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Pressekonferenz

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61 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern, in denen das Menschenrecht auf Religionsfreiheit nicht respektiert wird. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie „Religionsfreiheit weltweit 2018“, die das päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT Deutschland am 28. November bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main vorgestellt hat.

Der Bericht, an dem über 40 internationale Autoren mitgewirkt haben und der zum 14. Mail erscheint, nimmt die Situation in 196 Ländern in den Blick, analysiert die Rechtslage und dokumentiert Verstöße gegen das Grundrecht auf Religionsfreiheit – für Christen wie für alle anderen Religionen. Die Ergebnisse seien ernüchternd, erklärte Maria Lozano, Pressebeauftragte von KIRCHE IN NOT International und Mitglied im Redaktionsteam des Berichts: „In 38 Ländern kommt es zu schwerwiegenden Verletzungen der Religionsfreiheit und in 18 dieser Länder hat sich die Lage seit 2016 nochmals verschlechtert.“
Bei der Präsentation des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2018“ (von links): Pater James Channan OP (Leiter des „Peace Center“ in Lahore/Pakistan), Simon Jacob (Vorsitzender des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland), Maria Lozano (Pressereferentin von „Kirche in Nor“ International, Berthold Pelster (Experte für Religionsfreiheit bei KIRCHE IN NOT Deutschland), Florian Ripka (Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland).
Blick in die Teilnehmerrunde bei der Pressekonferenz zur Präsentation des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2018“.
Zwischen Diskriminierung und offener Verfolgung

Zu diesen Ländern gehören zum Beispiel Indien, China, der Iran und die Türkei. Beim Grad der Verletzungen des Berichts auf Religionsfreiheit unterscheidet der Bericht zwischen Diskriminierung religiöser Minderheiten (21 Länder wie Ägypten, Kasachstan, Vietnam und Russland) und offener Verfolgung (17 Länder, zum Beispiel Myanmar, Eritrea, Sudan und Usbekistan).

Dokumentiert werden aber auch erste Verbesserungen hinsichtlich der Religionsfreiheit, etwa in Syrien und dem Irak. Dort zum Beispiel begannen nach dem Sieg über die Truppen des „Islamischen Staates“ die Christen, in ihre Dörfer in der Ninive-Ebene zurückzukehren, wo sie ihren Glauben wieder frei leben können.

Zahlen über tatsächlich verfolgte Christen nicht seriös ermittelbar

„Es gibt drei Hauptursachen für die Verletzung der Religionsfreiheit: Islamischer Radikalismus, autoritäre Staaten und ein extremer Nationalismus“, erklärte Lozano. Letzter nehme international zu. Gleiches gelte für den „Nachbarschaftsfundamentalismus“, womit der Bericht die zunehme Radikalisierung und religiös motivierte Attentate in der westlichen Welt kategorisiert, zum Beispiel den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016.
„Insgesamt lässt sich auf Grundlage des Berichts davon ausgehen, dass etwa 327 Millionen Christen in Ländern mit religiöser Verfolgung leben und 178 Millionen in Ländern, in denen es zu Diskriminierungen kommt“, erklärte Lozano, die darauf hinwies, dass keine seriösen Zahlen zu ermitteln seien, wie viele Christen tatsächlich verfolgt würden.

Der Blick auf die eigene Religion dürfe auch nicht den Blick dafür verstellen, dass zusammen mit den Christen häufig auch andere Religionsgemeinschaften verfolgt werden: „Wo Religionsfreiheit eingeschränkt ist, werden immer auch andere Rechte unterdrückt“, erklärte Berthold Pelster, Experte für Religionsfreiheit beim deutschen Zweig von KIRCHE IN NOT. Diese Einschränkungen beträfen zum Beispiel auch die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit oder die Versammlungsfreiheit. Der Einsatz von KIRCHE IN NOT für verfolgte Christen diene deshalb auch der Stärkung der Menschenrechte insgesamt. Darum veröffentliche das Hilfswerk den Bericht zur Religionsfreiheit.

187 Christen in Pakistan wegen Blasphemie im Gefängnis

Ein Land, in dem der Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2018“ eine Verschlechterung der Lage identifiziert hat, vertrat bei der Pressekonferenz Dominikanerpater James Channan aus Pakistan. Er leitet in der Hauptstadt Lahore das „Peace Center“, das sich für den Dialog mit den Muslimen einsetzt. Obwohl die Christen nur 1,8 Prozent der Bevölkerung ausmachen, seien sie überdurchschnittlich von Verfolgung bedroht.

Hauptursache ist das strikte Blasphemiegesetz. „Oft wird es angewendet, um persönliche Rechnungen zu begleichen“, sagte Channan. Internationale Bekanntheit erlangte die Katholikin Asia Bibi, die zwar freigesprochen ist, aber noch immer an der Ausreise gehindert wird. Darüber hinaus gebe es jedoch noch 187 weitere Christen, die wegen Blasphemie im Gefängnis sitzen. Besonders dramatisch sei der Fall des Ehepaars Safqat und Shagufta Bibi, nicht verwandt mit Asia Bibi. Sie seien ebenfalls zum Tod verurteilt, weil sie blasphemische SMS in englischer Sprache verschickt haben sollen. Das Problem nur: Sie sprächen kein Englisch. Hinzu komme: „Wenn ein Christ wegen Blasphemie angeklagt wird, richten sich Wut und Empörung gegen die ganze Gemeinde und das ganze Dorf“, erklärte Channan.

Dennoch gebe es auch viele Muslime, die die Blaspehemiegesetze und die Diskriminierung der Christen ablehnten. „Es gibt viele Imame, die sich für den Dialog einsetzen, sie sind meine Freunde“, sagte Channan. Wichtig sei es, die Ausbildung der Religionsführer zu verbessern.

Religion zur Erhaltung von Macht missbraucht

Vom „Recht, nichts glauben zu müssen, um glauben zu können“, sprach der Vorsitzende des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland, Simon Jacob. Der 40-Jährige stammt aus der Südosttürkei und hat im Rahmen einer „Peacemaker“-Tour mehrere Monate lange Kriegs- und Krisenschauplätze des Nahen Osten besucht. Dies seien vermeintlich „Kriege zwischen religiösen Weltanschauungen, in denen es im Endeffekt aber um den Erhalt der eigenen Macht geht.“ Er sei im Nahen Osten auf junge Menschen aller Religionen gestoßen, die sich für politische und weltanschauliche Freiheit einsetzen. Dies schließe das Recht ein, „frei nach den persönlichen Wünschen auch nichts zu glauben“. Diese positive wie negative Religionsfreiheit sei im Nahen Osten nicht gewährleistet – und deshalb umso erstrebenswerter, erklärte Jacob: „Religion wird dann … zum größten Förderer des höchsten Ziels einer Gesellschaft: Frieden.“

Den gesamten Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2018“ mit 196 Länderberichten finden Sie unter www.religionsfreiheit-weltweit.de. Die Kurzfassung des Berichts können Sie zum Selbstkostenpreis von einem Euro (zzgl. Versandkosten) in unserem Shop bestellen.

Auf die dramatische und aktuelle Situation der Christen in Nigeria und Syrien haben Erzbischöfe aus diesen beiden Ländern bei einer Pressekonferenz dvon KIRCHE IN NOT am Freitag in Köln hingewiesen.

Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso aus dem nordnigerianischen Kaduna und der maronitische Erzbischof von Aleppo/Syrien, Joseph Tobji, warnten angesichts der anhaltenden Bedrohungen und Gewalt sowie der vielen geflüchteten Einwohner sogar vor einer Auslöschung des Christentums in ihren Heimatregionen.

Auch wenn der „Islamische Staat“ in Syrien beinahe am Ende sei, existierten viele ähnliche aktive Gruppen, so Erzbischof Tobji. Er betonte zwar, dass in Syrien und Aleppo langsam das Leben erwachen würde und die Menschen wieder lebensmutiger wären, jedoch seien die Folgen des Krieges immer noch zu spüren.
Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso aus Kaduna/Nigeria.
Blick auf das Podium der Pressekonferenz (von links): Karin Maria Fenbert, Geschäftsführerin von KIRCHE IN NOT Deutschland, Dolmetscherin Ina Breuing, Erzbischof Joseph Tobji, Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso, Dolmetscherin Ann Pasternack, Berthold Pelster, Menschenrechts-Experte von KIRCHE IN NOT Deutschland.
Erzbischof Joseph Tobji aus Aleppo/Syrien.
Berthold Pelster, Menschenrechts-Experte von KIRCHE IN NOT Deutschland.
Bischof Joseph Tobji in der zerstörten maronitischen Kathedrale in Aleppo.

„Das ganze syrische Volk hat verloren“, so der Erzbischof. „Überall herrschen Armut, Arbeitslosigkeit, unvorstellbare Zerstörung der Häuser, des gesellschaftlichen und moralischen Zusammenlebens, Mutlosigkeit und Misstrauen gegenüber der Zukunft.“

Hier sei besonders die Unterstützung der Kirche wichtig. Besonders dankte er dem Engagement und der Großherzigkeit von KIRCHE IN NOT. „Viele Menschen in Syrien geben offen zu: Ohne Kirche wären wir schon tot“, gestand Erzbischof Tobji.

„Schmutziges Spiel der Weltwirtschaft”

Er kritisierte die Rolle der internationalen Gemeinschaft: „Es ist jedem vollkommen klar, dass die Gründe für ein solches Kriegs-Desaster, das wir jetzt seit sieben Jahren durchmachen, nichts mit der Forderung nach Demokratie oder Freiheit zu tun haben. Es geht vielmehr um ein schmutziges Spielchen der Weltwirtschaft.“

Faktoren seien vor allem der Waffenhandel, Ressourcen wie Erdöl und Gas, die günstige wirtschaftsgeografische Stellung des Landes und Gegensätze in der politischen Welt. Syrien sei für die Weltmächte wie eine Torte, von der jeder das größte Stück haben möchte. Vor allem junge und gut ausgebildete Menschen seien wegen des Krieges und der mangelnden Zukunftsperspektiven in Syrien geflohen.

Zahl der Christen auf ein Drittel reduziert

Die Folgen der Abwanderung seien dramatisch: Die Zahl der Christen habe sich in Syrien auf ein Drittel reduziert. Binnenflüchtlinge kehrten zwar langsam in die Heimat zurück, jedoch seien die ins Ausland gezogenen Menschen dortgeblieben.

Auch im Norden Nigerias sind Tausende Menschen vor Krieg, Bedrohung und Unterdrückung geflüchtet. Die Christen seien dort nicht nur Angriffen durch die islamistische Terrorgruppe Boko Haram ausgesetzt, sondern auch einer systematischen Diskriminierung und Benachteiligung von staatlicher Seite, so Erzbischof Matthew Mano-Oso Ndagoso aus Kaduna.

Gräber als Mahnmal: Bei einem Autobombenanschlag auf eine Kirche in der Stadt Kaduna kamen vier Menschen ums Leben.
„Systematische Benachteiligung durch den Staat”

Nigeria sei das einzige Land der Welt, in dem der Bevölkerungsanteil von Christen und Muslimen mehr oder weniger gleich sei, wobei im Süden mehr Christen lebten und im Norden vor allem Muslime. Vor allem seine Bischofsstadt Kaduna sei ein wichtiges Zentrum des Islam in Nigeria, so der Erzbischof.

In einigen Bundesstaaten im Norden Nigerias sei auch die islamische Gesetzgebung der Scharia eingeführt worden. Ebenfalls sei der christliche Religionsunterricht in einigen nordnigerianischen Provinzen nicht erlaubt; islamischer Religionsunterricht dagegen schon.

Muslimische Religionslehrer seien beim Staat angestellt und würden aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Auch Moscheen würden mit öffentlichen Geldern gebaut, während man den Christen Grundstücke verweigere, auf denen sie Kirchen bauen könnten.

Daher forderte Ndagoso insbesondere für die christliche Minderheit im Norden „eine gerechte Behandlung, basierend auf Gerechtigkeit und ehrlichem Umgang miteinander, unabhängig von religiösem Bekenntnis, Stammeszugehörigkeit, politischer Zugehörigkeit und sozialem Status. Die Christen Nigerias wollen, dass ihre grundlegenden Menschenrechte und ihre Freiheit überall im Land gewahrt und respektiert werden.“

„KIRCHE IN NOT ist Sprachrohr der verfolgten Christen”

Ausdrücklich lobte der Erzbischof die Unterstützung und Solidarität durch KIRCHE IN NOT, „das in Zeiten der Not immer für unser Volk da gewesen ist.“ Selbst einige Bischöfe hätten sich aufgrund der unsicheren Lage nicht in den Norden Nigerias getraut. KIRCHE IN NOT sei ein „Sprachrohr“, das die Befürchtungen, Ängste, Sorgen und Nöte der verfolgten christlichen Minderheit international lautstark an die Öffentlichkeit bringe.

Auf die dringende Notwendigkeit der Solidarität mit den verfolgten Christen weltweit verwies auch der Menschenrechtsexperte des Hilfswerks KIRCHE IN NOT, Berthold Pelster, in seinen Ausführungen auf der Pressekonferenz. „Einen Vormarsch intoleranter religiöser Ideologien beobachten wir seit etwa dreißig, vierzig Jahren vor allem in Teilen der islamischen Welt. Durch die Umbrüche im arabischen Raum seit 2011 kam es zu extremen Auswüchsen. Radikal-islamisches Gedankengut breitet sich inzwischen verstärkt auch auf dem afrikanischen Kontinent aus.“

Daher sei es entscheidend, dass in der Weltöffentlichkeit immer wieder auf die Verletzungen des Grundrechts auf Religionsfreiheit hingewiesen werde. Die verfolgten und bedrängten Christen schöpften besonders Kraft in ihrem Glauben durch das Wissen, in ihrer Not von der Weltkirche nicht alleingelassen zu werden.