Länderbericht Philippinen

Ordensschwestern auf den Philippinen.

Ordensschwestern auf den Philippinen.

Einwohner:
87 Millionen

Fläche:
300 000 qkm (etwas kleiner als Deutschland)

Religionen:
Christen: 89,7 Prozent (darunter 70,5 Millionen Katholiken)
Muslime: 6,2 Prozent
Animisten: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,4 Prozent

Abschnitt 5 von Artikel 3 der Verfassung aus dem Jahr 1986 sagt: “Es wird kein Gesetz erlassen zur Anerkennung einer Religion, und ebenso keines, das die freie Ausübung einer Religion verbietet. Die freie Ausübung und der freie Genuss eines religiösen Bekenntnisses und Gottesdienstes, ohne Unterschied oder Vorzug, sind für alle Zeit erlaubt. Niemals soll der Nachweis einer Religionszugehörigkeit für die Ausübung bürgerlicher oder politischer Rechte verlangt werden.”

Diese Prinzipien werden auch in der Praxis respektiert; von Verstößen gegen sie seitens der Behörden ist nichts bekannt.

Auf Hindernisse und Probleme stoßen die Religionsfreiheit und der freie Gebrauch dieser Freiheit durch den langen politischen und militärischen Kampf, in dem Bewegungen, die ursprünglich maoistisch, später dann vor allem islamistisch waren, der Zentralregierung gegenüberstehen; Folge sind die typischen gewalttätigen, blutigen Auseinandersetzungen eines Bürgerkriegs.

Sonderfall Insel Mindanao

Tatsächlich setzt sich in manchen Regionen, vor allem auf der Insel Mindanao, die Bevölkerung aus Angehörigen anderer Religionen zusammen als in den übrigen, überwiegend christlichen Regionen der Philippinen. Hier gibt es Gebiete mit einer hohen Konzentration von Muslimen; in manchen Provinzen ist der Islam die Religion der Bevölkerungsmehrheit.

1989 gestand die Zentralregierung einem Teil der Insel Mindanao ein großes Maß an Autonomie zu; sie gründete die Autonome Region im Muslimischen Mindanao (Autonomous Region in Muslim Mindanao – ARMM), zu der die fünf überwiegend muslimischen Provizen Basilan, Lanao del Sur, Maguindanao, Sulu und Tawi Tawi
zählen, dazu die islamische Stadt Marawi City. Bezirkshauptstadt ist Cotabato, eine unabhängige Stadt innerhalb der Provinz Maguindanao.

Die Region wird von einem Bezirksgouverneur regiert, der – wie auch sein Stellvertreter und die Lokalregierung – in direkter Wahl bestimmt wird. Die Bezirksversammlung des Einkammersystems hat die Aufgabe, Bezirksverordnungen zu erstellen; ihr kommt eine ähnliche Rolle zu wie einem lokalen Parlament.

Die ARMM ist noch immer die ärmste Region der Philippinen; trotz ihres autonomen Status wird sie zu 98 Prozent durch die Zentralregierung finanziert. Etliches an finanzieller Unterstützung kommt überdies aus muslimischen Ländern; diese Gelder finanzieren häufig eine intensive islamische Missionsarbeit. Das in der selbstverwalteten Region ARMM geltende Zivilrecht ist durch islamisches Recht inspiriert; es gibt islamische Gerichte, deren Zuständigkeit sich allerdings auf die Bereiche Familien- und Zivilrecht beschränkt.

Islamistische Bewegungen

Mit der Zeit haben sich islamistische Bewegungen herausgebildet, die eine vollständige Islamisierung des Rechtswesens fordern und ein Maß an Autonomie, das einer Abspaltung gleichkommt. Diese Bewegungen haben Guerilla-Aktionen initiiert und terroristische Anschläge gegen die Zentralregierung verübt; sie zeichnen für zahlreiche Gewaltakte gegen Christen verantwortlich.

Allein auf Mindanao wurden innerhalb von zehn Jahren 120 000 Menschen getötet – eine furchtbare Folge des Bürgerkrieges. In letzter Zeit wurde die Region zudem zum Zufluchtsort für zahlreiche “Islamkämpfer”, unter anderem aus dem Nahen Osten und Pakistan.

Die allgemeine Unsicherheit und die vielen schwer zu identifizierenden kriminellen Gruppen haben Gewaltakte zur Folge, die hauptsächlich auf die christlichen Missionare abzuzielen scheinen. Am 2. April 2007 wurde der 31-jährige indonesische Pater Francis Madhu von vier bewaffneten Männern erschossen, als er in Lubuagan, einer Stadt in der nördlichen Provinz Kalinga, die Palmsonntagsmesse feiern wollte. Der Grund für den Mord ist noch immer nicht bekannt.

Dem örtlichen Armeeoffizier Colonel Francis Lardizabal zufolge wurde der Priester von einer M16 fünfmal in die Brust getroffen und war sofort tot. Der Polizeichef von Kalinga, Severino Cruz, fügte hinzu, einer der Angeklagten sei ein örtlicher Kleinbauer, Nestor Wailan, der dem Priester zugerufen habe: “Bist du bereit?”, um ihn dann zu erschießen.

Entführung und Tötung von Priestern

Am 10. Juni 2007 entführte eine bewaffnete Bande Pater Giancarlo Bossi in Payao auf der Südhalbinsel von Mindanao. Am 12. August, nach 39 langen Tagen der Gefangenschaft, wurde der Priester freigelassen; er kehrte nach Italien zurück, um sich ärztlich behandeln zu lassen. In Italien traf er am 31. August 2007 während des “Agora”-Jugendtreffens in Loreto mit dem Papst zusammen.

Beide Männer reagierten bei dem Zusammentreffen mit starker Bewegung und umarmten sich lange. Sofort darauf flog Pater Bossi, ein Missionar des Päpstlichen Instituts für die auswärtigen Missionen (Pontificium Institutum pro Missionibus Exteris – PIME), zurück auf die Philippinen.

Am 15. Januar 2008 wurde Pater Reynaldo Jesus Albores Roda von den Oblatae Mariae Immaculatae (OMI) beim Beten in der Kapelle der Our Lady’s School in Tabawan (unweit Tawi-Tawi) ermordet; bei den Mördern handelte es sich höchstwahrscheinlich um al-Qaida-Aktivisten. Als die mindestens zehn Angreifer den Pater zu entführen versuchten und dieser sich zur Wehr setzte, wurde er durch einen einzigen Schuss aus einer Pistole getötet. Die fliehenden Angreifer nahmen einen muslimischen Lehrer, Omar Taub, mit.

Papst Benedikt XVI. brachte damals sein “tiefempfundenes Mitleid” für den Tod dieses Priesters zum Ausdruck und appellierte an die Mörder, “den Weg der Gewalt zu verlassen und beim Aufbau einer gerechten, friedlichen Gesellschaft mitzuhelfen, in der alle harmonisch zusammenleben können”.

Bemühungen um eine diplomatische Konfliktlösung

Am 23. Januar 2008 wurde in der östlichen Provinz Leyte ein protestantischer Pfarrer der Vereinigten Kirche Christi der Philippinen mit sechs Pistolenschüssen getötet. Der örtliche Polizeichef Abner Cabalquinto stellte fest, es gebe kein offensichtliches Mordmotiv. Erste Untersuchungen deuteten darauf hin, dass zwei Männer auf einem Motorrad den Christenführer, der in der Nähe von Abuyog mit dem Auto unterwegs war, ansprachen, um ihn dann zu erschießen und fluchtartig den Tatort zu verlassen.

Am 28. Mai 2007 wurde in Camp Pantaleon Garcia bei Laguna der Leichnam eines weiteren protestantischen Pastors, Berlin Guerrero (46), entdeckt. Er war am 27. Mai in der Nähe seines Hauses in Biñan entführt worden.

In den letzten Jahren hat sich die Regierung um eine diplomatische Lösung des Konflikts durch Verhandlungen mit der Moro Islamic Liberation Front (MILF) bemüht, doch diese kommen nicht über den Punkt hinaus, von welcher Größe das Gebiet sein soll, das einem von den Moros regierten hypothetischen autonomen Bezirk zugesprochen werden soll.

Zur Förderung des Dialogs zwischen den verschiedenen religiösen Gemeinschaften des Landes gründete die Zentralregierung unter anderem das Nationale Ökumenische Beratungskomitee (National Ecumenical Consultative Committee – NECCOM). Diese Körperschaft setzt sich aus Vertretern der katholischen Kirche, des Islam und der verschiedenen protestantischen Denominationen zusammen. In dem Bemühen, die betreffenden Parteien miteinander zu versöhnen und sie dazu zu bewegen, den bewaffneten Kampf zu beenden, wurde darüber hinaus in den letzten Jahren eine Anzahl verschiedener interreligiöser Basisinitiativen gefördert.

Friedenswoche in Mindanao

Am 29. November 2006 versammelten sich über 30 000 Menschen in der Bezirkshauptstadt auf dem südlichen Archipel Mindanao, um die Eröffnung der neunten “Friedenswoche” zu feiern, einer Veranstaltung, die “im Namen des Allmächtigen und Barmherzigen Gottes das Ende aller Feindseligkeit fordert”. Das Thema der Veranstaltung hatte die Bishops-Ulama Conference (BUC) gewählt, ein Zusammenschluss von 24 katholischen Bischöfen, 18 protestantischen Vertretern und 24 islamischen Ulamas, die das Ereignis organisiert hatten.

Christen unterschiedlicher Denominationen, Muslime, Lehrer, Studenten, Menschenrechtsaktivisten und Regierungsbeamte marschierten gemeinsam, um zu einem Ende des Krieges zwischen Manila und den Rebellen der Moro Islamic Liberation Front (MILF) aufzurufen. Für den Claretiner-Missionar Pater Angelo Calvo, Vorsitzender der Gruppe PAZ (Peace Advocates of Zamboanga), die sich auf den südlichen Philippinen aktiv für den Frieden einsetzt, war dieser Demonstrantenstrom“wie ein farbenfroher Teppich, vereint mit denen, die den Krieg beweinen, ein lauter Ruf nach seinem Ende”.

(Quelle: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2008. Stand: 2008)

15.Sep 2009 14:36 · aktualisiert: 13.Jan 2014 14:06
KIN / S. Stein