Spenden
Greifen islamistische Corona-Proteste auf Christen über?

Greifen islamistische Corona-Proteste auf Christen über?

Gewaltsame Auseinandersetzungen im westafrikanischen Niger

04.05.2020 aktuelles
Das Corona-Virus ist eine weltweite Herausforderung. Während einige Länder vor allem in Krankenhäusern und Labors gegen das Virus kämpfen, kommen für andere zum vielfach maroden Gesundheitswesen weitere Sorgen hinzu. Niger gehört zu diesen Ländern.

 

Zwar haben die dortigen Behörden schnell Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung einzudämmen. Diese rufen jedoch in einigen Teilen der Bevölkerung Ablehnung und Gewalt hervor. Gerät die christliche Minderheit in diesen Sog?

Mit Stand vom 29. April verzeichnete Niger 709 COVID-19-Fälle, darunter 31 Tote und 403 Genesene. Experten sind sich jedoch einig, dass diese Zahlen unter großem Vorbehalt zu betrachten sind, da das Gesundheitssystem über zu wenige Mittel verfügt, um die Zahl der infizierten Menschen zu ermitteln.

Ambroise Ouedraogo, Bischof von Maradi (Niger).
Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ähneln denen europäischer Staaten. Am 12. April hat Niger öffentliche Gebete und Versammlungen in Moscheen und Kirchen verboten. Schon Wochen vorher hatte die gemeinsame Bischofskonferenz von Burkina Faso und Niger den katholischen Gemeinden geraten, öffentliche heilige Messen und Veranstaltungen auszusetzen.

 

Gewaltsame Proteste in der Hauptstadt

Nicht so kooperativ bei der Umsetzung der Schutzmaßnahmen zeigten sich einige von extremistischen Imamen angeführte muslimische Gruppen. In Niamey, der Hauptstadt von Niger, kam es zu gewaltsamen Protesten.

Wie lokale Quellen KIRCHE IN NOT berichteten, gab es auch in Meyahi, einem Ort unweit von Nigers zweitgrößter Stadt Maradi, Ausschreitungen. Sie richteten sich gegen das Verbot der Freitagsgebete. Die Menge habe Behörden geplündert sowie die lokale Schule und die Universität in Brand gesetzt.

Kinder aus Niger mit Mund-und-Nasenschutz-Masken.
In der Region Zinder im Süden des Niger kam es ebenfalls zu Protesten aufgehetzter Muslime. Das bestätigt ein weiterer Ansprechpartner, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, gegenüber KIRCHE IN NOT.

 

Behörden haben schnell reagiert

Erinnerungen an Januar 2015 wurden wach, als Proteste militanter Muslime gegen die Mohammed-Karikaturen in der französischen Zeitschrift „Charlie Hebdo“ eine Gewaltwelle in Niger auslöste, die auch gegen christliche Einrichtungen zielte. Damals wurden 45 Kirchen angegriffen und niedergebrannt.

„Die Behörden handelten diesmal gottlob schnell. Sie zogen Polizisten aus Maradi hinzu, um die Sicherheit der Stadt und der katholischen Mission zu stärken“, erklärte der Ansprechpartner. „In der Stadt verbreitete sich zwar der Geruch von brennenden Reifen und Tränengas, aber der katholischen Mission ist nichts passiert.“

Heilige Messe der Schwesterngemeinschaft der „Dienerinnen Christi“ während der Corona-Pandemie.
Die Angst ist allgegenwärtig innerhalb der kleinen christlichen Gemeinschaft des Niger. Sie umfasst wenige tausende Gläubige; 96 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Bischof Ambroise Ouédraogo aus Maradi bleibt trotz der angespannten Lage weitgehend gelassen.

 

Bischof mahnt zu erhöhter Wachsamkeit

Aktuell handele es sich – anders als bei den Ausschreitungen im Fall „Charlie Hebdo“ – nicht um einen religiösen oder politischen Konflikt, so Quédraogo: „2015 sucht die politische Opposition im Niger nach einem Weg, einen Aufstand anzuzetteln, um die Regierung zu stürzen. Die Kirche war der Sündenbock.

Aber ich glaube nicht, dass sie es jetzt angesichts des Corona-Virus wagen werden, Christen anzugreifen.“ Dennoch mahnt der Bischof zu erhöhter Wachsamkeit: „Die Reaktionen der islamistischen Fundamentalisten sind unvorhersehbar.“

Taufe in Niger.
In der Region Maradi tauschten sich Regierungs- und Religionsvertreter einmal pro Woche über die Anti-Corona-Maßnahmen aus. Gegenüber besonders unzugänglichen muslimischen Gruppen versuche man verstärkt Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Es gehe darum, ihnen zu helfen, die umzusetzenden Richtlinien zu verstehen, um Menschenleben zu retten, erklärte ein anonymer Gesprächspartner gegenüber KIRCHE IN NOT.

 

„Durst nach Gott”

Auf pastoraler Ebene beginnt Bischof Ambroise Ouédraogo bereits, über die Zeit nach Corona nachzudenken. Da die Kirchen weitgehend geschlossen seien, pflegten viele Familien das Gebet zu Hause.

„Die Zeit der Schließungen wird positive oder negative Auswirkungen auf das Leben und den Glauben unserer Christen haben. Für einige wird die Aussetzung der Eucharistiefeier den Durst nach Gott und nach Vereinigung mit seiner Gemeinschaft verstärken. Für ‚lauwarme‘ Christen könnte dies jedoch das Ende sein.“

Niger liegt im Western Afrikas.
Doch selbst hier gibt sich der Bischof der kleinen christlichen Gemeinde zuversichtlich: „Bereiten wir uns auf das Pfingstfest vor, auf die Geburt einer erneuerten, der Welt gegenüber offenen Kirche! Wagen wir es, uns vom Atem des Heiligen Geistes tragen zu lassen, der uns zu neuen Menschen für eine neue Welt der Liebe, des Friedens, der Gerechtigkeit und der Vergebung machen will!“
KIRCHE IN NOT unterstützt die kleine katholische Gemeinde im Niger. Das Hilfswerk unterstützt zum Beispiel den Wiederaufbau zerstörter Kirchen, die Priesterausbildung und leistet Existenzhilfe für Priester und Ordensleute.

 

Um das Überleben der Christen in Niger weiterhin sichern zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Niger

Weitere Informationen