen die Menschen nach den Sonntagsgottesdiensten auf die Straße. Polizei und Militär trat ihnen mit erbitterter Härte entgegen.

In 134 Fällen sollen die Menschen auch in Kirchen und auf kirchlichen Grundstücken attackiert worden sein, zum Beispiel in der Pfarrei St. Dominikus in Limete, einem Stadtteil von Kinshasa. Cikongo zufolge wirft der dort tätige Pfarrvikar, Dominikanerpater Jean Nkongolo, Polizei und Armee vor, mit teilweise scharfer Munition auf die Gottesdienstbesucher geschossen zu haben, als sie nach dem Gottesdienst die Kirche verließen.

Munition, die bei den Übergriffen auf Gottesdienstbesucher zum Einsatz kam.

„Die Gemeindemitglieder suchen jeden Sonntag nach der heiligen Messe die Mariengrotte auf dem Kirchengelände auf, um dort zu beten und den Segen zu empfangen. Genau in diesem Moment wurden die Gläubigen angegriffen“, berichtet er. Als der Pfarrvikar dazu aufforderte, das Feuer einzustellen, sei er von einem Gummigeschoss im Gesicht getroffen und verletzt worden. „Ein Polizist zielte direkt auf seine Augen“, erzählt Cikongo. „Aber Pfarrvikar Nkongolo reagierte schnell und drehte den Kopf zur Seite. Das Geschoss traf ihn ins Gesicht.“

Auch Elektroschockpistolen und Tränengas seien zum Einsatz gekommen. Eine Frau wurde lebensgefährlich verletzt, so Cikongo. „Sie wurde in den Kopf getroffen. Alle haben gedacht, sie sei tot, aber sie hat überlebt.“ Zwei weitere Personen seien ebenfalls verletzt worden.

Elektroschockpistolen und Tränengas

An manchen Orten seien die Gläubigen dadurch gezwungen gewesen, die Protestmärsche vorerst einzustellen. Doch mittlerweile überwiegt die Entschlossenheit, wie eine Mitteilung des Laien-Koordinations-Komitees der Demokratischen Republik Kongo zeigt. Dort heißt es: „Unser Marsch wird nicht aufhören, bis unsere Rechte respektiert werden und unsere Würde wiederhergestellt wird.“

Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit gerieten am Silvestertag die friedlichen Proteste katholischer Laienbewegungen in der Demokratischen Republik Kongo zu einem Blutbad. Unterschiedlichen Angaben zufolge soll es zwischen acht und zwölf Tote gegeben haben, 120 Demonstranten wurden vom Militär festgenommen.

Was hinter der neuen Gewaltwelle steckt und welche Vermittlerrolle die katholische Kirche einnimmt, darüber sprachen wir mit Apolinaire Cibaka Cikongo. Der Geistliche unterrichtet am Institut „Christkönig“ in Malole, einem Stadtteil von Kananga nahe der Grenze zum Nachbarland Angola.

Das Gespräch führte Emmanuelle Ollivry vom französischen Nationalbüro von KIRCHE IN NOT.

EMMANUELLE OLLIVRY: Was genau ist an Silvester passiert?

APOLINAIRE CIBAKA CIKONGO: Das katholische Laien-Komitee hatte im Anschluss an die Sonntagsgottesdienste zu Protestmärschen gegen die Regierung von Präsident Joseph Kabila aufgerufen. Einige Professoren der katholischen Hochschule von Kinshasa gehörten zu den Mitorganisatoren. Während der heiligen Messe eröffneten Polizei und Armee das Feuer auf die Gottesdienstbesucher. Das war auch in anderen Städten so.

Anlass der Proteste war der Jahrestag des „Silvester-Abkommens“ von 2016. Es war auf Vermittlung der katholischen Kirche ausgehandelt wurden und beinhaltet den Verzicht des Präsidenten auf eine dritte Amtszeit und die Zusicherung freier Wahlen bis Ende des vergangenen Jahres. So sieht es auch die Verfassung vor. Nichts ist passiert. Stattdessen diese neue Eskalation!

Schwinden damit die Chancen auf eine friedliche Lösung dieser Krise?

Es ist sehr schwer. Es gibt keine Opposition gegen Präsident Kabila in den Medien. Und die politische Landschaft ist hoffnungslos zersplittert. Es gibt fast 600 Parteien. Es gibt viel Chaos, wenig Einigkeit. Die katholische Kirche in der Demokratischen Republik Kongo hat von Anfang an Stellung für verfassungsgemäße Wahlen bezogen und hat mit Präsident Kabila verhandelt. Ist sie die einzige wirksame Oppositionskraft?

Sie ist sicherlich die glaubwürdigste Institution des Landes. Damit steht sie natürlich auch in der Schusslinie. Aber es ist notwendig, dass die Kirche klar Stellung bezieht. Sonst würde es niemand anders wagen, zu protestieren.

Ein Priester, der bei den gewaltsamen Protesten verletzt wurde.
Apollinaire Cibaka Cikongo bei der Feier eines Gottesdienstes.
Vorrückendes Militär in der Demokratischen Republik Kongo.
Apollinaire Cibaka Cikongo.

Deshalb also auch die Protestaktion vom 31. Dezember?

Der innere Druck gegen die Regierung reicht nicht aus. Es muss auch äußeren Druck geben. Präsident Kabila kam dank seiner ausländischen Schirmherren an die Macht: Großmächte wie beispielsweise Indien und China stützen ihn; genauso internationale Großkonzerne, die dafür die Kontrolle über internationale Bodenschätze erhalten.

So lange diese „Sponsoren“ nichts tun, wird es keinen Ausweg aus der Krise geben.

(B]Fühlen Sie sich von der internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen?

Die Welt weiß, was im Kongo vor sich geht. Aber da unser Leid den materiellen Annehmlichkeiten anderer Länder dient, schweigen sie. Es gibt eine Komplizenschaft des Schweigens.

Unsere Hilfe in der Demokratischen Republik Kongo

KIRCHE IN NOT ist den Christen der Demokratischen Republik Kongo seit Jahrzehnten verbunden.

Unser Hilfswerk fördert die Ausbildung von Seminaristen, unterstützt Priester, die über wenig bis gar kein Einkommen verfügen, mit Mess-Stipendien, fördert kirchliche Angebote in der Ehe- und Familienpastoral und finanziert den Bau von Kirchen, Seminaren und Gemeindezentren.

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Demokratische Republik Kongo
Die Kirche in der Demokratischen Republik Kongo hat einen schweren Stand, besonders im Osten des Landes, wo seit Jahrzehnten ein Krieg um die begehrten Rohstoffminen tobt. Dieser hat sogar Auswirkungen bis in die Diözese Basankusu im Nordwesten des Landes. Dort ragt seit einiger Zeit ein eindrucksvoller Kirchenbau aus der Landschaft.
Während der Bauarbeiten an der Kathedrale von Basankusu.
Arbeiter auf der Baustelle der Kathedrale von Basankusu/Demokratische Republik Kongo.

KIRCHE IN NOT hat das Projekt seit vielen Jahren unterstützt. Jetzt hat es deutliche Konturen angenommen, inmitten grüner Felder. Doch die marode Wirtschaft, gezeichnet von Korruption und Ineffizienz, hinterlässt ihre Spuren überall. So ist zum Beispiel die Infrastruktur vielerorts stark heruntergekommen oder kaum vorhanden.
Für Bischof Joseph Mokobe Ndjoku und seine Mitarbeiter heißt das, dass er sich bei den Besuchen in seiner Diözese oft nur noch per Kanu über die Flüsse fortbewegen kann, weil Straßen unpassierbar sind. Um etwa 300 Kilometer zu reisen, benötigt er mehr als zwei Tage. Sein Bistum ist mit 77 000 Quadratkilometern größer als Bayern.

Für Ende 2017 waren Wahlen im Land vorgesehen, die erneut verschoben worden sind. Doch Vorbereitungen dazu stocken: „Runde Tische”, an denen sich die Kirche immer wieder für Friedensgespräche und Erneuerung der zerstrittenen Lager in der Gesellschaft eingesetzt hatte, finden inzwischen nicht mehr statt, berichtet Mokobe.
Die altbekannte Ausbeutung der Bodenschätze und die verheerenden Auswirkungen auf die Menschen bleiben ungelöst. Eine der zentralen Forderungen der Kirche lautet deshalb, „die anstehenden Wahlen abzuhalten.“ Inmitten dieser Situation wachsen dennoch Symbole der Hoffnung. Ein Beispiel dafür ist die fast fertige Kathedrale von Basankusu. Damit ist für die Menschen vor Ort mehr als ein Gebäude sichtbar und greifbar geworden.

Joseph Mokobe Ndjoku (rechts), Bischof von Basankusu im Nordwesten der Demokratischen Republik Kongo.
Rohbau der Kathedrale in Basankusu/Demokratische Republik Kongo.
„Ohne Dach über dem Kopf – keine Gemeinschaft“,

heißt es in einem kongolesischen Sprichwort. Wenn nun die Kathedrale aus dem Feld emporragt, „wird für die Menschen vor Ort die Gemeinschaft der Gläubigen förmlich besiegelt“, erklärt der Bischof.
Denn hier werden sie zusammen sein, im Gebet oder in Fortbildungen, bei heiligen Messen und Feiern, bei Sonne und Regen. „Die Kathedrale ist für sie eine in Stein gemeißelte immerwährende Motivation, sich auch selbst weiter für das Gemeinwohl einzusetzen.“

Sie sei ein Zeichen der Zugehörigkeit zur großen Familie der Gläubigen, auch über die eigenen Grenzen hinaus, so der Bischof. Somit ist das neue Gotteshaus auch ein Bindeglied zu den weltweiten Spendern von KIRCHE IN NOT, die zur Finanzierung dieser Kathedrale beigetragen haben. Zugleich steht die neue Kirche für die Forderung, „sich als Katholik im Kongo im christlichen Geist für den Frieden einzusetzen“, erklärt Joseph Mokobe Ndjoku. Die Kathedrale beschreibt er deshalb als Dreh- und Angelpunkt für weitere Aktionen in diesem Sinne – dem kargen Alltag zum Trotz. Die Kirche soll im kommenden Frühjahr eingeweiht werden.