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Nordmazedonien

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Der Papst ist zurück in Rom, die kleine katholische Gemeinschaft in Bulgarien aber zehrt noch lange von seinem Besuch. Im Mai hat Papst Franziskus Bulgarien und Nordmazedonien besucht. In Bulgarien leben schätzungsweise zwischen 50 000 und 70 000 Katholiken – nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung.

 

„Es war ein herzliches Glaubenstreffen. Für mich ist wichtig, dass unsere Katholiken ein größeres Selbstbewusstsein bekommen.“ Dieses Fazit zieht Salesianerpater Martin Jilek, ein langjähriger Projektpartner von KIRCHE IN NOT.

Junge Bulgarinnen freuen sich über den Papstbesuch.
Jilek stammt aus der Tschechischen Republik, lebt und arbeitet aber in Stara Sagora, etwa 230 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Sofia. Dort hat er an der heiligen Messe und den weiteren Feierlichkeiten mit dem Papst teilgenommen.

 

„Ein geistliches Ereignis”

„Ich glaube, dass es auch für den Heiligen Vater wichtig war, unseren starken Glauben zu sehen“, erzählt Jilek. Während die Medien während der Papstreise eher politische und soziale Fragen thematisierten, sei die Papstreise vor Ort in erster Linie ein geistliches Ereignis gewesen, das auch von der mehrheitlich orthodoxen Bevölkerung mitgetragen worden sei.

„Eine Umfrage vor dem Besuch ergab, dass 54 Prozent der Bulgaren dem Papst und seinem Anliegen gegenüber aufgeschlossen sind“, so der Salesianerpater.

Pater Martin Jilek aus Stara Sagora mit Roma-Kindern.
Und die Erklärung der bulgarisch-orthodoxen Kirche, in der ein gemeinsames Gebet mit dem Papst kategorisch ausgeschlossen wurde? Das habe für manche Gläubige die Freude an dem Ereignis schon getrübt. Aber Jilek ist auch sicher: „Das ist nicht die Meinung aller orthodoxen Christen. Die Bulgaren sind offene und tolerante Menschen.“

„Bulgaren sind offene und tolerante Menschen”

Trotzdem müssen man Geduld haben: Die Ökumene sei in Bulgarien nicht verwurzelt. „Auf persönlicher Ebene aber gibt es durchaus gute Kontakte mit den orthodoxen Priestern“, erzählt Jilek.

Hinzu komme die Erfahrung der fast zwei Millionen Bulgaren, die im Ausland lebten und dort mit der katholischen Kirche in Berührung kämen. „Normalerweise sind unsere Erfahrungen im Miteinander der Konfessionen eher positiv.“

Junge Erwachsene erwarten gut gelaunt den Papst am Straßenrand in Sofia.
Der Papstbesuch in Bulgarien stand unter dem Leitwort „Frieden auf Erden“. Es hat einen besonderen Bezug zu Bulgarien, erklärt der Salesianer: „Es ist die Überschrift der berühmten Enzyklika ,Pacem in terris‛ von Papst Johannes XXIII. auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Der spätere Papst war von 1925 bis 1935 Apostolischer Nuntius in Bulgarien. Er ist hier sehr anerkannt, und oft sagen wir, dass er ein ,bulgarischer‛ Papst war“, erzählt Jilek lächelnd.

 

Heimat verschiedener ethnischer Minderheiten

Das Motto „Friede auf Erden“ zeige auch, dass Bulgarien ein Beispiel für andere Länder sein könne: „Religionen und Kulturen leben hier seit vielen Jahren friedlich zusammen“, sagt Jilek. Das Land sei Heimat verschiedener ethnischer Minderheiten. Die größte Gruppe seien die Roma. Sie würden prozentual immer mehr.

„Zum Beispiel sind 40 Prozent der Erstklässler in Bulgarien Roma-Kinder“, führt Jilek aus. „Man muss den Weg für eine gute Ausbildung und Begleitung dieser Kinder finden, die oft aus ärmsten Verhältnissen kommen. Schnelle Lösungen gibt es nicht – die haben vermeintlich nur radikale Politiker.“

Roma leben in vielen Gemeinden Bulgariens in abgetrennten Wohngebieten.
Jilek weiß, wovon er spricht. Er und seine Mitbrüder betreuen in Stara Sagora Kinder aus Armenvierteln, unter ihnen auch viele Roma. Auch für sie sei der Papstbesuch eine große Freude gewesen. „Die Kinder waren ganz aus dem Häuschen. Viele haben voller Begeisterung gefragt, ob der Papst auch uns hier im Jugendzentrum besuchen kommt“, erzählt Jilek.

 

„Die Kinder waren ganz aus dem Häuschen”

Die Salesianer haben Reisen zu den beiden Stationen des Papstbesuchs in Sofia und Rakowski organisiert. Daran hätten insgesamt über 140 Menschen teilgenommen, darunter auch rund 20 Jungen aus der Roma-Siedlung der Stadt. „Sie sind alle begeistert zurückgekommen. Es war natürlich eine gute Gelegenheit zur Evangelisierung“, so der Pater.

Gerade die Roma seien sehr offen für den Glauben. „Oft ist das mit abergläubischen Praktiken vermischt. Darum braucht es Geduld und Unterstützung auf dem Glaubensweg. Aber die Basis ist da.“

Baustelle des Salesianer-Zentrums in Stara Sagora/Bulgarien (Aufnahme aus dem Jahr 2017).
Beim Sonntagsgottesdienst in Rakowski sei es auch zu einer originellen Begegnung der Jugendlichen mit dem Papst gekommen, erzählt Jilek. „Die jungen Leute haben dem Papst zugerufen. Da ist er zu ihnen gekommen und hat ihnen erklärt, dass es wichtig sei, im Herzen Stille zu schaffen. Denn dort spricht Gott. Aber jetzt sollten die Jugendlichen ruhig noch weiter viel Krach machen.“

 

Besondere Begegnung mit dem Papst

Der Papstbesuch hat dem Salesianer auch wieder für seine Herzensangelegenheit Kraft gegeben: den Bau einer neuen Kirche und eines Ausbildungszentrums für Jugendliche in Stara Sagora. Dabei kam es immer wieder Verzögerungen, immer wieder Anfeindungen von den Nachbarn – gerade wegen der Arbeit mit den Roma.

Das schreckt Jilek nicht. In zwei Jahren möchte er eine Grundschule eröffnen, die für alle Volksgruppen offen sein soll. KIRCHE IN NOT hilft ihm dabei. „Das ist für uns nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern auch eine geistliche“, erklärt der Salesianer. „Wir sind sehr dankbar, dass wir als kleine katholische Minderheit in Bulgarien spüren können, dass wir Teil der Weltkirche sind.”

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