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Vor 40 Jahren: Kriegsrecht in Polen

Vor 40 Jahren: Kriegsrecht in Polen

KIRCHE IN NOT hilft mit der Aktion „Ein Schiff für Polen“

22.11.2020 aktuelles
Vor 40 Jahren wurde am 13. Dezember 1981 in Polen das Kriegsrecht ausgerufen. Die moskautreuen Militärs und Funktionäre um General Wojciech Jaruzelski sahen darin das letzte Mittel, ihre Macht zu erhalten. Die kommunistische Partei reagierte damit auf den wachsenden Einfluss der Gewerkschaft Solidarność, die ihre Initialzündung durch die Wahl Papst Johannes Paul II. und seinen ersten Besuch in der Heimat im Jahr 1979 erhalten hatte.

 

Deshalb übte Moskau auf die polnische Regierung Druck aus, das Kriegsrecht auszurufen, um so die Aktivitäten von Solidarność zu unterbinden. Der sowjetische Parteichef Leonid Breschnew drohte sogar mit dem Einmarsch der Roten Armee. In Polen war die Angst davor groß. General Jaruzelski ließ Ministerpräsident Gierek verhaften und verhängte das Kriegsrecht. Die Solidarność wurde verboten, und Lech Walesa verhaftet. Streiks wurden niedergeschlagen, Oppositionelle inhaftiert oder des Landes verwiesen. Es gab Tote.

Auch während des verhängten Kriegsrechts gingen die Menschen in Polen auf die Straße (wikipedia, gemeinfrei).
Es ist wenig bekannt, dass „Kirche in Not“ angesichts der gefährlichen Lage in Polen bereits im Frühjahr 1981 einen Aufruf gestartet hatte, der in ganz Europa Gehör fand und in Belgien zur Aktion „Ein Schiff für Polen“ führte. Diese nationale Aktion, an der sich elf Organisationen beteiligten, hatte Ende 1981 bereits 1.670.000 Dollar für den Ankauf von Lebensmitteln, Waschmitteln und sanitären Artikeln gesammelt. „Kirche in Not“ schenkte der polnischen Caritas, die alle Spenden verteilte, zwei Zwanzigtonner und zehn kleine Lastwagen für den Transport in Polen. Die Freunde des Werkes in der Schweiz steuerten 50.000 Dollar zu den Transportkosten bei und beteiligten sich intensiv an der Sammlung von Dutzenden Tonnen Sachspenden.

 

In Deutschland und Frankreich finanzierte „Kirche in Not“ Ankauf und Transport vieler Tausender Liter Messwein. In England wurden 150.000 Dollar für Lebensmittel gesammelt. Am 19. Februar 1982 rollten in Anwesenheit von Königin Fabiola von Belgien 40 LKWs mit mehr als 200 Tonnen Zucker, Konserven, Milchpulver und ein Tankwagen voller Diesel für die Heimfahrt von Belgien nach Polen. Hinzu kamen 300 Tonnen Speck, Fett, Kleider und Nähmaschinen aus dem Warenlager des Hilfswerks sowie 60 Tonnen Zucker und Milchpulver des belgischen Bauernvereins. Es war die größte sozial-caritative Hilfsaktion von „Kirche in Not“ seit der Ungarnaktion von 1956.

Priesterseminar in Tarnow. Anfang der Achtzigerjahre studierten 8500 Priesteramtskandidaten in Polen. KIRCHE IN NOT half auf vielfältige Weise, z.B. durch die Finanzierung des Essens,
Am 22. Juli 1983 hob die polnische Regierung offiziell das Kriegsrecht auf, das eine Bankrotterklärung des kommunistischen Regimes gewesen war. Die Gewerkschaft Solidarność wurde wieder zugelassen und stellte mit dem Gewerkschaftsführer Lech Wałęsa den Präsidenten nach den ersten freien Wahlen seit der Wende 1989.

 

KIRCHE IN NOT und die Hilfe für Polen

 

„Ein Schiff für Polen“ war nicht die erste Hilfsaktion von KIRCHE IN NOT in Polen. Bereits vor der Ausrufung des Kriegsrechts 1981 wurden dort 57 beschauliche Klöster mit 1.355 Klausurschwestern ebenso unterstützt, wie die Priesterseminare des Landes, die zu der Zeit mit 8.500 Priesteramtskandidaten brechendvoll waren. Weitere Hilfen galten der Versorgung alter Priester, der Unterstützung kirchlicher Druckereien, dem Druck von Bibeln und anderer religiöser Bücher, der Einrichtung oder Sanierung von katholischen Krankenhäusern, der Förderung katechetischer Mittel u.v.m.

 

Als die kommunistischen Machthaber eine riesige Arbeiter-Trabantenstadt planten, Nowa Huta bei Krakau, eine ,,Stadt ohne Gott“, in der kein Platz für eine Kirche sein sollte, half „Kirche in Not“ auch hier. Kardinal Wojtyla gelang es, dem Regime 1967 eine Baugenehmigung für ein Gotteshaus abzuringen. Zwischen 1967 und 1977 wurde in Nowa Huta eine Kirche mit Hilfe von „Kirche in Not“ errichtet, die schließlich am 15. Mai 1977 der ,,Königin von Polen“ geweiht wurde. Diese Kirche gilt in Polen bis heute als Symbol des siegreichen Katholizismus gilt.

Karol Kardinal Wojtyła besichtigt den Bauplatz in Nowa Huta.

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